Der Parque Nacional de Anavilhanas im Bundesstaat Amazonas schützt einen Flussarchipel im Rio Negro mit mehr als 400 Inseln auf 350.469,8 Hektar. Er gehört zum UNESCO-Welterbe Amazônia Central. Besucher gelangen meist über Novo Airão in den Park; im Mittelpunkt stehen Bootsfahrten, überflutete Wälder und die rosa Flussdelfine.
Anavilhanas liegt rund 40 Kilometer flussaufwärts von Manaus im Rio Negro und gilt als zweitgrößter Flussarchipel der Welt. Zwischen den Inseln verlaufen schmale Kanäle, Seen und Wasserarme, und je nach Wasserstand verändert sich das Bild: Im Hochwasser stehen Wälder unter Wasser, im Niedrigwasser tauchen Sandstrände auf. Der Park ist damit ein guter Ort, um den Rhythmus der Amazonas-Jahreszeiten zu erleben.
Diese Seite erklärt, wie der Park aufgebaut ist, wie Sie hinkommen, welche Regeln für Besucher und Delfine gelten und wann welche Landschaft zu sehen ist. Einen Überblick über die Region bietet die Seite Amazonas, über die Hauptstadt der Region die Seite Manaus.
| Lage | Rio Negro, Bundesstaat Amazonas; Gemeinden Novo Airão und Manaus |
| Fläche | 350.469,8 Hektar |
| Inseln | mehr als 400, auf rund 130 km Länge und im Mittel etwa 20 km Breite |
| Gründung | Dekret vom 2. Juni 1981 als Ökologische Station; Nationalpark seit der Lei 11.799 vom 29. Oktober 2008 |
| Eintritt | kein Ticket, keine Zugangsgenehmigung für den Park |
| Hochwasser | März bis August: Bootsfahrten durch überflutete Wälder |
| Niedrigwasser | Strände auf den Inseln, etwa September bis Februar |
| Anreise | über Novo Airão, rund zweieinhalb Stunden per Auto ab Manaus |
- Was schützt der Nationalpark Anavilhanas?
- Wie verändert sich der Archipel mit dem Wasserstand?
- Warum wurde aus der Station ein Nationalpark?
- Welche Lebensräume und Tiere prägen den Park?
- Wie gehört Anavilhanas zum Welterbe?
- Wie kommen Sie nach Novo Airão und in den Park?
- Welche Attraktionen gibt es im Park?
- Welche Regeln gelten für die rosa Flussdelfine?
- Wann ist die beste Reisezeit für Anavilhanas?
- Wer lebt in und um den Park?
- Wie planen Sie einen Aufenthalt von zwei Tagen?
Was schützt der Nationalpark Anavilhanas?
Der Park wurde 1981 per Dekret Nr. 86.061 vom 2. Juni als Estação Ecológica geschaffen. Eine Ökologische Station ist für Besucher gesperrt; weil der Archipel aber intensiv für Flusstransport und Ökotourismus genutzt wird, änderte der Gesetzgeber die Kategorie. Mit der Lei Nr. 11.799 vom 29. Oktober 2008 wurde die Station zum Nationalpark. Die Behörde ICMBio verwaltet ihn von Novo Airão aus. Der Managementplan wurde mit der Portaria Nr. 352 vom 19. Mai 2017 genehmigt.
Die Fläche beträgt 350.469,8 Hektar, davon macht der Flussteil mit den mehr als 400 Inseln rund 60 Prozent aus. Der Archipel zieht sich über etwa 130 Kilometer und wird bis zu 20 Kilometer breit. Der Park gehört zum Bioma Amazônia. Die ICMBio führt unter anderem Jaguar, Riesenotter, Großen Ameisenbär, Riesengürteltier, Amazonas-Seekuh, Rosa Flussdelfin und Margay als bedrohte Arten.
Wie verändert sich der Archipel mit dem Wasserstand?
Die Zahl von mehr als 400 Inseln ist ein Näherungswert, denn ein Teil der Inseln ist dauerhaft vorhanden und ein anderer nur zeitweise, je nachdem, wie hoch der Fluss steht. Der Rio Negro ist zugleich die wichtigste Verbindung zwischen Manaus und dem Nordwesten des Bundesstaats Amazonas, sodass auf dem Wasser nicht nur Ausflugsboote, sondern auch Frachtverkehr unterwegs ist. Im Hochwasser stehen die Wälder auf den Inseln im Wasser, im Niedrigwasser legen die Kanäle Sandbänke frei, und es entstehen neue Wasserwege. Wer Anavilhanas zweimal in verschiedenen Jahreszeiten besucht, sieht deshalb zwei sehr unterschiedliche Landschaften.
Warum wurde aus der Station ein Nationalpark?
Als Ökologische Station war der Archipel für Besucher gesperrt, obwohl seine Kanäle intensiv für den Flusstransport genutzt werden. Die Schifffahrt galt als notwendig, weil ein Ersatz durch Landverkehr weit höhere ökologische, soziale und wirtschaftliche Kosten verursacht hätte. Touristische Besuche hatten sich bereits etabliert. Untersagt war nur das Anlanden auf den Inseln der Station, nicht die Fahrt auf dem Fluss. Mit der Umwandlung in einen Nationalpark im Jahr 2008 sollten Ökotourismus, Umweltbildung und nachhaltige Entwicklung besser mit dem Schutz vereinbar werden.
Welche Lebensräume und Tiere prägen den Park?
Der Rio Negro mit seinem schwarzen, spiegelnden Wasser schwankt im Jahresverlauf stark im Pegel. Im Park finden sich Wälder auf festem Land, saisonal überflutete Várzea- und Igapó-Wälder, Igarapés genannte schattige Bäche, Seen im Inneren, schmale Kanäle und Paranás, die Flussabschnitte verbinden. Genannt werden Kaimane, Riesenotter und viele Vogelarten. Die rosa Flussdelfine sind das bekannteste Tier des Parks; zusammen mit den Stränden im Niedrigwasser und den Wegen durch den überfluteten Wald bilden sie die Hauptgründe für einen Besuch.
Wie gehört Anavilhanas zum Welterbe?
Anavilhanas ist Teil des Komplexes Amazônia Central. Die UNESCO hatte 2000 zunächst den Jaú-Nationalpark eingetragen und das Gebiet 2003 erweitert, sodass es heute auch Anavilhanas sowie die Reservate Amanã und Mamirauá umfasst; das Tourismusministerium nennt für den gesamten Komplex mehr als sechs Millionen Hektar Wald. Dadurch gilt der Park als Patrimônio Natural da Humanidade.
Wie kommen Sie nach Novo Airão und in den Park?
Haupteinstieg ist Novo Airão, der Sitz des Parks. Von Manaus fahren Sie über die Brücke über den Rio Negro auf die AM-070, nach rund 86 Kilometern zweigt die AM-352 ab, von dort sind es weitere 98 Kilometer bis Novo Airão. Mit dem Auto dauert die Fahrt rund zweieinhalb Stunden; ein Wasserflugzeug aus Manaus braucht etwa 50 Minuten. Regionalboote fahren ebenfalls von Manaus, die Fahrt dauert viel länger, und die Abfahrtstage und -zeiten wechseln, deshalb sollten Sie sie vorab bestätigen. Hinweise zu Flügen, Bussen und Mietwagen stehen auf der Seite Fortbewegung.
Für den Park selbst benötigen Sie weder ein Ticket noch eine Zugangsgenehmigung. Die Infrastruktur ist minimal: Es gibt keine Imbisse, Restaurants oder Toiletten und keinen Kommunikationsdienst außer den Funkgeräten der ICMBio auf den Wachstationen. Nehmen Sie deshalb Wasser, Verpflegung und Sonnenschutz mit.
Welche Attraktionen gibt es im Park?
Die meisten Ziele erreichen Sie nur per Boot. Ausnahmen sind der Flutuante dos Botos und die Strände der Uferpromenade von Novo Airão. Zu den Hauptangeboten gehören:
- Bootsfahrten: sie dauern von etwa einer Stunde bis zu mehreren Tagen und führen durch Kanäle, Seen und Wasserarme.
- Wasserwege durch den Igapó: im Hochwasser fahren Boote in die überfluteten Wälder hinein.
- Strände: im Niedrigwasser erscheinen weiße Sandstrände zwischen den Inseln.
- Landweg an der Base 2: ein leichter, aber nicht beschilderter Pfad; der Besuch muss vorher bei der ICMBio angemeldet werden, es dürfen höchstens acht Besucher gleichzeitig hinein, und ein Begleiter wird empfohlen.
- Rosa Flussdelfine: die Begegnung mit den Botos am Flutuante gilt als Hauptattraktion.
Für Ausflüge gibt es in Novo Airão zwei Vereinigungen von Bootsführern sowie Reiseunternehmen. Wählen Sie Führer und Anbieter, die im Park registriert sind; die Registrierung belegt, dass sie die Vorgaben des Parks erfüllen, sie ist aber keine Garantie für die Qualität. Übernachten ist an mehreren Stellen erlaubt, es gelten dort jeweils eigene Regeln.
Welche Regeln gelten für die rosa Flussdelfine?
Die Portaria 47/2012 der ICMBio verbietet es, die Botos zu füttern. Schwimmen mit den Tieren ist nicht mehr erlaubt; Besucher dürfen sich nur passiv auf einer Plattform im Wasser aufhalten, und für Besucherzahl und Aufenthaltsdauer an den Plattformen gelten Grenzen. Seit 2010 arbeitet eine Arbeitsgruppe daran, die Begegnung mit den Delfinen für alle Beteiligten verträglich zu gestalten. Halten Sie sich an die Anweisungen der Führer und füttern Sie die Tiere nie.
Wann ist die beste Reisezeit für Anavilhanas?
Das hängt vom Wasserstand ab. Von März bis August steht der Rio Negro hoch; dann sind die Fahrten durch überflutete Wälder, die „Zauberwälder“ des Igapó, das Besondere. Im Niedrigwasser, das etwa von September bis Februar dauert, erscheinen die Strände. Beide Zeiten haben ihren Reiz, deshalb sollten Sie vor allem überlegen, ob Sie lieber im Wald auf dem Wasser unterwegs sein oder an Stränden baden wollen. Eine landesweite Übersicht bietet die Seite Beste Reisezeit.
Wer lebt in und um den Park?
In der Umgebung leben traditionelle Flussanwohner, die Ribeirinhos. Sie verdienen ihr Einkommen vor allem durch Tourismus und Kunsthandwerk; Novo Airão ist für sein Kunsthandwerk bekannt. Für die Gemeinden bedeutete die Umwandlung in einen Nationalpark im Jahr 2008, dass Tourismus und Schutz besser miteinander vereinbar sein sollten.
Wie planen Sie einen Aufenthalt von zwei Tagen?
Reisen Sie am ersten Tag von Manaus nach Novo Airão und buchen Sie bei einem registrierten Anbieter eine Bootsfahrt durch den Archipel. Am zweiten Tag folgt, je nach Jahreszeit, eine Fahrt durch den überfluteten Wald oder ein Strandtag, danach die Begegnung mit den Botos am Flutuante. Mehr Zeit brauchen Sie für Übernachtungen im Park oder für längere Touren. Übernachtungsformen im Land erklärt die Seite Hotels in Brasilien.
Häufige Fragen zu Anavilhanas
Wie viele Inseln hat der Archipel?
Mehr als 400, verteilt auf rund 130 Kilometer Länge und im Mittel etwa 20 Kilometer Breite.
Wie groß ist der Nationalpark?
350.469,8 Hektar, davon rund 60 Prozent Flussfläche.
Brauchen Sie ein Ticket?
Nein, für den Park gibt es weder Eintritt noch eine Zugangsgenehmigung. Für einzelne Pfade wie die Base 2 ist eine Anmeldung nötig.
Kann man mit den rosa Flussdelfinen schwimmen?
Nein. Besucher dürfen sich nur passiv auf einer Plattform aufhalten, und das Füttern ist verboten.
Wie kommen Sie nach Novo Airão?
Von Manaus über die AM-070 und die AM-352, rund zweieinhalb Stunden mit dem Auto. Ein Wasserflugzeug braucht etwa 50 Minuten. Der Park selbst ist ohne Ticket zugänglich.
Wo liegt der Archipel genau?
Im Rio Negro, rund 40 Kilometer flussaufwärts von Manaus. Der Park gehört zu den Gemeinden Novo Airão und Manaus.
Welche Tiere gibt es?
Rosa Flussdelfine, Kaimane, Riesenotter und zahlreiche Vogelarten; Jaguar und Seekuh zählen zu den bedrohten Arten des Parks.
Wann sehen Sie überflutete Wälder?
Im Hochwasser, etwa von März bis August. Die Strände erscheinen im Niedrigwasser.
Passend dazu: Nationalpark Jaú, Nationalpark Pico da Neblina, Nationalpark Viruá, Nationalpark Amazônia, Reserva Biológica do Rio Trombetas, Estação Ecológica de Taiamã, Floresta Nacional do Tapajós.
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