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Indigene Völker Brasiliens – Zahlen, Gebiete und Besuche

Beim Zensus 2022 zählte das Statistikamt IBGE 1.693.535 Indigene in Brasilien, das sind 0,83 Prozent der Bevölkerung. Die meisten leben im Norden und Nordosten, die größte Zahl im Bundesstaat Amazonas. Fast zwei Drittel wohnen außerhalb der 573 Terras Indígenas. Besucher brauchen für Terras Indígenas ein von der Gemeinschaft vorgeschlagenes und von der Funai genehmigtes Besuchsprogramm.

Wenn von Indigenen in Brasilien die Rede ist, denken viele an den Amazonas-Regenwald. Der Zensus zeichnet ein breiteres Bild: Indigene leben in Dörfern am Fluss, in Städten wie Manaus und São Paulo, im Nordosten und im Süden. Diese Seite fasst die Ergebnisse des Zensus 2022 zusammen, erklärt, was eine Terra Indígena ist, nennt die Sprachen und Völker und beschreibt, wie Reisende Besuche in indigenen Gemeinschaften regelkonform vorbereiten. Die Seite Bevölkerung zeigt, wie sich die Indigenen in die Gesamtbevölkerung einfügen.

Der geschichtliche Rahmen steht auf der Seite Kolonialzeit, die Landschaft des Nordens beschreibt Amazonas.

Indigene Bevölkerung 20221.693.535 Personen, 0,83 % der Bevölkerung
Zum Vergleich 2010896.917 Personen; Zuwachs 88,8 %, überwiegend durch geänderte Erhebung
Größte Zahl nach RegionNorden 753.357, Nordosten 528.800, Mittlerer Westen 199.912
Bundesstaaten mit den meistenAmazonas 490.854, Bahia 229.103, Mato Grosso do Sul 116.346
Terras Indígenas573 (Stand 31. Juli 2022); dort leben 622.066 Indigene (36,73 %)
Völker und Sprachen391 Völker oder Gruppen, 295 indigene Sprachen
ZuständigFunai (Fundação Nacional dos Povos Indígenas), Ministerium für indigene Völker

Wie viele Indigene leben in Brasilien?

Das IBGE zählte beim Zensus 2022 insgesamt 1.693.535 Indigene. Das entspricht 0,83 Prozent der Einwohner. Beim Zensus 2010 waren es 896.917, der Zuwachs beträgt 88,8 Prozent. Dieser Anstieg erklärt sich überwiegend durch Änderungen im Verfahren: Die Methode wurde 2022 erweitert, um Indigene besser zu erfassen. Maßgeblich ist die Selbstzuordnung: Als indigen gilt, wer sich so versteht, ob er innerhalb oder außerhalb einer indigenen Landfläche lebt. Die Ergebnisse stellte das IBGE am 7. August 2023 in Belém vor, unter Beteiligung der Funai und der Ministerinnen für indigene Völker und für Planung. Die vorläufige Zählung hatte 1.652.876 Personen ergeben; die endgültige Auswertung lag um rund 40.000 darüber. Der Zensus erfasste alle Haushalte in 5.570 Gemeinden.

Indigene leben in 4.832 Gemeinden, das sind 86,7 Prozent aller Gemeinden Brasiliens. In 3.229 Gemeinden stieg ihre Zahl gegenüber 2010, in 611 blieb sie stabil, in 1.730 sank sie. Mehr als die Hälfte der indigenen Bevölkerung, nämlich 51,2 Prozent, wohnt in der Amazônia Legal, dem rechtlich abgegrenzten Amazonasgebiet.

Wo leben die meisten Indigenen?

Im Norden wohnen 44,48 Prozent der Indigenen (753.357 Personen), im Nordosten 31,22 Prozent (528.800). Zusammen sind das 75,71 Prozent. Im Mittleren Westen leben 199.912, im Südosten 123.369 und im Süden 88.097. Die meisten Indigenen zählt der Bundesstaat Amazonas mit 490.854 Personen, gefolgt von Bahia mit 229.103, Mato Grosso do Sul mit 116.346, Pernambuco mit 106.634 und Roraima mit 97.320. Diese fünf Staaten vereinen 61,43 Prozent der indigenen Bevölkerung; allein Amazonas und Bahia stellen zusammen 42,51 Prozent.

Gemessen an der Einwohnerzahl des jeweiligen Staates ist der Anteil in Roraima am höchsten: 15,29 Prozent der Menschen dort sind indigen, in Amazonas 12,45 Prozent, in Mato Grosso do Sul 4,22 Prozent und in Acre 3,82 Prozent. Unter den Städten zählen Manaus 71.700, São Gabriel da Cachoeira 48.300 und Tabatinga 34.500 Indigene; alle drei liegen im Bundesstaat Amazonas. Die Landeshauptstadt Manaus hat damit unter allen Städten die meisten Indigenen.

Was ist eine Terra Indígena?

Eine Terra Indígena (TI) ist ein Gebiet, das für indigene Völker rechtlich abgegrenzt ist. Zum 31. Juli 2022 gab es bundesweit 573 solcher Flächen, die erklärt, homologiert oder regularisiert sind; 2010 waren es 505. In ihnen leben 622.066 Indigene, das sind 36,73 Prozent; 63,27 Prozent, also rund 1,1 Millionen, wohnen außerhalb. Drei Bundesstaaten beherbergen 46,46 Prozent der Bewohner von Terras Indígenas: Amazonas mit 149.000, Roraima mit 71.400 und Mato Grosso do Sul mit 68.500 Menschen.

Die größten Flächen nach indigener Bevölkerung sind die TI Yanomami in Amazonas und Roraima mit 27.152 Einwohnern, Raposa Serra do Sol in Roraima mit 26.176, Évare I in Amazonas mit 20.177 und Alto Rio Negro mit 18.042. In der TI Yanomami sind 99,82 Prozent der Einwohner Indigene, in Raposa Serra do Sol 99,23 Prozent.

Wie viele Völker und Sprachen gibt es?

Der Zensus 2022 erfasste 391 indigene Völker, Ethnien oder Gruppen, gegenüber 305 im Jahr 2010. Er identifizierte 295 indigene Sprachen, 2010 waren es 274. Es gibt 474.856 Sprecher ab zwei Jahren. Die am häufigsten gesprochenen Sprachen sind Tikúna mit 51.978 Sprechern, Guarani Kaiowá mit 38.658 und Guajajara mit 29.212. Die größten Völker sind die Tikúna mit 74.061 Personen, die Kokama mit 64.327 und die Makuxí mit 53.446.

Innerhalb von Terras Indígenas wurden 335 Völker erfasst (2010: 250), außerhalb 373 (2010: 300). Die Zahlen beruhen auf Selbstangaben, und 2022 konnten zum ersten Mal zwei Zugehörigkeiten genannt werden. 74,51 Prozent der Indigenen gaben ihr Volk an. Die meisten Gruppen wurden in São Paulo erfasst (271), gefolgt von Amazonas (259) und Bahia (233); das zeigt, wie viele Indigene in Großstädten leben. Weitere Informationen zur Sprachensituation Brasiliens bietet Sprache.

Wie unterschiedlich leben die Völker?

Die Zahlen zeigen große Unterschiede zwischen den Völkern. Von den 29 größten Gruppen mit mehr als 10.000 Angehörigen wohnen die Yanomami zu 94,34 Prozent in Terras Indígenas, die Guajajara zu 80,28 Prozent und die Xavante zu 79,5 Prozent; bei den Pankará sind es nur 0,13 Prozent. 21 Gruppen haben weniger als 15 Angehörige, 75 Ethnien wurden 2022 erstmals angegeben, und 1,43 Prozent der Indigenen nannten zwei Zugehörigkeiten.

Die Städte mit den meisten genannten Gruppen sind São Paulo (194), Manaus (186), Rio de Janeiro (176), Brasília (167) und Salvador (142), gefolgt von Campinas (96), Santarém (87) und Iranduba (77). Viele Völker sind damit nicht nur in ihren Gebieten, sondern auch in den Großstädten vertreten.

Wie leben Indigene heute?

Die Zahlen des IBGE zeigen Fortschritte und Lücken. 84,9 Prozent der indigenen Menschen ab 15 Jahren konnten 2022 lesen und schreiben; der Wert für das ganze Land lag bei 93,0 Prozent. Bei der Geburtenregistrierung sind 94,09 Prozent der indigenen Kinder bis fünf Jahre registriert, landesweit 99,49 Prozent. Die Wasser- und Abwasserversorgung ist ein Problem: 69,1 Prozent der Indigenen in Privathaushalten lebten mit mindestens einem Mangel bei Wasser, Abwasser oder Müllentsorgung, in Terras Indígenas waren es 95,6 Prozent. Das Ministerium für indigene Völker fördert gemeinsam mit dem Bildungsministerium zweisprachigen Unterricht, damit Kinder in Portugiesisch und in der Muttersprache lesen lernen.

Für Reisende bedeutet das: Besuche in Gemeinden sind keine Selbstverständlichkeit, die Gemeinden entscheiden selbst, ob und wie sie Gäste empfangen.

Wie besucht man indigene Gemeinschaften?

Es gibt keine allgemeine Eintrittsgenehmigung für Touristen. Besuche in einer Terra Indígena sind nur als Ethno- oder Ökotourismus möglich, auf Grundlage eines Besuchsplans (Plano de Visitação), den die indigenen Gemeinschaften oder ihre Organisationen bei der Funai einreichen. Das Verfahren folgt der Instrução Normativa Nr. 3/2015, veröffentlicht am 12. Juni 2015. Der Plan enthält Ziele, Route, Zielgruppe, die höchste Zahl von Personen pro Besuch und die Häufigkeit. Die Initiative geht also von den Gemeinden aus, nicht von Reiseveranstaltern.

Seit November 2025 gibt es drei Siegel der Funai: Turismo Indígena, Ecoturismo Indígena und Etnoturismo Indígena de Base Comunitária. Sie zeigen, dass eine Initiative das Verfahren vollständig durchlaufen hat und der Plan genehmigt ist; Initiativen ohne Genehmigung oder mit abgelaufener Genehmigung dürfen das Siegel nicht führen. Die Funai hat die Siegel am 19. November 2025 während der Klimakonferenz COP30 in Belém vorgestellt. Wo eine Terra Indígena mit einem staatlichen Schutzgebiet überlappt, gilt die gemeinsame Anweisung Nr. 1 von ICMBio und Funai vom 18. Juli 2025.

Für Forschung gelten eigene Regeln: Die Funai verlangt unter anderem ein ärztliches Zeugnis, einen vollständigen Impfnachweis und die Zustimmung der Gemeinde, die Bearbeitung dauert mindestens 90 Tage. Fragen Sie bei der Buchung eines Programms nach dem Siegel oder der Genehmigung. Hinweise zur Einreise stehen unter Einreise.

Wer vertritt die Indigenen politisch?

Ein eigenes Ministerium für indigene Völker ist für die Politik zuständig. Bei der Vorstellung der Zensusdaten 2023 sprach Ministerin Sonia Guajajara von einem Zuwachs von 88 Prozent in 13 Jahren. Das Ministerium arbeitet mit der Funai und anderen Ressorts zusammen. Zu seinen Projekten gehört „Indígena Cidadão, Fronteira Cidadã“ mit 80 Millionen Reais aus dem Mercosur-Fonds Focem; vorgesehen sind Wasserversorgungssysteme, die 98.402 Indigenen Zugang zu Trinkwasser eröffnen.

Häufige Fragen zu den indigenen Völkern Brasiliens

Wie viele Indigene gibt es in Brasilien?

Der Zensus 2022 zählte 1.693.535 Personen, das sind 0,83 Prozent der Bevölkerung.

Wo leben die meisten?

Im Bundesstaat Amazonas (490.854), gefolgt von Bahia (229.103) und Mato Grosso do Sul (116.346). Nach Regionen führt der Norden mit 44,48 Prozent.

Wie viele Sprachen gibt es?

295 indigene Sprachen, 2010 waren es 274. Die meisten Sprecher haben Tikúna, Guarani Kaiowá und Guajajara.

Leben alle Indigenen in Terras Indígenas?

Nein. Nur 36,73 Prozent wohnen in einer der 573 Terras Indígenas, 63,27 Prozent außerhalb.

Kann ich als Tourist ein indigenes Dorf besuchen?

Nur im Rahmen eines genehmigten Besuchsplans, den die Gemeinde bei der Funai einreicht. Die Siegel für indigenen Tourismus zeigen, dass das Verfahren abgeschlossen ist.

Warum stieg die Zahl seit 2010 so stark?

Überwiegend wegen der erweiterten Erhebungsmethode von 2022, die Indigene besser erfasst.

Passend dazu: Nationalpark Monte Pascoal, Nationalpark Descobrimento, Nationalpark Pico da Neblina, Nationalpark Monte Roraima, Nationalpark Araguaia, Nationalpark Montanhas do Tumucumaque, Nationalpark Pacaás Novos, Nationalpark Cabo Orange, Nationalpark Amazônia, Raso da Catarina, Floresta Nacional de Caxiuanã, Reserva Extrativista Chico Mendes.

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