Der Nationalpark Pico da Neblina im Nordwesten des Bundesstaates Amazonas an der Grenze zu Venezuela umfasst mit dem Pico da Neblina (2.995 Meter) den höchsten Berg Brasiliens. Auf mehr als 2,2 Millionen Hektar reichen Nebelwald, Campinarana und Hochgebirgsvegetation über 14 indigene Völker hinweg, darunter die Yanomami, die den Berg Yaripo nennen.
Dichter Regenwald am Rio Negro, darüber eine Granitkette, die aus der Ebene bis über 2.000 Meter aufsteigt, und auf dem Gipfelplateau Wolken, Torfmoore und Pflanzen, die es sonst nirgends gibt: Der Parque Nacional do Pico da Neblina gehört zu den entlegensten und zugleich eindrucksvollsten Schutzgebieten Brasiliens. Er liegt in der Region der Guayana-Berge, überlagert mehrere Indigenen-Gebiete und ist ein Park, in dem Natur und Kultur nicht zu trennen sind. Diese Seite beschreibt Lage, Berge, Vegetationsstufen, Tierwelt, Menschen, heilige Orte und die Verwaltung des Parks.
Zur Einordnung hilft der Blick auf das Amazonasgebiet insgesamt, das die Seite Amazonas beschreibt. Ein gut erreichbares Gegenstück am Rio Negro ist der Archipel Anavilhanas, einen weiteren Schwarzwasser-Nationalpark beschreibt die Seite zum Nationalpark Jaú.
| Gründung | 5. Juni 1979, Bundesdekret Nr. 83.550 |
| Fläche | mehr als 2,2 Millionen Hektar |
| Lage | Nordwesten von Amazonas, Grenze zu Venezuela; Gemeinden São Gabriel da Cachoeira (29,2 Prozent) und Santa Isabel do Rio Negro (70,8 Prozent) |
| Höchster Punkt | Pico da Neblina, 2.995,3 Meter; Pico 31 de Março, rund 2.973 Meter |
| Lebensräume | Tiefland- und Bergregenwald, Campinarana, Nebelwald, Hochgebirgs-Strauch- und Kraut-Vegetation |
| Überlagerung | mit vier Indigenen-Gebieten: Yanomami, Balaio, Cué-Cué Marabitanas und Médio Rio Negro II |
| Verwaltungssitz | São Gabriel da Cachoeira |
- Wo liegt der Nationalpark Pico da Neblina?
- Wie hoch ist der Pico da Neblina und wie entstand er?
- Welche Vegetation wächst vom Tiefland bis zum Gipfel?
- Welche Tiere leben im Park?
- Welche Völker leben im und um den Nationalpark?
- Welche Orte sind für die Völker heilig?
- Wie wird der Park verwaltet?
- Wie plant man eine Reise zum Yaripo?
Wo liegt der Nationalpark Pico da Neblina?
Der Park liegt im äußersten Nordwesten Brasiliens, direkt an der Grenze zu Venezuela. Er gehört zu den Gemeinden São Gabriel da Cachoeira und Santa Isabel do Rio Negro, wobei der größere Teil von knapp 71 Prozent auf Santa Isabel entfällt. Der Park wurde am 5. Juni 1979 durch das Bundesdekret Nr. 83.550 gegründet. Der Gründungsauftrag lautet, Flora, Fauna und die vorhandenen Naturschönheiten zu schützen.
Der Park deckt ganze Teileinzugsgebiete des Rio Negro ab, darunter die Flüsse Cauaburis, Yá-Mirim, Yá, Maiá, Marauiá und Ariabu. Er bildet das Zentrum eines riesigen Schutzgebietsverbunds: Zusammen mit zwölf Schutzgebieten und elf Indigenen-Gebieten auf brasilianischer Seite sowie den venezolanischen Nationalparks Serranía de la Neblina (1,36 Millionen Hektar), Parima Tapirapecó (3,42 Millionen Hektar) und Canaima (3 Millionen Hektar) entsteht eine geschützte Fläche von rund 320.000 Quadratkilometern. Dieser Verbund schützt die Hochländer des Guayana-Schildes, eine der ältesten und isoliertesten Regionen der Erde mit vielen Arten, die die Wissenschaft noch nicht kennt.
Wer eine Reise in diese Gegend plant, verbindet sie am besten mit einem Aufenthalt in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates. Zugang und Genehmigung für den Park klärt man vorab mit der Parkverwaltung in São Gabriel da Cachoeira, denn der Park liegt in Grenzgebiet und in Indigenen-Land.
Wie hoch ist der Pico da Neblina und wie entstand er?
Der Pico da Neblina misst 2.995,3 Meter und ist der höchste Berg Brasiliens. Sein Gipfel hat nur etwa 200 Quadratmeter Fläche. Weniger als einen Kilometer entfernt liegt der Pico 31 de Março mit rund 2.973 Metern, der zweithöchste Punkt des Landes. Beide gehören zum selben Gebirgsstock, der Serra do Imeri, genauer zu deren höchstem Abschnitt.
Der Park liegt in drei unterschiedlichen Landschaftseinheiten. Das Hochland des Divisor Amazonas-Orinoco ist ein Bergland mit großen Höhenunterschieden, steilen Wänden und Hochplateaus. Es ist in der brasilianischen Amazonasregion eine Seltenheit. Die Serra do Imeri und die Serra do Marié-Mirim bestehen aus Granit und Gneis und erreichen stellenweise mehr als 2.000 Meter. Die Serra do Padre (auch Serra do Tatu genannt) aus Metasandstein steigt bis auf 1.200 Meter. Der Pico da Neblina selbst ist ein Hogback, ein schräg gestellter Gesteinsrücken, der aus den Sedimentgesteinen der Roraima-Supergruppe an der Grenze zu Venezuela herausgearbeitet wurde.
Die zweite Einheit sind die abgetragenen Flachländer im Norden des Amazonasbeckens. Sie liegen zwischen 100 und 250 Metern Höhe, sind das Ergebnis lang anhaltender Erosion und bei großer tektonischer Ruhe entstanden. Aus ihnen ragen einzelne Restberge, sogenannte Inselberge, heraus. Zu ihnen gehört der Morro dos Seis Lagos. Die dritte Einheit ist die Amazonas-Ebene mit Überschwemmungsflächen und Flussterrassen entlang des Rio Negro und seiner Zuflüsse.

Welche Vegetation wächst vom Tiefland bis zum Gipfel?
Die Höhenunterschiede erzeugen ein Mosaik aus Lebensräumen. Am größten ist der Anteil des submontanen dichten Regenwaldes mit 40,8 Prozent der Parkfläche, gefolgt vom Campinarana-Wald mit 22,4 Prozent und dem montanen dichten Regenwald mit 20,8 Prozent. Hinzu kommen offene Regenwaldformen, Strauch- und Krautvegetation in den Höhenlagen und Übergangszonen.
Unterhalb von 600 Metern wachsen auf gelben und rot-gelben Böden die submontanen Wälder. Die Campinarana kommt unterhalb von 100 Metern auf sandigen, ausgelaugten Böden vor. Es ist eine Vegetation, die ihre Gestalt vom Boden erhält, mit schlanken, nährstoffarmen Beständen und vielen Gattungen und Arten, die nur hier wachsen. Zu den prägenden Pflanzen gehört die Palme Mauritia carana.
Zwischen 600 und 2.000 Metern steht der Bergregenwald. Von 600 bis etwa 1.000 Metern wächst der Höhenwald des Guayana-Schildes, eine besonders artenreiche Waldform, weil dort verschiedene Gesteine und mineralreiche Zonen aufeinandertreffen. Das begünstigt die Entstehung neuer Arten. Zwischen rund 1.000 und gut 2.000 Metern folgen immergrüne Wälder, in denen Bromelien und Flechten wie vollgesogene Schwämme von den Ästen hängen. Dazu kommen Bambusdickichte, Bodenvegetation und viele Pilze. Auf den Felsplateaus in dieser Stufe wachsen Strauchfelder mit Fleisch fressenden Pflanzen, Orchideen und Gräsern, die ständig Nebel, Wind und Regen ausgesetzt sind. Die Bromelien im Übergangsbereich erreichen die Größe eines erwachsenen Menschen.
Oberhalb von 2.000 Metern liegt die „Bacia do Gelo“, das „Eisbecken“, ein Ort mit Pflanzen, die zur Flora des Guayana-Schildes gehören. Dazu zählen Saxofridericia compressa, eine Art einer Gattung mit zehn Arten, die alle nur im Norden Südamerikas vorkommen, die Kannenpflanze Heliamphora tatei, Harperocallis schomburgkiana und der Strauch Bonnetia neblinae, einer der häufigsten Sträucher im Eisbecken. Eine Expedition des Botanischen Gartens von Rio de Janeiro brachte 2012 von dort 23 Pflanzen mit, die in Brasilien bisher nicht nachgewiesen waren. Das zeigt, wie wenig die Flora des Parks erforscht ist.
Welche Tiere leben im Park?
Der Park bietet Lebensraum für Tapir, Jaguar und Puma, Waldhunde, Gürteltiere, Ameisenbären, Nabelschweine und Hirsche. Der Schwarzkopf-Uakari (Cacajao melanocephalus melanocephalus) zieht in Gruppen durch Überschwemmungswälder und Uferwälder auf der Suche nach Früchten und Blättern. Die Flüsse beherbergen viele Zierfische. Zu den bedrohten Arten, die der Park schützt, gehört der Klammeraffe Ateles belzebuth.
Besonders reich ist die Vogelwelt, die den Park auf die Wunschliste vieler Vogelbeobachter bringt. An den Flüssen sind Maguaristorch, Reiher, Eisvögel, Sonnenrallen, Ibisse, Hokkohühner, Tukane und Aracaris leicht zu sehen, außerdem Greifvögel wie der Schmuckadler, der Haubenadler und die Harpyie. Auf den Granit- und Gneisfelsen der Hügel und Berge lebt der Felsenhahn (Rupicola), dessen Schönheit dem sagenhaften Paradiesvogel Neuguineas nahekommt. In den Höhenlagen fällt die enge Bindung zwischen Kolibris und Bromelien auf, ein Hinweis auf eine sehr lange gemeinsame Entwicklung.

Welche Völker leben im und um den Nationalpark?
Die Region des Oberen und Mittleren Rio Negro ist seit mindestens 2.000 Jahren besiedelt. Vier Sprachfamilien sind vertreten: Aruak, Maku, Tukano und Yanomami. Insgesamt leben im Park und in den überlagerten Indigenen-Gebieten 14 Völker: Desana, Karapanã, Kubeo, Pira-Tapuya, Tariana, Tukano, Tuyuka, Baniwa, Kuripako, Yanomami, Baré, Yepamasã, Werekena und Hupdah. Sie verstehen sich als Verwandte und bewahren Heilwissen, Segnungen, das Beobachten von Sternbildern im Zusammenhang mit den Naturzyklen und traditionelle Anbausysteme.
Das größte überlagerte Gebiet ist das Indigenen-Gebiet Yanomami mit 1.128.391 Hektar innerhalb des Parks, das sind gut die Hälfte der Parkfläche. Die Yanomami sind Jäger und Pflanzer des tropischen Regenwaldes im Norden Amazoniens, insgesamt leben in beiden Ländern mehr als 38.000 von ihnen. Ihr Name für den Pico da Neblina ist Yaripo, „Berg der Winde“. In den Gebieten Médio Rio Negro II, Balaio und Cué-Cué Marabitanas leben unter anderem Baniwa, Baré, Desana und Tukano. Dort bestimmen Maniok-Anbau, Fischfang, Jagd und das Sammeln den Alltag, die Siedlungen liegen am Fluss oder an der Bundesstraße BR-307. Ein Teil der Bevölkerung sammelt Lianen und Piaçaba-Fasern.
Die Geschichte der jüngeren Zeit ist von Kontakten und Konflikten geprägt. Zwischen 1942 und 1944 entstand an der Mündung von Cauaburis und Maiá ein Posten des damaligen Indianerschutzdienstes, danach folgte eine Mission der Salesianer bei Maturacá. In den Jahren 1973 bis 1976 wurden die Straßen BR-210 und BR-307 gebaut. Als bekannt wurde, dass das Radar-Projekt der Amazonas-Kartierung Bodenschätze entdeckt hatte, kam ab 1987 eine Goldgräber-Welle in die Region. Die erste formelle Vertretung der Yanomami am Cauaburis, die Vereinigung AYRCA, wurde 1998 gegründet, im Jahr 2015 folgte die Frauenvereinigung Kumirayoma, die das Yanomami-Kunsthandwerk stärkt. Mehr zu den Völkern Brasiliens beschreibt die Seite Indigene Völker.
Welche Orte sind für die Völker heilig?
Der Park enthält viele Orte, an denen nach dem Glauben der Bewohner Geister stärker sind und Gebiete mit reichem Tier- und Pflanzenvorkommen schützen. Für die Menschen gilt es, diese Orte zu achten und Rituale zur Sicherheit der Reisenden zu vollziehen. Die „Mutter Wald“ ist das Haus der Geister, in dem Schamanen ihr Wissen empfangen. Zu den heiligen Orten zählen die Serra Yaripo mit den beiden höchsten Gipfeln Brasiliens, die Serra Opota Maki, die die Tukano Yama’Kurunɨpara nennen, der Wasserfall Salto Huá, der Wasserfall der Sechs Seen und die Wasserfälle Jordão und Tamanduá im Gebiet Balaio. Im Gebiet Médio Rio Negro II liegen die Serras Guerreiras do Tapuruquara sowie die drei Heiligen Steine Manehabo.
Eine Besonderheit der Landschaft ist der Morro dos Seis Lagos, ein Inselberg von etwa 300 Metern Höhe und einem Radius von rund fünf Kilometern. In seinen Felsbecken sammeln sich Seen, deren Wasser verschiedene Farben und Temperaturen zeigt; auch Thermalwasser tritt aus. Der Berg bildet ein eigenes Landesschutzgebiet, das Biologische Reservat Morro dos Seis Lagos mit 36.900 Hektar, das vollständig im Nationalpark und im Gebiet Balaio liegt.

Wie wird der Park verwaltet?
Da mehr als 70 Prozent der Parkfläche mit Indigenen-Gebieten zusammenfallen, wendet die Parkverwaltung eine besondere Form der Gebietsverwaltung an. Der Beirat des Parks wurde durch die Verordnung Nr. 75 vom 25. Juni 2012 eingesetzt; er dient seit 2010 als Instrument des Dialogs mit den Gemeinschaften. Damit alle 14 Völker vertreten sind, wurde der Park in sieben ethnoterritoriale Sektoren eingeteilt: Marauiá, Maturacá, Cauaburis, Maiá, Cué-Cué Marabitanas, Médio Rio Negro II und Balaio. Hinzu kommen Vertreter staatlicher Stellen, des Heeres, der Gesundheitsbehörde für Indigene, der Gemeinden und von Organisationen wie der Föderation der Indigenen-Organisationen am Rio Negro. Ein wichtiger rechtlicher Rahmen ist die nationale Politik zur Gebiets- und Umweltverwaltung von Indigenen-Land, die das Dekret Nr. 7.747 vom 5. Juni 2012 einführte.
Der Managementplan ist durch die Verordnung Nr. 1.169 von 2022 genehmigt. Er teilt den Park in Zonen ein, unter anderem für Schutz, Forschung und eng begrenzte Besucherbereiche, in denen Wege und Biwakplätze der bestehenden Pfade genutzt werden. Die Naturräume sind sehr empfindlich: Die biologische Integrität des Gebietes ist fragil und nach Schäden nur äußerst schwer wiederherzustellen.
Wie plant man eine Reise zum Yaripo?
Der Besuchsplan „Yaripo – Ökotourismus der Yanomami“ ist das zentrale Dokument für den Aufstieg. Er entstand über vier Jahre in sieben Arbeitsetappen mit durchschnittlich 55 Vertretern aus den sechs Gemeinden der Region Maturacá, überwiegend jungen Menschen, aber auch traditionellen Anführern, Lehrern und Gesundheitsagenten. Die Verwaltung des Vorhabens liegt beim Verband AYRCA, ein eigener Yaripo-Rat begleitet die Arbeit. Das Ziel der Yanomami ist ein Ökotourismus als eigenes Unternehmen, der eine Einkommensalternative zum Goldschürfen bietet und Besuchern ihre Kultur und ihren Lebensraum nahebringt. Das Dorf Ariabú liegt am Fuß der Serra das Cachoeiras.
Für die Reise gelten die Regeln des Plans, der FUNAI und des ICMBio. Anfahrt und Genehmigungen klärt man rechtzeitig; die allgemeine Reisezeit-Übersicht zeigt die Seite Beste Reisezeit. Gesundheitliche Hinweise für Tropenreisen fasst die Seite Gesundheit zusammen.
Häufige Fragen zum Nationalpark Pico da Neblina
Wo liegt der Pico da Neblina?
Im Nordwesten des Bundesstaates Amazonas, an der Grenze zu Venezuela, in den Gemeinden São Gabriel da Cachoeira und Santa Isabel do Rio Negro.
Wie hoch ist der Berg?
2.995,3 Meter. Der Pico 31 de Março, der zweithöchste Punkt Brasiliens, liegt weniger als einen Kilometer entfernt und misst rund 2.973 Meter.
Wie nennen die Yanomami den Berg?
Yaripo, das heißt „Berg der Winde“. Auf Portugiesisch heißt er Serra dos Ventos oder Pico da Neblina.
Wie groß ist der Nationalpark?
Er umfasst mehr als 2,2 Millionen Hektar. Mehr als 70 Prozent davon überlagern Indigenen-Gebiete.
Wie viele Völker leben im Park?
14 Völker aus vier Sprachfamilien, darunter Yanomami, Baniwa, Baré, Tukano und Desana.
Wo kann man sich vor einer Reise informieren?
Bei der Parkverwaltung des ICMBio in São Gabriel da Cachoeira. Dort klärt man Zugang, Genehmigungen und die Regeln der Gemeinschaften.
Passend dazu: Reserva Biológica do Uatumã, Reserva Biológica do Rio Trombetas, Estação Ecológica de Maracá.
Amazonas, Rio Negro und Regenwald? Flüge, Hotels und Reisen nach Brasilien – jetzt passende Angebote vergleichen.