Der Nationalpark Campos Amazônicos schützt auf 961.539 Hektar im Süden Amazoniens eine ungewöhnliche Mischung: Regenwald, ein Cerrado-Enklave von rund 386.000 Hektar Ausdehnung und Campinarana auf Sandböden. Er liegt zwischen den Flüssen Machado, Roosevelt und Guariba und wurde am 21. Juni 2006 gegründet.
Savannen mitten im Regenwald, Fruchtbäume des Cerrado neben Amazonas-Palmen, Jaguare und Hirsche auf offenen Gräserflächen: Der Parque Nacional dos Campos Amazônicos liegt im Übergang zwischen zwei großen Biomen. Das Schutzgebiet verteilt sich auf die Bundesstaaten Amazonas, Rondônia und Mato Grosso. Die Seite beschreibt Lage, Gründung und Grenzen, Gestein, Flüsse, Pflanzen, Tiere und die Rolle im Verbund der Schutzgebiete Südamazoniens.
Ein weiteres Savannengebiet im Herzen Brasiliens zeigt die Seite zum Nationalpark Emas; für den Cerrado im Norden von Minas Gerais steht die Seite Grande Sertão Veredas. Das Stromgebiet insgesamt stellt die Seite Amazonas vor.
| Gründung | 21. Juni 2006, Bundesdekret; Grenzen 2012 per Gesetz 12.678 geändert |
| Fläche | 961.539 Hektar |
| Lage | Amazonas (Novo Aripuanã 68 Prozent, Manicoré 19 Prozent), Rondônia (13 Prozent), Mato Grosso (0,4 Prozent) |
| Flüsse | Roosevelt, Marmelos, Machado, Manicoré, Guariba, alle im Einzugsgebiet des Rio Madeira |
| Vegetation | Regenwald, Cerrado, Campinarana |
| Klima | Mitteltemperatur 24 bis 28 Grad, Typ Ami |
- Wo liegt der Nationalpark Campos Amazônicos?
- Warum wurden die Grenzen verändert?
- Welche Gesteine und Böden prägen die Landschaft?
- Welche Flüsse prägen den Park?
- Was ist ein Cerrado im Regenwald?
- Welche Tiere leben im Park?
- Welche Völker leben in der Nachbarschaft?
- Welche Rolle spielt der Park im Schutzgebietsverbund?
Wo liegt der Nationalpark Campos Amazônicos?
Das Gebiet erstreckt sich zwischen 7°40′ und 9°05′ südlicher Breite im Interfluvium von Madeira und Tapajós, einer Region mit hoher Artenvielfalt und vielen endemischen Wirbeltieren. Etwa 87 Prozent der Fläche liegen im Bundesstaat Amazonas, verteilt auf die Gemeinden Novo Aripuanã mit gut 68 Prozent und Manicoré mit knapp 19 Prozent. Rund 13 Prozent gehören zur Gemeinde Machadinho d’Oeste in Rondônia, 0,4 Prozent zu Colniza in Mato Grosso. Humaitá liegt außerhalb der Grenzen, hat aber großen Einfluss auf die Region, weil die Stadt an alle drei Bundesstaaten grenzt.
Der Park gehört zum Mosaik der Südlichen Amazonas-Schutzgebiete, einem Verbund von rund sieben Millionen Hektar. Ziel dieses Mosaiks ist es, zusammenhängende Wälder zu bewahren und eine Barriere gegen das Vordringen der Agrarfront im Norden von Mato Grosso und Rondônia zu bilden. Die Lage ist deshalb für die Verbindung der Schutzgebiete im Süden Amazoniens strategisch.
Warum wurden die Grenzen verändert?
Das Gründungsdekret vom 21. Juni 2006 verfolgt das Ziel, die biologische Vielfalt und die ökologischen Prozesse zwischen den Flüssen Machado, Branco, Roosevelt und Guariba samt ihren Landschaften und abiotischen Werten zu schützen. Im Juni 2012 änderte das Gesetz 12.678 die Grenzen: Etwa 1.500 Hektar für einen möglichen Stausee wurden ausgegliedert und rund 32.000 Hektar am Ramal do Pito Aceso für die Regularisierung von Siedlern. Zugleich kamen rund 152.000 Hektar hinzu. Besonders wichtig war die Aufnahme der Cerrado-Fläche entlang der Estrada do Estanho mit 61.081 Hektar, der letzten bis dahin ungeschützten Fläche des Enklaves. Dazu kamen Flächen am Rand des Mosaiks von Apuí, Campinarana am Ramal dos Baianos, weitere Cerrado-Teile sowie 84.298 Hektar am linken Ufer des Rio Guariba. Seitdem hat der Park 961.539 Hektar.
Welche Gesteine und Böden prägen die Landschaft?
Der Park liegt im Südwesten des Amazonas-Kratons. Alte kristalline Gesteine bilden den Sockel: Granite der Suíte Serra da Providência im Norden, Gesteine der Suíte São Romão im Süden und eine metavulkanische Folge am Rio Roosevelt. Darüber liegen Sedimentgesteine, vor allem die Sandsteine der Formation Palmeiral. Sie bilden Tafelberge und Rücken wie die Serras do Machado und Manicoré. Die Böden im Sandstein sind fast reiner Quarzsand und besonders nährstoffarm, am Hang und auf den Kuppen herrschen rote und gelbe Latosole, in Senken gibt es Gleyböden und stellenweise Moorböden unter Buriti-Palmen und Bambus.
Die Sandsteinbänke bestehen aus leicht erodierbaren, losen Körnern. Das Landschaftsbild bilden daher Hochflächen, die Campos do Tenharim, mit residualen Hügeln und Platten, die sich über flache Rumpfflächen erheben. Das Klima ist warm und feucht: Die Mitteltemperaturen liegen zwischen 24 und 28 Grad, die Regenfälle sind hoch bei kurzer Trockenzeit. Im Süden, bei Machadinho d’Oeste, ist die Trockenzeit länger und das Wasserdefizit größer als im Norden bei Manicoré; dort wirkt sich auch die Friagem aus, ein Kaltluftvorstoß aus dem Süden. Hinweise zur Reise in die Tropen gibt die Seite Gesundheit.

Welche Flüsse prägen den Park?
Das Gewässernetz ist dicht und gehört vollständig zum Einzugsgebiet des Rio Madeira. Fünf Teileinzugsgebiete berühren den Park. Das größte ist das des Rio Roosevelt im Zentrum und Osten, mit felsigem Bett, Wasserfällen und Stromschnellen wie der Corredeira do Inferninho. Zuflüsse sind der Rio Madeirinha, der Rio Guariba und der Rio Machadinho. Im Westen liegt das System des Rio Marmelos mit Rio Branco, Rio Preto und mehreren Igarapés. Der Rio Machado oder Ji-Paraná begrenzt den Südwesten, der Rio Manicoré die Nordmitte; dieser ist für Lastkähne bis 2.500 Tonnen ganzjährig befahrbar. Der Rio Guariba bildet die Ostgrenze. Der Rio Machado mündet bei Calama nördlich von Porto Velho in den Madeira, der Rio Manicoré etwa auf 5 Grad Süd an dessen rechtem Ufer.
Die Region ist außerdem eine wichtige Grundwasser-Neubildungszone. Auf den Sandsteinen der Formation Palmeiral, unter Cerrado und Campinarana, sickert der Regen rasch ein und füllt den eingeschlossenen Aquifer. Das hält die Wasserstände der Hauptflüsse auch in der Trockenzeit auf einem beständigen Niveau, obwohl dann kaum Regen fällt.
Was ist ein Cerrado im Regenwald?
Die große Besonderheit ist der Savannenenklave. Die typischen Cerrado-Flächen bilden einen zusammenhängenden Streifen von rund 386.000 Hektar, der über die Parkgrenzen hinaus bis in die Indigenengebiete Tenharim Marmelos und Tenharim do Igarapé Preto reicht. Inmitten dichten Waldes wachsen Pflanzen, die sonst im zentralen Cerrado zu Hause sind, etwa der Bate-caixa (Palicourea rigida), der Sandpapierbaum Curatella americana und Antonia ovata. Die Flächen sind ein ökologischer Rückzugsraum mit Relikten früherer Klimaphasen, in dem sich leicht eigene Arten entwickeln.
Daneben steht die Campinarana, Strauch- und Waldvegetation auf Sand mit feuchterem Standort. Sie gliedert sich in drei Typen: eine niedrige, gräserreiche Variante in überfluteten Ebenen nahe den Flüssen, eine Variante mit krüppeligen Sträuchern auf Podsol-Senken und eine Variante mit Baumschicht um 20 Meter, in der Buriti-Palmen stehen. Typisch ist die Flechte Cladonia, die im Cerrado fehlt. In den Strauchbereichen wächst eine nicht näher bestimmte Buritirana-Palme der Gattung Mauritiella. Auf frisch verbrannten Flächen bildet das Sauergras Lagenocarpus dichte Matten. Der Regenwald selbst gliedert sich in dichten Wald auf jungen Schwemmböden und offenen Wald in Senken.

Welche Tiere leben im Park?
Bei den Amphibien und Reptilien wurden 91 Arten registriert, 51 Frösche und Kröten sowie 40 Reptilien. Die meisten sind Amazonasarten, einige typische Cerrado-Arten kamen hinzu, darunter mehrere Schlangen, die erstmals im Cerrado des Parks nachgewiesen wurden, und die Echse Hoplocercus spinosus, ein Neufund für den Bundesstaat Amazonas. Auf der Vogelliste stehen 332 Arten. Dazu zählen Waldvögel wie die Harpyie und das Mutum, aber auch Savannenvögel wie Brotogeris chiriri und Uropelia campestris, die in Amazonien selten nachgewiesen werden. Drei Arten, Pyrrhura perlata, Skutchia borbae und Lepidothrix nattereri, sind auf das Interfluvium von Madeira und Tapajós beschränkt.
Bei den Säugetieren wurden 44 mittelgroße und große Arten erfasst. Es gibt Jaguar, Puma, Riesenotter, Buschhund und Kurzohrfuchs, daneben 13 Primatenarten, darunter Chiropotes albinasus, den Schwarzen Klammeraffen und einen Springaffen, der als neue Art beschrieben wird. In der Cerrado-Fläche leben vier Hirscharten, darunter der Pampashirsch. Große Rudel Weißbartpekaris und Tapire wurden per Fotofalle dokumentiert. Von den 44 Säugetieren sind 22 bedroht oder besonders schützenswert, darunter das Riesengürteltier. Hinzu kommen 188 Fischarten aus 31 Familien; über die Hälfte sind Salmler, rund ein Viertel Welse. Wichtige Speisefische sind Matrinxã, Pacu, Piau, Pintado und Piraíba. Fast 38 Prozent der Arten wurden nur an einem einzigen Ort gefunden, die häufigsten Gattungen kommen in den kleinen Igarapés im Südwesten vor. Auffällig selten sind Flussschildkröten an Roosevelt und Machado, ohne dass der Grund bekannt ist. Der Vergleich mit den Savannen im Norden steht auf der Seite zum Nationalpark Viruá.
Welche Völker leben in der Nachbarschaft?
Am Rand des Parks liegen die Indigenengebiete Tenharim Marmelos und Tenharim do Igarapé Preto, außerdem Flussgemeinden wie Tabajara und Bela Vista do Rio Guariba, das Siedlungsprojekt Santa Maria II, die Vila Três Fronteiras und der Distrikt Santo Antônio do Matupi an der Transamazônica sowie Bewohner entlang der Estrada do Estanho. Das Cerrado-Enklave setzt sich auf den Gebieten der Tenharim fort. Allgemeine Informationen zu den Ureinwohnern bietet die Seite Indigene Völker.
Welche Rolle spielt der Park im Schutzgebietsverbund?
Der Park verbindet Schutzgebiete im Süden Amazoniens, darunter die Biologische Reserve Jaru und das Mosaik von Apuí, und liegt südlich der Transamazônica BR-230. Ziel ist, die Zerschneidung des Waldes zwischen Straße und Park zu vermeiden und die Verbindung zu einem nördlich der Straße geplanten Schutzgebiet zu ermöglichen. Der Plan teilt das Gebiet in mehrere Zonen, mit einem besonders streng geschützten Kern, Zonen für extensive Nutzung, zur Wiederherstellung und für befristete Besiedlung. Bei der Bewertung der Lebensräume erhielten vier der fünf Gebietsabschnitte die Note „sehr gut“, keiner „ausgezeichnet“ oder „schlecht“. Die größte Aufgabe besteht darin, Lebensräume so zu erhalten, dass sie den unterschiedlichen Ansprüchen aller Arten genügen: Dieselbe Fläche kann für eine Tiergruppe ungeeignet und für eine andere ideal sein. Die Bedrohungen entstehen vor allem im Umfeld, durch Zerstückelung der Lebensräume, Rodung, Feuer, illegalen Holzeinschlag, Goldsuche und Staudämme.
Häufige Fragen zum Nationalpark Campos Amazônicos
Wo liegt der Nationalpark Campos Amazônicos?
Im Süden Amazoniens, überwiegend im Bundesstaat Amazonas, mit kleineren Anteilen in Rondônia und Mato Grosso.
Wie groß ist der Park?
Er umfasst 961.539 Hektar. Gegründet wurde er am 21. Juni 2006.
Was sind die Campos Amazônicos?
Offene Savannen- und Sandlandschaften mitten im Regenwald, nämlich Cerrado und Campinarana.
Wie viele Vogelarten gibt es?
Es wurden 332 Arten nachgewiesen, darunter Waldvögel und Savannenvögel.
Welche Flüsse gibt es?
Roosevelt, Marmelos, Machado, Manicoré und Guariba, alle im Einzugsgebiet des Rio Madeira.
Welche Säugetiere leben im Park?
44 mittelgroße und große Arten, darunter Jaguar, Riesenotter, Tapir und 13 Primatenarten.
Passend dazu: Nationalpark Nascentes do Lago Jari, Nationalpark Mapinguari, Reserva Biológica do Uatumã, Reserva Biológica do Jaru.
Amazonien und das Landesinnere Brasiliens? Flüge, Hotels und Reisen nach Brasilien – jetzt passende Angebote vergleichen.