Der Nationalpark Alto Cariri schützt auf 19.238 Hektar einen Gebirgskamm im Süden Bahias an der Grenze zu Minas Gerais. Zwischen 153 und 1.044 Metern Höhe wachsen Bergregenwald der Mata Atlântica und Felsfluren auf Granit. Hier entspringen die Bäche des Rio Buranhém, und hier lebt der Nördliche Muriqui, der größte Affe Amerikas.
Im äußersten Süden Bahias, wo der Bundesstaat an Minas Gerais grenzt, steigt das Land aus der Küstenebene zu steilen Bergen an. Der Parque Nacional do Alto Cariri sichert einen Teil dieses Gebirgskomplexes. Die Seite beschreibt Lage, Relief, Wasser, Klima, Vegetation und Tierwelt des Parks sowie die Rolle des Nördlichen Muriqui.
Wer sich für die Küstenregion darunter interessiert, findet sie auf den Seiten zum Monte Pascoal, zur Nationalpark Descobrimento und zum Nationalpark Pau Brasil.
| Gründung | Dekret vom 11. Juni 2010 |
| Fläche | 19.238 Hektar, Umfang knapp 150 Kilometer |
| Lage | Gemeinde Guaratinga im Süden Bahias, an der Grenze zu Minas Gerais |
| Höhe | 153 bis 1.044 Meter über dem Meer |
| Pufferzone | 61.281 Hektar in Bahia und Minas Gerais |
| Vegetation | Bergregenwald (Floresta Ombrófila Densa Montana) und Campos Rupestres auf Felsen |
| Pflanzen | 646 Arten aus 340 Gattungen und 122 Familien |
| Wirbeltiere | 267 Vogel-, 40 Amphibien-, 29 Reptilien- und 28 Säugetierarten |
- Wo liegt der Nationalpark Alto Cariri?
- Wie sieht das Gebirge des Alto Cariri aus?
- Welche Rolle spielt das Gebirge für das Wasser?
- Wie wirkt sich das Klima auf die Wälder aus?
- Welche Wälder und Pflanzen wachsen im Park?
- Welche Tiere leben im Nationalpark?
- Warum ist der Nördliche Muriqui so wichtig?
- Welche Bedeutung hat der Park für die Region?
Wo liegt der Nationalpark Alto Cariri?
Der Park gehört zur Gemeinde Guaratinga im Süden Bahias und grenzt an die Gemeinden Santa Maria do Salto und Salto da Divisa in Minas Gerais. Sein Umfang misst knapp 150 Kilometer. Das Dekret vom 11. Juni 2010 legte zugleich eine Pufferzone von 61.281 Hektar fest. Sie umfasst Land in Guaratinga, Eunápolis und Itagimirim in Bahia sowie in Santa Maria do Salto, Salto da Divisa und Santo Antônio do Jacinto in Minas Gerais.
In der Pufferzone liegen drei weitere Schutzgebiete: der Parque Estadual do Alto Cariri, das Wildschutzgebiet Refúgio de Vida Silvestre Mata dos Muriquis und das Privatreservat RPPN Loredano Aleixo. Zusammen mit dem Nationalpark sichern sie mehr als 28.000 Hektar Mata Atlântica. Dieser Verbund gehört zum Corredor Central da Mata Atlântica, einem Waldkorridor von sehr hoher biologischer Vielfalt und großer Bedeutung für den Naturschutz.
Wie sieht das Gebirge des Alto Cariri aus?
Der Park liegt auf einem Komplex aus Serras und steilen Hügeln, die durch tiefe Täler von rund 30 Kilometern Länge und 10 Kilometern Breite getrennt sind. Die Höhen reichen von 153 bis 1.044 Metern, die niedrigsten Lagen befinden sich im Osten. Gesteinsgrundlage sind metamorphe Gesteine und Granit, die als Plateaus, Felsrücken und Senken auftreten. Die Hänge sind steil, und der Boden speichert wenig Wasser. Deshalb erodieren die Flächen leicht, wenn die Vegetation fehlt.
Viele Gipfel überschreiten 1.000 Meter. Die Granitfelsen und Felsrücken schaffen eigene Kleinklimate und bieten weite Ausblicke über die Wälder bis zur Küstenebene. Zu den landschaftlichen Höhepunkten zählen die Wasserfälle an den Hängen. Der Wasserfall Bel Preto stürzt 280 Meter in die Tiefe und ist einer der höchsten des Landes.

Welche Rolle spielt das Gebirge für das Wasser?
Der Gebirgsstock des Alto Cariri bildet die Wasserscheide zwischen dem Rio Buranhém im Süden und dem Rio Jequitinhonha im Norden. Die Quellen und Bäche auf der Seite von Minas Gerais fließen zum Jequitinhonha. Alle Gewässer des Nationalparks auf der Seite von Bahia münden dagegen in den Buranhém, der auch Rio do Peixe heißt. Der Park liegt vollständig in seinem Einzugsgebiet.
Der Buranhém entspringt in Santo Antônio do Jacinto in Minas Gerais. Den größten Teil seines Wegs legt er in Bahia zurück, durch Guaratinga, Eunápolis und Porto Seguro bis ins Meer. Er versorgt Städte und Dörfer entlang seines Laufs mit Trinkwasser und liefert zugleich Wasser für Vieh, Landwirtschaft und Badestellen. Wegen dieser Funktion nennt man die Berge des Parks die Wasserkammer der Costa do Descobrimento. Zu den Quellbächen im Park zählen die Córregos Fernando Pinheiro, Pinheirinho, Beleza, Gustavo und da Pedra; der Córrego da Pedra versorgt den Ortsteil Monte Alegre in Guaratinga. Weitere Bäche heißen Pinheiro, Timóteo, Norte, São Tomé und Água Preta.
Wie wirkt sich das Klima auf die Wälder aus?
Die Berge liegen im Weg der feuchten Winde vom Atlantik. Die Serras mit ihren Gipfeln über 1.000 Metern fangen den Regen ab, der vom Meer kommt. Deshalb ist die Seite von Bahia deutlich feuchter als die Seite von Minas Gerais. Im feuchten Teil wächst immergrüner Regenwald, im trockeneren Westen ein Wald, der teilweise sein Laub abwirft.
Diese Übergänge machen die Region so vielfältig. Der Bergregenwald von Bahia gehört zu einem Gebiet, das als Hileia Baiana bezeichnet wird. Der Name vergleicht die Üppigkeit und Artenvielfalt mit dem Amazonas, die Hileia Amazônica. Er geht auf die Geomorphologie, das Klima und die Pflanzenvielfalt der Region zurück. Die Hileia Baiana zählt zu den Gebieten mit der höchsten Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren weltweit.
Welche Wälder und Pflanzen wachsen im Park?
Vorherrschend ist der Bergregenwald, die Floresta Ombrófila Densa Montana. Sie wächst auf Höhen zwischen etwa 500 und 1.000 Metern. Das Kronendach schließt sich in 20 bis 25 Metern Höhe, einzelne Baumriesen ragen darüber hinaus. Lianen und Aufsitzerpflanzen wie Bromelien und Orchideen sind reichlich vorhanden, Regen fällt das ganze Jahr hindurch.
Auf den Granitfelsen und Aufschlüssen gedeihen Campos Rupestres, Felsfluren mit vielen Bromelien, Orchideen, Kakteen und Farnen. In der Region und in der Pufferzone kommen zusätzlich Halbtrockenwälder und trockene Laubwälder vor. Ein großer zusammenhängender Waldblock nimmt mehr als die Hälfte der Parkfläche ein. Er enthält Urwald und Sekundärwald in unterschiedlichen Stadien, die meisten Bestände sind weit entwickelt. Daneben gibt es viele kleine Waldstücke von bis zu fünf Hektar und mittlere von fünf bis 50 Hektar; die kleinsten und schmalsten liegen dort, wo Weiden und Felder angrenzen.
Bisher sind 646 Pflanzenarten aus 340 Gattungen und 122 Familien nachgewiesen. Neun davon sind vom Aussterben bedroht oder gefährdet. Kritisch bedroht ist die Melastomataceae Miconia rufipila, von der es nur wenige Funde gibt. Zu den gefährdeten Arten zählen der Baumfarn Xaxim (Dicksonia sellowiana), die Juçara-Palme (Euterpe edulis), der Bicuíba-Baum (Virola bicuhyba) und die Amaryllisart Griffinia hyacinthina. Bemerkenswert sind zudem die Fuchsie Fuchsia regia, eine Pflanze der Höhenlagen des Südens und Südostens mit wenigen Funden im Nordosten, und die Steineibe Podocarpus sellowii, eine der wenigen heimischen Nadelbäume Brasiliens.

Welche Tiere leben im Nationalpark?
Die Vielfalt an Höhenlagen, Waldtypen, Felsflächen, Bergbächen und Feuchtgebieten fördert eine reiche Tierwelt. Erfasst sind 40 Amphibienarten aus elf Familien und 29 Reptilienarten, darunter zwei Schildkröten sowie Schlangen und Echsen. Mit 267 Vogelarten gehört das Gebiet zu den Important Bird Areas, den für die Vogelwelt international bedeutsamen Gebieten, die Zuflucht für seltene, endemische und gefährdete Arten bieten. Bei den Säugetieren ist die Region mit 28 Landarten im Park und seiner Pufferzone die artenreichste unter den Gebieten, die für neue Schutzgebiete in Südbahia und im Nordosten von Minas Gerais untersucht wurden.
Insgesamt kommen im Park und seiner Pufferzone mindestens 31 gefährdete Tierarten vor. Unter den Vögeln sind 22 betroffen, neun davon stark gefährdet. Dazu zählen die Drossel Cichlopsis leucogenys, der Schmuckvogel Cotinga maculata, der Tyrannvogel Phylloscartes beckeri, der Papagei Amazona rhodocorytha, der Blaulatzsittich (Pyrrhura cruentata) und der Glockenvogel Araponga (Procnias nudicollis). Bei den Reptilien sind die Echse Leposoma puk und die Schlangenhalsschildkröte Hydromedusa maximiliani bedroht.
Unter den Säugetieren leben der Braune Brüllaffe, der Springaffe Callicebus melanochir, der Kapuziner Sapajus robustus, die Südliche Tigerkatze, das Kragenfaultier und der Borstenbaumstachler. Der Nördliche Muriqui steht an der Spitze.
Warum ist der Nördliche Muriqui so wichtig?
Der Nördliche Muriqui (Brachyteles hypoxanthus), vor Ort mono-carvoeiro genannt, ist der größte Primat Amerikas. Er lebt nur in der Mata Atlântica und ist vom Aussterben bedroht. Als Samenverbreiter hilft er dem Wald, sich zu erneuern. Nur gut tausend Tiere leben noch in der Natur, verteilt auf zwölf bekannte Populationen. Eine davon, und die einzige bekannte in Bahia, lebt im Alto Cariri.
Weil die Art große zusammenhängende Wälder braucht, schützt der Verbund aus Nationalpark, Landespark, Wildschutzgebiet und Privatreservat auch viele andere Waldbewohner. Der Muriqui ist darum eine Leitart für den gesamten Wald und ein Symbol für den Schutz der Mata Atlântica, die zu den am stärksten bedrohten Biomen des Landes zählt.
Welche Bedeutung hat der Park für die Region?
Die Wälder des Parks halten Regenwasser zurück, erhalten die Quellen, festigen die Hänge und sorgen für ein ausgeglichenes Klima in der Umgebung. Sie gehören zum Zentralkorridor der Mata Atlântica, eines Bioms, das in Brasilien extrem bedroht ist und deshalb als vorrangig für den Naturschutz gilt. Der Park sichert Wasserquellen für Bahia und Minas Gerais, schützt Wald, der den Boden an den steilen Hängen festhält, und bewahrt Arten, die es nirgends sonst in der Gegend gibt. Seine Felsen, Bergwälder und Wasserfälle prägen die Landschaft des Hinterlands der Costa do Descobrimento. Für den weiteren Zusammenhang der Küstenwälder bieten die Seiten zum Nationalpark Boa Nova und zu den Klimazonen weitere Hintergründe.
Häufige Fragen zum Nationalpark Alto Cariri
Wo liegt der Nationalpark Alto Cariri?
Im Süden Bahias in der Gemeinde Guaratinga, an der Grenze zu Minas Gerais.
Wie groß ist der Park und wie hoch liegt er?
Er umfasst 19.238 Hektar und reicht von 153 bis 1.044 Metern über dem Meer.
Welcher Fluss entspringt im Park?
Die Bäche des Parks speisen den Rio Buranhém, der durch Guaratinga, Eunápolis und Porto Seguro zum Meer fließt.
Welche Tierart ist besonders bedeutsam?
Der Nördliche Muriqui, der größte Affe Amerikas; die einzige bekannte Population Bahias lebt im Alto Cariri.
Wie viele Pflanzenarten sind bekannt?
646 Arten aus 340 Gattungen und 122 Familien.
Was bedeutet Hileia Baiana?
Der Name beschreibt die Wälder Südbahias, die an Artenvielfalt und Üppigkeit dem Amazonas ähneln.
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