Der Nationalpark Nascentes do Lago Jari im brasilianischen Bundesstaat Amazonas schützt seit 2008 auf 812.141 Hektar das Quellgebiet des Rio Jari im Tiefland zwischen Purus und Madeira. Ein geschlossenes Waldmassiv, flache Terra-firme-Böden und Wasserläufe voller Kleinfische bilden einen Naturraum fernab der großen Städte.
Zwischen den beiden Strömen Purus und Madeira liegt ein Tiefland, in dem Höhenunterschiede kaum zählen und das Wasser die Wege vorgibt. Mittendrin entspringen die Bäche, aus denen der Rio Jari wird, ein Nebenfluss des Purus. Der Parque Nacional Nascentes do Lago Jari schützt dieses Quellgebiet. Die Seite beschreibt Lage, Gründung, Zugänge, Gesteine, Böden, Flüsse, Klima, Wälder, Fische, Vögel und Säugetiere sowie die Nachbarn des Parks.
Ähnliche Waldlandschaften im Norden zeigen die Seiten zum Nationalpark Jaú, zum Nationalpark Viruá und zum Amazonas.
| Gründung | 8. Mai 2008, Dekret ohne Nummer |
| Fläche | 812.141 Hektar |
| Lage | Amazonas, Gemeinden Tapauá (94 Prozent) und Beruri (6 Prozent) |
| Höhe | 19 bis 85 Meter über dem Meer |
| Wald | 67 Prozent dichter Tieflandregenwald, 25 Prozent offener Regenwald |
| Gewässer | 79 Prozent im Einzugsgebiet des Purus, 21 Prozent im Einzugsgebiet des Madeira |
| Tierwelt | geschätzt 140 Fisch-, 84 Reptilien-, 80 Amphibien-, 400 Vogel- und 47 größere Säugetierarten |
- Wo liegt der Nationalpark Nascentes do Lago Jari?
- Was bedeutet der Name, und wozu entstand der Park?
- Welche Wege führen in das Parkgebiet?
- Welche Gesteine, Böden und Flüsse formen die Ebene?
- Wie ist das Klima im Quellgebiet des Jari?
- Welche Wälder wachsen im Nationalpark?
- Welche Fische, Amphibien und Reptilien leben im Park?
- Welche Vögel und Säugetiere kommen vor?
- Welche Nachbarn hat der Park?
Wo liegt der Nationalpark Nascentes do Lago Jari?
Der Park liegt im Norden des Interflúvio Purus-Madeira, einer riesigen Zwischenstromlandschaft von mehr als 27 Millionen Hektar im Einflussbereich der Bundesstraße BR-319, die Manaus mit Porto Velho verbindet. Fast die gesamte Parkfläche gehört zur Gemeinde Tapauá, 94 Prozent, der Rest zur Gemeinde Beruri. Insgesamt umfasst die Zwischenstromlandschaft elf Bundesschutzgebiete, darunter neben dem Park das Biologische Reservat Abufari und den Nationalpark Mapinguari. Zusammen mit weiteren Bundes- und Landesschutzgebieten und Indigenengebieten bildet er einen großen Verbund geschützter Flächen, der Wald und Gewässer durch Korridore verbindet.
Der Park grenzt über rund 150 Kilometer an die BR-319. Im Süden liegt der Staatswald von Tapauá, im Westen das Biologische Reservat Abufari, und das Indigenengebiet der Apurinã am Igarapé Tauamiri grenzt an den Park.
Was bedeutet der Name, und wozu entstand der Park?
„Nascentes do Lago Jari“ heißt Quellen des Lago Jari. Der Lago Jari ist ein See, durch den der Rio Jari fließt, bevor er in den Purus mündet. Das Dekret vom 8. Mai 2008 schafft den Park, um natürliche Ökosysteme von großer ökologischer Bedeutung und landschaftlicher Schönheit zu erhalten. Er ermöglicht Forschung, Umweltbildung, Erholung in der Natur und ökologischen Tourismus und sichert die Fischbestände des Einzugsgebiets.
Der Rio Jari ist ein wichtiger Nebenfluss des mittleren Purus am rechten Ufer. Mit dem Park steht sein oberes Einzugsgebiet unter Schutz, vom Quellwald bis zu den Bächen, die ihn speisen. Zu den größeren Zuflüssen zählen Água Branquinha, Água Branca oder Caetano, Gavião, Picolé und Consuelo oder Capivara.
Welche Wege führen in das Parkgebiet?
Die meisten Wege führen über das Wasser. Der Rio Jari ist die Hauptachse. Wer von Norden kommt, fährt vom Purus durch den Paranã do Jari in den See und danach flussaufwärts; der Rio Jari erschließt von dort aus den größten Teil des Parkinneren. Von der Stadt Tapauá aus sind es rund 450 Kilometer. Weitere Zugänge bieten der Igarapé Pupunha im Westen, der Igarapé Jacinto vom Rio Ipixuna aus, der Igarapé Água Branca oder Veloso sowie die Flüsse Jutaí, Novo und Piquiá, die an der BR-319 beginnen.
Auf dem Landweg führt von der BR-319 ein gut vier Kilometer langer Weg namens Toca da Onça zum Fluss. Er wurde in den 1970er-Jahren angelegt. Die Wasserstände entscheiden über die Befahrbarkeit der kleineren Zuflüsse: Wenn die Pegel fallen, tauchen umgestürzte Bäume auf und versperren Bäche wie den Igarapé Água Branca.

Welche Gesteine, Böden und Flüsse formen die Ebene?
Die Landschaft ist fast völlig flach. 94,8 Prozent des Gebiets sind eben, mit Neigungen unter zwei Grad, weitere fünf Prozent sanft gewellt. Die Höhen reichen von 19 bis 85 Metern über dem Meeresspiegel. Geologisch dominiert die Içá-Formation, die 83,5 Prozent der Fläche ausmacht, dazu kommen eine Decke aus Detritus und Laterit (neun Prozent) und Schwemmland sowie Terrassen aus dem Holozän (sieben Prozent). Drei Landschaftseinheiten gliedern das Gebiet: die Senke Ituxi–Jari (61 Prozent), die Senke Madeira–Purus (31 Prozent) und die Amazonas-Ebene (sieben Prozent).
Der vorherrschende Boden ist ein nährstoffarmer gelb-roter Latossolo, der etwas mehr als die Hälfte der Fläche bedeckt, gefolgt von Argissolos mit 38 Prozent. Der Rest sind Gleissolos und Plintossolos. Der Boden ist nährstoffarm; der Wald lebt vom schnellen Kreislauf aus Laub und Wurzeln.
Etwa 79 Prozent des Parks entwässern zum Purus, 21 Prozent zum Madeira. Im Purus-Einzugsgebiet liegen vor allem das Jari-Becken (69 Prozent dieses Anteils) und das Becken des Rio Ipixuna. Zum Madeira fließen Rio Novo und Rio Jutaí.
Wie ist das Klima im Quellgebiet des Jari?
Das Klima ist tropisch, mit zwei Ausprägungen: dem immerfeuchten Äquatorialklima (Af), in dem es in jedem Monat regnet, und dem Monsunklima (Am) mit mehr als 1.500 Millimetern Niederschlag im Jahr. Auch im kältesten Monat liegt die Durchschnittstemperatur über 18 Grad, einen Winter gibt es nicht. Fast das gesamte Parkgebiet hat 45 bis 54 Tage ohne Regen im Jahr. Weitere Hintergründe liefert die Seite Klima.
Welche Wälder wachsen im Nationalpark?
Das Parkgebiet ist ein großes geschlossenes Waldmassiv. Dichter Tieflandregenwald, die Floresta Ombrófila Densa de Terras Baixas, bedeckt 67 Prozent der Fläche, offener Tieflandregenwald weitere 25 Prozent. Nahe den Flüssen Jari und Purus und an Bächen wie dem Jacinto beeinflusst das Wasser den Wald: Auwälder machen zusammen rund sieben Prozent aus, Pionierformationen einen verschwindenden Rest.
Bei einer Erhebung wurden 128 Pflanzenarten aus 93 Gattungen und 54 Familien bestimmt. Am artenreichsten waren die Schwarzmundgewächse (Melastomataceae) mit zwölf Arten, gefolgt von Farnen der Familie Pteridaceae und den Rötegewächsen mit je acht sowie den Palmen und Pfeffergewächsen mit je sieben Arten. Neun dieser Arten waren für die Region des Interflúvio neu, drei davon wurden nur in diesem Park gefunden: eine Palme der Art Lepidocaryum tenue var. casiquiarense, der Farn Triplophyllum crassifolium und der Baum Erisma fuscum.
Welche Fische, Amphibien und Reptilien leben im Park?
Für die Tierwelt rechnen die Fachleute mit etwa 140 Fischarten, 80 Amphibienarten, 84 Reptilienarten, 400 Vogelarten und 47 mittleren und großen Säugetierarten. Insgesamt kommen 27 bedrohte Arten vor: acht Fische, drei Reptilien oder Amphibien, neun Vögel und sieben Säugetiere.
Bei den Fischen haben 82 Prozent der erfassten Arten eine weite Verbreitung im Amazonasgebiet, 17 Prozent kommen nur in der Region vor. Zu den regionalen Arten zählen der Beilbauchfisch Carnegiella marthae, die Zwergbuntbarsche Apistogramma resticulosa und Apistogramma trifasciata sowie Panzerwelse der Gattung Corydoras. Die Fischgemeinschaften der Probestellen ähneln einander wenig: Fern der Straße beträgt die Übereinstimmung höchstens 25 Prozent, am Igarapé Veloso und an den Flüssen Novo und Jutaí nur 12 Prozent. Erst alle Gewässer zusammen bewahren also die ganze Vielfalt.
Unter den Reptilien und Amphibien leben im Park Laubfrösche der Gattungen Hypsiboas und Osteocephalus, die Lanzenotter Bothrops atrox, die Anakonda Eunectes murinus und die Schildkröte Podocnemis unifilis. Der Fisch Beloniona podion zeigt als Anzeiger eine gute Wasserqualität an; er wurde im Igarapé Jacinto nachgewiesen.

Welche Vögel und Säugetiere kommen vor?
Die Vogelwelt umfasst fast alle Ebenen der Nahrungskette, von Pflanzenfressern bis zu Greifvögeln und Eulen. Vor allem Arten, die empfindlich auf Waldzerstückelung reagieren, sind vertreten, etwa Ameisenfolger, Bodeninsektenfresser und große Fruchtfresser wie Hokkohühner (Mutum und Jacu). 22 Arten wurden bei der Erhebung ausschließlich in diesem Park festgestellt. In Brasilien endemisch sind unter anderem Myrmotherula iheringi, Phlegopsis borbae, Schiffornis turdina und Xiphorhynchus spixii. Auch Tukane, Aras und Papageien sind vertreten.
Nur eine Art, der Einsiedelwasserläufer Tringa solitaria, zieht als Langstreckenzieher von der Nordhalbkugel hierher. Andere, etwa der Gabelschwanz-Königstyrann und der Tropenkönigstyrann, wandern innerhalb Brasiliens und der Nachbarländer, und zwar bevorzugt über offene Flächen.
Die 47 mittleren und großen Säugetierarten sind typisch für Terra-firme-Wälder und besonders reich an Bodenbewohnern, darunter Arten, die im Boden graben, deren Spuren häufig zu finden sind. Am Igarapé Jacinto fanden sich Spuren des Fischotters, an der Straße lebt die Capivara als einziges nachgewiesenes halbaquatisches Säugetier. Zu den sieben bedrohten Arten gehören das Weißbartpekari, der Jaguar, der Amazonas-Flussdelfin, das Riesengürteltier, der Flachlandtapir und der Wollaffe Lagothrix cana. Zwölf Raubtierarten sind verzeichnet, darunter Fischotter, Riesenotter, Tayra, Kurzohrfuchs, Krabbenwaschbär, Nasenbär und Wickelbär.
Welche Nachbarn hat der Park?
Der Park grenzt an das Indigenengebiet Apurinã do Igarapé Tauamiri, das 96.456 Hektar umfasst. Die Dörfer São Sebastião do Pupunha, São Francisco und São José gehören zum Volk der Apurinã, das Dorf Sabazinho im angrenzenden Siedlungsgebiet zu den Paumari und Katukina. São Sebastião do Pupunha liegt zwischen dem Biologischen Reservat Abufari und dem Park. Die Menschen am Fluss leben von Fischfang, Landwirtschaft und Waldprodukten. Weitere Hintergründe zu den Völkern des Landes liefert die Seite Indigene Völker.
Häufige Fragen zum Nationalpark Nascentes do Lago Jari
Wo liegt der Nationalpark Nascentes do Lago Jari?
Im Bundesstaat Amazonas, überwiegend in der Gemeinde Tapauá, im Gebiet zwischen den Flüssen Purus und Madeira.
Wann wurde der Park gegründet?
Am 8. Mai 2008 durch ein Dekret ohne Nummer. Er umfasst 812.141 Hektar.
Was schützt der Park?
Das Quellgebiet des Rio Jari, ein geschlossenes Waldmassiv und die Fischbestände des Einzugsgebiets.
Wie hoch liegt das Gebiet?
Zwischen 19 und 85 Metern über dem Meeresspiegel; fast 95 Prozent der Fläche sind eben.
Wie viele Tierarten leben im Park?
Geschätzt 140 Fisch-, 84 Reptilien-, 80 Amphibien-, 400 Vogel- und 47 mittlere und große Säugetierarten.
Welche Schutzgebiete grenzen an?
Der Staatswald von Tapauá im Süden, das Biologische Reservat Abufari und das Indigenengebiet der Apurinã am Igarapé Tauamiri.
Passend dazu: Nationalpark Mapinguari, Reserva Biológica do Uatumã, Reserva Biológica do Abufari.
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