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Estação Ecológica de Maracá – Flussinsel in Roraima

Die Estação Ecológica de Maracá schützt im Norden von Roraima die Flussinsel Maracá im Rio Uraricoera, eine der größten Flussinseln der Welt. Das Dekret Nr. 86.061 vom 2. Juni 1981 schuf die Station. Regenwald, Savannenflecken und zwei Flussarme mit Stromschnellen prägen das Gebiet, in dem mehr als 440 Vogelarten leben.

Wo der Rio Uraricoera sich im Westen teilt und im Osten wieder vereint, liegt eine Insel, die so groß ist, dass man auf ihr kaum merkt, von Wasser umgeben zu sein. Maracá gehört zu einem Archipel von rund 200 Inseln, trägt aber fast die gesamte Fläche des Schutzgebiets. Die Seite beschreibt Geschichte, Entstehung der Insel, Gesteine, Relief, Klima, Gewässer, Waldtypen, den Übergang zur Savanne und die Tierwelt.

Weitere Schutzgebiete und Naturräume im Norden Brasiliens beschreiben die Seiten zum Nationalpark Viruá, zum Nationalpark Monte Roraima, zum Nationalpark Pico da Neblina und zum Amazonas.

GründungDekret Nr. 86.061 vom 2. Juni 1981
KategorieEstação Ecológica, strenger Schutz für Forschung
LageRoraima, Gemeinden Amajari und Alto Alegre
FlussRio Uraricoera, wichtigster Zufluss des Rio Branco
Höchste ErhebungenHügelkämme im Westen der Insel bis 331 Meter
KlimaTropisch mit Trockenzeit, rund 2.100 Millimeter Regen, nassester Monat Juli
VegetationImmergrüne und halbimmergrüne Wälder, Savannenflecken, Palmsümpfe
BesonderheitÜbergangszone zwischen Regenwald und Savanne
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Wie entstand die Estação Ecológica de Maracá?

Die Station gehört zu den ersten Estações Ecológicas Brasiliens. Das Dekret Nr. 86.061 von 1981 schuf gleich mehrere dieser Gebiete, darunter Anavilhanas, Iquê, Rio Acre, Taiamã und Maracá. Die neue Kategorie war der Gedanke des Umweltschützers Paulo Nogueira Neto: Gebiete, in denen die Natur möglichst ungestört bleibt und die der Forschung dienen, nicht dem Tourismus wie die Nationalparks.

Maracá war dabei der Vorreiter. Bei einem Erkundungsflug am 26. November 1976 sah Nogueira Neto eine Insel, die zu 98 Prozent mit hohem und mittelhohem Wald bedeckt war, dazu kleine offene Flächen und Lagunen mit Buschvegetation. Am 28. April 1978 wurde die Infrastruktur eingeweiht, fünf Gebäude am Südufer der Insel. Die Landurkunde für das Gelände folgte 1980. Als das Dekret 1981 erschien, stand die Station also schon, mit Sitz und geklärten Eigentumsverhältnissen.

Vor der Gründung nutzten Indigene die Insel zum Jagen, Sammeln und für kleine Felder; zwei indigene und zwei Siedlerfamilien lebten dort und verließen die Insel gegen Entschädigung. Im Umland begann die Besiedlung durch Viehfarmen in den 1880er-Jahren, am Ostende der Insel, am Ufer des Uraricoera. Mit dem Bau der Zufahrtswege um 1980 und den Ansiedlungsprojekten ab 1986 wuchs die Bevölkerung rund um das Gebiet. Vier indigene Territorien grenzen an die Umgebung: Aningal, Boqueirão, Mangueira und Yanomami.

Wie entstand die Insel Maracá im Rio Uraricoera?

Die meisten Flussinseln entstehen, wenn der Fluss Sand und Geröll ablagert und Dünen unter Wasser zu Inseln heranwachsen. Maracá ist die Ausnahme. Der gerade Verlauf des Kanals nördlich der Insel zeigt, dass zwei benachbarte neotektonische Verwerfungen sie schufen: Eine lenkte einen Teil des Uraricoera nach Nordosten ab, eine zweite, rechtwinklig dazu, führte das Wasser in den Hauptkanal zurück.

So teilt sich der Fluss am westlichen Rand des Schutzgebiets, etwa am 62. Längengrad, in zwei Arme, die Furos. Der nördliche Furo Santa Rosa ist rund 105 Kilometer lang, der südliche Furo Maracá rund 100 Kilometer. Im äußersten Osten treffen sie wieder zusammen, und das Wasser heißt wieder Rio Uraricoera. Beide Arme gehören zum Schutzgebiet und sind stellenweise mehr als 200 Meter breit. Ein dritter Arm, der Furo Apuí, fließt zwischen Maracá und Nova Olinda, der zweitgrößten Insel des Archipels.

Welche Gesteine und Höhen prägen die Insel?

Den Untergrund bilden sehr alte Gesteine aus dem Paläoproterozoikum. Die Gruppe Cauarane enthält Quarzite, Itabirite, Amphibolite und Glimmerschiefer. Die Pedra-Pintada-Suite besteht aus Granodioriten und Graniten, die kaum verformt sind. Im Norden und im äußersten Westen treten Gneise des Komplexes Urariquera zutage, im Südwesten die Ignimbrite der Gruppe Surumu, Gesteine eines explosiven sauren Vulkanismus. Im Südosten liegen junge Flussablagerungen aus feinem Quarzsand, Kies, Ton und Schluff, die jede Flut umlagert.

Auf der Insel selbst unterscheiden sich zwei Landschaften. Etwa zehn Prozent der Fläche nehmen im Westen Hügelketten ein, die nach Nordwesten ausgerichtet sind und aus metamorphen Gesteinen bestehen, umgeben von Graniten. Die restlichen 90 Prozent sind ein wenig zerschnittenes, flaches Land mit einzelnen Hügeln. Die höchsten Kuppen erreichen 331 Meter, ein Hang im Westen steigt rund 100 Meter über den Fluss. Tonalitische Gneise lagern am Furo Santa Rosa am Ufer, Dolerit tritt nur an einer Stelle auf, nahe dem Gogó da Ema.

Regional gehört die Insel zum zerschnittenen Hochland des nördlichen Amazoniens, im Osten schließt sich eine flachere Randsenke an. Weite Teile des Inselinneren liegen auf 100 bis 180 Metern Höhe.

Waldbach mit Palmen und Felsblöcken im Inneren der Insel in Roraima

Welche Gewässer und Stromschnellen gibt es?

Der Rio Uraricoera entspringt in den Wasserscheiden zwischen Brasilien und Venezuela, in den Höhen von Pacaraima, Tepequém und Uricaá. Er fließt zuerst nach Süden, dann nach Osten bis zur Insel und mündet als wichtigster Zufluss in den Rio Branco. Das gesamte Entwässerungsnetz des Nordwestens von Roraima fließt durch das Schutzgebiet und weiter an Boa Vista vorbei, bis der Rio Branco im Rio Negro endet. Das Hochwasser erreicht im Juli seinen Höhepunkt, der tiefste Wasserstand liegt im Februar.

Im Furo Santa Rosa liegen die Wasserfälle Tiporema, Tucumã, Jabuti, Fumaça und Purumame, der größte von ihnen. Im Furo Maracá sticht die Stromschnelle Filhotes hervor. Die eindrucksvollsten Serien findet man im Uraricoera auf der Südseite der Insel zwischen Velhas I und Velhas II, wo sich die Kanäle mehrfach verzweigen. Diese Stufen sperren die Schifffahrt für größere Boote und trennen Fischgemeinschaften voneinander.

Im Inneren der Insel entwässert der Igarapé Nassazeira von Südwesten nach Nordosten und mündet in den Furo Santa Rosa. Im Westen durchziehen kleine Bäche das Land; manche führen nur in der Regenzeit Wasser. Senken füllen sich zu Seen und Lagunen, die für die Fortpflanzung von Fischen, Reptilien, Vögeln und Säugetieren wichtig sind. Bei Hochwasser steigt ihr Pegel so weit, dass die dort geschlüpften Tiere in den Fluss gespült werden.

Wie ist das Klima der Flussinsel?

Das Klima ist tropisch mit ausgeprägter Trockenzeit. Als Messreihe liegt der Jahresniederschlag bei rund 2.100 Millimetern. Der Juli ist der nasseste, der Februar der trockenste Monat. Von April bis September fallen im Mittel rund 1.600 Millimeter, von Oktober bis März nur etwa 450. Die Temperaturen schwanken zwischen durchschnittlich 23,6 °C im Minimum und 36,6 °C im Maximum, Spitzenwerte liegen darüber. Nach Nordosten nimmt die Niederschlagsmenge ab, dort beginnen die Savannen von Roraima.

Diese Lage erklärt, warum Maracá zwischen zwei Welten liegt: Im Süden von Roraima wachsen feuchte Tieflandwälder, im Nordosten offene Savannen, und die Insel liegt dazwischen. Die lange Trockenzeit öffnet das Kronendach der Wälder, ein Teil der Bäume wirft das Laub ab.

Welche Wälder wachsen auf Maracá?

Rund vier Fünftel der Insel bedecken Terra-firme-Wälder, davon sind etwa 60 Prozent immergrün und 40 Prozent laubabwerfend oder halbimmergrün. Savannenflecken machen etwa fünf Prozent aus und liegen vor allem im Osten. Im Osten und in der Mitte erreichen die Bäume 25 bis 40 Meter, einzelne bis 50 Meter. Zu den häufigsten Arten im oberen Stockwerk zählen Pradosia surinamensis, Licania kunthiana und Tetragastris panamensis, im mittleren Stockwerk die Palmen Inajá (Maximiliana maripa) und Tucumã (Astrocaryum aculeatum). Die Familie der Sapotengewächse ist dort die wichtigste.

Ein Sonderfall ist der Pau-roxo-Wald. Peltogyne gracilipes bildet ein Kronendach von bis zu 40 Metern mit Brettwurzeln, die vier Meter hoch werden. Der Baum erreicht dort die höchsten Dominanzwerte, die jemals in einem Terra-firme-Wald Amazoniens gemessen wurden, mehr als 60 Prozent. Er ist in der Mitte der Insel verbreitet. Zugleich ist dieser Wald der artenärmste Typ der Insel.

Im Westen wachsen die Wälder auf steilen Hügeln, getrennt durch Täler mit kleinen Bächen. Hier kommen Arten wie Hevea guianensis und Alexa canaracunensis vor; von 102 untersuchten Baumarten fand man 60 nirgends sonst auf der Insel. Daneben gibt es niedrige Wälder auf sandigen Böden: Campina mit Curatella americana und Byrsonima crassifolia, den dichten Carrasco aus vier bis fünf Meter hohen Sträuchern, Zwergformen der Terra-firme-Wälder, Buritipalmen-Sümpfe und Galeriewälder an den Bächen.

Die Pflanzenvielfalt ist beachtlich: Mehr als 1.000 Blütenpflanzen aus 131 Familien wurden gesammelt, dazu 73 Farne und 19 Moose. Eine Untersuchungsfläche von 1,5 Hektar im Osten enthielt 80 Baumarten ab zehn Zentimeter Stammdurchmesser.

Halboffener Wald mit Palmen und Savannenflecken am Rand einer Lichtung in Roraima

Wie verschiebt sich die Grenze zwischen Wald und Savanne?

Waldgrenzen sind selten stabil. Klima, Feuer, Landnutzung, Wasser im Boden und Pflanzenfresser verschieben sie. Maracá bietet dafür ein seltenes Freilandlabor: Die Insel liegt im biophysischen Übergang, ist geschützt und zeigt deutlich bewegliche Grenzen zu verschiedenen Savannentypen.

Bodenkundliche und botanische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Wälder, wenn sie ungestört bleiben, sich ausbreiten. Savannenbäume wie Curatella americana wurden etwa zehn Meter im Wald gefunden, nur wenige Jahre alt. Ähnlich ist es auf der Savannenlichtung am Pfad Preguiça, wo Curatella-Bäume zwischen Carrasco-Gebüsch rund 13 Meter vom Rand entfernt stehen. Seit die Indigenen die Insel verließen und das Gebiet in den 1980er-Jahren unter Schutz kam, rücken die Wälder auf Savannenflächen vor. Genau diese Dynamik macht die Insel für die Forschung wertvoll.

Welche Tiere leben auf der Insel?

Bei den Wirbellosen haben Forscher 36 Arten sozialer Wespen erfasst, davon 22 erstmals für Roraima; zwei Arten, Mischocyttarus maracaensis und Polybia roraimae, waren neu. Rund 700 Schmetterlinge und Nachtfalter kamen zusammen, darunter die neue Art Pythonides maraca. Die Spinnen zählen 189 Arten, 16 davon wurden auf Maracá erstmals beschrieben. Dazu kommen 158 Rädertierchen, die in Regenpfützen und auf feuchtem Moos leben.

Im Rio Uraricoera wurden mehr als 200 Fischarten erfasst. Auf der Insel leben 28 Froscharten und mehr als 60 Reptilienarten, darunter vier Kaimanarten sowie die Köhlerschildkröte. Mehr als 440 Vogelarten sind nachgewiesen, 293 im Wald und 149 in der Savanne. Die Savannenvögel stehen den Arten der Savannen Venezuelas und Kolumbiens näher als denen Zentralbrasiliens.

Unter den Säugetieren sind Nagetiere und Raubtiere am artenreichsten. 47 Fledermausarten leben auf der Insel; die ausgeprägte Trockenzeit öffnet das Kronendach und lässt ein Unterholz wachsen, in dem Insektenjäger Platz zum Manövrieren haben. Der Weißstirn-Klammeraffe ist der häufigste Primat. Dazu kommen 15 Raubtierarten, darunter Jaguar, Puma und Waldhund, außerdem drei Ameisenbären, drei Faultiere, fünf Gürteltiere, der Tapir und das Riesengürteltier. Jagd und Brände im Umland wirken auch in die Insel hinein, die durch Zugangsprobleme und Isolation sonst gut geschützt bleibt.

Häufige Fragen zur Estação Ecológica de Maracá

Wann wurde die Estação Ecológica de Maracá gegründet?

Mit dem Dekret Nr. 86.061 vom 2. Juni 1981; die Gebäude standen schon seit 1978.

Wo liegt Maracá?

Im Norden des Bundesstaats Roraima, in den Gemeinden Amajari und Alto Alegre, im Rio Uraricoera.

Was ist das Besondere an der Insel?

Sie ist eine der größten Flussinseln der Welt und entstand durch zwei Verwerfungen, nicht durch Ablagerungen.

Wie heißen die beiden Flussarme?

Furo Santa Rosa im Norden und Furo Maracá im Süden; sie vereinen sich am Ostende.

Welcher Baum prägt die Mitte der Insel?

Der Pau-roxo, Peltogyne gracilipes, mit vier Meter hohen Brettwurzeln.

Wie viele Vogelarten gibt es?

Mehr als 440, davon 293 im Wald und 149 in der Savanne.

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