Proteste in Brasilien nach tödlichem Polizeieinsatz

Thema: Allgemein – Autor: Sascha Jöckel – 8. April 2015

Nach dem Tod eines zehnjährigen Jungen bei einem Polizeieinsatz in einer Favela der brasilianischen Großstadt Rio de Janeiro will der Gouverneur des Bundesstaates Rio nun mehr Polizeikräfte in die Armutsviertel entsenden. Luiz Fernando Pezao erklärte gegenüber dem Fernsehsender Globo, der Stadtteil Alemao werde „von Kriminellen gesäubert“. Gleichzeitig gehen die Proteste gegen die Polizeigewalt weiter. Die geplante Befriedung der zahlreichen Favelas steht im Zusammenhang mit den Olympischen Sommerspielen im kommenden Jahr. Pezao sagte, bei der Befriedung der Viertel seien diesmal keine Soldaten vorgesehen. Im Jahr 2010 hatten Armee und Polizei das Viertel gemeinsam für längere Zeit besetzt und Jagd auf echte und vermeintliche Kriminelle und Bandenmitglieder gemacht. Dutzende Aktivisten der Organisation Rio de Paz zogen am vergangenen Sonntag zur Copacabana und trugen als Symbol einen weißen Sarg im Sand zu Grabe.

Tödliche Gewalt in Brasilien an der Tagesordnung

Mit dieser Aktion wollten sie an die Tötung des zehnjährigen Eduardo de Jesus Ferreira bei einem Polizeieinsatz vergangene Woche erinnern. Der Junge starb nach Angaben der Polizei bei einem Schusswechsel mit Rauschgifthändlern, als er in das Kreuzfeuer geriet. Seine Eltern sprachen allerdings von gezielter Tötung durch die Beamten der Anti-Drogen-Polizei. Die Demonstranten hielten Schilder mit den Namen von 18 Kindern in den Händen, die von 2007 bis 2015 ebenfalls bei Schiessereien zwischen der Polizei und Drogenbanden in den Armutsvierteln von Rio ums Leben kamen. Der Gründer von Rio de Paz sprach von einem „Weckruf“ für die brasilianische Gesellschaft. Die Hauptursache für den Tod vieler junger Menschen sei die „Kluft zwischen Arm und Reich“ und die Korruption. Durch diese vervielfältige sich die Kriminalität im Land.

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