Brasilien.info
Startseite › Geschichte

Geschichte

Die Geschichte Brasiliens reicht von der portugiesischen Entdeckung 1500 über drei Jahrhunderte Kolonial- und Sklavereizeit bis zur Unabhängigkeit 1822 und zur heutigen Republik. Wer durch das Land reist, begegnet dieser Vergangenheit auf Schritt und Tritt – in den Barockkirchen von Ouro Preto, den bunten Gassen des Pelourinho in Salvador und den Kolonialstädten Olinda und Paraty.

Entdeckung1500 durch Pedro Álvares Cabral (Portugal)
Kolonialzeitca. 1500–1822, Zuckerrohr & Gold
Sklavereiüber 350 Jahre, abgeschafft 1888
Unabhängigkeit7. September 1822 (Dom Pedro I.)
Kaiserreich1822–1889 (Dom Pedro I. & II.)
Republikab 1889 bis heute

Wie wurde Brasilien entdeckt und kolonisiert?

Am 22. April 1500 landete der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral an der Küste des heutigen Bundesstaates Bahia und nahm das Land für die portugiesische Krone in Besitz. Der Name „Brasilien“ geht auf das rötliche Brasilholz (pau-brasil) zurück, den ersten begehrten Exportrohstoff. Anders als die spanischen Eroberer fanden die Portugiesen zunächst keine Edelmetalle, sondern setzten auf Landwirtschaft. Von der Küste aus entstanden über die Jahrhunderte Siedlungen, Häfen und Plantagen. Rund 300 Jahre lang blieb Brasilien portugiesische Kolonie – länger und prägender als jede andere Epoche seiner Geschichte. Wie sich das Land geografisch gliedert, zeigt unsere Seite zur Geografie Brasiliens.

Welche Rolle spielten Zuckerrohr, Sklaverei und Gold?

Die koloniale Wirtschaft ruhte auf zwei Säulen: Zuckerrohr und später Gold – beide untrennbar mit der Sklaverei verbunden. Bereits ab den 1530er-Jahren führten die Portugiesen Zuckerrohr ein, das sie zuvor auf Madeira und den Kapverden kultiviert hatten. Im tropischen Nordosten, vor allem in Bahia und Pernambuco, entstanden daraufhin riesige Zuckerrohrplantagen (engenhos), die Brasilien im 16. und 17. Jahrhundert zum größten Zuckerlieferanten Europas machten. Der Preis dafür war menschlich verheerend: Über 350 Jahre lang wurden Millionen Menschen aus Afrika verschleppt und zur Arbeit gezwungen. Brasilien war das Land, das mit Abstand die meisten versklavten Afrikaner erhielt – und es schaffte die Sklaverei als eines der letzten Länder der Welt ab, erst 1888.

Ende des 17. Jahrhunderts kam der Goldrausch hinzu. In den Bergen von Minas Gerais wurden über Jahrzehnte gewaltige Mengen Gold und Diamanten gefördert – zeitweise stammte ein Großteil der Weltproduktion von hier. Das Edelmetall wurde über die „Estrada Real“, die königliche Straße, durch das Bergland und den atlantischen Regenwald zum Hafen von Paraty und nach Rio geschafft und von dort nach Portugal verschifft. Der Reichtum finanzierte prächtige Barockkirchen und ganze Städte und verschob das wirtschaftliche Zentrum der Kolonie von Nordosten nach Süden; 1763 wurde Rio de Janeiro neue Hauptstadt. Die afrobrasilianische Kultur, die aus der Kolonialzeit erwuchs, prägt bis heute Musik, Religion und Küche des Landes – mehr dazu auf unserer Seite zur Kultur Brasiliens.

Wie wurde Brasilien 1822 unabhängig?

Als Napoleons Truppen 1807 Portugal bedrohten, floh der portugiesische Hof nach Rio de Janeiro – ein historischer Sonderfall: Erstmals regierte ein europäischer Monarch sein Reich von einer Kolonie aus. Rio wurde zur Hauptstadt aufgewertet. Nach der Rückkehr des Königs blieb dessen Sohn Dom Pedro als Regent zurück. Am 7. September 1822 erklärte er am Fluss Ipiranga bei São Paulo die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal und ließ sich als Dom Pedro I. zum Kaiser krönen. Anders als das spanische Amerika, das in viele Republiken zerfiel, blieb Brasilien als ein einziges großes Reich zusammen – ein Grund, warum das Land bis heute ein zusammenhängender Staat von kontinentaler Größe ist.

Vom Kaiserreich zur Republik – wie ging es weiter?

Auf Dom Pedro I. folgte 1840 sein Sohn Dom Pedro II., der Brasilien fast ein halbes Jahrhundert regierte und dem Land eine Phase relativer Stabilität, wirtschaftlichen Wachstums und kultureller Blüte bescherte. In seine Zeit fällt auch die endgültige Abschaffung der Sklaverei 1888. Nur ein Jahr später, 1889, wurde die Monarchie durch einen Militärputsch beseitigt und die Republik ausgerufen. Es folgten wechselvolle Jahrzehnte: Ein Kaffeeboom machte São Paulo reich und zog Millionen europäischer und japanischer Einwanderer an, die das Land bis heute mitprägen. Nach der Weltwirtschaftskrise regierte Getúlio Vargas das Land mit autoritärer Hand und trieb die Industrialisierung voran. 1960 wurde die eigens am Reißbrett geplante Hauptstadt Brasília mitten im Landesinneren eingeweiht, um die Erschließung des Hinterlands zu fördern. Von 1964 bis 1985 herrschte eine Militärdiktatur; danach kehrte Brasilien zur Demokratie zurück. Die heute gültige Verfassung von 1988 markiert diesen Neuanfang. Mehr zur heutigen Staatsform lesen Sie auf unserer Seite zu Wirtschaft & Politik.

Wo sieht man die Kolonialgeschichte heute noch?

An erstaunlich vielen Orten – und genau das macht sie zu Reisezielen. Ouro Preto in Minas Gerais, einst Zentrum des Goldrauschs, gilt als schönste Barockstadt Brasiliens und ist seit 1980 UNESCO-Welterbe: verwinkelte Kopfsteinpflastergassen, prunkvolle Kirchen und Werke des Bildhauers Aleijadinho, des „brasilianischen Michelangelo“. In Salvador da Bahia bewahrt das Pelourinho – ebenfalls Welterbe – pastellfarbene Kolonialhäuser und Barockkirchen und ist zugleich das pulsierende Herz der afrobrasilianischen Kultur. Olinda bei Recife verzaubert mit bunten Gassen auf grünen Hügeln, und das autofreie koloniale Paraty an der Küste zwischen Rio und São Paulo war einst der Hafen, über den das Gold von Minas nach Portugal verschifft wurde. Auch in Rio de Janeiro selbst, das über ein Jahrhundert Hauptstadt war, erinnern koloniale Kirchen und historische Viertel an die Vergangenheit. Wer diese Städte besucht, liest brasilianische Geschichte direkt an Fassaden, Kopfsteinpflaster und Kirchtürmen ab – oft begleitet von den Klängen der afrobrasilianischen Kultur, die aus derselben Epoche stammt.

Wie lässt sich Brasiliens Geschichte auf einer Reise erleben?

Historisch Interessierte kombinieren am besten mehrere Kolonialstädte mit den lebendigen Kulturzentren des Landes. Eine klassische Route führt von Salvador da Bahia mit dem Pelourinho über Olinda und Recife im Nordosten bis zu den Barockstädten von Minas Gerais rund um Belo Horizonte und Ouro Preto. Ergänzt um Rio de Janeiro, das koloniale Erbe und moderne Metropole vereint, entsteht so eine abwechslungsreiche Reise. Wie sich das mit Stränden, Natur und Metropolen zu einer sinnvollen Route verbinden lässt, zeigt unsere Rundreise-Planung.

Auf den Spuren der Geschichte? Barockstädte, Kolonialhäfen und afrobrasilianische Kultur – lassen Sie sich eine Route zu Brasiliens historischen Höhepunkten zusammenstellen.

Brasilien-Angebote ansehen