Die Estação Ecológica Tupinambás und das angrenzende Refúgio de Vida Silvestre do Arquipélago de Alcatrazes schützen Inseln, Felsen und Meer vor dem Litoral Norte von São Paulo. Zwischen den Inseln Cabras, Palmas und dem Archipel Alcatrazes mit seinen 316 Meter hohen Granitwänden brüten Seevögel, wachsen Pflanzen und leben Tiere, die es nirgends sonst gibt.
Vor der Küste von São Sebastião und Ubatuba steigen Felsen aus dem Atlantik, die zu den unberührtesten Inseln des Bundesstaats São Paulo gehören. Die Estação Ecológica Tupinambás schützt zwei Inselgruppen, das Refúgio de Alcatrazes ergänzt sie um den größten Archipel. Gemeinsam bilden sie ein zusammenhängendes Meeresschutzgebiet mit einem gemeinsamen Managementplan, einem Team und einer Idee: ein Stück Küstenozean so zu bewahren, wie er ohne Überfischung aussah.
Weitere Meeres- und Inselschutzgebiete beschreiben die Seiten zu Abrolhos, zum Atol das Rocas, zu Fernando de Noronha und zu Ilha Grande.
| Einheiten | Estação Ecológica Tupinambás (Dekret von 1987) und Refúgio de Vida Silvestre do Arquipélago de Alcatrazes (Dekret vom 2. August 2016) |
| Kategorie | Beide Einheiten gehören zum strengen Schutz (Proteção Integral) |
| Lage | Atlantik vor dem Litoral Norte von São Paulo, Gemeinden Bertioga, São Sebastião und Ubatuba |
| Inselgruppen | Archipel Alcatrazes (Sektor I) sowie Ilha de Cabras und Ilha de Palmas beim Archipel der Ilha Anchieta (Sektor II) |
| Höchste Erhebung | Granitwände von 316 Metern auf Alcatrazes |
| Vegetation | Mata Atlântica und Felsenfluren (campos rupestres) |
| Leitarten | Prachtfregattvogel, Weißbauchtölpel, Dominikanermöwe, Meeresschildkröten, Hammerhai |
| Verwaltung | Gemeinsames Team (Núcleo de Gestão Integrada) und ein gemeinsamer Managementplan |
- Wie hängen Estação Ecológica und Refúgio de Alcatrazes zusammen?
- Wo liegen die Inseln und Felsen?
- Was macht die Insel Alcatrazes so besonders?
- Welche Seevögel brüten auf Alcatrazes?
- Was lebt unter Wasser rund um die Inseln?
- Welche Wale und Delfine ziehen durch die Gewässer?
- Wie vereinen sich Naturschutz und Landesverteidigung?
- Welche Regeln gelten rund um die Inseln?
- Wie entstand der Managementplan?
- Wie ist die Estação Ecológica in Zonen gegliedert?
Wie hängen Estação Ecológica und Refúgio de Alcatrazes zusammen?
Die Estação Ecológica Tupinambás gibt es seit 1987. Sie umfasst kleine Inseln, Felsen und das umgebende Meer an zwei getrennten Orten. Weil sie klein und zerstückelt war, sahen die beteiligten Forschenden darin eine der größten Schwächen: Das Schutzgebiet war kaum mit dem Meer ringsum verbunden, und Arten, die zwischen den Lebensräumen wechseln, hatten wenig geschützten Raum.
Das änderte sich am 2. August 2016. An diesem Tag entstand per Bundesdekret das Refúgio de Vida Silvestre do Arquipélago de Alcatrazes, angrenzend an die Estação Ecológica. Das Dekret schreibt eine gemeinsame Verwaltung beider Einheiten vor. Die Behörde richtete im September 2016 dafür ein gemeinsames Team ein, das Núcleo de Gestão Integrada do Arquipélago dos Alcatrazes, und beschloss einen einzigen Managementplan. Der Sektor I mit dem Archipel Alcatrazes bildet seither eine große, zusammenhängende Fläche, der Sektor II bei der Ilha Anchieta ist von Landesschutzgebieten umgeben.
Zwei Kategorien tragen die Verwaltung. In einer Estação Ecológica sind nur Naturschutz und wissenschaftliche Forschung vorgesehen. Ein Refúgio de Vida Silvestre schützt Lebensräume, in denen Pflanzen und Tiere leben oder sich fortpflanzen, darunter auch Wandertiere. Im Unterschied zur Estação Ecológica lässt die Kategorie des Refúgio auch touristische und erholsame Nutzung zu, die der Plan durch Regeln ordnet.
Wo liegen die Inseln und Felsen?
Der Sektor I umfasst den Archipel Alcatrazes. Dazu gehören die Ilha do Paredão mit ihrem Felsen, der Laje dos Trinta-Réis, die Laje do Sudoeste und die Laje do Nordeste sowie vier kleine Inseln: Abatipossanga (auch Ilha do Oratório oder Ilha do Sul genannt), Guaratingaçu (Ilha Rasa), Carimancuí und Cunhambebe. Um jede dieser Formationen reicht das Schutzgebiet einen Kilometer weit ins Meer. Die Hauptinsel Alcatrazes gehört zum Refúgio.
Der Sektor II liegt näher an der Küste und umfasst die Ilha de Cabras sowie die Ilha de Palmas mit ihrem Felsen, beide beim Archipel der Ilha Anchieta. Die Küstenlage bringt Schiffsverkehr, Fischerei und Freizeitboote mit sich. Am engsten ist die Verbindung zu den Gemeinden Bertioga, São Sebastião und Ubatuba.
Was macht die Insel Alcatrazes so besonders?
Alcatrazes ist eine Landmarke für die Bewohner des nördlichen und mittleren Küstenstreifens von São Paulo. Aus dem Meer erheben sich Granitwände bis zu einer Höhe von 316 Metern. Die Besiedlung der Insel gehört zu den Berichten der Kolonisation Brasiliens, und der Archipel ist ein Teil des historischen und kulturellen Erbes des Bundesstaats.
Die Vegetation besteht aus Mata Atlântica und Felsenfluren. Weil die Insel von der Küste getrennt ist, haben sich Arten entwickelt, die nur hier oder in wenigen Nachbarorten vorkommen. Zwei Pflanzen sind auf der Insel endemisch: ein Anthurium (Anthurium alcatrazensis) und eine Begonie (Begonia venosa). Die Sinningia insularis, im Volksmund rainha-do-abismo, gibt es nur auf Alcatrazes und am Morro do Recife in São Sebastião. Die Sträucher Croton compressus und Manettia fimbriata wurden in São Paulo nur auf Alcatrazes gesammelt.
Die Tierwelt der Insel ist ebenso eigenständig. Es gibt eine eigene Lanzenotter, die jararaca-de-Alcatrazes (Bothrops alcatraz), einen Laubfrosch (Scinax alcatraz) und den Frosch Cycloramphus faustoi. Auch die Ilha de Cabras und die Ilha de Palmas tragen Mata Atlântica, sind weniger abgeschieden als Alcatrazes und haben doch einzelne endemische Pflanzen und Neufunde für den Bundesstaat geliefert.

Welche Seevögel brüten auf Alcatrazes?
Der Archipel beherbergt eine bedeutende Brutkolonie von Seevögeln. Dauerhaft nisten hier der Prachtfregattvogel (Fregata magnificens), der Weißbauchtölpel (Sula leucogaster) und die Dominikanermöwe (Larus dominicanus). Die Vögel ruhen auf den Felsen, brüten in der Vegetation der Inselhänge und fressen im umgebenden Meer.
Damit sind sie ein Bindeglied zwischen Insel und Ozean. Ihr Kot düngt die Hänge, auf denen die Pflanzen wachsen, und das Wasser rings um die Insel. Die Zusammensetzung der Brutkolonien zeigt zugleich, wie sich der Zustand des Meeres verändert, weshalb die Vögel als Zeiger für die Qualität des Lebensraums dienen. Auch Albatrosse, Sturmvögel, Pinguine und Seeschwalben werden in den Gewässern immer wieder beobachtet. Auf den Inseln leben außerdem Landvögel der Mata Atlântica, die geografisch isoliert sind und wenig erforscht wurden.
Was lebt unter Wasser rund um die Inseln?
Das Meer um Alcatrazes ist für Riffische ein Referenzgebiet. Die Felsküsten und das klare Wasser bieten einen Lebensraum, der dem der Meere vor der Überfischung ähnelt, mit großen, fortpflanzungsfähigen Tieren. Zu den Arten zählen der Franzosen-Kaiserfisch (peixe-frade, Pomacanthus paru), der Atlantische Spatenfisch (enxada, Chaetodipterus faber), die salema (Anisotremus virginicus) und der Zackenbarsch garoupa-verdadeira (Epinephelus marginatus). Als Aufwuchsgebiet dienen die Inseln auch für Fischarten der Fischerei, den pargo (Pagrus pagrus), den olho-de-boi (Seriola) und die anchova (Pomatomus saltatrix).
Unter den Knorpelfischen sind der Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna lewini), der Engelhai (Squatina guggenheim) und der Geigenrochen raia-viola (Rhinobatos horkelii) zu nennen. Meeresschildkröten, vor allem die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) und die Suppenschildkröte (Chelonia mydas), wachsen in den Gewässern heran und halten durch das Abweiden den Algenwuchs auf den Riffen im Gleichgewicht. In der Zone der Estação Ecológica ist die Eindämmung des eingeschleppten Sonnenkorallen-Bewuchses (Tubastraea) vorgesehen.

Welche Wale und Delfine ziehen durch die Gewässer?
Mehrere Wal- und Delfinarten ziehen durch die Gewässer. Am häufigsten sind der Brydewal (Balaenoptera edeni), der Buckelwal (Megaptera novaeangliae), der Atlantische Fleckendelfin (Stenella frontalis) und der Große Tümmler (Tursiops truncatus). Auch der Südkaper (Eubalaena australis) kommt in der Region vor.
Eine Besonderheit ist die Toninha, der La-Plata-Delfin (Pontoporia blainvillei), der in den Gewässern von Cabras und Palmas lebt. Er ist der am stärksten bedrohte Wal des westlichen Südatlantiks und findet in dieser Gegend Nahrung, Fortpflanzung und Schutz vor versehentlichem Fang in Fischernetzen. Für die Toninha sollen deshalb lebensfähige Bestände erhalten bleiben.
Wie vereinen sich Naturschutz und Landesverteidigung?
Zu den Zielen des Refúgio gehört, die Interessen des Naturschutzes mit denen der nationalen Souveränität in Einklang zu bringen. Der Grund ist, dass die Marinha do Brasil auf Alcatrazes eigene Anlagen unterhält. Ein früheres Bundesdekret sichert dem Militär in allen Schutzgebieten Durchfahrt, Patrouillen und die Wartung seiner Einrichtungen zu. Training der Streitkräfte ist nur nach vorheriger Genehmigung der Schutzgebietsleitung erlaubt und nur, soweit es keine Schäden verursacht. Wer Geschossreste findet, darf sie nicht anfassen und meldet sie der Marine und dem ICMBio.
Der Plan regelt auch, wie die Marine ihre Anlagen warten darf: nach einem Protokoll, das das ICMBio gemeinsam mit der Marine festlegt. Jeder Ausbau oder Neubau braucht die Zustimmung des Schutzgebietsverwalters.
Welche Regeln gelten rund um die Inseln?
Die Regeln des Plans sind streng und schützen Vögel, Riffe und isolierte Inselarten. Fischen ist in beiden Einheiten verboten, auch zur Selbstversorgung und als Catch-and-Release, ebenso Aquakultur. Boote müssen mit abgebauten Angelgeräten fahren. Müll, Abwasser und Bilgenwasser dürfen nicht ins Meer. Haustiere dürfen nicht an Bord, Blindenhunde ausgenommen.
Zum Schutz der Brutvögel ist Lärm im Umkreis von einer Seemeile (rund 1,8 Kilometer) um die Inseln verboten, bei Cabras und Palmas im Umkreis von rund einem Kilometer. Auf den Inseln sind Feuer verboten, und im Umkreis von drei Seemeilen darf nicht gegrillt oder frittiert werden, weil der Geruch Vögel anlockt. Dauerhafte Bauten sind nicht erlaubt, außer für Forschung und Überwachung. Das Anlanden auf den Inseln ist nur für Verwaltungsaufgaben mit Genehmigung vorgesehen und folgt Hygieneprotokollen, damit keine fremden Organismen eingeschleppt werden. Ankern ist in der Estação Ecológica verboten, Fluggeräte und Drohnen brauchen eine Genehmigung. Tauchen ist in der Estação Ecológica nur für Verwaltung, Bildung und Forschung zugelassen. Der Plan verbietet außerdem, Tiere zu füttern, Muscheln oder Gesteinsstücke zu entnehmen und Fahrzeuge mit bewachsenem Rumpf einzusetzen.
Wie entstand der Managementplan?
Die Arbeit begann 2010 für die Estação Ecológica allein. Das Team wertete bestehende Daten aus, sprach mit Forschenden, dem Beirat, dem Nautiksektor, den Tauchbetrieben und der Marine und plante sechs Expeditionen. Bei diesen Fahrten arbeiteten 67 Forschende aus 15 Instituten und sechs Forschungszentren des ICMBio. Sie legten im Meer 15 Messstationen bei Alcatrazes und neun beim Archipel der Ilha Anchieta an und markierten auf den bewaldeten Inseln Alcatrazes, Cabras und Palmas Wege mit nummerierten Pfosten alle 100 Meter, damit jede Probe genau verortet ist.
2013 wurde der Prozess unterbrochen und 2016 mit der Gründung des Refúgio wieder aufgenommen. Das erste Planungsdokument für beide Einheiten trat 2017 in Kraft und wurde 2020 und 2025 punktuell überarbeitet. Die Fassung von 2025 ergänzt die Artenlisten und bindet Überwachungsprogramme für Vögel, Fische, Bodenlebewesen, eingeschleppte Arten und Umweltdaten ein.
Wie ist die Estação Ecológica in Zonen gegliedert?
Für die Estação Ecológica sieht der Plan zwei Zonen vor, die Zona Primitiva und die Zona de Uso Conflitante. Eine strengste Zone ohne jede Nutzung gibt es bewusst nicht, weil eine Estação Ecológica gerade der Forschung dienen soll. Zur Zona Primitiva gehören praktisch alle Inselbereiche im Sektor I. Dort kann die Forschung ungestört laufen, Eingriffe werden eingeschränkt, und gelandet wird nur zu Forschungs- und Verwaltungszwecken. Der Sektor II nahe der Küste gilt wegen des Schiffsverkehrs als Zone mit Nutzungskonflikt, in der die Verwaltung den Einfluss der Schifffahrt auf die Tierwelt mindern will.
Eine besondere Ausnahme gibt es für die Regata Alcatrazes por Boreste, die Marine einmal im Jahr ohne Motorboote ausrichtet. Weil sie traditionell besteht und schon vor der Gründung der Einheit üblich war, kann sie ausnahmsweise genehmigt werden.
Häufige Fragen zur Estação Ecológica Tupinambás
Wo liegen die Estação Ecológica Tupinambás und das Refúgio de Alcatrazes?
Im Atlantik vor dem Litoral Norte von São Paulo, in der Nähe der Gemeinden Bertioga, São Sebastião und Ubatuba.
Wann entstand das Refúgio de Vida Silvestre do Arquipélago de Alcatrazes?
Per Bundesdekret vom 2. August 2016. Es grenzt an die Estação Ecológica Tupinambás an und wird gemeinsam mit ihr verwaltet.
Wie hoch sind die Felsen von Alcatrazes?
Die Granitwände erheben sich bis zu 316 Meter über dem Meer.
Welche Vögel brüten auf dem Archipel?
Prachtfregattvögel, Weißbauchtölpel und Dominikanermöwen.
Welche endemischen Tiere gibt es auf Alcatrazes?
Die Lanzenotter Bothrops alcatraz, der Laubfrosch Scinax alcatraz und der Frosch Cycloramphus faustoi.
Was ist beim Fischen in den Schutzgebieten erlaubt?
Nichts: Berufs-, Freizeit- und Subsistenzfischerei sind verboten, ebenso Catch-and-Release und Aquakultur. Nur genehmigte wissenschaftliche Fänge sind zugelassen.
Brasiliens Küste und Inseln entdecken? Flüge, Hotels und Reisen nach Brasilien – jetzt passende Angebote vergleichen.