Brasilien.info
Startseite › Natur › Nationalpark Pau Brasil – Küstenregenwald bei Porto Seguro

Nationalpark Pau Brasil – Küstenregenwald bei Porto Seguro

Der Nationalpark Pau Brasil bei Porto Seguro im Süden von Bahia schützt auf rund 19.000 Hektar Küstenregenwald auf den Tabuleiros, den ebenen Hochflächen der Küste. Er trägt den Namen des Baumes, der dem Land seinen Namen gab, und beherbergt die größte noch erhaltene Population des Brasilholzes.

Brasilien ist das einzige Land der Erde, das nach einem Baum benannt wurde. Der Baum heißt Pau-Brasil, auf Deutsch Brasilholz, und wächst dort, wo die portugiesischen Seefahrer ihn zuerst fällten: an der Küste von Bahia. Der Parque Nacional do Pau Brasil erhält einen der letzten größeren Waldblöcke dieser Küste. Die Seite erklärt Lage, Entstehung, Namen, Landschaft und Wälder des Parks sowie seine Pflanzen, Tiere und die Geschichte der Menschen an dieser Küste.

Zur Geschichte der Landung passt die Seite zur Nationalpark Descobrimento; den Berg, den die Seefahrer 1500 zuerst sahen, zeigt die Seite zum Monte Pascoal.

Gründung20. April 1999, 2010 erweitert
Flächerund 19.000 Hektar, Umfang 93 Kilometer
LagePorto Seguro (Bahia), zwischen Vale Verde, Rio dos Frades, Trancoso und der BR-101
LebensraumAtlantischer Regenwald auf Küstentabuleiros, Muçununga-Wald
LeitartBrasilholz (Caesalpinia echinata), Nationalbaum Brasiliens
Pflanzen254 Arten auf zwei Probeflächen von je 0,1 Hektar
Tiere131 Vogel- und 36 Säugetierarten nachgewiesen
Wo liegt Brasilien?
Brasilien auf einen Blick
Brasilien
Klima in Brasilien
15°20°25°30°35°JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDezLuft °CRegen mmØ 2015–2023 · Daten: Open-Meteo

Wo liegt der Nationalpark Pau Brasil?

Der Park liegt vollständig in der Gemeinde Porto Seguro im äußersten Süden von Bahia, zwischen 16 Grad 24 Minuten und 16 Grad 35 Minuten südlicher Breite. Als Orientierungspunkte für seine Grenzen dienen der Ort Vale Verde im Norden, der Rio dos Frades im Süden, das Dorf Trancoso im Osten und die Bundesstraße BR-101 im Westen. Der Umfang beträgt gut 93 Kilometer, und um den Park liegt eine Pufferzone von rund 75.000 Hektar. Die Verwaltung sitzt im Ortsteil Vale Verde.

Das Gebiet gehört zum Zentralen Korridor des Atlantischen Regenwalds. Im äußersten Süden Bahias ist der Park einer der größten zusammenhängenden Bestände von dichtem Regenwald auf den Küstentabuleiros Brasiliens. Er besitzt die größte erhaltene Population des Brasilholzes.

Woher stammt der Name Pau Brasil?

Der Name verweist auf die Art Caesalpinia echinata, die hier eine bedeutende Restpopulation besitzt. Das Gesetz Nr. 6.607 vom 7. Dezember 1978 erklärte das Brasilholz zum Nationalbaum Brasiliens, sein Festtag ist der 3. Mai. Ursprünglich wuchs es an der Atlantikküste von Rio de Janeiro bis Rio Grande do Norte. Wild findet man es nur noch vereinzelt, und der Süden von Bahia ist sein wichtigstes natürliches Vorkommen.

Das Brasilholz war eine der ersten Ressourcen, die Europäer in Brasilien ausbeuteten. Sein Tupi-Name lautet Ibirapitanga, rotes Holz. Das Harz im Kernholz hat die Farbe glühender Kohle, und europäische Textilfärber nutzten es für leuchtend rote Stoffe. Tischler verarbeiteten das Holz zu Luxusmöbeln, und Geigenbauer schnitzten daraus Bögen. Schon nach wenigen Jahrzehnten reichten die Bestände für die Nachfrage nicht mehr aus. Wegen der Bedeutung dieses Handels wurde aus dem Land des Heiligen Kreuzes, der Terra de Vera Cruz, bald das Land Brasil, die Terra do Brasil und die Costa do Brasil.

Die Karte „Terra Brasilis“ im Atlas Miller von 1519 zeigt Indigene beim Schlagen und Tragen roter Baumstämme, ein frühes Bild des Raubbaus an der Küste. Die Stämme sind dort röter als die Stämme der übrigen Bäume, weil sie entrindet sind und nur das rote Kernholz bleibt, aus dem der Farbstoff gewonnen wurde.

Hochgewachsener Küstenregenwald mit Laubdach und Farnen im Südosten von Bahia

Was sind Tabuleiros und Muçunungas?

Die Küste von Porto Seguro besteht aus Tabuleiros, ebenen Hochflächen aus den Sedimenten der Barreiras-Gruppe. Sie sind zwischen 100 und 150 Meter hoch und enden an der Küste abrupt in Steilufern. Darunter liegen uralte Gesteine, Granite und Gneise, die an anderer Stelle als Berge aus der Ebene ragen, etwa der Monte Pascoal. Im Park selbst gibt es keine nennenswerten Erhebungen, nur tief eingeschnittene Täler unter dem Niveau der Hochflächen.

Auf den Tabuleiros liegen kleine, schüsselförmige Senken, die saisonal oder dauerhaft unter Wasser stehen. Sie heißen Muçunungas. Ihr Boden und ihre Pflanzen unterscheiden sich vom umliegenden Wald; die Bäume bleiben etwas niedriger, und auf offeneren Flächen wachsen Eriocaulaceae und Xyridaceae, Pflanzen, die mit Wassermangel und kargen Böden zurechtkommen. Das Gebiet hat kein ausgeprägtes Trockenjahr, der Regen verteilt sich auf das ganze Jahr. Die Gewässer des Parks gehören zu den Einzugsgebieten der Flüsse Trancoso, Taípe und Barra.

Wie vielfältig sind die Pflanzen im Park?

Der Küstenregenwald im Süden Bahias hat die höchste Vielfalt an Holzpflanzen, die bisher gemessen wurde: Auf einem einzigen Hektar wurden hier 454 Arten gezählt. Im Park erfassten Forscher auf zwei Probeflächen von je 0,1 Hektar, einer im hohen Wald und einer im Muçununga-Wald, 788 Bäume aus 254 Arten und 51 Pflanzenfamilien. 32 Prozent der Arten wuchsen nur in der Muçununga, 33 Prozent nur im hohen Wald, 35 Prozent in beiden. Die Myrtengewächse stellten die meisten Arten, gefolgt von Hülsenfrüchtlern, Sapotengewächsen und Lorbeergewächsen.

Zu den häufigsten Bäumen gehörten Pausandra morisiana, Arapatiella psilophylla, Tabebuia cassinoides, Paypayrola blanchetiana und Eriotheca macrophylla. Die dicksten Stämme besaßen Manilkara salzmanii mit 160 Zentimetern, Licania hypoleuca mit 96 und Parkia pendula mit 81 Zentimetern Durchmesser. Etwa 15 Prozent der Baumarten sind selten, endemisch oder bedroht. Unter ihnen sind 71 Arten, die nur im Atlantischen Regenwald vorkommen, 35 mit einer Verbreitung, die zum Amazonasregenwald hinüberreicht, 19 bedrohte, fünf seltene und zwei Arten, die für die Region neu waren. Im Süden Bahias liegt der Anteil der Endemiten bei etwa 53 Prozent.

Wie wächst das Brasilholz im Park?

Das Brasilholz bevorzugt hier die Muçununga-Wälder. Neben erwachsenen Bäumen mit mehr als einem Meter Stammdurchmesser fanden sich junge Bäume und Keimlinge, es wächst also Nachwuchs heran. Die Bäume stehen nicht gleichmäßig verteilt, sondern in Gruppen; wo das Brasilholz vorkommt, ist es oft zahlreich, vor allem als Jungwuchs. Die Zahl kleiner Bäume ist viel größer als die der erwachsenen.

Das Brasilholz hat leuchtend grüne Blätter und blüht reich in Gelb, darum wird es auch als Zierbaum in Städten und Gärten gepflanzt. In der Natur steht es auf den Listen bedrohter Arten.

Niedriger, lichter Wald auf sandigem Boden mit Sträuchern und kleinen Bäumen auf einer Hochfläche an der Küste

Welche Tiere leben im Küstenregenwald?

Leitarten des Parks sind neben dem Brasilholz der Laubfrosch Hylomantis aspera, der Greiffrosch Phyllomedusa burmeisteri, das Blumenbach-Hokko Crax blumenbachii, die Harpyie und der Flachlandtapir. Bei den Vögeln wurden 835 Beobachtungen von 131 Arten dokumentiert. Auf jeder Probestrecke im hohen Wald zählten Forscher rund 100 Arten, davon etwa 26 Endemiten des Atlantischen Regenwalds. Am häufigsten war der Herpsilochmus rufimarginatus, gefolgt vom Bananaquit und dem Drymophila squamata.

36 Säugetierarten sind nachgewiesen, sieben davon stehen auf der nationalen Liste bedrohter Arten: der Kapuziner Cebus robustus, der Springaffe Callicebus melanochir, der Braune Brüllaffe, Ozelot, Margay, Tigerkatze und Puma. Sechs sind Endemiten des Atlantischen Regenwalds, darunter der Büschelaffe Callithrix geoffroyi. In den Bächen leben 16 Fischarten, die meisten kleiner als 15 Zentimeter. Der größte Fisch der Bäche ist die Traíra Hoplias malabaricus.

Wozu dient der Nationalpark Pau Brasil?

Der Park bewahrt die Artenvielfalt des Atlantischen Regenwalds auf den Küstentabuleiros und verbindet dabei Natur, Geschichte und Kultur einer Region, die für den Tourismus anziehend ist und mit der Landung von 1500 verbunden ist. Zu seinen Zielen zählen der Schutz des Erbguts seltener, endemischer und bedrohter Arten, der Erhalt der Quellen und Flüsse der Einzugsgebiete von Trancoso, Taípe und Barra, der Schutz geologischer Besonderheiten, Umweltbildung und Forschung.

Als Bestandteil des Zentralen Korridors verbindet der Park Waldfragmente im Süden Bahias miteinander. Davon profitieren Pflanzen, deren Bestände aus mehreren Teilpopulationen bestehen, ebenso wie Tiere, die Bestäuber oder Samenverbreiter sind und zwischen den Fragmenten wandern können. Vom ursprünglichen Atlantischen Regenwald sind nur noch rund acht Prozent der Fläche erhalten, ein Grund, warum jeder große Block zählt.

Welche Völker prägten die Küste?

An der Küste von Bahia lebten die Tupiniquim, und vom 16. Jahrhundert an drangen Gruppen aus dem Landesinneren vor, darunter die Pataxó und die Botocudo. Die Pataxó kamen aus dem Gebiet zwischen den Flüssen Pardo und Doce in Minas Gerais und Espírito Santo Die Gruppen des Landesinneren lebten vom Sammeln und Jagen, waren sehr beweglich und besuchten die Küste nur zeitweise, um ihre Ernährung mit Fisch und Krebsen aus Flussmündungen, Sandküsten und Mangroven zu ergänzen. 1861 ließ die Provinz Bahia alle verbliebenen Indigenen der Region in einem einzigen Dorf zusammenziehen, Belo Jardim Monte Pascoal, dem späteren Barra Velha, von dem die meisten Pataxó abstammen.

Die Einrichtung eines Schutzgebiets am Monte Pascoal 1943 führte 1951 zum Konflikt, der als „Fogo de 1951“ bekannt ist: Indigene protestierten gegen die unklare Grenzziehung ihres Landes, es folgten Plünderungen und ein gewaltsames Eingreifen der Polizei. Viele Gruppen zerstreuten sich danach über die Region. Später setzten sich Indigene, Kirche und Verbände für die Anerkennung und Abgrenzung der Indigenengebiete ein. Hintergründe liefern die Seiten Indigene Völker und Kolonialzeit. Weitere Regenwaldparks im Nordosten finden sich im Nationalpark Boa Nova und im Überblick zur Natur Brasiliens.

Häufige Fragen zum Nationalpark Pau Brasil

Wo liegt der Nationalpark Pau Brasil?

In der Gemeinde Porto Seguro im Süden von Bahia, zwischen Vale Verde, Trancoso und der BR-101.

Wann wurde der Park gegründet?

Am 20. April 1999; 2010 wurde er erweitert. Er umfasst rund 19.000 Hektar.

Woher kommt der Name?

Von der Baumart Pau-Brasil (Caesalpinia echinata), die hier die größte erhaltene Restpopulation besitzt.

Was sind Muçunungas?

Flache, schüsselförmige Senken auf den Tabuleiros, die saisonal oder dauerhaft unter Wasser stehen und eine eigene Vegetation tragen.

Wie viele Pflanzenarten gibt es?

Auf zwei Probeflächen von je 0,1 Hektar wurden 254 Arten aus 51 Familien erfasst.

Welche Tiere leben im Park?

Mindestens 131 Vogelarten und 36 Säugetierarten, darunter Brauner Brüllaffe, Ozelot, Margay, Puma und Flachlandtapir.

Passend dazu: Nationalpark Alto Cariri, Reserva Biológica de Una, Reserva Biológica de Sooretama.

Bahia und die Costa do Descobrimento? Flüge, Hotels und Reisen nach Brasilien – jetzt passende Angebote vergleichen.

Brasilien-Angebote ansehen