Die Floresta Nacional do Tapajós liegt in Pará zwischen dem Rio Tapajós im Westen, dem Rio Cupari im Süden und der Fernstraße BR-163 im Osten. Das Dekret Nr. 73.684 vom 19. Februar 1974 schuf sie. Dichter Regenwald, ein Fluss mit klarem Wasser, Klammeraffen, Harpyien und eine lange Forschungsgeschichte prägen den Nationalwald.
Eine Floresta Nacional ist kein Nationalpark. Sie schützt Wald und erlaubt zugleich nachhaltige Nutzung durch die Menschen, die dort leben. Die Floresta Nacional do Tapajós im Westen von Pará ist dafür das bekannteste Beispiel Amazoniens und zugleich eines der am gründlichsten untersuchten Schutzgebiete Brasiliens. Die Seite beschreibt Gründung, Klima, Gesteine, Gewässer, Waldtypen, Forschung, Primaten, Vögel und die Vielfalt im Fluss.
Weitere Schutzgebiete und Naturräume Amazoniens beschreiben die Seiten zum Nationalpark Amazônia, zur Floresta Nacional de Carajás und zur Reserva Biológica do Rio Trombetas; den ganzen Naturraum schildert die Seite zum Amazonas.
| Gründung | Dekret Nr. 73.684 vom 19. Februar 1974 |
| Kategorie | Floresta Nacional, nachhaltige Nutzung |
| Lage | Pará, Gemeinden Belterra, Rurópolis, Aveiro und Placas |
| Grenzen | Rio Tapajós im Westen, Rio Cupari im Süden, BR-163 im Osten |
| Klima | Tropisch feucht, Jahresmittel rund 25,5 °C, Regenzeit Januar bis Mai |
| Gestein | Rote Sandsteine und Tonsteine der Formação Barreiras |
| Wald | Dichter Regenwald des Tieflands, Auwald, offener Wald mit Palmen |
| Besonderheit | Lebensraum des Coatá-de-testa-branca und jahrzehntelange Waldforschung |
- Wie entstand die Floresta Nacional do Tapajós?
- Was bedeutet die Kategorie Floresta Nacional?
- Welches Klima herrscht am Unteren Tapajós?
- Welche Gesteine und Landschaftsformen gibt es?
- Wie fließt der Rio Tapajós am Nationalwald vorbei?
- Welche Wälder wachsen im Nationalwald?
- Welche Primaten leben im Wald?
- Welche Vögel, Fische und Reptilien gibt es?
Wie entstand die Floresta Nacional do Tapajós?
Der Name geht auf den Rio Tapajós zurück, und der Fluss trägt den Namen der Tapajós, eines indigenen Volkes, das vor der Ankunft der Europäer dicht besiedelt in der Region lebte. Archäologische Studien belegen große Gemeinschaften am Unteren Tapajós. Später prägten zwei Kautschukzyklen die Ufer: von 1879 bis 1912 und von 1932 bis 1945. Aus Familien von Kautschukzapfern aus dem Nordosten Brasiliens entstanden viele Flussgemeinden.
Die zweite große Einwanderungswelle kam mit den Straßenprojekten der frühen 1970er-Jahre. Das Programm zur nationalen Integration unter Präsident Médici trug den Slogan „ocupar para não entregar“ („besetzen, um nicht abzugeben“) und finanzierte die Transamazônica und die Fernstraße Cuiabá–Santarém (BR-163) samt Siedlungsprojekten auf einem zehn Kilometer breiten Streifen beiderseits der Straßen. Ein Erkundungsinventar der Forstbehörde IBDF entlang der Straße Cuiabá–Santarém Ende 1972 führte zur Entscheidung, am Rio Tapajós einen Nationalwald einzurichten, mit Zugang über den Fluss und über die BR-163. Das Dekret von 1974 stellte ihn unter die Aufsicht des IBDF. Die Gründung löste heftige Konflikte mit den Bewohnern aus, weil weder Eigentumsfragen noch die traditionellen Familien vorher geklärt worden waren.
Was bedeutet die Kategorie Floresta Nacional?
Eine Floresta Nacional schützt die Wälder und lässt zugleich nachhaltige Nutzung zu. Im Tapajós leben Familien in Gemeinden im Wald, etwa in Jamaraquá, Pini, Piquiatuba und Tauari, einige davon am Fluss, andere im Inneren. Sie nutzen Waldprodukte, betreiben Landwirtschaft und Agroforst und fischen. Zu den Aufgaben der Verwaltung gehören Brandschutz und der Schutz vor Holzdiebstahl, Wilderei und übermäßigem Fischfang. Ein Beirat mit Vertretern der Gemeinden, der Behörden und der Forschung begleitet die Verwaltung.
Wissenschaftliche Arbeit hat hier eine besondere Tradition. Die Forschung im Gebiet ist älter als das Schutzgebiet selbst und diente zunächst dazu, Methoden der Waldnutzung zu prüfen und Maßstäbe für die nachhaltige Nutzung amazonischer Wälder zu entwickeln. Viele Untersuchungen betreffen die Pflanzen, deutlich weniger die Tiere; bei den Wirbellosen gibt es große Lücken.
Welches Klima herrscht am Unteren Tapajós?
Das Klima ist äquatorial heiß und feucht, nach Köppen vom Typ Ami. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 25,5 °C, die Regenzeit dauert von Januar bis Mai. Drei Monate im Jahr sind trocken. Die Messreihe der Station Belterra von 1971 bis 2016 ergibt im Mittel rund 1.900 Millimeter Niederschlag; das nasseste Jahr war 1984 mit mehr als 3.000 Millimetern, das trockenste 1992 mit weniger als 1.000.
Die höchsten Temperaturen erreicht der Oktober mit durchschnittlich 32,5 °C am Tag, am kühlsten ist der Juli mit rund 21 °C. Die Verdunstung ist im Oktober am größten und im Mai am kleinsten, sie folgt also dem Rhythmus von Hitze und Regen.
Welche Gesteine und Landschaftsformen gibt es?
Das Gebiet liegt auf der Formação Barreiras, roten, kontinentalen Ablagerungen aus feinen bis mittleren Sandsteinen, Tonsteinen und einzelnen Konglomeraten. Die Sandsteine sind meist kreuzgeschichtet, rot und bunt gefärbt, tonig gebunden und mürbe. Im Süden am Rio Cupari tritt die Formation Nova Olinda auf. Der überwiegende Teil des Gebiets zählt zu den Sedimentabfolgen der großen Becken.
Die Landschaft besteht vor allem aus zerschnittenen Tafeln, den Tabuleiros, mit Höhenunterschieden von 20 bis 50 Metern, sowie aus Hügeln und niedrigen Bergen mit gerundeten Kuppen und Höhenunterschieden von 30 bis 80 Metern. Die Böden sind tief und gut durchlässig.

Wie fließt der Rio Tapajós am Nationalwald vorbei?
Das Gewässernetz entwässert nach Westen in den Rio Tapajós, nach Süden in den Rio Cupari, einen Nebenfluss des Tapajós, und nach Osten in das Becken des Rio Curuá-Una; dort entspringt der Rio Moju, der über den Curuá-Una direkt in den Amazonas fließt. Der Tapajós entsteht aus dem Zusammenfluss von Juruena und Teles Pires, beide aus Mato Grosso, und nimmt unter anderem Arapiuns, Jamanxim, Crepori und Tropas auf. Der Jamanxim ist mit 657 Kilometern der längste Nebenfluss. Im Becken fallen zwischen 1.600 und 2.700 Millimeter Regen im Jahr, und der mittlere Abfluss liegt bei rund 3.000 Kubikmetern pro Sekunde: am niedrigsten im September, am höchsten im März.
Der Fluss führt klares Wasser mit wenig Huminstoffen und Schwebstoffen. Weil seine Quellflüsse durch Sedimentgesteine mit großem Speichervermögen fließen, bleibt die Wasserführung das ganze Jahr hoch und schwankt weniger als bei Flüssen, die über kristallines Gestein fließen. In Teilen des Mittellaufs fließt er schnell und über Stromschnellen, unterhalb der Wasserfälle von São Luiz wird er ruhiger. Dieser Abschnitt, der Untere Tapajós, ist rund 320 Kilometer lang und reicht bis zur Mündung in den Amazonas bei Santarém; dort bilden sich bewachsene Sedimentinseln. Wo der Mensch wenig eingreift, ist das Wasser durchsichtig, wenig leitfähig und von guter Qualität.
Welche Wälder wachsen im Nationalwald?
Die Vegetation ist ein Mosaik, das von dichten Regenwäldern des Tieflands und der Hügel beherrscht wird. Dazu kommen Auwald entlang der Flüsse, offener Wald mit Palmen und im Nordwesten kleine Flächen mit Pionierformationen unter Flusseinfluss. Sekundärwald und Weiden liegen vor allem am Rand und im Umland.
Auf Dauerflächen, die über mehr als 20 Jahre untersucht wurden, fanden Forscher mehr als 300 Baumarten. Die wichtigsten Nutzhölzer sind Andiroba (Carapa guianensis), Angelim (Dinizia excelsa), Aroeira, Muiracatiara (Astronium gracile), Freijó (Cordia goeldiana), Jutaí-açu (Hymenaea courbaril), Maçaranduba (Manilkara huberi), Marupá, Pau-d’arco, Quaruba, Sucupira und Tatajuba (Bagassa guianensis). Die Versuche prüften, wie stark man den Bestand durchforsten kann, damit die Artenvielfalt steigt: Das Fällen großer Nutzbäume mit mindestens 55 Zentimeter Stammdurchmesser und das Auslichten wertloser Arten förderten die Vielfalt am meisten.
Auch die Bestäuber wurden untersucht. In den Baumkronen fand man 75 Arten bestäubender Insekten. In bewirtschafteten Waldflächen lag der Pollenauftrag niedriger; die Zusammensetzung und Häufigkeit der Bestäuber hatte sich verändert, was langfristig die Zahl der Früchte und Samen beeinflussen kann.

Welche Primaten leben im Wald?
Die meisten Säugetierstudien gelten den Primaten. Im Nationalwald lebt der Coatá-de-testa-branca (Ateles marginatus), ein Klammeraffe mit kleinem Verbreitungsgebiet. Außerdem leben dort Kapuzineraffen, Totenkopfaffen, das Silberäffchen, der Springaffe Callicebus moloch, der Weißnasensaki (Chiropotes albinasus) sowie zwei Brüllaffenarten, Alouatta discolor und Alouatta seniculus. Insgesamt wurden bis zu zehn Primatenarten festgestellt.
Die Weißnasensakis haben Streifgebiete von bis zu 1.000 Hektar, eine der größten bei neotropischen Affen. Viele Arten ziehen in gemischten Gruppen und verbreiten die Samen von Bäumen, darunter wichtigen Holzarten. Viele Gruppen laufen kaum am Boden, deshalb ist die Struktur des Waldes für sie lebenswichtig. Fledermäuse bestäuben und verbreiten Samen vieler Pflanzen; in einer Untersuchung wurden 1.468 Tiere aus 45 Arten gefangen, und sechs gefährdete Arten meiden Lichtungen. Bei den mittelgroßen und großen Säugetieren fanden Forscher in einem Waldabschnitt und in Waldresten der Umgebung 38 Arten, in der Umgebung einer Gemeinde 58. Der Amazonas-Manati, eine Seekuh des Süßwassers, lebt in Seen des Gebiets.
Welche Vögel, Fische und Reptilien gibt es?
Die Wälder am Tapajós sind wegen ihrer endemischen Arten und ihrer Artenvielfalt für die Vogelwelt Südamerikas bedeutsam. Aus neun Studien ergibt sich eine Liste von rund 550 Arten. Unter den Greifvögeln leben die Harpyie (Harpia harpyja), der Uiraçu-falso (Morphnus guianensis) und der Gavião-de-penacho (Spizaetus ornatus). Harpyien bauen ihre Nester in hohen Bäumen; sie erbeuten unter anderem Faultiere wie das Zweifingerfaultier (Choloepus didactylus). Die Kartierung ihrer Nester zeigte, wie eng die Vögel an einzelne Bäume gebunden sind: Das Fällen des Nestbaums oder Holzeinschlag in der Nähe führte zum Verlust der Hälfte der kartierten Nester.
Im Rio Tapajós sind mindestens 494 Fischarten nachgewiesen. Fisch ist die wichtigste tierische Eiweißquelle der Dörfer, gefolgt von der Jagd. Die meistgegessenen Fische sind Buntbarsche wie Caratinga und Tucunaré, Pacu, Pescada, Branquinha und Aracu. Der Untere Tapajós beherbergt 12 Arten der Aracus, die artenreichste Aracu-Fauna aller bisher untersuchten Becken Amazoniens. Bei den Reptilien und Amphibien sind 30 bis 32 Froscharten bekannt, daneben Echsen wie Plica plica und Plica umbra sowie giftige Schlangen der Gattungen Bothrops und Lachesis. Eine Erhebung bestimmte 20 Echsen-, 11 Schlangen- und 17 Amphibienarten; für die Zahl aller Arten reichen die bisherigen Untersuchungen nicht aus.
Häufige Fragen zur Floresta Nacional do Tapajós
Wann wurde die Floresta Nacional do Tapajós gegründet?
Mit dem Dekret Nr. 73.684 vom 19. Februar 1974.
Wo liegt sie?
In Pará, zwischen dem Rio Tapajós, dem Rio Cupari und der Fernstraße BR-163, nahe Santarém.
Woher kommt der Name?
Vom Rio Tapajós, der nach den Tapajós benannt ist, einem Volk, das vor der Ankunft der Europäer hier lebte.
Was unterscheidet eine Floresta Nacional von einem Nationalpark?
Sie lässt nachhaltige Nutzung durch die Bewohner zu, ein Nationalpark ist strenger geschützt.
Welcher bedrohte Klammeraffe lebt im Wald?
Der Coatá-de-testa-branca, Ateles marginatus, ein Affe mit kleinem Verbreitungsgebiet.
Welche Farbe hat das Wasser des Tapajós?
Es ist klar und durchsichtig, mit wenig Huminstoffen und Schwebstoffen.
Passend dazu: Floresta Nacional de Caxiuanã, Reserva Extrativista Chico Mendes.
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