Brasilien.info
Startseite › Geschichte › Brasilien in der Kolonialzeit

Brasilien in der Kolonialzeit

Brasiliens Kolonialzeit begann 1500 mit der Landung des Portugiesen Pedro Álvares Cabral und prägte über drei Jahrhunderte Sprache, Religion, Bevölkerung und Wirtschaft des Landes. Zuckerrohr im Nordosten, der Goldrausch in Minas Gerais und die Verschleppung von Millionen Versklavten formten ein Land, dessen koloniales Erbe bis heute in Städten wie Salvador und Ouro Preto sichtbar ist.

Wer Brasilien verstehen will, muss bei seiner Kolonialgeschichte beginnen. Fast 322 Jahre lang – von 1500 bis zur Unabhängigkeit 1822 – war das riesige Territorium eine Kolonie Portugals. In dieser Zeit entstanden die ersten Städte, die portugiesische Sprache setzte sich durch, der Katholizismus wurde zur prägenden Religion, und aus dem Zusammentreffen von Indigenen, Portugiesen und verschleppten Afrikanern formte sich die einzigartige brasilianische Gesellschaft. Diese Epoche legte das Fundament für alles, was das Land heute ausmacht – bis hin zu den kolonialen Altstädten, die zu den schönsten Reisezielen zählen.

Beginn22. April 1500 – Landung von Pedro Álvares Cabral
KolonialmachtKönigreich Portugal (1500–1822)
Erste HauptstadtSalvador da Bahia (1549–1763)
WirtschaftszyklenBrasilholz → Zuckerrohr → Gold & Diamanten
Namensgeber„Pau-Brasil“ (Brasilholz), ein roter Farbstoff-Baum
Koloniales Erbe heutePelourinho (Salvador), Ouro Preto, Olinda – UNESCO-Welterbe

Wie kam Brasilien unter portugiesische Herrschaft?

Am 22. April 1500 erreichte eine portugiesische Flotte unter Pedro Álvares Cabral auf dem Weg nach Indien die Küste des heutigen Bundesstaates Bahia. Portugal nahm das Land offiziell in Besitz, doch der Anspruch war bereits sechs Jahre zuvor abgesichert worden: Im Vertrag von Tordesillas (1494) hatten Spanien und Portugal die neu zu entdeckende Welt entlang einer Linie im Atlantik unter sich aufgeteilt – und der östliche Teil Südamerikas fiel Portugal zu. Anfangs interessierte sich die Krone kaum für die Kolonie; man beschränkte sich auf den Handel mit Brasilholz, aus dem ein begehrter roter Farbstoff gewonnen wurde und der dem Land seinen Namen gab. Erst als französische Schmuggler die Küste bedrohten, begann Portugal ab 1530 mit der systematischen Besiedlung.

Was waren die Kapitanien und wie wurde die Kolonie verwaltet?

Zur Erschließung des riesigen Gebiets teilte die Krone das Land ab 1534 in fünfzehn erbliche Kapitanien (capitanias hereditárias) auf – langgestreckte Küstenstreifen, die an adlige Statthalter vergeben wurden. Die meisten scheiterten an Geldmangel, indigenem Widerstand und Isolation; nur Pernambuco und São Vicente florierten. 1549 zog Portugal die Verwaltung zentraler an sich und setzte einen Generalgouverneur ein, dessen Sitz Salvador da Bahia wurde – die erste Hauptstadt Brasiliens. Mit ihm kamen die Jesuiten ins Land, die Missionsdörfer gründeten, die indigene Bevölkerung zum Christentum bekehrten und zugleich vor der Versklavung durch Kolonisten zu schützen versuchten. Diese Verwaltungsstruktur prägte die räumliche Entwicklung des Landes über Jahrhunderte.

Warum war Zuckerrohr so wichtig für die Kolonie?

Der erste große Wirtschaftsmotor Brasiliens war der Zucker. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden im feuchtheißen Nordosten – vor allem in Pernambuco und Bahia – riesige Zuckerrohrplantagen mit angeschlossenen Mühlen, den sogenannten engenhos. Brasilien wurde zum größten Zuckerproduzenten der Welt, und der Reichtum der Plantagenbesitzer ließ prächtige Kirchen und Herrenhäuser entstehen. Diese Wirtschaft war jedoch vollständig auf Zwangsarbeit gebaut: Als die indigene Bevölkerung durch Krankheiten und Widerstand als Arbeitskräfte ausfiel, begann Portugal, systematisch versklavte Menschen aus Afrika zu verschleppen. Damit legte der Zuckerzyklus den Grundstein für die Sklaverei, die Brasiliens Geschichte tief prägen sollte – ein Thema, das der Bereich afro-brasilianisches Erbe vertieft.

Was löste den Goldrausch in Minas Gerais aus?

Ende des 17. Jahrhunderts entdeckten Pioniere, die sogenannten bandeirantes, im Landesinneren gewaltige Goldvorkommen. Der darauf folgende Goldrausch (um 1695–1760) verlagerte das wirtschaftliche und demografische Zentrum vom Nordosten nach Süden, in die Region Minas Gerais („Allgemeine Minen“). Zehntausende strömten ins Bergland, neue Städte wie Ouro Preto, Mariana und São João del-Rei entstanden fast über Nacht und wurden zu Zentren einer prachtvollen kolonialen Barockkunst. Der Bildhauer Aleijadinho schuf hier Meisterwerke, die heute zum UNESCO-Welterbe zählen. Weil der Süden nun das Herz der Kolonie war, verlegte die Krone 1763 die Hauptstadt von Salvador nach Rio de Janeiro – ein Wendepunkt, der die spätere Bedeutung von Rio de Janeiro begründete.

Welche Rolle spielten die Indigenen in der Kolonialzeit?

Als die Portugiesen ankamen, lebten Millionen Indigene in Brasilien – Tupí, Guaraní und viele weitere Völker. Die Kolonisierung war für sie eine Katastrophe: Eingeschleppte Krankheiten wie Pocken und Masern, gegen die sie keine Abwehrkräfte besaßen, rafften ganze Gemeinschaften dahin, während andere versklavt oder in Missionsdörfer gedrängt wurden. Zugleich hinterließen die indigenen Kulturen tiefe Spuren – in der Ernährung (Maniok, Mais, Açaí), in Ortsnamen, in Wörtern der brasilianischen Sprache und im Wissen über den Regenwald. Nachfahren dieser Völker leben bis heute vor allem im Amazonasgebiet. Die Auseinandersetzung mit diesem Erbe ist ein wichtiger Teil der brasilianischen Identität.

Wo kann ich das koloniale Erbe heute erleben?

Brasiliens Kolonialgeschichte ist ein Reiseerlebnis für sich. Im Pelourinho, der Altstadt von Salvador da Bahia, reihen sich pastellfarbene Barockhäuser und vergoldete Kirchen – Salvador war das Herz der Zuckerkolonie und ist heute ein Zentrum afro-brasilianischer Kultur. Ouro Preto in Minas Gerais gilt als das am besten erhaltene Barockstädtchen Lateinamerikas, mit steilen Kopfsteinpflastergassen und den Werken Aleijadinhos. Olinda bei Recife und die historischen Zentren von São Luís und Paraty vervollständigen das Bild. Alle diese Orte stehen unter UNESCO-Schutz und verbinden Geschichte mit lebendiger Gegenwart.

Wie endete die Kolonialzeit?

Das Ende kam über einen ungewöhnlichen Weg: Als Napoleons Truppen 1807 Portugal besetzten, floh der gesamte portugiesische Hof nach Rio de Janeiro, das damit zur einzigen europäischen Hauptstadt außerhalb Europas wurde. Rio erlebte einen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung, Häfen wurden geöffnet, Institutionen gegründet. 1815 wurde Brasilien sogar zum gleichberechtigten Königreich erhoben. Als der König nach Portugal zurückkehrte und sein Sohn Dom Pedro die Kolonie wieder untergeordnet sehen sollte, erklärte dieser am 7. September 1822 die Unabhängigkeit – der Übergang in eine neue Epoche, den der Bereich Kaiserreich und Republik ausführlich beschreibt. Einen Überblick über alle Epochen bietet der Geschichts-Bereich.

Kolonialstädte und Barock hautnah erleben? Salvador, Ouro Preto und Olinda lassen sich ideal mit einer Rundreise verbinden – entdecken Sie passende Brasilien-Angebote.

Brasilien-Angebote ansehen