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Raso da Catarina – Caatinga-Schutzgebiet in Bahia

Die Estação Ecológica Raso da Catarina im Nordosten von Bahia schützt seit 1984 auf mehr als 99.000 Hektar flache Sandstein-Hochflächen mit Trockenbusch der Caatinga. Das Gebiet liegt zwischen dem Rio São Francisco und dem Rio Vaza-Barris und ist Lebensraum des Lear-Aras, der hier 1978 wiederentdeckt wurde.

Der Raso da Catarina ist eine Landschaft, in der Wasser fehlt, bevor es überhaupt ankommt: Der Sandboden ist so durchlässig, dass er Regen sofort verschluckt, und ohne Wasser gab es lange keine dauerhafte Besiedlung. Genau deshalb blieb hier ein großes Stück Caatinga fast unberührt. Die Estação Ecológica Raso da Catarina bewahrt es. Die Seite erklärt Namen, Lage und Entstehung des Schutzgebiets, Gesteine, Klima und Wasser, Pflanzen und Tiere sowie die Menschen der Umgebung bis zum Banditen Lampião.

Weitere Trockenlandschaften des Nordostens zeigen die Seiten zum Nationalpark Furna Feia, zur Serra da Capivara und zu Sete Cidades.

Gründung3. Januar 1984, Dekret Nr. 89.268, zunächst als Ökologisches Reservat
Flächemehr als 99.000 Hektar, Umfang rund 135 Kilometer
LageBahia, Gemeinden Jeremoabo, Rodelas und Paulo Afonso
LebensraumCaatinga mit Baum- und Strauchvegetation auf Sandstein
Klimaheiß und halbtrocken, 300 bis 500 Millimeter Regen, Jahresmittel über 24 Grad
LeitartLear-Ara (Anodorhynchus leari)
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Wo liegt die Estação Ecológica Raso da Catarina?

Das Schutzgebiet liegt im Nordosten von Bahia zwischen 9 Grad 33 Minuten und 9 Grad 54 Minuten südlicher Breite. Es verteilt sich auf drei Gemeinden: 60 Prozent gehören zu Jeremoabo, 31 Prozent zu Rodelas und acht Prozent zu Paulo Afonso. Im Norden grenzt es an das Indigenengebiet der Pankararé. Im Osten liegen ländliche Siedlungen der Gemeinden Paulo Afonso und Jeremoabo, im Süden die Serra Branca und das Gewässernetz des Rio Vaza-Barris, im Westen landwirtschaftliche Flächen der Gemeinden Canudos, Rodelas und Macururé.

Die Ökoregion Raso da Catarina umfasst rund 30.800 Quadratkilometer, etwa 3,6 Prozent der Caatinga. Ihr Kern, eine Fläche von rund 5.000 Quadratkilometern, ist die einheitlichste Trockenlandschaft Südamerikas. Etwa ein Fünftel davon steht unter Schutz.

Woher stammt der Name Raso da Catarina?

„Raso“ bedeutet flach. Der Name beschreibt die gleichförmige, ebene Landschaft aus flachgründigen Böden, die sich weit erstreckt. Zum Namen Catarina erzählt man in der Region zwei Versionen: In der einen war Catarina eine Indigene, die an diesem Ort starb, in der anderen eine frühere Landbesitzerin, vor der sich alle fürchteten.

Wie kam es zur Gründung des Schutzgebiets?

Der Professor Paulo Nogueira Neto erfuhr 1974 auf einem Imkerkongress in Piracicaba von einer Gegend im Nordosten, die ein Paradies für Bienen sein sollte. Mit Hilfe des Energieunternehmens Chesf überflog er das Gebiet und fand eine der letzten weiten Naturlandschaften des Nordostens. Eine Straße, die die Ölfirma Petrobras auf der Suche nach Erdöl angelegt hatte, war der einzige Eingriff. Die Besiedlung blieb gering, weil das Land so durchlässig war, dass sich Wasser nicht in Zisternen sammeln ließ.

Der Bundesstaat Bahia trat die Staatsländereien am 3. November 1979 an die Umweltbehörde Sema ab. Ursprünglich waren 150.000 Hektar vermessen worden, 50.000 Hektar gingen an die Indigenenbehörde Funai, die dort ein Gebiet für eine ansässige Gemeinschaft forderte. Das Schutzgebiet entstand am 3. Januar 1984 als Ökologisches Reservat. Ein wichtiges Argument lieferte die Entdeckung im Dezember 1978: Die Forscher Helmut Sick, Dante Teixeira und Luiz Gonzaga vom Nationalmuseum fanden den Lear-Ara, einen Papagei, den man seit mehr als 50 Jahren für ausgestorben hielt. Nach dem Schutzgebietsgesetz von 2000 wurde das Reservat 2001 in eine Ökologische Station umgewandelt, eine Kategorie, die Schutz und Forschung dient.

Weite flache Caatinga-Landschaft mit Licuri-Palmen, Kakteen und rotem Sandboden im Nordosten Brasiliens

Welche Gesteine und Böden prägen das Plateau?

Das Gebiet liegt im Sedimentbecken von Tucano, einem Teil des gescheiterten Grabensystems Recôncavo–Tucano–Jatobá. Es entstand in der Unterkreide, als sich der Südatlantik zu öffnen begann. Auf dem Plateau, das zwischen 200 und 300 Meter hoch liegt, treten drei Gesteinseinheiten auf: die Marizal-Formation, die São-Sebastião-Formation und die Candeias-Formation.

Die Marizal-Formation herrscht im Raso vor. Sie besteht aus schwach verfestigten Sandsteinen, die zerfallen und dicke Lagen rötlicher, meist quarzreicher Sande bilden. Die São-Sebastião-Formation aus Sand- und Tonstein ist, wo die Pflanzendecke fehlt, sehr anfällig für Erosion. Zwischen beiden Formationen stehen Steilstufen aus verkieseltem Sandstein mit hartem Deckgestein. Die Landschaft ist eben, tafelförmig und von kleinen Trockentälern und Rinnen zerschnitten. Daher der Name Raso oder Tabuleiro. Im Gebiet gibt es auch einen Canyon und Erosionsformen, die an Vila Velha in Paraná erinnern.

Wie heiß und trocken ist das Klima?

Das Klima ist heiß und halbtrocken (Typ BSh). Die Jahresmitteltemperatur liegt über 24 Grad, die Schwankung über das Jahr beträgt rund 10 Grad, und von November bis April schwanken die Tagestemperaturen um etwa 12 Grad zwischen Tag und Nacht. Starke Sonneneinstrahlung und geringe Bewölkung lassen mehr als 1.700 Millimeter im Jahr verdunsten. Regen fällt selten, unregelmäßig und heftig: im Mittel 300 bis 500 Millimeter, vor allem zwischen Februar und Juni, mit Monatssummen über 60 Millimetern an zwei bis fünf Monaten. Die Trockenzeit dauert fünf bis zehn Monate und kann einzelne Jahre ganz ohne Regen lassen. Im Süden regnet es etwas mehr als im Norden. Weitere Hintergründe zu Brasiliens Klimazonen liefert die Seite Klima.

Die Flüsse folgen diesem Rhythmus. Sie führen in der Regenzeit plötzlich Hochwasser und fallen in der Trockenzeit auf null, manche Jahre bleiben sie ganz trocken. Das Gebiet liegt zwischen den Einzugsgebieten des Rio São Francisco im Norden und des Rio Vaza-Barris im Süden, der bei Canudos entspringt.

Welche Pflanzen wachsen in der Caatinga des Raso?

Die Vegetation ist Caatinga in zwei Formen, als Baum- und als Strauchcaatinga. Es überwiegen Sträucher, dazwischen stehen Kakteen wie der Mandacaru und kleine Licuri-Palmen. Die Licuri-Palme Syagrus coronata spielt eine Schlüsselrolle, denn ihre Früchte sind die Nahrung des Lear-Aras. Die Pflanzenwelt ist ebenso wie die Amphibien- und Reptilienwelt noch wenig erforscht.

In der Bewertung der Prioritätsgebiete der Caatinga erhielten Pflanzen, Amphibien und Reptilien die Stufe „sehr hohe Bedeutung“, Vögel und Säugetiere die Stufe „außerordentliche Bedeutung“. Die wirbellosen Tiere sind noch unzureichend bekannt, ihre Bedeutung wird jedoch hoch eingeschätzt.

Tief eingeschnittene Erosionsrinne mit rötlichem Sandstein und Trockenbusch im Gegenlicht

Welche Tiere leben im Raso da Catarina?

Der Star des Gebiets ist der Lear-Ara Anodorhynchus leari, ein tiefblauer Papagei, der hier nistet und seine Nahrung sucht. Im Dezember 1978 entdeckte ihn das Team des Nationalmuseums wieder. Seine Hauptnahrung sind die Nüsse der Licuri-Palme. Der Schutz der Art war der wichtigste Grund für die Gründung. Ebenfalls bedroht ist der Maracanã Primolius maracana, ein kleinerer Ara, der in der Caatinga im Nordwesten Bahias vorkommt.

Häufige Vögel sind der Weißschwanzbussard, der Glattschnabelani, der Truthahngeier, der Morgenammer, der Chopi-Trupial und die Rötelgrundtaube. Zwei bedrohte Arten sind der João-chique-chique Gyalophylax hellmayri und der Ameisenvogel Herpsilochmus pectoralis. Bei den Kriechtieren und Lurchen sind die Echse Tropidurus cocorobensis und die Doppelschleiche Amphisbaena arenaria in der Region endemisch.

Unter den Säugetieren kommen Gürteltiere der Gattungen Cabassous, Dasypus und Euphractus vor, dazu ein noch nicht beschriebenes Aguti und ein Springaffe der Gattung Callicebus. Hinzu kommt die Fledermaus Lonchophylla bokermanni. Das gefährdete Kugelgürteltier Tolypeutes tricinctus wurde in Canudos, Jeremoabo, Paulo Afonso und Santa Brígida beobachtet. An Reptilien leben die Grünameive, eine Lanzenotter der Gattung Bothrops und die Klapperschlange Crotalus durissus.

Wie gut ist die Wildnis erhalten?

Die Region des Raso da Catarina ist zu 60 bis 70 Prozent in naturnahem Zustand. Das liegt an der dünnen Besiedlung, denn Trinkwasser ist knapp. Um das Schutzgebiet zieht sich eine Pufferzone mit einem Radius von rund zehn Kilometern; sie reicht in die Gemeinden Canudos, Glória, Jeremoabo, Macururé, Paulo Afonso und Santa Brígida. In Dörfern ist sie schmaler, wo große Flächen intakt sind, breiter.

Der Lear-Ara kommt in der Region in den Gemeinden Canudos und Jeremoabo vor. Wo die Licuri-Palme verschwindet, verliert er seine Nahrungsgrundlage, deshalb ist der Palmenbestand für die Art ebenso wichtig wie der Schutz ihrer Nistplätze. Das Wissen über Pflanzen und Tiere des Raso bleibt lückenhaft, weil ein großer Teil der Untersuchungen nie in Fachzeitschriften erschien.

Wer fand im Raso Zuflucht?

Die abgelegene Wildnis bot Zuflucht. Der Bandit Lampião, der berühmteste Cangaceiro des Nordostens, zog sich nach seiner ersten großen Niederlage in Mossoró mit seiner Bande, die bis zu knapp 200 Mann zählte, in die Region von Rodelas und Jeremoabo zurück. Dort lernten die Cangaceiros von den Pankararé, in dichtem Dornbusch und fast ohne Wasser zu überleben. Lampião wurde 1898 in Pernambuco geboren und starb 1938 in der Grotte von Angico in Sergipe.

Die Pankararé leben im Indigenengebiet nördlich des Schutzgebiets. Mehr über die Völker des Landes steht auf der Seite Indigene Völker, einen Überblick über Naturschutzgebiete gibt die Seite Natur in Brasilien.

Häufige Fragen zur Estação Ecológica Raso da Catarina

Wo liegt der Raso da Catarina?

Im Nordosten von Bahia, in den Gemeinden Jeremoabo, Rodelas und Paulo Afonso.

Wann wurde das Schutzgebiet gegründet?

Am 3. Januar 1984 durch das Dekret Nr. 89.268, zunächst als Ökologisches Reservat; 2001 wurde es eine Ökologische Station.

Woher stammt der Name?

Raso bedeutet flach; zu Catarina gibt es zwei Erzählungen, eine über eine Indigene und eine über eine Landbesitzerin.

Welcher Vogel ist die Leitart?

Der Lear-Ara, 1978 wiederentdeckt; er lebt von den Nüssen der Licuri-Palme.

Wie viel Regen fällt dort?

Im Mittel 300 bis 500 Millimeter im Jahr, überwiegend zwischen Februar und Juni.

Welche Gesteine bestimmen die Landschaft?

Vor allem schwach verfestigte Sandsteine der Marizal-Formation, die rötliche Sande bilden.

Passend dazu: Reserva Biológica Guaribas, Estação Ecológica de Taiamã.

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