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Azulejos

Azulejos sind die kunstvoll bemalten, glasierten Keramikfliesen, die Portugal einst nach Brasilien brachte und die bis heute Kirchen, Kolonialbauten und Hausfassaden schmücken. Vor allem in den Städten des Nordostens – Recife, Olinda, Salvador und ganz besonders São Luís – prägen die blau-weißen und mehrfarbigen Kacheln das historische Stadtbild und erzählen von der portugiesischen Vergangenheit des Landes.

Wasbemalte, zinnglasierte Keramikfliesen (portugiesisch „azulejo“)
HerkunftPortugal, mit maurisch-iberischen Wurzeln
Nach Brasilienab dem 17. Jahrhundert mit der Kolonisierung
HochburgenSão Luís (Maranhão), Recife, Olinda, Salvador
Typische MotiveBlau-Weiß-Malerei, Ornamente, biblische und höfische Szenen
FunktionSchmuck und Schutz der Fassaden vor Regen und Hitze
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Was sind Azulejos?

Azulejos sind bemalte und zinnglasierte Keramikfliesen, die vor allem für die Verkleidung von Wänden und Fassaden verwendet werden. Der Name leitet sich vom arabischen Wort „az-zulayj“ für polierten Stein ab und verweist auf die maurischen Wurzeln dieser Kunst, die über die Iberische Halbinsel nach Portugal und von dort in dessen Kolonien gelangte. Besonders bekannt ist die klassische Blau-Weiß-Malerei, doch es gibt Azulejos auch in kräftigen mehrfarbigen Mustern. Sie sind zugleich Kunstwerk und Baumaterial: Sie verschönern Gebäude und schützen die Mauern zugleich vor Regen, Feuchtigkeit und Hitze. In Brasilien sind sie ein sichtbares Erbe der portugiesischen Epoche und ein fester Bestandteil der brasilianischen Kultur.

Wie kamen die Azulejos nach Brasilien?

Die Azulejos kamen mit der portugiesischen Kolonisierung ins Land. Ab dem 17. Jahrhundert gelangten Fliesen, Techniken, Materialien und der ganze Geschmack aus Portugal nach Brasilien – im selben Prozess der kulturellen Übernahme, der auch andere Künste prägte. Anfangs wurden die Kacheln komplett aus Portugal importiert und schmückten zunächst Kirchen, Klöster und die Häuser der wohlhabenden Kolonialgesellschaft. Im Lauf des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Fliesenkunst in beiden Ländern zu hoher Blüte. In Brasilien fanden sich vor allem in Pernambuco und Bahia prächtige Kacheln mit mehrfarbigen Mustern, die wie Teppiche aus Keramik ganze Wände überzogen und von Bordüren eingerahmt wurden.

Welche Motive zeigen brasilianische Azulejos?

Das Spektrum reicht von schlichten geometrischen Mustern bis zu erzählenden Bildzyklen. Häufig sind die berühmten blau-weißen Szenen, die biblische Geschichten, Heiligenlegenden, höfische und alltägliche Motive oder Landschaften darstellen – solche figürlichen Fliesenbilder finden sich vor allem in Kirchen und Klöstern. Daneben gibt es die sogenannten Teppich-Azulejos („azulejo de tapete“): sich wiederholende Ornamentmuster, die als Flächen ganze Fassaden und Innenwände bekleiden. In Brasilien wurden neben glatten, bemalten Kacheln auch Techniken mit Prägung, Relief und Marmorierung verwendet. So entstand ein reiches Repertoire, das von strenger Symmetrie bis zu üppiger barocker Pracht reicht.

Warum ist São Luís die Azulejo-Hauptstadt?

Die Stadt São Luís im Bundesstaat Maranhão bewahrt die größte zusammenhängende Ansammlung von Azulejos aus dem 18. und 19. Jahrhundert in ganz Lateinamerika – ein Grund für die Aufnahme ihrer Altstadt in die UNESCO-Welterbeliste. In der Blütezeit Maranhãos, getragen von Baumwoll- und Reisexport, wurden Fliesen zum Symbol von Status und Vornehmheit. Ganze Straßenzüge sind mit Teppich- und einfarbigen Azulejos verkleidet, die die Fassaden zugleich vor dem intensiven Tropenregen der Region schützten. Wer die Fliesenkunst Brasiliens in geballter Form erleben will, findet in São Luís das eindrucksvollste Freilichtmuseum – ein lohnendes Ziel im Rahmen einer Brasilien-Rundreise durch den Nordosten.

Wo findet man Azulejos in Recife und Olinda?

Auch in Pernambuco sind die Kacheln allgegenwärtig. In Recife schmücken sie die restaurierten Kolonialbauten und Kirchen der Altstadt Recife Antigo, etwa im Umfeld des Platzes Marco Zero. Das benachbarte Olinda, seit 1982 UNESCO-Welterbe, begeistert mit bunten Häusern, über zwanzig Barockkirchen und Klöstern, in denen sich prachtvolle Fliesenverkleidungen erhalten haben. Beide Städte lassen sich bequem an einem Tag verbinden und gehören zu den schönsten Kolonialensembles Brasiliens. Wer den Nordosten bereist, findet hier Azulejos in ihrem lebendigen historischen Umfeld – zwischen Barockfassaden, engen Gassen und dem Klang des Karnevals.

Und in Salvador da Bahia?

In Salvador da Bahia, der ersten Hauptstadt Brasiliens, zieren Azulejos die Kirchen und Klöster des historischen Zentrums Pelourinho, das ebenfalls zum UNESCO-Welterbe zählt. Berühmt sind die Fliesenzyklen in den prunkvollen Barockkirchen der Stadt, etwa im Kloster São Francisco mit seinen erzählenden blau-weißen Bildern aus Portugal. Bahia war neben Pernambuco eine der wichtigsten Regionen, in denen die aufwändigen Muster-Azulejos verbaut wurden. Der Besuch verbindet sich hervorragend mit den anderen kulturellen Schätzen der Stadt, von der afrobrasilianischen Capoeira bis zur berühmten Küche des Nordostens.

Warum lohnt sich ein Blick auf die Azulejos?

Die Azulejos sind mehr als Dekoration: Sie sind ein steingewordenes Kapitel brasilianischer Geschichte. In ihren Mustern und Bildern spiegeln sich der portugiesische Einfluss, der Wohlstand der Kolonialzeit und die kunsthandwerkliche Meisterschaft mehrerer Jahrhunderte. Für Reisende sind sie ein wunderbares fotografisches Motiv und ein roter Faden durch die historischen Altstädte des Nordostens. Wer die Kolonialstädte São Luís, Salvador, Recife und Olinda besucht, entdeckt die Fliesenkunst überall – und versteht dabei ein wichtiges Stück der brasilianischen Identität und ihrer europäischen Wurzeln.

Kolonialstädte und Fliesenkunst entdecken? Verbinden Sie São Luís, Salvador, Recife und Olinda zu einer Reise durch das historische Herz Nordost-Brasiliens.

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