Der Nationalpark Cabo Orange liegt am äußersten Nordzipfel Brasiliens in Amapá, an der Grenze zu Französisch-Guayana und an der Mündung des Oiapoque. Der 1980 gegründete Park schützt auf mehr als 600.000 Hektar Mangroven, Überschwemmungsfelder, Sandrücken und Meeresküste mit einem 200 Kilometer langen Küstenband.
Brasilien endet im Norden nicht an einer Bergkette, sondern an einem Schlammkap. Wo der Oiapoque in den Atlantik mündet, wechseln Gezeiten, Mangroven und Flussarme einander ab, und der Boden wird von Wasser geformt, nicht von Fels. Der Parque Nacional do Cabo Orange schützt diese Küste samt ihrem Hinterland. Die Seite erklärt, wie der Park zu seinem Namen kam, welche Geschichte das Grenzland prägte, wie die Küstenebene entstand und welche Pflanzen, Vögel und Völker hier leben.
Weitere Naturräume im Norden zeigen die Seiten zum Nationalpark Montanhas do Tumucumaque, zum Amazonas und zum Monte Roraima; eine Küstenlandschaft anderer Art ist die Restinga de Jurubatiba.
| Gründung | 15. Juli 1980, Dekret Nr. 84.913 |
| Fläche | mehr als 600.000 Hektar, Umfang 590 Kilometer |
| Lage | Amapá, Gemeinden Oiapoque und Calçoene, Grenze zu Französisch-Guayana |
| Küste | rund 200 Kilometer, 10 Kilometer weit ins Meer reichend |
| Pflanzen | 357 Arten in sechs Vegetationstypen |
| Besonderheit | Brutkolonien des Rosaflamingos auf brasilianischem Boden |
Wo liegt der Nationalpark Cabo Orange?
Der Park liegt im äußersten Norden von Amapá, an der Grenze zu Französisch-Guayana und an der Mündung des Rio Oiapoque. Er erstreckt sich zwischen 4 Grad 35 Minuten und 2 Grad 48 Minuten Nord sowie 51 Grad 50 Minuten und 51 Grad 35 Minuten West. Der Umfang beträgt 590 Kilometer. Die Landfläche verteilt sich auf zwei Gemeinden: 218.000 Hektar liegen in Oiapoque, das entspricht 9,8 Prozent der Gemeinde, und 209.000 Hektar in Calçoene, 14,7 Prozent der Gemeinde.
Der Park schließt ein rund 200 Kilometer langes Küstenband ein, das zehn Kilometer weit in den Atlantik reicht, also 5,4 Seemeilen. Die gesamte Küste von Oiapoque und 76 Prozent der Küste von Calçoene liegen im Park. Im Inneren ist er in einen nördlichen, einen mittleren und einen südlichen Abschnitt gegliedert: Der Norden umfasst die Mangroven an der Flussmündung, der mittlere Teil liegt am Rio Cassiporé und der Süden am Rio Cunani, der die Südgrenze bildet.
Woher stammt der Name Cabo Orange?
Um das Gebiet stritten Portugiesen, Franzosen, Engländer und Niederländer über Jahrhunderte. Zuerst hieß das Kap Cabo Cecil, später Cabo de la Corda. 1625 benannte es der niederländische Seefahrer Johannes de Laet zu Ehren des Hauses Oranien, das seit damals in den Niederlanden regiert, in Cabo Orange um. Den Namen übernahm der Park, um ein Stück Geschichte der Küste von Amapá lebendig zu halten.
Die Gründung empfahl Mitte der 1970er-Jahre das Projekt RADAM, eine landesweite Erfassung der Naturressourcen. Als Begründung für den Schutz dienten amphibische Lebensräume wie Überschwemmungsfelder und Mangroven, die in Brasilien einzigartig sind, die Küstenebene zwischen Macapá und Oiapoque und die Lebensräume bedrohter Arten, darunter acht Säugetiere und sieben Vögel. Auf engem Raum liegen Mangroven, Schlamm- und Sandstrände, Dünen, Felder, Wald, Cerrado, Süß-, Brack- und Salzwasserseen, Flüsse und Mündungen beieinander.
Welche Geschichte hat das Grenzland?
Im 16. und 17. Jahrhundert besuchten Seefahrer, Korsaren und Piraten die Küste. Vicente Yáñez Pinzón gab Orten ihre ersten Namen; der Engländer Keymis nannte den Fluss 1596 Oiapoque. Der Abenteurer Walter Raleigh verbreitete den Mythos von Eldorado in dieser Region. 1637 entstand mit der Capitania do Cabo Norte die erste Verwaltungseinheit, die vom Oiapoque bis zum Paru reichte, und später kamen Forts zum Schutz des Gebiets.
Fast zwei Jahrhunderte dauerte der Streit, welcher Fluss die Grenze zwischen Frankreich und Portugal bildete, nachdem der Vertrag von Utrecht sie am Fluss Yapoco oder Vicente Pinzón festgelegt hatte. Daraus entstand ein neutrales Gebiet zwischen den Flüssen Araguari und Oiapoque, das keinem der beiden Länder unterstand. Als 1893 am Rio Calçoene Gold gefunden wurde, nahmen die Konflikte zu.
In den 1880er-Jahren rief ein Anführer im Dorf Cunani eine unabhängige Republik Guayana aus, mit französischem Recht, französischer Amtssprache und einem Präsidenten, der in Frankreich lebte. Sie gab Banknoten zu 25 bis 500 Franc aus und ein eigenes Amtsblatt heraus. Ein Schiedsspruch der Schweiz sprach das Gebiet 1900 Brasilien zu. Amapá wurde am 1. Oktober 1943 Territorium und 1988 Bundesstaat.

Wie entstand die Küstenebene?
Der größte Teil des Parks liegt in der Flussmarschenebene zwischen Macapá und Oiapoque. Sie entstand im jüngsten Abschnitt der Erdgeschichte, im Holozän, aus Sand, Schluff, Ton und Schlamm, den Mangroven festhalten. Gezeiten und Flüsse formen sie bis heute. Entlang des Rio Cassiporé liegen Dolerit-Gänge aus dem Perm und der Trias, die kleine Stromschnellen bilden und als Spuren der Öffnung des Atlantiks entstanden sind. Terrassen der Barreiras-Gruppe erreichen dort bis zu 8 Meter Höhe.
Besonders eigen sind die Chenier-Ebenen zwischen Cunani und Vila Velha: lange Sandrücken, die alten Küstenlinien entsprechen. Dahinter liegen Seen wie der Lago Maruani. Die Küste steht unter dem Einfluss des Nordbrasilianischen Küstenstroms und der Sedimentfracht des Amazonas, halbtägiger Gezeiten und starker Passatwinde. Bei den Äquinoktialfluten tritt die Flutwelle Pororoca auf. Die Böden liegen tief und werden täglich oder saisonal von Gezeiten und Regen überflutet.
Wie viel Regen fällt am Kap?
Das Klima ist tropisch feucht bis sehr feucht, mit Jahresmitteln von 26 bis 28 Grad und mehr als 3.000 Millimetern Regen. Die Gemeinde Calçoene verzeichnete zwischen 1975 und 2006 im Mittel 4.238 Millimeter im Jahr. Das nasseste Jahr war 2000 mit 6.903 Millimetern, das trockenste 1994 mit 1.434 Millimetern.
Die Regenzeit dauert von Dezember bis Juli, im April und Mai fallen 665 und 688 Millimeter. Am trockensten sind September und Oktober mit knapp 41 und 39 Millimetern. Verantwortlich ist die Innertropische Konvergenzzone, die in Verbindung mit den Phänomenen El Niño und La Niña schwankt. Weitere Hintergründe liefert die Seite Klima.
Welche Pflanzen wachsen zwischen Mangrove und Cerrado?
Bisher wurden 357 Pflanzenarten aus 236 Gattungen und 94 Familien in sechs Formationen bestimmt: Mangrove mit 19 Arten, Restinga mit 52, zeitweise überflutete Felder mit 57, Flussauwald mit 109, offener Regenwald mit 152 und Cerrado mit 49. Besonders artenreich sind die Sauergräser mit 20 und die Aronstabgewächse mit 19 Arten.
Am Cabo Orange sind die Mangroven wie eine Treppe gestaffelt. Am Rand stehen junge, lockere Bestände aus Schwarzer Mangrove, Avicennia germinans, und Weißer Mangrove, Laguncularia racemosa, nur etwa drei Meter hoch. Weiter im Inneren folgen ältere und höhere Bestände aus Schwarzer und Roter Mangrove, Rhizophora mangle, im Mittel rund elf Meter hoch. An der Ponta do Mosquito bilden reine Bestände der Roten Mangrove mit 275 Bäumen je Hektar Wälder von im Mittel fast 15 Metern Höhe.

Welche Vögel und Säugetiere leben am Kap?
Der Park liegt im Verbreitungsgebiet des Guayana-Schilds, in dem mindestens 33 Vogelformen nur dort vorkommen. Auf drei Expeditionen wurden 240 Arten aus 56 Familien nachgewiesen, erwartet werden rund 318. An der Küste dominieren Wat- und Fischfresser: Reiher, Ibisse, Löffler, Störche und Regenpfeifer. Am Igarapé do Marrecal schlafen Scharlachsichler, Rosalöffler und mehrere Reiherarten in gemeinsamen Schlafplätzen. An der Spitze des Kaps fressen viele Rosaflamingos, und es ist einer der wenigen Orte in Brasilien mit Brutkolonien dieser Art. Die Ilha do Papagaio an der Oiapoque-Mündung dient Papageien als Schlafplatz.
Von September bis April rasten Zugvögel aus dem Norden, vor allem Strandläufer und Regenpfeifer, darunter Sanderling und Knutt. Der Flamingo und der Sittich Pyrrhura picta kommen in Brasilien nur in Amapá vor. Im Wald leben Aras, Tukane und Hokkos; ihre Anwesenheit zeigt einen intakten Lebensraum an.
Unter den Säugetieren leben Nachtaffe, Kapuziner, Totenkopfaffe, Roter Brüllaffe und Klammeraffe. In den Flüssen leben der Amazonas-Flussdelfin und der Tucuxi, außerdem beide Manati-Arten. Vor der Küste kommen Lederschildkröte, Suppenschildkröte und der Walhai vor. An Raubtieren kommen Margay, Oncilla, Jaguar und Riesenotter vor.
Welche Völker leben um den Park?
Am Rio Uaçá leben vier indigene Gruppen: Karipuna, Palikur, Galibi-Marworno und Galibi do Oiapoque. Seit 1992 besitzen sie drei zusammenhängende, abgegrenzte und bestätigte Territorien, die Terras Indígenas Uaçá mit 470.164 Hektar, Juminã mit 41.601 und Galibi mit 6.889 Hektar. Die Uaçá überlagert sich auf rund 10.000 Hektar mit dem Park. Die Völker leben in 36 Dörfern. Ihre erste Organisation, die APIO, wurde 1992 gegründet.
Im Süden liegt innerhalb des Parks das Dorf Cunani. Die Gemeinschaft besteht seit 1845, ihr Name kommt aus dem Tupi und bedeutet Tucunaré, einen Raubfisch. Die Fundação Palmares erkannte Cunani am 2. März 2005 als Nachfahren-Gemeinschaft eines Quilombo an. Die Bewohner tanzen den Zimba, einen rhythmischen Tanz afrikanischen Ursprungs, und bauen Maniok für Mehl an. Der Geschichte der Flucht aus der Sklaverei im Grenzland widmet sich auch die Seite Kolonialzeit; die Völker Brasiliens stellt die Seite Indigene Völker vor.
Häufige Fragen zum Nationalpark Cabo Orange
Wo liegt der Nationalpark Cabo Orange?
Im äußersten Norden von Amapá, an der Grenze zu Französisch-Guayana und an der Mündung des Rio Oiapoque.
Wann wurde der Park gegründet?
Am 15. Juli 1980 durch das Dekret Nr. 84.913. Er umfasst mehr als 600.000 Hektar.
Woher stammt der Name?
Der Niederländer Johannes de Laet benannte das Kap 1625 nach dem Haus Oranien in Cabo Orange um.
Was ist am Park besonders?
Mangroven, Überschwemmungsfelder, Sandrücken und Wald auf engem Raum sowie Brutkolonien des Rosaflamingos.
Wie viel Regen fällt dort?
Mehr als 3.000 Millimeter im Jahr. In Calçoene lag das Mittel von 1975 bis 2006 bei 4.238 Millimetern.
Wer lebt in der Umgebung?
Karipuna, Palikur, Galibi-Marworno und Galibi do Oiapoque in drei Terras Indígenas sowie die Quilombo-Gemeinschaft von Cunani.
Passend dazu: Atol das Rocas, Reserva Biológica do Lago Piratuba.
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