Der Nationalpark Montanhas do Tumucumaque im Nordwesten des Bundesstaats Amapá schützt auf rund 3,87 Millionen Hektar zusammenhängenden Regenwald des Guayana-Schilds, überragt von uralten Granitrücken. Er wurde am 22. August 2002 gegründet und reicht bis an die Grenzen zu Französisch-Guayana und Suriname.
Kein Straßennetz, nur Flüsse, Stromschnellen und Wald: Der Parque Nacional Montanhas do Tumucumaque liegt in einer der am dünnsten besiedelten Ecken Brasiliens. Die Seite erklärt Lage und Zugang, die Entstehung des Parks und des Namens, Geologie, Klima, Pflanzen, Tiere sowie die Geschichte der Menschen, die hier seit Jahrtausenden leben.
Weitere Schutzgebiete im Norden Brasiliens beschreiben die Seiten zum Nationalpark Monte Roraima und zum Nationalpark Pico da Neblina. Einen Überblick über das gesamte Stromgebiet bietet die Seite Amazonas.
| Gründung | 22. August 2002, Bundesdekret ohne Nummer |
| Fläche | 3.865.188 Hektar, rund 38.650 Quadratkilometer |
| Lage | West- und Nordwest-Amapá, Grenzregion zu Französisch-Guayana und Suriname |
| Gestein | Granit, Gneis und Schiefer des Guayana-Kratons aus dem Archaikum |
| Klima | tropisch mit Monsunregen, Regenzeit Januar bis Mai, Trockenzeit September bis November |
| Zugang | kombiniert über Land und Fluss: Rio Amapari, Rio Oiapoque, Rio Jari |
- Wo liegt der Nationalpark Montanhas do Tumucumaque?
- Woher kommt der Name Tumucumaque?
- Wie entstand der Nationalpark?
- Aus welchem Gestein besteht das Bergland?
- Wie ist das Klima im Nationalpark?
- Welche Wälder wachsen im Park?
- Welche Tiere leben im Nationalpark Tumucumaque?
- Welche Völker und welche Geschichte prägen die Region?
- Wie schützt man einen so großen Park?
Wo liegt der Nationalpark Montanhas do Tumucumaque?
Der Park nimmt den westlichen und nordwestlichen Teil des Bundesstaats Amapá ein. Im Norden und Westen grenzt das Gebiet an die Landesgrenzen zu Französisch-Guayana und Suriname, im Osten an die Region um die Orte Oiapoque, Calçoene und Serra do Navio. Zu den Gemeinden der Umgebung gehören Laranjal do Jari, Serra do Navio, Pedra Branca do Amapari, Calçoene und Oiapoque in Amapá sowie Almeirim im benachbarten Pará. Die Hauptstadt Macapá liegt im Südosten, aber mehrere hundert Kilometer entfernt.
Das Straßennetz ist dünn, deshalb sind die Flüsse die wichtigsten Verkehrswege. Von Macapá führt die BR-156 bis zur Kreuzung bei Porto Grande, nach rund 95 Kilometern. Dort beginnt die BR-210, die Perimetral Norte, die nach weiteren rund 105 Kilometern Serra do Navio erreicht. Von dort geht es auf dem Rio Amapari etwa 90 Kilometer flussaufwärts bis zur Parkgrenze. Nach Oiapoque führt die BR-156 über rund 600 Kilometer; von dort fährt man auf dem Rio Oiapoque etwa 40 Kilometer bis zur Mündung des Rio Anotaiê, der die Nordostgrenze des Parks bildet. Wer von Laranjal do Jari aufbricht, folgt dem Rio Jari über rund 250 Kilometer bis zur Mündung des Rio Inipuku.
Im Innern des Parks wurden 19 unbefestigte Landepisten erfasst, von denen die meisten nicht mehr benutzt werden und allmählich zuwachsen. Ein Boot, ob Schnellboot oder hölzerner Lastkahn, schafft pro Tag meist zwischen 40 und 80 Kilometer. Wie weit man kommt, hängt von der Jahreszeit ab: In der Regenzeit sind die unbefestigten Straßen schwer passierbar, die Flüsse führen aber viel Wasser. In der Trockenzeit sind die Wege besser, dafür behindern flache Stellen, Felsen und Stromschnellen die Schifffahrt.
Woher kommt der Name Tumucumaque?
Der Name stammt nicht von den Völkern der Region. Die Wayana auf der brasilianischen Seite nennen das Bergland Tuna enatëre, das Quellgebiet der Flüsse Paru und Jari. Ihre Verwandten in Französisch-Guayana sagen Topu konõto, große Steine. Die Wajãpi kennen kein gemeinsames Wort für die Gebirgskette, sondern benennen jede einzelne Serra für sich. Tumucumaque ist ein Begriff der Nicht-Indigenen.
In den Karten des 17. und 18. Jahrhunderts taucht der Name auf und verschwindet wieder. Fest eingetragen wurde er im Dreiländereck Brasilien, Französisch-Guayana und Suriname erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, anstelle der früheren Bezeichnung Serra do Norte. Die Reiseberichte des Franzosen Jules Crevaux in der Zeitschrift Tour du Monde machten die Gegend bekannt. Der Geograf Henri Coudreau veröffentlichte 1893 die erste wissenschaftliche Beschreibung der Berge, die er Tumuc-Humac nannte. Der Name war damals auch ein politisches Argument: Frankreich und Brasilien stritten über den Grenzverlauf im Norden Amapás.

Wie entstand der Nationalpark?
Die Idee, die Region zu schützen, ist alt. 1961 schuf Präsident Jânio Quadros per Dekret eine Reserva Florestal do Tumucumaque, die allerdings in Pará lag, dort, wo heute die Ökologische Station Grão-Pará liegt. Anfang der 1970er-Jahre wurde ein Parque Nacional Indígena do Tumucumaque geplant, der ein Stück unberührtes Brasilien bewahren und zugleich internationale Besucher anziehen sollte. Das Projekt scheiterte, weil es die Interessen der Bewohner kaum berücksichtigte. 1974 empfahl das Radarkartierungsprojekt RADAM eine Nationalforst. Der Plan des Schutzgebietssystems von 1979 sah eine Reserva Biológica do Oiapoque mit 1.473.000 Hektar vor, die nie eingerichtet wurde. Verwirklicht wurde 1980 dagegen der Nationalpark Cabo Orange an der Küste.
Die heutige Einheit entstand Anfang der 2000er-Jahre. Das Umweltministerium wollte die Zahl der Schutzgebiete in Amazonien stark erhöhen, und das internationale Programm ARPA stellte Mittel von 80 Millionen Dollar in der ersten Phase in Aussicht. Hinzu kam, dass der Bund über mehr als 3,8 Millionen Hektar Land verfügte, das sich für die Landwirtschaft nicht eignete. Im Mai 2002 lief eine Internet-Konsultation, in der 323 Nachrichten eingingen, im Juni folgten öffentliche Anhörungen in Laranjal do Jari, Serra do Navio und Oiapoque. Sie verliefen kontrovers, denn Teile der Politik befürchteten, dass Bodenschätze unzugänglich würden. Auch das Verteidigungswesen hatte Einwände, weil der Park fast vollständig im Grenzstreifen von 150 Kilometern liegt. Ein Dekret vom 7. Oktober 2002 stellte klar, dass die Streitkräfte in Schutzgebieten des Grenzstreifens die für die nationale Sicherheit nötigen Tätigkeiten ausüben dürfen.
Unterzeichnet wurde das Gründungsdekret am 22. August 2002 im Palácio do Planalto, kurz vor der UN-Konferenz Rio+10 in Johannesburg. Der Zusatz „der Berge“ im Namen würdigt das Internationale Jahr der Berge 2002.
Aus welchem Gestein besteht das Bergland?
Das Fundament bildet der Guayana-Kraton, ein Verbund aus Granit, Gneis und anderen kristallinen Gesteinen. Die Gneise der Suíte Metamórfica Guianense stammen aus dem Archaikum und bilden die Gebirgsketten des Tumucumaque. Daneben gibt es die ebenfalls archaische Vila-Nova-Folge mit Glimmerschiefern und eisenhaltigen Quarziten. Aus dem Proterozoikum stammen ringförmige alkalische Intrusionen der Maicuru-Mapari-Provinz sowie parallel verlaufende Diabasgänge, die in der Provinz Oiapoque-Araguari von einer späteren vulkanischen Reaktivierung zeugen. An der Oberfläche liegen Laterite und junge Flussablagerungen in den Talböden.
Die Landschaft besteht aus gewellten Hügelländern, steilen Granitkuppen und zerklüfteten Rücken, den Inselbergen, an deren nackten Flanken sich nur wenige Pflanzen halten. Dort wachsen vor allem Bromelien, Myrtengewächse und Kakteen.
Wie ist das Klima im Nationalpark?
Das Klima gehört zum Typ Am nach Köppen, tropisch mit Monsunregen. Die Regenzeit dauert von Januar bis Mai, die ausgeprägte Trockenzeit von September bis November, mit weniger als 60 Millimeter Niederschlag im Monat. In Serra do Navio fallen im Jahr rund 2.250 Millimeter. Der niederschlagsärmste Monat ist der Oktober mit rund 40 Millimeter, der nasseste der März mit rund 400 Millimeter. Die Durchschnittstemperaturen liegen im Minimum bei 23 Grad und erreichen im Oktober Höchstwerte um 32,5 Grad. Die Luftfeuchtigkeit schwankt zwischen etwa 75 Prozent im Oktober und 89 Prozent im April. Die Gesundheitshinweise für Amazonien fasst die Seite Gesundheit zusammen, Hintergründe zu den Jahreszeiten die Seite Klima.
Welche Wälder wachsen im Park?
Der Guayana-Schild trägt rund 20.000 beschriebene Gefäßpflanzenarten, etwa 35 Prozent davon kommen nur dort vor. Im Park dominiert der dichte Terra-firme-Wald auf niedrigen Plateaus und an den Hängen der Berge. Fünf Expeditionen zwischen September 2004 und März 2006 stießen auf Bestände in außergewöhnlichem Zustand: Das Kronendach liegt über 30 Meter hoch, einzelne Urwaldriesen überragen es mit mehr als 50 Metern. Der Unterwuchs ist licht, Spuren menschlicher Eingriffe waren selten.
Bis dahin wurden 485 Pflanzenarten aus 108 Familien und 356 Gattungen bestimmt, viele Proben waren noch nicht ausgewertet. Besonders artenreich sind die Hülsenfrüchtler, daneben Balsambaumgewächse, Lorbeergewächse und Topffruchtbäume. Zu den prägenden Bäumen gehören der Angelim-pedra (Hymenolobium petraeum) und Maçaranduba-Bäume (Manilkara). Am Rio Amapari kommen Açaí-Palmen, Bacaba und wilde Kakaoverwandte vor. Im Plateauwald erreicht die Artenvielfalt einen Shannon-Index von 6,62, einen sehr hohen Wert. In Flussnähe wachsen Ufer- und Überschwemmungswälder, in den Tälern Bambusdickichte und Lianengeflechte.

Welche Tiere leben im Nationalpark Tumucumaque?
Die Inventare konzentrierten sich auf Wirbeltiere, Krebse und Pflanzen. Sie zählten 371 Vogelarten aus 59 Familien, darunter Harpyie und dem Kolibri Topaza pella. Bei Amphibien und Reptilien kamen 158 Arten zusammen, das sind rund 80 Prozent der aus Amapá bekannten Arten. Zu den Besonderheiten gehören der Schwarzkaiman als Neunachweis für den Park, die Schlange Xenodon werneri als Erstnachweis für Brasilien und die Echse Amapasaurus tetradactylus, die nach 32 Jahren ohne Nachweis 2004 wiederentdeckt wurde und auch am Rio Anacuí lebt. Unter den Fischen fanden die Forscher mehrere neue, noch nicht beschriebene Arten, und von den Süßwasserkrebsen leben im Park Garnelen und Krabben aus mehreren Familien.
Unter den Säugetieren sind Jaguar, Riesengürtertier, Großer Ameisenbär, Buschhund, Riesenotter und Tapir. Hinzu kommen Affen wie Kapuzineraffen, Tamarine und der Weißgesichtsaki. Fledermäuse sind mit 48 Arten vertreten. Am Rio Anacuí zeigten sich deutliche Spuren von Jagddruck, in abgelegenen Flusstälern dagegen nicht. Die Wildtiere im Park profitieren davon, dass die Gegend kaum durch Straßen zerschnitten ist. Auch die Waldgebiete der Nationalparks Jaú und Viruá beherbergen vergleichbare Lebensgemeinschaften des nördlichen Amazonien.
Welche Völker und welche Geschichte prägen die Region?
Die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung zwischen Amapá und der Orinoco-Mündung sind rund 12.000 Jahre alt. Vor etwa 2.000 Jahren siedelten Aruak sprechende Gruppen, die bereits Ackerbau betrieben. Vor rund 1.100 Jahren zogen Karibisch sprechende Völker in Richtung Guayana-Küste, im 16. Jahrhundert folgten Tupi-Guarani-Gruppen, die vor der Kolonialherrschaft im Süden des Amazonas auswichen. Kriege, Seuchen und Missionen löschten oder veränderten viele Gruppen, doch das abgeschiedene Bergland blieb für Wayana und Wajãpi ein Rückzugsraum. Die Wajãpi besiedelten bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein Gebiet von rund 15.000 Quadratkilometern.
Wer sich in der Natur orientiert, kennt keinen Monatskalender. Die Wajãpi richten ihr Jahr nach mehr als 50 ökologischen Zeichen aus: Der Gesang der Zikaden kündigt den „Sommer“ an, Frösche und Laubfrösche sind die „Herren“ der Regenzeit, die Fruchtreife von Açaí und Bacaba markiert weitere Abschnitte. Archäologische Fundstellen belegen die lange Nutzung: Felsbilder, Keramik, Schleifsteine und Terra preta am Rio Paru, am Rio Amapari und am Rio Oiapoque. Die Gemeinden Vila Brasil am Oiapoque und Ilha Bela liegen innerhalb der Parkgrenze. Mehr zu den heutigen Völkern bietet die Seite Indigene Völker.
Wie schützt man einen so großen Park?
Der Park gehört zum Programm ARPA für Schutzgebiete in Amazonien und grenzt an indigene Territorien wie das Land der Wajãpi, der Tiriyó und der Wayana. Gemeinsam mit diesen Territorien und weiteren Schutzgebieten bildet er eine zusammenhängende Fläche von außergewöhnlicher Größe. Der Hauptdruck entsteht an den Rändern: durch Jagd, Goldsuche in den Flussläufen und das Vordringen der Landwirtschaft entlang der Straßen. Der Plan für den Park sieht daher Kontrollen, Forschung und eine enge Zusammenarbeit mit den angrenzenden Gemeinden vor. Die Verwaltung sitzt in Macapá.
Häufige Fragen zum Nationalpark Montanhas do Tumucumaque
Wo liegt der Nationalpark?
Im Nordwesten des Bundesstaats Amapá, an der Grenze zu Französisch-Guayana und Suriname. Die Hauptstadt Macapá liegt im Südosten.
Wie groß ist der Park?
Er umfasst 3.865.188 Hektar, rund 38.650 Quadratkilometer. Gegründet wurde er am 22. August 2002.
Wie kommt man in die Region?
Meist kombiniert über Land und Fluss, zum Beispiel von Macapá über die BR-156 und BR-210 bis Serra do Navio und weiter auf dem Rio Amapari.
Was bedeutet der Name Tumucumaque?
Es ist ein Name der Nicht-Indigenen. Die Wayana nennen das Bergland Tuna enatëre, die Wayana in Französisch-Guayana Topu konõto, große Steine.
Wie viele Vogelarten gibt es?
Bei den Expeditionen wurden 371 Arten aus 59 Familien nachgewiesen, darunter die Harpyie.
Wann regnet es am meisten?
Von Januar bis Mai. Die ausgeprägte Trockenzeit dauert von September bis November.
Passend dazu: Nationalpark Cabo Orange, Reserva Biológica do Rio Trombetas, Reserva Biológica do Lago Piratuba.
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