Brasilien.info
Startseite › Natur › Estação Ecológica de Murici – Küstenregenwald in Alagoas

Estação Ecológica de Murici – Küstenregenwald in Alagoas

Die Estação Ecológica de Murici im Nordosten von Alagoas schützt Reste des Küstenregenwalds nördlich des Rio São Francisco. Das Dekret vom 28. Mai 2001 sicherte die Wälder, in denen Vögel wie der Limpa-folha-do-nordeste und die Choquinha-de-Alagoas leben, die man kaum anderswo findet, und eine eigene Lanzenotter, die nach dem Ort benannt wurde.

Zwischen den Zuckerrohrfeldern der Zona da Mata von Alagoas liegen Waldinseln auf den Ausläufern des Planalto da Borborema. Die Einheimischen nennen sie schlicht die Matas de Murici. Ihr Kern ist die Estação Ecológica de Murici, eine Schutzeinheit des ICMBio im Binnenland, rund 50 Kilometer von der Landeshauptstadt Maceió entfernt. Sie grenzt an die Bundesstraße BR-101 und liegt mitten in einem Landschaftsraum, dessen Wald über Jahrhunderte dem Zuckerrohr und der Weidewirtschaft weichen musste.

Für die Naturforschung ist dieser Wald von besonderem Wert: Er gehört zum Centro de Endemismo Pernambuco, dem am wenigsten bekannten Teil der Mata Atlântica. Verwandte Schutzgebiete der Region beschreiben die Seiten zur Reserva Biológica de Saltinho in Pernambuco und zur Reserva Biológica Guaribas in Paraíba.

EinheitEstação Ecológica de Murici (ESEC Murici), Bundesschutzgebiet des ICMBio
GründungDekret ohne Nummer vom 28. Mai 2001
KategorieEstação Ecológica, strenger Schutz (Proteção Integral)
LageNordosten von Alagoas, überwiegend in der Gemeinde Murici, östliche Ausläufer des Planalto da Borborema
EinbettungLiegt vollständig in der Umweltschutzzone APA de Murici und im Complexo Florestal de Murici
WaldFloresta Ombrófila Aberta der Submontana-Stufe mit Montana-Flecken, Übergang zum Trockenwald
FlüsseEinzugsgebiete von Rio Mundaú und Rio Camaragibe
BesonderheitImportant Bird Area der Mata Atlântica, Heimat endemischer Vögel, Schlangen und Frösche
PlanPlano de Manejo, genehmigt durch Portaria Nr. 351 vom 19. Mai 2017
Wo liegt Brasilien?
Brasilien auf einen Blick
Brasilien
Klima in Brasilien
15°20°25°30°35°JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDezLuft °CRegen mmØ 2015–2023 · Daten: Open-Meteo

Wie entstand die Estação Ecológica aus einem Bürgerbündnis?

Die Schutzarbeit begann nicht bei der Regierung, sondern bei Vogelkundlern. Im Jahr 2000 gab BirdLife International gemeinsam mit der Sociedade Nordestina de Ecologia einen schnellen Bericht über die Wälder der Region in Auftrag. Er erfasste die größten Waldfragmente und die bisherigen Schutzversuche und lieferte die Grundlage für den Vorschlag der Umweltbehörde IBAMA, eine Estação Ecológica einzurichten. Dem Dekret ging eine breite politische Mobilisierung voraus, an der Naturschutzverbände, das Umweltministerium, das Netzwerk der Mata-Atlântica-Organisationen und der Nationalrat des Biosphärenreservats der Mata Atlântica beteiligt waren.

Am 28. Mai 2001 unterzeichnete der Präsident das Dekret. Der Name stammt vom Ort: Ein großer Teil der Waldreste liegt in der Gemeinde Murici, und die Region spricht schlicht von den Matas de Murici. 2005 schlossen acht Institutionen den Pacto Murici, darunter WWF-Brasil, The Nature Conservancy, Conservation International, die Stiftung SOS Mata Atlântica und die Vogelschutzorganisation SAVE Brasil. Sie gründeten die Organisation AMANE, die den Schutz im Gelände vorantreibt. Die Estação liegt ganz in der Umweltschutzzone APA de Murici, die das Land Alagoas 1997 per Gesetz schuf; zusammen mit privaten Schutzgebieten bildet sie den Complexo Florestal de Murici.

Wo liegt die Estação und wie ist das Land gebaut?

Die Einheit liegt im Nordosten von Alagoas auf den östlichen Ausläufern des Planalto da Borborema. Der größte Teil liegt in der Gemeinde Murici. Das Relief gliedert sich in die Depressão Periférica, ein von Erosion ausgeräumtes Becken zwischen den Küstentafelbergen und dem kristallinen Gebirgsrand, und die Mares de Morros, ein Meer aus runden, tief zerschnittenen Hügeln über Granit und Gneis. Die Estação selbst gehört zu den Superfícies Retrabalhadas, überarbeiteten Hügelflächen. Alagoas ist überwiegend Tiefland; die Höhen über 800 Metern bleiben einzelnen Gebirgszügen im Landesinneren vorbehalten.

Das Klima ist tropisch heiß und halbfeucht, mit vier bis fünf trockenen Monaten. Die Temperaturen bewegen sich das ganze Jahr zwischen 23 und 26 Grad. Die Trockenzeit fällt in den Sommer, der meiste Regen kommt zwischen Mai und Juli, wenn die Passatwinde aus Südost Feuchtigkeit heranführen. Die Jahresniederschläge nehmen mit der Entfernung von der Küste ab.

Welche Flüsse haben hier ihre Quellen?

Mehrere Bäche und Quellen der Estação sind gut erhalten. Sie gehören zu den Einzugsgebieten des Rio Mundaú und des Rio Camaragibe. Den größten Teil der Einheit entwässert der Mundaú, der nahe Garanhuns in Pernambuco auf rund 930 Metern Höhe entspringt und etwa 200 Kilometer weit fließt. Zu seinen Nebenflüssen in der Region zählen im Osten der Riacho Água Quente und der Rio Butangi, im Westen der Rio Satuba und der Riacho Boqueirão. Der Camaragibe, dessen Quellen zwischen 500 und 600 Metern in den Bergen Alagoas liegen, entwässert das Küstenhinterland; zu seinem Netz gehört der Rio Jitituba.

Das Gewässernetz ist verzweigt und folgt überwiegend einer Nord-Süd-Richtung. Die kleinen Bäche im Wald fließen beschattet zwischen den Hügeln und sind vom Zuckerrohr der umgebenden Flächen nur durch den Waldrand getrennt.

Kühler Waldbach unter Farnen im Küstenregenwald von Alagoas

Wie sieht der Wald aus?

Ursprünglich bedeckte der Küstenregenwald nördlich des Rio São Francisco rund 70.000 Quadratkilometer. Zuckerrohranbau und Viehzucht ließen davon nur zersplitterte Reste übrig. Weil der São Francisco seit langer Zeit eine Barriere bildet, unterscheidet sich die Flora dieses Teils der Mata Atlântica deutlich von der weiter südlich, und es gibt zahlreiche Endemiten.

Die Vegetation der Estação ist eine Floresta Ombrófila Aberta der Submontana-Stufe mit einzelnen Montana-Flecken. Sie hat drei klar getrennte Stockwerke in etwa 4 bis 6, 15 bis 20 und 25 bis 30 Metern Höhe. Weil die Trockenzeit auf dem Wald lastet, steht er an der Grenze zwischen dem immergrünen Regenwald und dem Wald mit Laubfall, mit stärkeren Temperaturschwankungen und mehr trockenen Tagen als weiter südlich. Dieser Kontakt zweier Waldtypen auf demselben geologischen Untergrund macht die Region für die Forschung besonders interessant. In der Pufferzone der Estação kommen auch Wälder mit Laubfall vor und höhere, dichtere Waldstücke mit vielen Lianen, Epiphyten und Palmen.

Moose und Lebermoose zeigen, wie gesund ein Wald ist, weil sie auf Veränderungen des Kleinklimas schnell reagieren. In den größten Fragmenten, besonders im Wald Bananeiras, wachsen Arten mit herabhängenden Moosstämmchen, die feuchte, ungestörte Bestände anzeigen. Neun Arten, darunter Meteorium nigrescens, Phyllogonium viride und mehrere Plagiochila, dienen als Zeiger für die Qualität des Lebensraums. Kleine Waldstücke verarmen dagegen: Pioniere setzen sich durch, während Arten später Waldstadien, die auf Tiere zur Samenverbreitung angewiesen sind, verschwinden.

Welche Säugetiere leben in den Matas de Murici?

Die Säugetiere des Centro de Endemismo Pernambuco sind die am wenigsten bekannte und am stärksten bedrängte Gruppe der Mata Atlântica. In den Wäldern von Alagoas leben der Ozelot (jaguatirica, Leopardus pardalis), die Tigerkatze (gato-do-mato, Leopardus tigrinus), der Puma (suçuarana, Puma concolor) und die Fledermaus Platyrrhinus recifinus. Dazu kommen der Brüllaffe Alouatta belzebul (guariba) und der Zwergameisenbär (tamanduaí, Cyclopes didactylus).

Tiere dieser Größe brauchen zusammenhängenden Wald. Die Waldreste sind jedoch von Zuckerrohr und Weiden umgeben, die für viele Arten eine unüberwindliche Barriere bilden. Tiere bleiben in kleinen Fragmenten gefangen, verlieren genetische Vielfalt und können lokal aussterben. Als Gegenmittel gilt, möglichst große Waldstücke zu erhalten und die Landschaft dazwischen durchlässiger zu machen.

Warum ist Murici ein Ort für Vogelkundler?

Der Nordosten der Mata Atlântica ist reich an Vögeln. Viele von ihnen kommen nur hier vor, und Murici beherbergt davon eine außergewöhnliche Auswahl: Der Wald ist als Important Bird Area ausgewiesen. Zwei Vögel wurden bei Erhebungen nur in der Estação gefunden, der Graubrustsittich Pyrrhura griseipectus (tiriba-de-peito-cinza) und der Carpornis melanocephalus (sabiá-pimenta). Zwei weitere sind nur aus der Estação und aus einem weiteren Privatreservat bekannt: der Philydor novaesi (limpa-folha-do-nordeste), ein Blattscharrer, und die Myrmotherula snowi (choquinha-de-alagoas), ein Ameisenvogel.

Zu den bekannten Waldbewohnern zählen außerdem die Jacupemba (Penelope superciliaris alagoensis), eine Guan-Unterart, und der Pintor-verdadeiro (Tangara fastuosa), ein bunter Tangare, der zum Symbolvogel des Biodiversitätskorridors im Nordosten gewählt wurde. Der Wald liegt als Insel in einer Landschaft, die Vögeln wenig Deckung bietet, weshalb jede Verbindung zwischen Fragmenten zählt.

Welche Reptilien und Frösche gibt es nur in dieser Region?

Die Reptilien der Mata Atlântica von Alagoas umfassen Schildkröten, ein Krokodil, Doppelschleichen, Eidechsen und viele Schlangen. Vier Arten sind für die Region endemisch, darunter die Lanzenotter Bothrops muriciensis, die ihren Namen trägt, weil sie zum ersten Mal in der Estação nachgewiesen wurde. Das Naturkundemuseum der Universität Alagoas untersucht ihre Bestände. Häufiger sind Boa constrictor, die Grüne Lanzenotter Bothrops bilineata, der Buschmeister Lachesis muta (surucucu-pico-de-jaca), der Teju Tupinambis merianae und verschiedene Korallenschlangen.

Unter den Fröschen gibt es sechs Endemiten Alagoas: Colosthethus alagoanus, Dendropsophus studerae, Physalaemus caete, Phyllodytes edelmoi, Phyllodytes gyrinaethes und Chiasmocleis alagoanus. Hinzu kommt die Baumfroschart Hylomantis granulosa. Phyllodytes-Arten leben in Wasseransammlungen von Bromelien, ein Hinweis darauf, wie fein diese Fauna an Waldstruktur und Kleinstlebensräume angepasst ist.

Bromelien und Farne auf einem alten Waldbaum im Küstenregenwald

Welche Geschichte steckt hinter dem Namen Murici?

Die Region war zuerst Siedlungsgebiet indigener Dörfer, noch vor der Kolonisation. Murici gehörte zur Vila dos Macacos, dem heutigen União dos Palmares. Der Name geht auf die Murici-Bäume (muricizeiros) zurück, unter denen Reisende und Händler rasteten. 1861 entstand die Pfarrei, 1872 die Vila Murici, 1892 wurde sie zur Stadt erhoben. Der Aufschwung begann 1882 mit der Eisenbahn und mit der Ausweitung des Zuckerrohrs, das die Wälder verdrängte.

Im 17. Jahrhundert prägten die Quilombos die Geschichte Alagoas. Der berühmteste war der Quilombo dos Palmares auf der Serra da Barriga in União dos Palmares, eine Zuflucht für viele geflohene Sklaven. Seine Geschichte ist Teil des afrobrasilianischen Erbes Brasiliens; Nachfahren pflegen Traditionen in Religion, Küche, Sprache und Musik.

Wie schützt und erforscht man die Estação?

Die Estação ist streng geschützt, Forschung und Umweltbildung stehen im Vordergrund. Der Plan von 2017 hält fest, dass Pflanzen und Tiere bisher nur punktuell erfasst wurden und viele Erhebungen alt sind; deshalb sehen die Planungsteile grundlegende biologische Inventare vor. Rings um den Wald liegen Landgüter und ländliche Siedlungen. In den Siedlungen ist der Anbau von Banane, Orange, Ananas und Acerola die wichtigste Einkommensquelle, auf den Fazendas dominieren Zuckerrohr und Rinderhaltung.

Der Pacto Murici verbindet Schutz und Lebensgrundlagen der Anwohner. Die Organisation AMANE bot Kurse in Agroökologie, Handwerk, Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und Anzucht von Waldsetzlingen an. Mit ihrer Unterstützung entstand seit 2009 die Kooperative COOPF Murici der bäuerlichen Familienbetriebe, die einen Bauernmarkt der Region organisiert. Das Ziel ist, die Abhängigkeit vom Wald zu verringern.

Weiter südlich schützt die Reserva Biológica Poço das Antas einen weiteren Küstenwald der Mata Atlântica. Die Küste von Alagoas selbst beschreibt die Seite zu Maragogi.

Häufige Fragen zur Estação Ecológica de Murici

Wo liegt die Estação Ecológica de Murici?

Im Nordosten von Alagoas, etwa 50 Kilometer von Maceió entfernt, vor allem in der Gemeinde Murici.

Wann wurde sie gegründet?

Per Dekret ohne Nummer vom 28. Mai 2001.

Warum ist der Wald von Murici besonders?

Er gehört zum Centro de Endemismo Pernambuco, einer eigenen Region der Mata Atlântica, und ist als Important Bird Area ausgewiesen.

Welche Vögel kommen hier vor?

Unter anderem der Limpa-folha-do-nordeste, die Choquinha-de-Alagoas, der Graubrustsittich und der Pintor-verdadeiro.

Woher hat die Lanzenotter Bothrops muriciensis ihren Namen?

Sie wurde zum ersten Mal in der Estação nachgewiesen und nach dem Ort benannt.

Zu welchen Einzugsgebieten gehört die Estação?

Zu denen des Rio Mundaú und des Rio Camaragibe.

Brasiliens Nordosten entdecken? Flüge, Hotels und Reisen nach Brasilien – jetzt passende Angebote vergleichen.

Brasilien-Angebote ansehen