Die Floresta Nacional do Jamari liegt in Rondônia bei Itapuã do Oeste, südlich von Porto Velho. Das Dekret Nr. 90.224 vom 25. September 1984 schuf den Nationalwald in einem Gebiet, in dem seit den 1950er-Jahren Zinnstein abgebaut wurde. Im Wald wachsen Paranussbäume und Palmen, und Jaguare ziehen durch das Dickicht.
Rondônia ist der Bundesstaat, in dem sich die Amazonas-Waldfront am deutlichsten verschoben hat. Entlang der Straße BR-364 entstanden Siedlungen, Weiden und Felder. Eine große Waldinsel blieb erhalten: die Floresta Nacional do Jamari, kurz Flona do Jamari. Sie liegt zwischen dem Rio Jamari im Westen und dem Rio Jacundá, der im Südosten entspringt, und grenzt im Norden an die Estação Ecológica Estadual de Samuel.
Anders als ein Nationalpark ist ein Nationalwald ein Schutzgebiet für nachhaltige Nutzung: Er schützt Wald, Gewässer und Arten und lässt zugleich geordnete Forstwirtschaft und Forschung zu. Die Geschichte der Flona ist die Geschichte von Zinn, Kautschuk, Straßenbau und Staudamm. Andere Schutzgebiete in Rondônia und Amazonien beschreiben die Seiten zum Nationalpark Pacaás Novos, zur Reserva Biológica do Jaru, zur Reserva Extrativista Chico Mendes und zur Floresta Nacional do Tapajós. Der Rahmen steht auf den Seiten Amazonas und Bodenschätze.
| Einheit | Floresta Nacional do Jamari (Flona do Jamari), Bundesschutzgebiet des ICMBio, Nationalwald für nachhaltige Nutzung |
| Gründung | Dekret Nr. 90.224 vom 25. September 1984 |
| Lage | Rondônia, Verwaltungssitz in Itapuã do Oeste, südlich von Porto Velho an der BR-364 |
| Bioma | Amazonas-Regenwald, überwiegend Terra firme |
| Gewässer | Einzugsgebiete der Flüsse Jacundá, Jamari, Japiim und Preto do Crespo |
| Geschichte | Zinnsteinabbau seit den 1950er-Jahren, Gebiet der früheren Gleba Cajueiro |
| Plan | Plano de Manejo, bestätigt durch Portaria Nr. 51 vom 18. August 2005 |
- Wie wurde aus der Gleba Cajueiro ein Nationalwald?
- Welche Rolle spielte der Zinnsteinabbau?
- Welche Flüsse prägen die Flona?
- Welche Waldtypen wachsen in der Flona?
- Wie sehen die Auwälder und Buritizais aus?
- Welche Säugetiere leben im Nationalwald?
- Wie steht es um Fische, Reptilien und Vögel?
- Warum ist die Verbindung zur Estação Ecológica de Samuel wichtig?
Wie wurde aus der Gleba Cajueiro ein Nationalwald?
Bis in die 1950er-Jahre gab es im späteren Gebiet der Flona kein Dorf. Der einzige Zugang war der Fluss Jamari. Die ersten Menschen kamen in den 1950er-Jahren: Kautschukzapfer, Goldsucher und Garimpeiros, die nach Zinnstein (Kassiterit) suchten, und Sammler von Paranüssen. Als in den 1960er-Jahren die Straße BR-364 zwischen Cuiabá und Porto Velho entstand, begann die Besiedlung entlang der Trasse. Die geringe Fruchtbarkeit der Böden und die Entfernung zu den Städten bremsten den Zuzug. In den 1970er-Jahren wuchsen am Straßenrand die Felder, und im Wald entstanden mechanisierte Zinnminen.
1979 erfasste die Landbehörde INCRA eine große Fläche, die Gleba Cajueiro, als Staatsland. Zwei Jahre später untersuchte sie die Böden und riet davon ab, das Land zur Besiedlung durch Kleinbauern freizugeben. Die beste Bestimmung sei ein Nationalwald. 1983 bestätigte eine Waldinventur des Forstinstituts IBDF, dass Waldbedeckung, Holzvorrat und die sozialen Verhältnisse die Gründung rechtfertigten. Mit einer Schenkung des INCRA entstand am 25. September 1984 die Floresta Nacional do Jamari.
Im Gründungsdekret werden die Gemeinden Porto Velho und Ariquemes genannt. Später entstanden durch Teilungen neue Gemeinden, darunter Itapuã do Oeste und Candeias do Jamari 1992 und Cujubim 1994.
Welche Rolle spielte der Zinnsteinabbau?
Der Abbau von Kassiterit begann in Rondônia in den 1950er-Jahren. Garimpeiros, die nach dem Niedergang des Kautschukbooms in die Region zogen, förderten das Erz von Hand. 1971 wurde die Garimpagem in der damaligen Zinnprovinz Rondônia verboten. Große Bergbaugruppen übernahmen mit staatlicher Förderung die Forschung und ersetzten die Handarbeit durch mechanische Gruben. Die Gruppe Brascan entdeckte 1978 die Mine Potosi und öffnete im Gebiet der heutigen Flona insgesamt zwölf Abbaufronten, darunter Cacimba, 14 de Abril, Novo Mundo, Serra da Onça, São Sebastião, Duduca, Cinzano, Caneco und Taboquinha.
Die Flona entstand also erst über zwanzig Jahre nach Beginn des Bergbaus. Die Spuren sind im Gelände sichtbar. Für die Erzwäsche wurden Bäche aufgestaut, wodurch Hunderte Hektar Terra-firme-Wald überflutet wurden und aus fließenden Gewässern stehende Seen wurden. Wo der taube Abraum abgelagert wurde, verschwand die Vegetation, und die Fläche erwärmt sich tagsüber so stark, dass Säugetiere sie meiden. Verlassene Gruben füllten sich mit Regenwasser zu tiefen, produktionsarmen Seen. Wo der Abraum liegt, kann sich die Vegetation nicht von selbst erneuern.

Welche Flüsse prägen die Flona?
Der größte Teil der Fläche entwässert zum Rio Jacundá. Er entspringt am Südostrand der Flona, und die meisten seiner Zuflüsse liegen innerhalb des Gebiets, sodass das Einzugsgebiet gut erhalten ist. Der Rio Jamari, ein Nebenfluss des Rio Madeira, fließt westlich außerhalb der Grenzen. Seine Hydrologie veränderte sich durch den Staudamm des Wasserkraftwerks Samuel, und in der Flutzeit überschwemmt der Stausee die Mündungsbereiche der Zuflüsse. Das trifft vor allem den Rio Japiim, dessen Quellen und größter Teil des Laufs in der Flona liegen, und den Rio Preto do Crespo im äußersten Süden.
Die Folgen sind deutlich. Der Uferwald (Várzea und Igapó) dieser Flüsse verschwand weitgehend, weil das Wasser dauerhaft höher steht und die Überflutung anders verläuft. Arten, die an saisonale Hochwasser angepasst sind, vertragen Dauerüberflutung nicht. An den Ufern wachsen heute überwiegend Bäume des Festlands, und Arten wie der Genipapo (Genipa americana) besiedeln den neuen Lebensraum. Im Inneren der Flona stauten Bergleute zahlreiche Bäche, wodurch tote Baumstämme wie Pfähle aus den neuen Seen ragen.
Welche Waldtypen wachsen in der Flona?
In der Flona herrscht tropischer Regenwald (Floresta Ombrófila Densa) mit Übergängen zu offenem Regenwald, in dem Palmen oder Lianen vorherrschen. Die mittlere Temperatur liegt um 25 Grad, der Regen verteilt sich gut über das Jahr, es gibt null bis sechzig trockene Tage, also praktisch keine Wasserknappheit. Man unterscheidet fünf Formationen: drei Auwaldtypen (Várzea, Baixio und Buritizal, ein Wald mit Buriti-Palmen) und zwei Festlandtypen. Der Festlandwald nimmt mehr als 95 Prozent der Fläche ein.
Der submontane Wald wächst auf Höhen von 100 bis 160 Metern, auf tiefgründigen, gut drainierten roten und gelben Lehmböden. Das Kronendach liegt bei etwa 40 Metern, einzelne Überragende erreichen 45 bis 55 Meter. Dazu gehören der Paranussbaum (castanheira, Bertholletia excelsa), der Tauarí (Cariniana decandra), der Tonkabohnenbaum Cumaru (Dipteryx odorata), der Angelim-vermelho (Dinizia excelsa), der Paricá (Schizolobium amazonicum) und die Piquiá-Bäume (Caryocar). Dichte Bestände der Palmen Babaçu, Inajá und Tucumã bilden ein Mosaik aus dichtem und offenem Wald.
Der Tieflandwald liegt auf 70 bis 100 Metern in den ebenen Teilen im Zentrum, im Norden und im Westen. Auf den roten Lehmböden liegen hier Laterit-Konkretionen und Granitblöcke. Auch hier ragt die Paranuss über die anderen Bäume, mit Muiracatiara, Copaíba, Cedro, Sucupira und Angelim. Auffällig sind in beiden Typen die wenigen Epiphyten, hauptsächlich Aronstabgewächse wie Philodendron und Anthurium. Im Unterwuchs wachsen vor allem junge Bäume sowie Heliconien, Costus und Calathea.

Wie sehen die Auwälder und Buritizais aus?
Die Várzea-Wälder überziehen die Überschwemmungsebenen der Flüsse. Sie stehen ein bis vier Monate pro Jahr unter Wasser, je nach Pegel, und die größten Bestände liegen in der Aue des Rio Jacundá. Hier wachsen Bäume, die diese Überflutung vertragen, wie Tachi, Tauarí-da-várzea und Matá-matá-da-várzea. Die Zusammensetzung hängt vom Rhythmus von Überflutung und Entwässerung ab. Im Buritizal bestimmt die Buriti-Palme das Bild, an dauerhaft feuchten Stellen.
Auf dem Boden wächst ein weiterer Problembewohner. In den geschädigten Flächen der Flona und ihrer Umgebung breitet sich die Kletterpflanze Pueraria aus. Das schnellwüchsige Gewächs klettert an Baumsetzlingen empor, bremst die Regeneration und bildet am Waldrand riesige Vorhänge, unter denen Bäume ersticken.
Welche Säugetiere leben im Nationalwald?
Die Wälder sind reich an Säugetieren. Wer durch das Gelände geht, sieht vor allem an Wasserstellen viele Fährten. Zu den größeren Arten zählen der Jaguar (onça-pintada), der Puma, der Ozelot und die Langschwanzkatze (gato-maracajá), der Jaguarundi und der Tayra (irara). Dazu kommen Flachlandtapir (anta), Weißbartpekari (queixada) und Halsbandpekari (catetu), Spießhirsche (Mazama), Pakas und Agutis sowie der Große Ameisenbär. Fährten von Hirschen und Pekaris zeigen, wie intensiv die Tiere die Wälder nutzen.
Unter den Primaten fällt auf, dass zwei kleine Krallenaffen zusammen vorkommen: der Tamarin Saguinus fuscicollis, der dichten Wald bevorzugt, und das Äffchen Callithrix emiliae, das in kleineren Waldinseln lebt. Normalerweise konkurrieren die beiden um Lebensraum und Nahrung; ihr gemeinsames Vorkommen deutet auf ein vielfältiges Angebot hin. Weitere Affen der Region sind Nachtaffen, Totenkopfaffen, Kapuzineraffen, Sakis, Klammeraffen und Wollaffen.
Die Jagd belastet viele Familien, vom Tapir über Gürteltiere bis zu Affen, Wildkatzen und Hirschen. Der Verlust von Lebensraum kommt hinzu: Die Aufstauung der Bäche verändert die Wasserläufe, und Arten mit Vorliebe für offene Standorte, etwa das Capybara, profitieren, während Waldarten verschwinden können. Ein Beispiel ist der Riesenotter (ariranha), der schnell fließendes Wasser braucht und durch Erosion und Verschlammung der Ufer seine Lebensräume verliert.
Wie steht es um Fische, Reptilien und Vögel?
Die Gewässer der Flona waren ursprünglich fließende Bäche und Flüsse mit Überschwemmungsflächen in der Flutzeit zwischen Oktober und Mai. Sie wandeln sich durch Stauungen zu stehenden Gewässern, mit ertrunkenen Wäldern, deren Stämme wie Zahnstocher aus dem Wasser ragen. Dort leben Buntbarsche wie der Pfauenbarsch Tucunaré (Cichla monoculus). Im Laub am Waldboden und in temporären Tümpeln halten sich Frösche, Kröten und kleine Schildkröten auf; an Bächen, Flüssen und Stauseen leben Kaimane, Wasserschildkröten und fischfressende Schlangen wie die Anakonda (Eunectes) und die Gattung Helicops.
Die Vogelwelt ist die eines Waldes im Südwesten Amazoniens. Am Boden leben Steißhühner wie Crypturellus soui und Crypturellus strigulosus, die sich im Laub verstecken.
Warum ist die Verbindung zur Estação Ecológica de Samuel wichtig?
Die Flona grenzt im Norden an die Estação Ecológica Estadual de Samuel und an einen Privatbesitz, die Fazenda Manoa. Diese Nachbarschaft sichert den Austausch mit größeren Waldmassiven. Damit die Tier- und Pflanzenbestände auf Dauer genetisch nicht isoliert werden, braucht der Norden der Flona besonderen Schutz. Denn rund um die Flona wird Wald schnell in Weide und Feld verwandelt, und das Gebiet steht unter Randeffekten und Fragmentierung.
Der Nationalwald liegt damit zwischen Staudamm, Bergbaugruben und Rodungsfront. Gerade deshalb ist der zusammenhängende Wald im Nordteil und im Einzugsgebiet des Rio Jacundá für die Tier- und Pflanzenwelt der Region wertvoll.
Häufige Fragen zur Floresta Nacional do Jamari
Wo liegt die Floresta Nacional do Jamari?
In Rondônia, mit Verwaltungssitz in Itapuã do Oeste, rund 110 Kilometer südlich von Porto Velho an der BR-364.
Wann wurde sie gegründet?
Mit dem Dekret Nr. 90.224 vom 25. September 1984.
Welche Rolle spielte der Zinnbergbau?
Seit den 1950er-Jahren wurde im Gebiet Kassiterit abgebaut, zuerst von Garimpeiros, später mechanisiert; die Gruben prägen Teile des Waldes bis heute.
Welcher Fluss entwässert den größten Teil?
Der Rio Jacundá, der am Südostrand der Flona entspringt.
Welche Bäume prägen den Wald?
Paranussbaum, Tauarí, Cumaru, Angelim und Piquiá, dazu dichte Bestände von Babaçu-, Inajá- und Tucumã-Palmen.
Welche Großtiere leben dort?
Jaguar, Puma, Tapir, Pekaris, Hirsche und viele Affenarten.
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