Der Nationalpark Grande Sertão Veredas liegt im Nordwesten von Minas Gerais an der Grenze zu Bahia und schützt auf mehr als 230.000 Hektar Cerrado mit Buriti-Palmensümpfen, Sandpisten und klaren Flüssen. Der Name erinnert an den Roman von João Guimarães Rosa. Besuch mit Allradwagen und Führer.
Der Sertão ist in Brasilien ein Wort mit Gewicht: das trockene, weite Hinterland, Heimat der Vaqueiros und Schauplatz großer Literatur. Der Grande Sertão Veredas ist das Schutzgebiet, das diese Landschaft bewahrt. Es liegt in der Region der Gerais, dem Hochland des Cerrado im Westen des Rio São Francisco, wo Hochebenen, Sandböden und feuchte Mulden mit Palmen das Bild bestimmen. Diese Seite erklärt Gründung, Namen, Landschaft, Pflanzen, Tiere, Ziele, Anreise und Planung.
Ein weiteres großes Cerrado-Schutzgebiet beschreibt die Seite zur Chapada dos Veadeiros, die Hochebene im Süden von Goiás die Seite zum Nationalpark Emas.
| Gründung | Dekret Nr. 97.658 vom 12. April 1989 (83.364 ha); Erweiterung durch Dekret ohne Nummer vom 21. Mai 2004 |
| Fläche | mehr als 230.000 Hektar, Bioma Cerrado |
| Gemeinden | Chapada Gaúcha, Formoso und Arinos in Minas Gerais sowie Cocos in Bahia |
| Gewässer | Rio Preto, Rio Carinhanha (Grenzfluss zwischen Minas Gerais und Bahia), Ribeirão Mato Grande |
| Besuchszeiten | täglich 7 bis 18 Uhr; Verwaltung Montag bis Freitag 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr |
| Eintritt | frei (Stand: November 2026) |
| Verwaltungssitz | Rua Guimarães Rosa 149, Centro, Chapada Gaúcha |
- Wie entstand der Nationalpark Grande Sertão Veredas?
- Warum heißt der Park Grande Sertão Veredas?
- Was sind Veredas und welche Landschaften prägen den Park?
- Welche Rolle spielt die Buriti-Palme für die Menschen?
- Welche Tiere leben im Grande Sertão Veredas?
- Was sind die wichtigsten Ziele im Park?
- Wie kommt man zum Grande Sertão Veredas?
- Wann und wie plant man den Besuch?
Wie entstand der Nationalpark Grande Sertão Veredas?
Untersuchungen der Stiftung Pró-Natureza (FUNATURA) zwischen 1987 und 1989 stellten für das Gebiet außerordentliche ökologische und kulturelle Bedeutung fest: reiche Artenvielfalt, wichtige Wasservorkommen und eine traditionelle Lebensweise. In der gesamten Region der Gerais gab es bis dahin kein Schutzgebiet. 1989 wurde der Park mit 83.364 Hektar gegründet. 2004 wurde er auf mehr als 230.000 Hektar erweitert. Er reicht über die Gemeinden Chapada Gaúcha, Formoso und Arinos in Minas Gerais und Cocos in Bahia.
Die ursprüngliche Fläche lag zu 70 Prozent in Formoso, zu 20 Prozent in Arinos und zu 10 Prozent in Chapada Gaúcha. Zu den Zielen gehören neben dem Schutz von Pflanzen, Tieren und typischen Ökosystemen des Cerrado auch Forschung, Umweltbildung, Erholung in der Natur und die Förderung der regionalen Entwicklung.
Warum heißt der Park Grande Sertão Veredas?
Der Name ehrt den Roman „Grande Sertão: Veredas“ von João Guimarães Rosa, eines der wichtigsten Werke der brasilianischen Literatur. Das Buch schildert die Gegend mit großer Feinfühligkeit: Orte, das Verhältnis der Menschen zur Natur und die Kultur des Landesinneren. Region und Roman gehören so eng zusammen, dass Naturschützer in Minas Gerais früh vorschlugen, das Schutzgebiet nach dem Schriftsteller zu benennen.
Guimarães Rosa wurde in Cordisburgo geboren, einer Stadt am oberen São Francisco, die 90 Kilometer von Belo Horizonte entfernt an der BR-040 liegt. Dort erinnert ein Museum an ihn. Wer Park und Literatur verbinden möchte, kann beides auf einer Reise durch Minas Gerais kombinieren. Die Hauptstadt des Bundesstaates beschreibt die Seite zu Belo Horizonte.
Was sind Veredas und welche Landschaften prägen den Park?
Veredas sind feuchte Mulden im Cerrado, in denen das Grundwasser an die Oberfläche tritt. Dort wachsen Buriti-Palmen (Mauritia flexuosa), die wie Säulen in einem Meer aus Gras stehen. Die Veredas speisen Bäche und Flüsse und gehören zu den Wasserlieferanten der Region. Der Park liegt auf dem Chapadão Central, der Hochebene und Wasserscheide des Rio São Francisco. Die Böden sind Sandböden, auf den Wegen liegt loser Sand.
Der Pflanzenbestand zeigt viele Formen des Cerrado: Cerrado im engeren Sinn (dicht, typisch und licht), Cerradão mit höheren Bäumen, Carrasco, Vereda, Galeriewald entlang der Flüsse sowie offene Grasländer als Campo sujo mit Sträuchern und Campo limpo mit niedrigem Gras. Der Carrasco, ein dichter Strauchwald auf sandigem Boden, steht unter dem Einfluss der Caatinga. Die Campos limpos teilen Arten mit den Felsfluren der Hochgebirge in Zentralbrasilien.
Zum Landschaftsbild gehört außerdem der Zusammenfluss von Rio Preto und Rio Carinhanha. Der Rio Carinhanha bildet die natürliche Grenze zwischen Minas Gerais und Bahia. Das Mirante Três Irmãos liegt am nächsten zur Stadt Chapada Gaúcha und ist auch mit einem Fahrzeug ohne Allrad erreichbar.

Welche Rolle spielt die Buriti-Palme für die Menschen?
Unter den vielen Nutzpflanzen der Region ist die Buriti-Palme die wichtigste. Sie wird fast vollständig verwertet: Aus den Palmwedeln und Stämmen entstehen Dächer, Hauswände, Kunsthandwerk, Besen und Siebe, außerdem haben Teile der Pflanze medizinische Bedeutung. Eine Familie braucht im Jahresdurchschnitt rund 69 Buriti-Palmwedel für die Dächer von Häusern und überdachten Flächen. Der Buriti ist der Baum, der die Region am besten verkörpert, weil er Nutzen und landschaftliche Schönheit verbindet.
Die Veredas mit ihren Buritizais, den Palmenhainen, sind deshalb mehr als Kulisse. Sie sind Wasserquelle, Rohstoffquelle und Teil der Kultur der Sertanejos, der Menschen des Hinterlandes. Die Gemeinschaften der Umgebung leben von Subsistenzlandwirtschaft, Sammeln und wenigen Rindern, und Feuerholz, Pfosten und Palmwedel gehören zu ihrem Alltag.
Welche Tiere leben im Grande Sertão Veredas?
Die Bestandsaufnahme der Wirbeltiere zeigt, wie viel der Park beherbergt. Es wurden 244 Vogelarten notiert, von denen 22 wandern oder saisonal umherziehen. Bei den Säugetieren sind 56 Arten aus zehn Ordnungen belegt, das ist etwa ein Drittel aller im Cerrado bestätigten Arten. Dazu kommen 22 Amphibien und 31 Reptilien. In Bächen, Flüssen und Veredas leben 62 Fischarten, alle heimisch. Die Bäche beherbergen 45 Arten, von denen 30 selten sind und 11 nur dort vorkommen. In den Veredas finden sich 22 der 62 Arten.
Zwölf Vogelarten leben ausschließlich in den Veredas. Im Carrasco treten Vögel auf, die sonst in der Caatinga und im Chaco zu Hause sind und im Cerrado fehlen. Am artenreichsten sind die Bereiche um die Station an den Quellen des Mato Grande und das Plateau zwischen dem Ribeirão Mato Grande und dem Rio Preto.
Geschützte, bedrohte Tiere des Parks sind Sumpfhirsch, Mähnenwolf, Ozelot, Pampaskatze, der Brasiliensäger, Großer Ameisenbär, Jaguar, Riesengürteltier, Puma, Kugelgürteltier und ein stacheliger Nager (Carterodon sulcidens). Der Park ist ein Rückzugsraum für Arten, die in anderen Teilen Brasiliens selten wurden.

Was sind die wichtigsten Ziele im Park?
Das Mirante Três Irmãos ist der am nächsten zur Stadt gelegene Besuchspunkt. Der Aussichtspunkt lässt sich ohne Allrad erreichen. Am Zusammenfluss von Rio Preto und Rio Carinhanha treffen zwei Flüsse aufeinander, deren einer die Landesgrenze markiert. Die Vereda do Santa Rita mit ihrem Zusammenfluss zum Rio Preto zeigt den Typ der Palmenmulde in Reinform. Die Cachoeira und Trilha do Mato Grande führen zu einem Wasserfall, der Mirante da Seriema ist ein weiterer Aussichtspunkt. Dazu kommen zahlreiche weitere Veredas.
Die Entfernungen im Park sind groß, und Funknetz gibt es nicht. Empfehlenswert ist deshalb ein lokaler Führer. Viele Pisten verzweigen sich, und ohne Ortskenntnis verirrt man sich leicht. Eine Liste eingetragener Führer führt die Parkverwaltung.
Wie kommt man zum Grande Sertão Veredas?
Der Verwaltungssitz liegt in Chapada Gaúcha in Minas Gerais. Die Stadt erreicht man von Arinos, São Francisco, Januária oder Montalvânia aus. Unter diesen Zufahrten ist nur die über Arinos asphaltiert. Der Flughafen in Brasília ist der am einfachsten erreichbare. Ein Busunternehmen fährt auf der Linie Brasília – Januária mit Halt in Chapada Gaúcha.
Im Inneren des Parks sind die Wege aus losem Sand, daher ist ein Fahrzeug mit Allradantrieb empfohlen. Weitere Informationen zur Fortbewegung im Land enthält die Seite Fortbewegung. Ein ganz anderes Schutzgebiet in Minas Gerais ist der Nationalpark Caparaó.
Wann und wie plant man den Besuch?
Der Park kann das ganze Jahr besucht werden. Die Trockenzeit dauert von Mai bis Oktober, die Regenzeit von November bis April. In der Regenzeit besteht die Gefahr von Sturzfluten, wenn sich Wasser an den Quellen staut und plötzlich flussabwärts rauscht. Der Park ist täglich von 7 bis 18 Uhr geöffnet, die Besuche müssen bis 18 Uhr enden, weil der Führer die Schlüssel der Schranken zurückgeben muss. Der Eintritt ist frei (Stand: November 2026). Besuche meldet man per Telefon oder WhatsApp, per E-Mail oder persönlich im Büro in Chapada Gaúcha an. Beim Eintrag in der Verwaltung unterschreibt man die Besuchserlaubnis mit Risikoerklärung.
Im Gepäck gehören Wasser, ein Imbiss ohne Glas- und Dosenverpackung, geschlossene Schuhe, Mütze, Sonnenschutz und Repellent. Vor der Fahrt sollte der Tank voll sein, denn die Strecken sind lang. Regenjacke und Wechselkleidung in einem wasserdichten Beutel helfen in der Regenzeit. Abfall, auch organischer, wird zurück in die Stadt gebracht. Nicht erlaubt sind Haustiere, Sonnencreme, Repellent, Shampoo und Seife beim Baden im Fluss, Alkohol oder andere Drogen in den Besuchsbereichen, Waffen, Jagd- und Fanggeräte sowie Lautsprecher. Der Park hat keinen Rettungsdienst, jeder ist für die eigene Sicherheit verantwortlich. Nicht alle Betriebe in der Stadt akzeptieren Karten.
Wer den Sertão mit weiteren Naturzielen verbinden möchte, findet Anregungen auf der Seite Reiseziele.
Häufige Fragen zum Nationalpark Grande Sertão Veredas
Wo liegt der Nationalpark Grande Sertão Veredas?
Im Nordwesten von Minas Gerais und im angrenzenden Westen von Bahia, in den Gemeinden Chapada Gaúcha, Formoso, Arinos und Cocos.
Kostet der Eintritt etwas?
Nein, der Eintritt ist frei (Stand: November 2026).
Wann ist der Park geöffnet?
Täglich von 7 bis 18 Uhr. Der Besuch muss um 18 Uhr beendet sein.
Brauche ich einen Allradwagen?
Für den Park ist ein Fahrzeug mit Allradantrieb empfohlen, weil die Wege im Inneren aus losem Sand bestehen. Das Mirante Três Irmãos ist auch ohne Allrad erreichbar.
Woher kommt der Name des Parks?
Vom Roman „Grande Sertão: Veredas“ von João Guimarães Rosa, der die Gegend und ihre Menschen beschreibt.
Was ist eine Vereda?
Eine feuchte Mulde im Cerrado, in der Grundwasser austritt und Buriti-Palmen wachsen. Veredas speisen Bäche und Flüsse.
Passend dazu: Nationalpark Campos Amazônicos.
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