Der Nationalpark Monte Pascoal in Bahia ist der erste und einzige Parque Nacional e Histórico Brasiliens. Auf 22.240 Hektar liegen der Berg, den die portugiesischen Seefahrer 1500 als erstes Land sahen, Mata Atlântica, Mangroven und Strände. Der Park überlagert das Territorium der Pataxó.
Wer von Süden über die Küste Bahias reist, sieht ihn schon von Weitem: einen einzelnen, runden Berg, der aus dem flachen Küstenland aufsteigt. Der Monte Pascoal war das erste Stück Brasilien, das portugiesische Seefahrer zu Gesicht bekamen. Heute schützt ein Nationalpark den Berg, den Wald an seinen Hängen und einen Küstenstreifen mit Flussstränden. Das Besondere: Der Park liegt im Territorium der Pataxó und wird gemeinsam mit ihnen verwaltet. Besucher gehen hier ausschließlich mit indigenen Führern. Diese Seite erklärt Geschichte, Landschaft, Tiere, Wege, Dörfer und Planung.
Den geschichtlichen Hintergrund der Entdeckung beschreibt die Seite zur Kolonialzeit, die Meeresschutzgebiete weiter nördlich die Seite zu den Abrolhos.
| Gründung | Dekret Nr. 242 vom 29. November 1961; Dekret Nr. 3.421 vom 20. April 2000 |
| Fläche | 22.240,67 Hektar, Bioma Mata Atlântica |
| Lage | Extremer Süden von Bahia, Gemeinde Porto Seguro; Verwaltung in Prado |
| Besonderheit | erster und einziger Parque Nacional e Histórico Brasiliens; deckt sich mit dem Territorium Barra Velha do Monte Pascoal |
| Welterbe | Teil des UNESCO-Naturerbes Costa do Descobrimento |
| Zwei Sektoren | Setor Florestal (Wald, Berg) und Setor Litorâneo (Küste, Flüsse) |
| Eintritt | kostenlos; indigener Führer Pflicht |
| Öffnung Wald | täglich; Einlass 7 bis 14 Uhr (Bergtrail), bis 15 Uhr (übrige Ziele), Ausgang bis 17 Uhr |
- Warum ist der Monte Pascoal ein historischer Nationalpark?
- Welche Landschaften liegen im Park?
- Welche Tiere und Pflanzen leben am Monte Pascoal?
- Wie ist der Park aufgeteilt und wie kommt man hin?
- Welche Wege führen durch den Waldsektor?
- Was bietet der Küstensektor?
- Wie erlebt man die Kultur der Pataxó?
- Welche Regeln gelten im Park?
- Wie plant man die Reise nach Monte Pascoal?
Warum ist der Monte Pascoal ein historischer Nationalpark?
Der Park deckt das erste Stück Land ab, das die portugiesischen Navigatoren von Brasilien erblickten. Dieser Moment gehört zur Gründungsgeschichte des Landes und gibt dem Berg seine nationale Bedeutung. Zugleich war die Küste in den ersten Jahrzehnten der Kolonisierung ein Siedlungsraum, und hier lebten schon lange vorher indigene Völker, die bis heute dort wohnen. Aus dieser Verbindung von Natur und Geschichte erklärt sich der Name: Der Monte Pascoal ist der erste und einzige Parque Nacional e Histórico des Landes.
Der Park entstand 1961 mit 22.240,67 Hektar. Ein zweites Dekret aus dem Jahr 2000 gehört ebenfalls zu den Gründungsdokumenten. Die Fläche ist Teil des Welterbes der Costa do Descobrimento, das in Brasilien als Naturerbe eingetragen ist. Der Nachbarpark Descobrimento gehört zum gleichen Schutzraum.
Eine Besonderheit ist die Überlagerung mit dem Territorium der Pataxó. Der Park liegt auf dem Indigenen Territorium Barra Velha do Monte Pascoal. Verwaltung und Betrieb teilen sich deshalb das Naturschutzamt ICMBio und die Anführer der Pataxó. Das hat praktische Folgen: Der Zugang zu den Wegen läuft über indigene Führer, die Dörfer des Territoriums sind Teil des Besuchs, und die Regeln des Parks nehmen Rücksicht auf heilige Orte.
Welche Landschaften liegen im Park?
Auf kleiner Fläche versammelt der Park mehrere Lebensräume. Im Westen steigt der Wald zum Berg an: ein bedeutender Rest der Mata Atlântica im äußersten Süden von Bahia. Im Osten liegen Strände mit klarem Wasser, Restinga-Vegetation auf sandigen Böden, Mangroven an den Flussmündungen und die Flussstrände von Caraíva und Corumbau. Dazu kommen die Campos de Mussununga, Grasland und Buschvegetation auf Sandböden mitten im Wald, die es nur in dieser Region gibt.
Die Grenzen des Parks folgen dem Wasser. Das Meer begrenzt ihn im Osten, der Rio Caraíva im Norden und der Rio Corumbau im Süden. Beide Flüsse münden in einem Meeresabschnitt, der zur Reserva Extrativista Marinha do Corumbau gehört, einem Schutzgebiet, in dem die Küstenbewohner nachhaltig fischen. Das Klima der Region ist feuchttropisch, allgemeine Hinweise zum Klima im Land enthält die Seite Klima.

Welche Tiere und Pflanzen leben am Monte Pascoal?
Der Park schützt Arten, die zu den seltensten der Mata Atlântica gehören. Vom Aussterben bedroht ist der Papagei Chauá (Amazona rhodocorytha). Ebenso geschützt sind der Hokkohuhn-Vogel Mutum-do-sudeste (Crax blumenbachii), die Cotinga-crejoá (Cotinga maculata), der Pica-pau-de-coleira-do-sudeste (Celeus torquatus tinnunculus), die Choquinha-de-rabo-cintado (Myrmotherula urosticta), der Sabiá-pimenta (Carpornis melanocephala) und der Gavião-pomba (Leucopternis lacernulatus). Dazu kommen der Fisch Piaba (Mimagoniates sylvicola) und die Riesenameise Dinoponera lucida.
Bei den Säugetieren stehen Jaguar (Panthera onca), Riesengürteltier (Priodontes maximus) und Puma (Puma concolor greeni) auf der Liste der geschützten Arten. Die Tiriba-grande (Pyrrhura cruentata), ein Sittich, ist ebenfalls bedroht. Für die Pflanzenwelt gibt es eine eigene Artenliste des Parks.
Wer Vögel beobachten will, ist hier richtig. Das Programm zur Vogelbeobachtung führen indigene Führer, die Gefieder, Schnabelform und Verhalten der Arten aus ihrer Erfahrung im Wald erklären. In den Beobachtungslisten stehen unter anderem der Araçari-de-bico-branco (Pteroglossus aracari), der Surucuá-de-barriga-amarela (Trogon viridis), der Urubu-rei (Sarcoramphus papa), die Saíra-sete-cores (Tangara seledon), die Saí-azul (Dacnis cayana) und der Gavião-pato (Spizaetus melanoleucus). Der Chorozinho-de-boné (Herpsilochmus pileatus) kommt nur in diesem Teil Brasiliens vor, und auch den Chauá und die Tiriba-grande verzeichnet die Liste.
Wie ist der Park aufgeteilt und wie kommt man hin?
Der Park gliedert sich in zwei Sektoren, die sich über ihre Zugänge unterscheiden.
Setor Florestal, der Waldsektor
Der Zugang liegt an der Portaria Pé do Monte nahe dem gleichnamigen Dorf. Von Porto Seguro aus folgt man der BR-101 in Richtung Vitória bis etwa Kilometer 794. Dort steht links der Wegweiser zum Trevo do Parque. Von der Abzweigung führen 14 Kilometer auf der BR-498 zur Hauptpforte des Waldsektors. Die nächste Stadt mit Hotels und Pensionen ist Itamaraju, 30 Kilometer vom Haupteingang entfernt. Alternativ ist eine Übernachtung in den indigenen Dörfern des Territoriums möglich, nach vorheriger Anmeldung.
Setor Litorâneo, der Küstensektor
Die Küste ist nur über die Flüsse zugänglich. Der Zugang Caraíva liegt am Rio Caraíva, der Zugang Bugigão am Rio Corumbau. Beide Übergänge laufen mit Kanus der örtlichen Vereinigungen, deren Fahrzeiten man beachten muss. Zum Übernachten gibt es viele Unterkünfte in der Vila de Caraíva und in den Dörfern des Territoriums. Hinweise zur Anreise im Land enthält die Seite Fortbewegung.
Welche Wege führen durch den Waldsektor?
Alle Wege des Waldsektors führen mit indigenen Führern. Der Eintritt in den Park ist kostenlos, die Führung wird direkt mit den Anbietern vereinbart, entweder vorher oder an der Pforte. Der Einlass für den Weg auf den Berg endet um 14 Uhr, für alle anderen Ziele um 15 Uhr, der Park muss um 17 Uhr verlassen sein.
- Subida ao Monte Pascoal: der Aufstieg zum Gipfel, 3.400 Meter hin und zurück, rund 2 Stunden 30 Minuten. Bei klarem Himmel reicht die Sicht bis zum Meer vor Porto Seguro und Prado. Der Aufstieg verlangt Kondition.
- Trilha do Jequitibá: 640 Meter hin und zurück, 40 Minuten. Höhepunkt ist ein hundertjähriger Jequitibá von etwa 50 Metern Höhe. Am Anfang steht eine Gindiba mit mächtigen Brettwurzeln.
- Poço Sagrado: 900 Meter hin und zurück, 55 Minuten. Der Weg endet am Txãg’rú Mirawê, einem kleinen Quelltopf des Rio Corumbau, in dem die Pataxó ihre Kinder taufen. Am Wasser lassen sich Ameisenbären und Gürteltiere beobachten, die dort trinken.
- Trilha da Araponga: 350 Meter, 30 Minuten, kurz und eben. Hier hört man den Ruf der Araponga, und die Führer zeigen traditionelle Jagdfallen der Pataxó.
- Trilha da Juerana: 140 Meter zu einem über 30 Meter hohen Juerana-Baum. Er ist ein heiliger Ort der Pataxó und nur für Menschen zugänglich, die an den Ritualen der Gemeinschaft teilnehmen.
Für Radfahrer gibt es zwei Strecken. Die Trilha do Desafio folgt 25 Kilometer der Erdstraße zu den Dörfern und dem Brandschutzstreifen und dauert etwa 2 Stunden 30 Minuten. Der Name stammt von den ersten Radlern, die sie bei der Eröffnung fuhren. Die Caminhos dos Pataxó verbinden Wald- und Küstensektor durch die Dörfer des Territoriums und gehören zum brasilianischen Wegenetz Rede Brasileira de Trilhas. Der beschilderte Abschnitt führt vom Pé do Monte durch die Dörfer Cassiana, Boca da Mata, Campo do Boi und Pará bis zum Rio Corumbau.

Was bietet der Küstensektor?
Der Küstensektor ist der Teil für Strand, Fluss und Dorfleben. Zu ihm gehören die Vila de Caraíva und die Strände Caraíva, Xandó und Bugigão, dazu Ausflüge zur bekannten Ponta do Corumbau.
Buggy: Die Pataxó aus Barra Velha, Xandó und Bugigão fahren mehr als zehn Kilometer am Strand zwischen den Flüssen Caraíva und Corumbau entlang, vorbei an Stränden, Flussmündungen und Mangroven. Die Fahrt führt bis zu den Reservaten Porto do Boi und Porto da Onça. Aus Gründen des Umweltschutzes und der Sicherheit fahren die Buggys nur bei Ebbe und nur zwischen Areia Branca und Guarita Pataxó.
Boote: Die Flüsse Caraíva und Corumbau begrenzen den Park im Norden und im Süden. Gäste fahren in traditionellen Kanus und Motorbooten, die Vereinigungen der Anwohner betreiben. In Caraíva setzt man über den Fluss oder fährt flussaufwärts zum Reservat Porto do Boi. Von Bugigão führt die Überfahrt über den Rio Corumbau zur Ponta do Corumbau, außerdem gibt es Fahrten flussaufwärts zum Porto da Onça.
Vila de Caraíva: Das Fischerdorf hat Sandstraßen, auf denen Autos nicht fahren dürfen. Koffer und Waren transportieren Karren. Man erreicht den Ort per Kanu über den Fluss. Abends gibt es Restaurants und Livemusik, etwa Forró.
Wie erlebt man die Kultur der Pataxó?
Die Pataxó führen im Territorium mehrere Besucherprojekte. Alle lassen sich vorher bei den Gemeinschaften anfragen, Details zu ihrer Geschichte beschreibt die Seite zu den indigenen Völkern.
- Reserva Pataxó Porto do Boi im Dorf Xandó bei Caraíva: Vorstellung von Geschichte und Lebensweise, Kräuterbad, Körperbemalung, traditionelle Küche. Geöffnet Montag bis Samstag von 9 bis 13 Uhr. Bei Vollmond findet das Ritual Agohó Tibá statt.
- Txãg’rú Muriã am Strand Muria im Mutterdorf Barra Velha: Kräuterbad und das Gebet Rezo Pataxó. Geöffnet donnerstags und sonntags von 9 bis 17 Uhr.
- Mulheres que Curam im Dorf Pará: ein Frauenkollektiv, das mit Kräutern, Gebeten und Ritualen arbeitet.
- Awê Heruê im Dorf Boca da Mata: Rituale am Feuer mit Trommeln und Gesang, dazu die Mitarbeit an der Aufforstung mit einheimischen Setzlingen.
- Dorf Pé do Monte: Kräuterbad, Räucherung, traditionelle Küche und ein Campingplatz am Fuß des Berges.
- Pataxí Pataxó Akua Tarakwatê: Gesänge und Tänze Aresú und Awê-heruê, Unterricht in der Sprache Patxôhã und der Weg von der Pflanzung bis zum Gericht Māgutxi.
Die Aldeia Barra Velha ist das Mutterdorf der Pataxó. Dort leben mehr als 500 Familien. Das Kulturzentrum Maturembá Tururim Pataxó ist der Ort für Rituale und Feste wie die Indigenen Spiele und das Fest von São Bráz. Das Besucherzentrum Céu Azul am Waldsektor informiert mit einer Ausstellung über Wald und Territorium, hat Toiletten und eine schattige Wiese für ein Picknick.

Welche Regeln gelten im Park?
Die Regeln schützen Wald und Kultur gleichermaßen.
- Jeder Besucher geht mit einem indigenen Führer. Dessen Anweisungen sind zu befolgen.
- Die Zeiten der Aktivitäten, die indigene Kultur sowie private und heilige Orte sind zu achten.
- Haustiere dürfen nicht mit in den Park.
- Besucher bleiben auf den markierten Wegen und nehmen keine Abkürzungen.
- Tragbare Tonwiedergabegeräte, Knalleffekte und Lärm sind verboten.
- Müll wird komplett wieder mitgenommen, auch Essensreste.
- Gesteine, Pflanzen, Blüten und Samen werden nicht gesammelt.
- Angeln, Jagen und das Verfolgen wilder Tiere sind verboten, ebenso Waffen, Fallen und Macheten.
Das Gelände ist uneben, Steine und Wurzeln sind rutschig, Insekten und Schlangen kommen vor, Äste und Früchte können herabfallen. Jeder Besucher ist für seine eigene Sicherheit mitverantwortlich, Führer und Parkverwaltung dürfen Aktivitäten bei Gefahr abbrechen. Vor dem Besuch füllt man ein Anmeldeformular aus. Empfehlenswert sind geschlossene Schuhe, Hut, Mückenschutz, Sonnencreme, Wasser und Wanderstöcke.
Wie plant man die Reise nach Monte Pascoal?
Am besten verbindet man beide Sektoren. Den Waldsektor besucht man morgens, weil der Einlass auf den Berg schon um 14 Uhr schließt. Für den Küstensektor reicht ein weiterer Tag in Caraíva mit Strand, Buggy und einem Besuch bei einem der Projekte. Wer die Region ausführlicher kennenlernen will, kombiniert den Park mit dem Nachbarschutzgebiet Descobrimento und einer größeren Tour, Anregungen enthält die Seite Reiseziele.
Häufige Fragen zum Nationalpark Monte Pascoal
Wo liegt der Monte Pascoal?
Im äußersten Süden von Bahia in der Gemeinde Porto Seguro. Die Verwaltung sitzt in Prado.
Warum heißt er Parque Nacional e Histórico?
Weil er das erste Stück Brasilien umfasst, das portugiesische Seefahrer sichteten. Es ist der einzige Park dieser Art im Land.
Kostet der Eintritt etwas?
Nein. Der Eintritt ist kostenlos. Die Führung, Ausflüge und Erlebnisse in den Dörfern werden direkt mit den Anbietern vereinbart.
Kann man ohne Führer gehen?
Nein. In allen Bereichen ist ein indigener Führer Pflicht, weil der Park im Territorium der Pataxó liegt.
Wie lange dauert der Aufstieg?
Der Weg zum Gipfel misst 3.400 Meter hin und zurück und dauert rund 2 Stunden 30 Minuten. Einlass ist bis 14 Uhr.
Wo übernachtet man?
In Itamaraju, 30 Kilometer vom Haupteingang, in Caraíva und in den Dörfern des Territoriums nach Anmeldung.
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