Der Nationalpark Pacaás Novos in Rondônia schützt auf mehr als 700.000 Hektar die Serra dos Pacaás Novos im Südwesten Amazoniens. Aus dem Sandsteingebirge entspringen die Quellen von zwölf großen Flusssystemen, deshalb heißt der 1979 gegründete Park die Wasserkammer von Rondônia. Er teilt sich Land mit einem indigenen Territorium.
Rondônia wurde in wenigen Jahrzehnten dicht besiedelt, und viele Lebensräume haben sich stark verändert. Mitten in diesem Wandel liegt ein Block fast unberührter Natur: tafelförmige Sandsteinberge, Granitinseln, Savannen und Wald, durchzogen von Tausenden kleiner Bäche. Diese Seite erklärt, wie der Nationalpark Pacaás Novos entstand, wie das Gebirge geologisch gebaut ist, welche Flüsse hier entspringen, welche Pflanzen und Tiere er schützt und welche Völker und Schutzgebiete ihn umgeben.
Zur größeren Einordnung des Regenwaldes lohnt der Blick auf die Seiten zu Amazonas, zum Nationalpark Jaú und zum Nationalpark Viruá; die Weite des Südwestens zeigt auch der Pantanal.
| Gründung | 21. September 1979, Dekret Nr. 84.019 |
| Fläche | mehr als 700.000 Hektar, Umfang 650 Kilometer |
| Lage | Zentrum von Rondônia, sieben Gemeinden, darunter Guajará-Mirim und Campo Novo de Rondônia |
| Koordinaten | 10°10′ bis 11°50′ Süd, 62°30′ bis 64°10′ West |
| Gewässer | Quellen von zwölf Flussgebieten, 2.190 Quellbäche erster Ordnung |
| Besonderheit | Übergang zwischen Cerrado und Amazonas-Regenwald |
- Wo liegt der Nationalpark Pacaás Novos?
- Warum wurde der Park 1979 gegründet?
- Wie ist das Gebirge aufgebaut?
- Wie ist das Klima der Serra?
- Warum nennt man den Park die Wasserkammer von Rondônia?
- Welche Flüsse prägen das Landschaftsbild?
- Welche Wälder und Savannen wachsen im Park?
- Welche Tiere leben im Park?
- Welche Völker und Schutzgebiete grenzen an?
Wo liegt der Nationalpark Pacaás Novos?
Der Park liegt im zentralen Teil des Bundesstaats Rondônia, im Südwesten Amazoniens. Er erstreckt sich über Teile der Gemeinden Guajará-Mirim, Nova Mamoré, Campo Novo de Rondônia, São Miguel do Guaporé, Governador Jorge Teixeira, Alvorada d’Oeste und Mirante da Serra. Seine Lage reicht von 10 Grad 10 Minuten bis 11 Grad 50 Minuten Süd und von 62 Grad 30 Minuten bis 64 Grad 10 Minuten West; der Umfang misst 650 Kilometer.
Der Name leitet sich von der Serra dos Pacaás Novos und vom gleichnamigen Fluss ab. Die Verwaltung sitzt in Campo Novo de Rondônia. Das Dekret Nr. 84.019 beschreibt die Grenzen entlang von Flussläufen, Quellen und dem Rand der Serra, den es in einem Abstand von rund sechs Kilometern begleitet.
Warum wurde der Park 1979 gegründet?
Die Gründung folgte auf die stürmische Besiedlung von Rondônia, die sich mit dem Bau der BR-364 von Osten nach Westen beschleunigte. Die Fernstraße verbindet São Paulo und Acre über Mato Grosso und Rondônia. Die Idee entstand 1978 aus Studien, die die Entwicklungsbehörde Sudeco gemeinsam mit der Forstbehörde IBDF durchführte, um repräsentative Stichproben der Ökosysteme der Region zu erhalten.
Zwei Gründe gaben den Ausschlag. Das Gebiet umfasst die Quellen der wichtigsten Flusssysteme des Bundesstaats, und es liegt im Übergang zwischen Cerrado und Amazonas-Regenwald, in sehr gutem Erhaltungszustand. Bei der Gründung bestand die Fläche aus staatlichem Brachland, auf dem es weder Landnahmen noch Besitztitel gab.
Wie ist das Gebirge aufgebaut?
Die Landschaft ist vielfältig. Es gibt Hügel mit und ohne Felsblöcke, tafelförmige Hochflächen und Inselberge, in denen sich häufig Höhlen finden. Auf den Gipfeln der Serra wachsen Felder, Cerrado und andere Pflanzengesellschaften auf flachgründigem Gesteinsboden, am Rand der Berge, wo der Boden tiefer ist, steht offener bis geschlossener Regenwald. In der Serra dos Pacaás Novos liegen die höchsten Erhebungen von Rondônia; sie überschreiten 1.000 Meter, und das Klima ist dort das ganze Jahr milder als im Tiefland.
Das älteste Gestein im Zentrum ist die Suíte Intrusiva Rondônia aus der Zeit des Mesoproterozoikums, überwiegend Granit. Am Rand der Serra tritt die Formação Nova Floresta zutage: Basaltlager von mindestens 120 Metern Mächtigkeit, die mit Sandstein wechseln und auf einer Fläche von 45 mal 6 Kilometern Blöcke bilden. Am Fuß der Serra färben diese Basalte die Erde rot. Die bedeutendste Einheit ist die Formação Palmeiral, die die Serra dos Pacaás Novos und die Serra dos Uopianes aufbaut. Sie besteht aus Konglomeraten und Sandsteinen, die ein Netz verzweigter Flüsse in alter Zeit ablagerte. Die Serra dos Uopianes liegt rund 50 Kilometer weiter südlich und ist niedriger.
Große Verwerfungen wie die São-Luiz-, die Jaciparaná- und die Ouro-Preto-Störung begrenzen die Serra. Im Osten liegt das Planalto Dissecado Sul da Amazônia mit Granitrücken bis etwa 400 Metern. Eine Besonderheit ist die Hochfläche Comandante Ary, wo flache Sandböden Savanne und Felder tragen. Große Felsplatten füllen sich in der Regenzeit mit Wasser, und die Inselberge von 60 bis 80 Metern Höhe enthalten Höhlen.

Wie ist das Klima der Serra?
Das Klima ist feucht und gemäßigt warm. Der Jahresniederschlag liegt bei rund 2.080 bis 2.250 Millimetern, die Messwerte von Vilhena und Porto Velho bestätigen das; etwa 70 Prozent davon fallen von November bis März. Im Juni bis August sind es nur 58 bis 146 Millimeter. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 24,6 Grad, die relative Luftfeuchtigkeit liegt bei etwa 85 Prozent. Von Mai bis September fehlt dem Boden Wasser, ab Oktober füllt er sich wieder, und von Dezember bis April herrscht Wasserüberschuss.
Warum nennt man den Park die Wasserkammer von Rondônia?
Im Park und im angrenzenden indigenen Territorium entspringen 2.190 Quellbäche erster Ordnung. Sie bilden zwölf Hauptgebiete von zusammen mehr als 18.000 Quadratkilometern: Cautário mit 511 Quellbächen, Jamari mit 500, São Miguel mit 371, Urupá mit 159, Pacaás Novos mit 154, Ouro Preto mit 153, Jaru mit 95, Candeias mit 68, Muqui mit 67, Jaciparaná mit 66, Cautarinho mit 37 und São Domingos mit 11. Alle Quellbäche entspringen im Gebiet selbst.
Die Flüsse Jamari, Candeias und Jaciparaná münden in den Rio Madeira. Urupá, Jaru und Muqui fließen zum Rio Machado, auch Ji-Paraná genannt. São Miguel, São Francisco, Cautário, Cautarinho, São Domingos, Ouro Preto und Pacaás Novos münden in Guaporé und Mamoré.
Wie dicht das Gewässernetz ist, hängt vom Gestein ab. Auf sandigem Untergrund, etwa im Einzugsgebiet von Cautário und Pacaás Novos, braucht ein Quellbach viel Fläche: Im Becken des Pacaás Novos entfällt ein Bach erster Ordnung auf rund 17 Quadratkilometer. Über tonhaltigen Böden auf Granit liegen die Quellen dichter, im Becken des Rio São Miguel kommt ein Bach auf nur rund 6,6 Quadratkilometer. Der Rio Jaru entspringt in der Serra do Mirante auf 590 Metern und ist im Park schon rund 12 Meter breit, der Rio Candeias beginnt am Nordhang der Serra auf rund 1.000 Metern, und der Rio São Miguel hat seine Quelle in der Serra dos Uopianes auf 600 Metern.
Welche Flüsse prägen das Landschaftsbild?
Der Rio Cautário ist die größte Teilregion des Parks. Seine Zuflüsse beginnen an den Hängen der Serra dos Uopianes auf 650 Metern und der Serra dos Pacaás Novos auf 750 Metern. Das Wasser ist klar, weil es über Sandstein fließt und kaum Rodungen an den Ufern stattfinden. Der Fluss ist über weite Strecken von Stromschnellen und Wasserfällen geprägt, darunter Bom Destino, Desengano, Esperança und Cujubim.
Der Rio Jamari entspringt am Fuß des Pico Tracoá auf über 700 Metern. Am Unterlauf liegt das Wasserkraftwerk Samuel. Der Rio Pacaás Novos fällt durch Schluchten und über Wasserfälle von bis zu 20 Metern Höhe und mündet in den Mamoré. Der Rio Ouro Preto fließt in einem eingeschnittenen Bett zwischen den Resten der Tafelberge und führt klares, dunkles Wasser. Der Rio Jaci Paraná durchbricht die Tafelberge in einer Schlucht und bildet oberhalb der Cachoeira da Ferradura einen Wasserfall in schwer zugänglichem Gelände.
Welche Wälder und Savannen wachsen im Park?
Der Park trägt vier Vegetationstypen: offenen tropischen Regenwald, dichten Regenwald, Kontaktzonen zwischen Savanne und Wald und baumbestandene Savanne. Der offene Wald überwiegt, und in der Region ist das Vorkommen von Savanne im Urupá-Becken auffällig: Dort wechseln Cerrado, Übergangszonen und Galeriewald zu einem Mosaik, das Platz für seltene und endemische Pflanzen bietet.
Auf 16 Probeflächen wurden 2.624 Bäume gezählt und 248 Arten aus 172 Gattungen und 55 Familien bestimmt. Am häufigsten sind Palmen, Maulbeergewächse, Mahagonigewächse und Hülsenfrüchtler. Die häufigste Art ist der Babaçu, Attalea speciosa, mit 207 Stämmen, gefolgt vom Breu vermelho und der Açaí-Palme. In offenen Wäldern im Osten stehen zahlreiche Sororocas, großblättrige Stauden wie die Helikonien. Der Wald am Rio Floresta und an den Quellen des Jamari zählt zu den artenreichsten Teilen.

Welche Tiere leben im Park?
Auf zwei Pfaden mit zusammen 243,2 Kilometern Länge wurden 94 Sichtungen von Säugetieren gezählt. Häufig waren Gehaubter Kapuziner, Schwarzer Klammeraffe, Saki, Roter Mazama-Hirsch und Agutis. Auch Tapir, Weißlippenpekari, Jaguar, Puma, Ozelot, Riesenotter, Riesengürteltier und der seltene Waldhund sind im Gebiet belegt. Der Waldhund, Speothos venaticus, ist von Natur aus selten und reagiert empfindlich auf Veränderungen seines Lebensraums. Große Raubtiere zeigen einen wenig gestörten Wald an.
An drei Standorten wurden 281 Vogelarten erfasst, von denen 97 durch Belegexemplare gesichert sind. Typisch sind Ameisenvögel, die den Wanderzügen der Treiberameisen folgen, sowie Insektenfresser des Unterwuchses.
Welche Völker und Schutzgebiete grenzen an?
Der Park überlagert sich teilweise mit dem indigenen Territorium Uru-Eu-Wau-Wau. In der Terra Indígena leben mehrere Völker, darunter Jupaú, Amondawa und Oro Win. Die Oro Win jagen für den eigenen Bedarf vor allem Agutis, und ihre Felder liegen meist im Wald nahe den Dörfern.
Um den Park liegen weitere Schutzgebiete: die Extraktivreservate Rio Cautário (vom Land und vom Bund), Rio Pacaás Novos und Rio Ouro Preto, der Landespark Guajará-Mirim und der Nationalpark Serra da Cutia. Zusammen bilden sie einen großen Verbund geschützter Fläche im Südwesten Amazoniens. Einen Überblick über die Lage im Land bietet die Seite Geografie.
Häufige Fragen zum Nationalpark Pacaás Novos
Wo liegt der Nationalpark Pacaás Novos?
Im Zentrum von Rondônia, in sieben Gemeinden rund um die Serra dos Pacaás Novos.
Wann wurde der Park gegründet?
Am 21. September 1979 durch das Dekret Nr. 84.019. Er umfasst mehr als 700.000 Hektar.
Warum heißt er Wasserkammer von Rondônia?
Im Gebiet entspringen 2.190 Quellbäche erster Ordnung, die zwölf Flusssysteme speisen, darunter Jamari, Cautário und Pacaás Novos.
Aus welchem Gestein besteht die Serra?
Aus Sandsteinen und Konglomeraten der Formação Palmeiral, dazu kommen Granit im Zentrum und Basalt am Rand.
Welche Vegetation überwiegt?
Offener tropischer Regenwald, dazu dichter Wald, Savanne und Übergangszonen.
Wer lebt in der Nachbarschaft?
Der Park überlagert sich teilweise mit dem indigenen Territorium Uru-Eu-Wau-Wau, in dem unter anderem Jupaú, Amondawa und Oro Win leben.
Passend dazu: Nationalpark Mapinguari.
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