Grenzstreit zwischen den Nachbarn – Brasilien soll schlichten

Thema: Allgemein – Autor: Sascha Jöckel – 9. Juni 2015

Im eigentlich recht friedlichen Südamerika, seit langer Zeit von sinnlosen und blutigen Kriegen verschont, brodelt es plötzlich. Hintergrund: Venezuela und Guyana streiten sich um, man ahnt es schon, Bodenschätze in der Grenzregion, vor allem um Erdöl. Vor einigen Monaten entdeckten Wissenschaftler im westlichen Teil des kleinen Staates Guyana gewaltige Erdölreserven, ebenfalls unter den Küstengewässern. Venezuela fordert nun in unglaublich dreister Art und Weise, dass Guyana die westlichen Landesteile an Venezuela abtritt.

Dies ist nichts Neues, denn Venezuela beansprucht seit Jahrhunderten den Westteil Guyanas, der überwiegend aus Regenwäldern besteht. Was hat nun Brasilien damit zu tun? Eine ganze Menge! Denn die aufstrebende lateinamerikanische Supermacht grenzt selbst an Venezuela und Guyana und wünscht sich Ruhe in seiner Peripherie, um den Wirtschaftsaufschwung innerhalb Brasiliens weiter vorantreiben zu können. Die Regierung in Brasilia soll als Schlichter zwischen Caracas und Georgetown (Hauptstadt Guyanas) eingreifen, um eine Eskalation zu verhindern. Auch den USA wäre das nur allzu Recht, denn schon lange wünscht sich Washington eine aktivere politische Rolle Brasiliens in Mittel- und Südamerika.

Venezuelas Präsident Maduro gilt als unberechenbarer Autokrat

Einst waren Brasilien und Venezuela enge Partner im links-sozialistischen, anti-amerikanischen Lager. Doch seit dem Tod des charismatischen und chronisch korrupten Hugo Chavez hat sich die Situation verändert. Denn unter Präsidentin Roussef laufen die Geschäfte mit „Uncle Sam“ wie geschmiert und der neue venezolanische Präsident Nicolas Maduro gilt den Brasilianern mittlerweile als Störenfried im boomenden Südamerika. Kein Wunder, denn Venezuela steckt trotz des Ölreichtums in einer katastrophalen Wirtschaftskrise und gilt als „Kranker Mann Südamerikas“.

In Brasilien fürchtet man, dass Maduro mit seinen Territorialgelüsten in Guyana von inneren Problemen ablenken möchte. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass sich die brasilianische Regierung vor einigen Tagen unmissverständlich zur territorialen Integrität aller Länder des amerikanischen Kontinentes aussprach, ein klarer Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Maduro, die Provokationen in Richtung Guyana einzustellen. US-Präsident Obama, der mit vielerlei Problemen in Übersee schon genug beschäftigt ist, dürfte die offensive Botschaft Brasiliens gefallen haben.

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