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Nationalpark Boa Nova – Mata-de-Cipó in Bahia

Der Nationalpark Boa Nova im Südwesten von Bahia schützt zusammen mit dem Wildschutzgebiet Boa Nova den Übergang zwischen Atlantischem Regenwald und Caatinga. Der Parkverbund aus neun Teilflächen entstand am 11. Juni 2010, umfasst zusammen rund 27.000 Hektar und ist die Heimat des Gravatazeiro-Vogels.

Auf nur 25 Kilometern wechselt hier die Landschaft von feuchtem Bergregenwald zu trockenem Dornbusch. An der Luvseite der Serra da Ouricana regnet der Wind vom Atlantik ab, auf der anderen Seite bleibt es trocken, und dazwischen wächst ein Wald, der es nur in dieser Region gibt: die Mata-de-Cipó, ein Lianenwald, der in der Trockenzeit einen Teil seines Laubs verliert. Diese Seite beschreibt den ungewöhnlichen Doppelverbund aus Nationalpark und Wildschutzgebiet, seine Klimazonen, Pflanzen, Vögel, Wasserläufe und die Kulturgeschichte der Gegend.

Wer den Atlantischen Regenwald weiter an der Küste kennenlernen will, findet ihn im Monte Pascoal und im Nationalpark Descobrimento; Trockenlandschaften und Felsformationen zeigen die Chapada Diamantina und die Serra da Capivara.

Gründung11. Juni 2010, Nationalpark und Wildschutzgebiet durch ein gemeinsames Dekret
FlächeNationalpark 12.065 Hektar in 5 Teilflächen, Wildschutzgebiet 15.024 Hektar in 4 Teilflächen
LageSüdwesten von Bahia, Gemeinden Boa Nova, Manoel Vitorino und Dário Meira
Höhenlagemeist 700 bis 1.115 Meter, höchster Punkt Morro do Inglês
BiomeAtlantischer Regenwald, Caatinga und Übergangswald Mata-de-Cipó
LeitartGravatazeiro, Rhopornis ardesiacus
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Wo liegt der Nationalpark Boa Nova?

Der Nationalpark und das Wildschutzgebiet liegen im Südwesten des Bundesstaats Bahia, 106 Kilometer von Vitória da Conquista und 447 Kilometer von Salvador entfernt. Die Flächen verteilen sich auf die Gemeinden Boa Nova, Manoel Vitorino und Dário Meira; angrenzende Gemeinden sind Poções, Itagi, Jequié und Iguaí. Die Stadt Boa Nova liegt auf 14 Grad 22 Minuten Süd und 40 Grad 12 Minuten West und damit mitten zwischen den Teilflächen.

Die Anlage ist ungewöhnlich. Der Nationalpark besteht aus fünf voneinander getrennten Blöcken, dem Bloco Icó mit 522 Hektar, dem Bloco Torre mit 3.663 Hektar, dem Bloco Goiabeira mit 576 Hektar, dem Bloco Timorante mit 5.568 Hektar und dem Bloco Rio do Chumbo mit 1.734 Hektar. Das Wildschutzgebiet liegt dazwischen und verbindet sie mit vier eigenen Blöcken: Caatinga mit 2.245 Hektar, Cipó-Atlântica mit 9.797 Hektar sowie Atlântica I mit 2.440 und Atlântica II mit 538 Hektar. Beide Gebiete bilden zusammen einen durchgehenden Verbund aus neun ineinandergreifenden Flächen, der Tieren Wanderwege offenhält und die Verbreitung von Samen zwischen den gut erhaltenen Teilen ermöglicht.

Warum wurden zwei Schutzgebiete nebeneinander geschaffen?

Beide Gebiete entstanden zugleich durch ein einziges Dekret vom 11. Juni 2010. Ziel war es, die Ökosysteme im Übergang zwischen Atlantischem Regenwald und Caatinga vollständig zu schützen und wiederherzustellen, besonders die Mata-de-Cipó. Dazu kommen der Erhalt lebensfähiger Bestände bedrohter Vögel und Säugetiere, allen voran des Gravatazeiro, der Schutz von Quellen und Wasserläufen sowie Bildung, Erholung in der Natur und Forschung.

Die beiden Kategorien ergänzen sich. Im Nationalpark gilt strenger Schutz. Das Wildschutzgebiet hat die zusätzliche Aufgabe, die Flächen des Nationalparks miteinander zu verbinden, und lässt zugleich eine Landnutzung zu, die mit dem Naturschutz vereinbar ist. Ein solcher Verbund aus Blöcken zweier Schutzkategorien ist eine Besonderheit unter den brasilianischen Schutzgebieten.

Den Anstoß gab 2005 die Naturschutzorganisation SAVE Brasil mit einem Bericht über den Reichtum der Vogelwelt der Region, in dem sie seltene und endemische Arten nannte und ein Schutzgebiet vorschlug. Die Gemeinde Boa Nova und das Umweltministerium griffen die Idee auf.

Welche Klimazonen liegen auf wenigen Kilometern beieinander?

Die Gebirge der Serra da Ouricana bilden eine natürliche Barriere für die feuchten Passatwinde vom Atlantik. Die dem Wind zugewandte Seite erhält Steigungsregen, die abgewandte bleibt trockener. Daraus entstehen drei Zonen. Die feuchte Zone reicht vom Ort Valentim bis zum Morro do Inglês und erhält stets mehr als 1.200 Millimeter Regen im Jahr bei durchschnittlich 23 Grad. Hier wächst submontaner Regenwald mit Baumkronen über 20 Meter Höhe, Lianen und vielen Aufsitzerpflanzen.

Die Übergangszone empfängt zwischen 700 und 1.200 Millimeter Regen bei durchschnittlich 20 Grad, und von Juli bis September hängt dichter Nebel in den Bergen. Hier steht die Mata-de-Cipó. Die trockene Zone mit 350 bis 700 Millimetern Regen, 26 Grad im Mittel und einer Regenzeit von November bis Februar trägt Dornbuschwald, die Caatinga. Auf einer Strecke von 25 Kilometern findet man so Caatinga im Westen, Mata-de-Cipó im Zentrum, Bergregenwald im Osten und Tieflandregenwald am östlichen Ende.

Bergkette im Südwesten von Bahia zwischen grünem Regenwald und trockenem Buschland

Was ist die Mata-de-Cipó?

Die Mata-de-Cipó ist ein Übergangswald, der in der Trockenzeit einen Teil seines Laubs verliert, und kommt ausschließlich im Südwesten von Bahia und im Norden von Minas Gerais vor. Seinen Namen trägt er wegen der Menge an Lianen, den Cipós, die dichte Gewirre im Unterwuchs bilden. Die Bäume werden meist nur 10 bis 12 Meter hoch, viele haben dennoch einen Stammumfang von mehr als zwei Metern. Am Boden wachsen Erdbromelien der Gattungen Ananas und Aechmea, dazu Palmen, Kakteen und Orchideen.

Als Boden dienen Argissolos und Latossolos mit geringer natürlicher Fruchtbarkeit. Im Wald gibt es viele zeitweise wasserführende Bäche und kleine Wasserstellen. Die Bromelie Gravatá ist das zentrale Element im Lebensraum des Gravatazeiro. Weil dieser Wald stark zerstückelt ist, führt das Gründungsdekret ihn ausdrücklich als Ziel von Schutz und Wiederherstellung auf.

Welche Pflanzen prägen die drei Landschaften?

Im feuchten Wald wachsen Palmherzpalme, Quaresmeira, Baumfarne der Familie Dicksoniaceae, Zedern der Gattung Cedrela, Pau-pombo, Pequi und Gindiba. Im trockenen Bereich gehören Barriguda, Imbiruçu, Caroá, Umbu, Imburana, Quiabento und Quixabeira zum Bild, dazu Säulenkakteen und Mönchskopf-Kakteen, die lange Dürre überstehen.

Insgesamt sind 445 Blütenpflanzenarten aus 89 Familien nachgewiesen, dazu eine Nacktsamerart und zehn Farn- und Bärlappgewächse. 144 dieser Arten kommen nur in Brasilien vor, 19 nur in Bahia. Die Orchideen zählen 42 Arten aus 31 Gattungen, darunter zwei Neufunde für den Nordosten. Im Nationalpark wurden 130 Arten von Lianen und Kletterpflanzen erfasst; vier davon waren neu für Bahia und 22 sind im Atlantischen Regenwald heimisch.

Eine eigene Welt bilden die Lajedos, Felsaufschlüsse mit wenig Erde und Wasser und hohen Temperaturen. Die Pflanzen wachsen in Spalten und Mulden und bilden Vegetationsinseln aus Wolfsmilchgewächsen, Bromelien, Orchideen und Kakteen. Eine Untersuchung zwischen 2016 und 2019 fand auf den Lajedos von Boa Nova 162 Pflanzenarten. Bekannt sind der Lajedo dos Beija-flores und der Lajedo da Pioneira.

Warum ist Boa Nova ein Paradies für Vogelbeobachter?

Rund 450 Vogelarten sind nachgewiesen, mehr als die Hälfte der Vogelwelt von Bahia. 35 Arten sind vom Aussterben bedroht. Der bekannteste Bewohner ist der Gravatazeiro, Rhopornis ardesiacus, ein kleiner Waldvogel, der nur in der Mata-de-Cipó lebt und der Symbolvogel der Gemeinde Boa Nova ist. Seine Lebensweise hängt an den Gravatá-Bromelien.

Stark gefährdet sind Anambezinho, Fruxu-baiano, Borboletinha-baiana, Sabiá-castanho, Tovacuçu-malhado und der Tapaculo-preto-baiano. Verwundbar sind Acrobata, Tiriba-grande, Ipecuá, Rabo-amarelo, Apuim-de-cauda-amarela, Chupa-dente und Anambé-de-asa-branca. Auf dem Lajedo dos Beija-flores lassen sich mindestens zwölf Kolibriarten beobachten, die die Blüten der Mönchskopf-Kakteen anfliegen. Vögel verbreiten Samen, bestäuben und fressen Schädlinge, sodass sie auch die Landwirtschaft der Gegend unterstützen. Boa Nova steht deshalb auf den Routen der Vogelbeobachtung in Brasilien.

Granitfelsplatte mit Kakteen und Sträuchern über einer weiten Buschlandschaft

Welche Säugetiere leben im Verbund?

Überraschend ist das Vorkommen des bedrohten Löwenäffchens Mico-leão-de-cara-dourada, Leontopithecus chrysomelas, das im Bloco Cipó-Atlântica in tieferen Lagen gesichtet wurde. Ebenso heimisch sind der Gelbbrust-Kapuziner, Sapajus xanthosternos, der stark gefährdet ist, sowie Tamandua, Guigó und zwei Seidenäffchenarten. Zu den seltenen Fischen zählt der Wels Rhamdia jequitinhonha, und stachellose Bienen leben im Wald.

Welche Gewässer machen Boa Nova zur Wiege des Wassers?

Die hohen Niederschläge und das Relief speisen mehr als 2.000 Quellen und über 40 Wasserfälle. Zwischen den Bergen laufen Riachos wie der Riacho do Engenho, der Riacho do Norte, der Riacho da Piabanha, der Rio Preto, der Rio Vermelho, der Riacho da Farofa, der Riacho das Traíras und der Riacho de Pedra durch enge Täler. Natürliche Becken und Gumpen reihen sich dort aneinander. Eine der schönsten Kaskaden ist die Cachoeira Sete de Setembro am Rand des Wildschutzgebiets.

Das Wasser gehört zum Einzugsgebiet des Rio de Contas und sichert die Trinkwasserversorgung von mindestens fünf Gemeinden. Angrenzend liegt in Iguaí das Landesschutzgebiet APA Serra do Ouro, 2006 geschaffen und rund 50.700 Hektar groß, das ebenfalls eine große Zahl an Quellen und Wasserfällen schützt.

Wie prägte die Geschichte die Region?

Die ersten Bewohner waren Indigene, vor allem die Aymoré, Kamakã und Pataxó; das Gebiet war das ursprüngliche Land der Camacã. Die ersten Europäer kamen 1732 und errichteten ein Lager namens Passagem da Conquista. Auf der Suche nach Gold zogen Bandeirantes in die Serra do Timorante, wo noch Stollen und Galerien zu finden sind. Das letzte Zeugnis über Indigene, die in der Gegend lebten, stammt von 1932.

Viehtreiber, die Tropeiros, durchquerten das Gebiet auf der Estrada Geral, die die Vila do Rio Pardo in Minas Gerais mit den Häfen von Valença an der Küste Bahias verband. Nach dem Ende des Goldrauschs entwickelte sich die Kultur der Vaqueiros, die zwischen Sertão und Wald pendeln. Aus ihr gingen Reiterspiele, die Corridas de Argolinha, Ritte und die Chegada das Bandeiras hervor. Berühmte Naturforscher durchzogen die Gegend im 19. und 20. Jahrhundert und beschrieben neue Arten, ein Beispiel ist Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied. Bis heute ziehen zur Weihnachtszeit die Ternos de Reis von Ort zu Ort, wandernde Musikgruppen, die Lieder singen. Die Gemeinden stellen zudem Kunsthandwerk aus Produkten der heimischen Natur her.

Häufige Fragen zum Nationalpark Boa Nova

Wo liegt der Nationalpark Boa Nova?

Im Südwesten von Bahia, 106 Kilometer von Vitória da Conquista entfernt, in den Gemeinden Boa Nova, Manoel Vitorino und Dário Meira.

Wie groß sind Nationalpark und Wildschutzgebiet?

Der Nationalpark umfasst 12.065 Hektar, das Wildschutzgebiet 15.024 Hektar. Beide wurden am 11. Juni 2010 gegründet.

Was ist die Mata-de-Cipó?

Ein Übergangswald zwischen Atlantischem Regenwald und Caatinga mit vielen Lianen, der nur im Südwesten von Bahia und im Norden von Minas Gerais vorkommt.

Welcher Vogel ist das Wahrzeichen?

Der Gravatazeiro, Rhopornis ardesiacus, ein Waldvogel, den es nur in der Mata-de-Cipó der Region gibt.

Wie viele Vogelarten gibt es?

Rund 450, mehr als die Hälfte der Vogelwelt von Bahia. 35 davon sind vom Aussterben bedroht.

Warum gibt es zwei Schutzgebiete?

Der Nationalpark schützt streng, das Wildschutzgebiet verbindet seine fünf Blöcke miteinander und erlaubt eine naturverträgliche Nutzung.

Passend dazu: Nationalpark Pau Brasil, Nationalpark Alto Cariri, Reserva Biológica de Una.

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