Luis Suarez und die Heuchelei der FIFA

Thema: Allgemein • WM 2014 – Autor: Sascha Jöckel – 27. Juni 2014

„Ein solches Verhalten kann auf keinem Fußballplatz toleriert werden, erst recht nicht bei einer Weltmeisterschaft vor den Augen von Millionen von Menschen“,

so die offizielle Begründung der FIFA zur drakonischen und maßlosen Strafe (vier Monate und neun Pflicht-Länderspiele Sperre) gegen Uruguay´s Starstürmer Luis Suarez, den Viele als derzeit besten Fußballer der Welt sehen. Man kann zu Suarez und seinen Aktionen auf dem Platz stehen wie man will, doch das ausgerechnet die korruptionsgeplagte FIFA in der „Causa Suarez“ die Moralkeule schwingt, ist schon ein starkes Stück, das an Heuchelei kaum noch zu überbieten ist.

Die FIFA muss sich fragen, warum sie ausgerechnet Suarez so hart bestraft, während sie die eigenen Funktionäre, die nach allen Regeln der Kunst Vetternwirtschaft betreiben, schont und vor jeglicher Korruptions-Verfolgung schützt. Ist Suarez im Weg, weil er der FIFA nicht nach dem Mund redet und nicht zu den glattgebügelten Spielern der „Generation netter Schwiegersohn“ gehört, die nur sagen, was der FIFA „politisch korrekt“ erscheint? Es drängt sich der Verdacht auf, dass der mächtige Fußball-Weltverband wegen eines eher harmlosen Bisses gegen den ebenfalls nicht zimperlichen Italo-Verteidiger Chiellini (foulte Suarez 7-mal in 80 Minuten mit Füssen und Ellenbogen) ein Exempel an Suarez statuieren wollte, um zum einen die dumpfbackige „Shitstorm-Gemeinde“ ruhigzustellen und zum anderen von den eigenen Fehlern und Mißständen innerhalb der FIFA abzulenken.

Putin, der Katar, und die „Moral der FIFA“

Sepp Blatter´s FIFA, sie ist eine zwielichtige Organisation. Während einerseits keine Gelegenheit ausgelassen wird, die Moralkeule zu schwingen, gegen echten und vermeintlichen Rassismus vorzugehen und das „Wir haben uns alle lieb“-Lied anzustimmen, werden auf der anderen Seite Entscheidungen getroffen, mit denen sich die FIFA selbst moralisch ad absurdum führt. Das Russlands noch aktiver Präsident Putin rund um die Jahrtausendwende den schlimmsten Völkermord in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg anzettelte (250.000 tschetschenische Zivilisten von der russischen Armee ermordet), hinderte die scheinheiligen Moral-Apostel der FIFA freilich nicht daran, die WM 2018 an das diktatorische, imperialistische und ebenfalls chronisch korrupte Riesenreich im Osten zu vergeben. Nicht viel besser sieht es mit der WM 2022 im Wüstenstaat Katar aus, wo Frauen in ländlichen Gegenden noch immer gegen Esel eingetauscht werden, kein Auto fahren dürfen und nicht ohne Vollverschleierung auf die Straße gehen können. Dazu die Skandale um die Arbeiter aus dem fernen Nepal, die von den selbstherrlichen Scheichs wie Dreck behandelt werden und schon zu Hunderten auf den Stadion-Baustellen in den Tod stürzten. Der Katar – de facto ein islamistisches Schreckensregime im Gewand einer glitzernden und steinreichen „Petrodollar-Demokratie“.

Die FIFA und die Moral – Im Fall von Luis Suarez hat sich die ganze „Doppelmoral der Moral“ wieder einmal in ihrer vollen Pracht entfaltet. Eine Organisation wie die FIFA, die aus einer Überreaktion des zuvor dauer-gefoulten Suarez einen globalen Skandal kreiert, aber Weltmeisterschaften an Völkermörder und Frauenschinder vergibt, hat jedes Recht verloren, einen Mann wie Suarez moralisch zu verurteilen, der sich vom bettelarmen Straßenjungen zum Millionär hochgearbeitet hat. Und zwar nicht, wie viele FIFA-Funktionäre, durch Korruption und mafiöse Geschäfte, sondern durch Schweiß und Fleiß.

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