Der Nationalpark Tijuca liegt mitten in Rio de Janeiro und schützt einen der letzten Reste der Mata Atlântica im Stadtgebiet. Die Floresta da Tijuca wurde ab 1861 auf ehemaligen Kaffeefeldern neu gepflanzt, der Park besteht seit 1961. Er umfasst knapp 4.000 Hektar, den Corcovado mit dem Cristo Redentor, Gipfel über 1.000 Meter, Wasserfälle und Wege für Spaziergänger wie Bergwanderer.
Wer Rio besucht, steht früher oder später im Nationalpark Tijuca, auch ohne es zu merken: Der Corcovado, die Vista Chinesa, der Parque Lage und die Pedra da Gávea gehören alle dazu. Der Wald ist dabei kein unberührter Urwald, sondern das Ergebnis einer der ältesten Wiederaufforstungen der Erde. Im 19. Jahrhundert war der Hang kahl, heute sorgt er für Quellwasser, mildes Klima und Erholung mitten in der Millionenstadt. Diese Seite erklärt Geschichte, Sektoren, Gipfel, Wasserfälle, Regeln und die Frage, wie Sie den Park an einem Tag oder in mehreren Besuchen erleben.
Den berühmtesten Punkt im Park beschreibt die Seite Cristo Redentor; die Stadt selbst stellt Rio de Janeiro vor.
| Lage | Stadtgebiet von Rio de Janeiro, Maciço da Tijuca; Zugang aus Nord-, Süd- und Westzone |
| Gründung | Dekret Nr. 50.923 vom 6. Juli 1961 (zuerst Nationalpark von Rio de Janeiro); Erweiterung 2004 |
| Fläche | knapp 4.000 Hektar, Biom Mata Atlântica |
| Besuchssektoren | Floresta, Serra da Carioca, Pedra Bonita/Pedra da Gávea |
| Öffnungszeit | täglich 8 bis 17 Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen |
| Eintritt | frei; kostenpflichtig ist nur der Corcovado |
| Verwaltung | ICMBio, Gerência Regional GR4 Sudeste; Hauptsitz Estrada das Paineiras, Santa Teresa |
- Warum ist der Wald der Tijuca kein Urwald?
- Wer hat die Floresta da Tijuca wieder gepflanzt?
- Welche Sektoren hat der Nationalpark?
- Welche Ziele lohnen im Sektor Floresta?
- Wie hoch sind die Gipfel und welche Rundwege gibt es?
- Was gibt es in den Sektoren Serra da Carioca und Pedra Bonita?
- Welche Regeln gelten im Park?
- Wie lässt sich der Park in einen Rio-Aufenthalt einbauen?
Warum ist der Wald der Tijuca kein Urwald?
Die ursprüngliche Mata Atlântica an diesem Gebirgsstock wurde über Jahrhunderte fast vollständig abgeholzt. Zuerst rodeten Zuckerrohrpflanzungen im 17. Jahrhundert den Wald, dann kam der Kaffee. Er fand an den Hängen der Tijuca genau den richtigen Boden, nicht zu trocken und nicht zu nass. Die Pflanzer hielten Urwaldboden für Voraussetzung und rodeten immer neue Flächen: Ein Kaffeestrauch brauchte vier Jahre bis zur ersten Ernte und blieb etwa 30 Jahre ertragreich, danach wurde die Pflanzung aufgegeben und der nächste Wald fiel.
Die Folgen trafen die Stadt direkt. Die Flüsse, die Rio mit Trinkwasser versorgten, führten weniger Wasser und wurden trüb, bei Starkregen kam es zu Überschwemmungen in den tiefer liegenden Vierteln, zwischen den Regenfällen zu Dürren. Die Regierung des Kaiserreichs ließ ab 1855 Land an den Quellen und Oberläufen der Flüsse Carioca, Maracanã und Comprido enteignen, 1860 folgte der allgemeine Wasserversorgungsplan der Stadt. Aus dieser Not entstand der Wald, den Besucher heute für selbstverständlich halten.
Wer hat die Floresta da Tijuca wieder gepflanzt?
Kaiser Pedro II. schuf mit dem kaiserlichen Dekret Nr. 577 von 1861 die Wälder der Tijuca und der Paineiras. Er ernannte Manuel Gomes Archer zum Verwalter der Tijuca und Thomas Nogueira da Gama zum Verwalter der Paineiras; beide begannen noch im selben Jahr mit der Aufforstung. In der Tijuca pflanzte das Team im Lauf von 13 Jahren rund 100.000 Bäume, zuerst sechs versklavte Männer und Frauen mit den Namen Eleutério, Constantino, Manuel, Mateus, Leopoldo und Maria, später kamen 22 bezahlte Arbeiter hinzu. Nur die Eukalyptusbäume standen in Alleen an den Wegen, alle anderen Arten wurden gemischt gepflanzt. Das Vorhaben war in Lateinamerika und weltweit eines der frühesten erfolgreichen Projekte zur Wiederherstellung eines Waldes.
Auf Archer folgte von 1874 bis 1888 Baron Gastão d’Escragnolle. Er setzte weitere 30.000 Jungbäume, darunter auch fremde Arten, und machte den Wald zum öffentlichen Park: Der französische Landschaftsgärtner Auguste Glaziou legte Grotten, Teiche, Brunnen, Aussichtspunkte und Wege an. 1920 wurde der Weg zum Pico da Tijuca für den belgischen König Albert, einen begeisterten Bergsteiger, wiederhergestellt; damals entstanden Stufen im Fels und Eisenketten. In den 1920er Jahren erhielt Rio einen Stadtplan von Alfred Agache und der Park den Auftrag, ein ewiger Speicher für Luft, Wasser und Pflanzen zu sein. 1943 holte Bürgermeister Henrique Dodsworth den Unternehmer Raymundo Ottoni de Castro Maya als Verwalter. Er arbeitete für einen symbolischen Cruzeiro im Jahr, mit dem Architekten Wladimir Alves de Souza, dem Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx und dem Maler Cândido Portinari. 1961 entstand der Nationalpark, 1991 wurde er als Biosphärenreservat anerkannt, 2004 wuchs seine Fläche auf rund 3.950 Hektar.
Welche Sektoren hat der Nationalpark?
Der Park gliedert sich in vier Sektoren. Für Besucher sind drei geöffnet, jeder mit eigenen Zugangswegen.
Sektor Floresta da Tijuca (Floresta, Andaraí, Três Rios) umfasst 14,72 Quadratkilometer und ist der meistbesuchte Teil. Hier liegen der Pico da Tijuca, die Cascatinha Taunay, die Capela Mayrink und das Besucherzentrum, das 2001 eröffnet wurde und eine Dauerausstellung zeigt. Sektor Serra da Carioca (Paineiras, Sumaré, Corcovado, Parque Lage, Floresta dos Trapicheiros) misst 17,28 Quadratkilometer und enthält den Cristo Redentor, die Vista Chinesa und die Mesa do Imperador. Sektor Pedra da Gávea/Pedra Bonita ist mit 2,57 Quadratkilometern der kleinste, aber geologisch eindrucksvollste und zieht Kletterer und Wanderer an; an der Pedra Bonita liegt eine Rampe für Drachenflieger. Sektor Pretos Forros/Covanca (4,78 Quadratkilometer) zeigt verschiedene Stadien der Waldregeneration und ist nicht für Besucher geöffnet.
Welche Ziele lohnen im Sektor Floresta?
Am Eingang im Alto da Boa Vista beginnt die Trilha dos Estudantes, ein leichter Lehrpfad. Er ist 1.280 Meter lang, dauert im Schnitt 35 Minuten und führt an der Cascatinha Taunay, Bänken aus dem 19. Jahrhundert, Bäumen der Mata Atlântica, dem Rio Tijuca und der Capela Mayrink vorbei zum Besucherzentrum. Der Weg ist täglich von 8 bis 16 Uhr begehbar.
Die Cascatinha Taunay fällt über mehr als 30 Meter und ist der höchste und bekannteste Wasserfall des Parks, rund 500 Meter vom Eingangstor entfernt. Ihren Namen trägt sie nach dem französischen Maler Nicolas-Antoine Taunay. Er kam 1816 mit der Französischen Künstlermission nach Rio, kaufte ein Grundstück gegenüber dem Wasserfall und bewohnte es ab 1817. Die Steinbrücke daneben baute 1860 der Ingenieur Job de Alcântara. Die Kapelle Mayrink hat Castro Maya 1943 praktisch neu errichten lassen; den Altar schmücken Gemälde von Cândido Portinari. Der Stausee Represa dos Ciganos entstand 1906 als Wasserwerk. Zu den weiteren Zielen gehören der Mirante do Excelsior (leicht), der Caminho das Grutas zu den wichtigsten Höhlen des Parks, die Cachoeira das Almas rund drei Kilometer vom Eingang und die Vista do Almirante mit Blick auf Pedra da Gávea, Pedra Bonita und Agulhinha. Der Jequitibá do Marc Ferrez ist ein mächtiger Baum, den der Fotograf Marc Ferrez vor mehr als 100 Jahren aufnahm.
Wie hoch sind die Gipfel und welche Rundwege gibt es?
Der Pico da Tijuca ist mit rund 1.020 Metern der höchste Punkt des Parks, der Bico do Papagaio erreicht 989 Meter und gehört zu den meistbesuchten Gipfeln. Zwei beschilderte Rundwege erschließen den Sektor. Der Circuito do Vale Histórico (auch Interna Castro Maya) ist 7,5 Kilometer lang, folgt roten Pfeilen an den Bäumen und führt durch die Talgründe mit Ruinen, alten Wegen, Wasserfällen und Grotten. Der Circuito dos Picos (Circular Externa Major Archer) ist 19 Kilometer lang, folgt gelben Pfeilen und verläuft über zehn Hauptgipfel des Sektors. Das beschilderte Wegenetz im Park umfasst rund 80 Kilometer; die Trilha Transcarioca, ein 180 Kilometer langer Fernwanderweg durch mehrere Schutzgebiete Rios, verbindet den Park mit weiteren Gebieten.
Schon im 19. Jahrhundert war der Weg zum Pico da Tijuca ausgeschildert. Die Wege sind heute so gut markiert, dass sich kaum jemand verläuft; wichtig bleibt, auf den Wegen zu bleiben und keine Abkürzungen zu nehmen, weil das die Erosion beschleunigt.
Was gibt es in den Sektoren Serra da Carioca und Pedra Bonita?
In der Serra da Carioca liegt der Corcovado auf 704 Metern Höhe mit dem Cristo Redentor; Zugang über Zug, Van, Führer oder zu Fuß. Der Mirante Dona Marta liegt auf 360 Metern und zeigt die Stadt im Panorama. Die Vista Chinesa, ein Pavillon im chinesischen Stil, wurde zwischen 1902 und 1906 errichtet. Der Parque Lage, eine frühere Zuckerrohrmühle, steht unter Schutz des Denkmalamts Iphan. Die Mesa do Imperador, die Cachoeira dos Primatas und weitere Wasserfälle sind über Wege erreichbar. Die Paineiras sind der Ausgangspunkt der Estrada do Redentor. Die Wanderung vom Parque Lage zum Corcovado dauert bis zu vier Stunden und ist an mehreren Stellen sehr steil; der Aufstieg über die Wachstation ist nur bis 15 Uhr möglich. Seit dem 3. Dezember 2024 führt ein kurzer Weg von den Paineiras zum Corcovado, 1,15 Kilometer lang mit 260 Metern Anstieg.
Im Sektor Pedra Bonita/Pedra da Gávea dauert der Aufstieg zur Pedra Bonita etwa 20 Minuten und endet auf einem Aussichtspunkt über Rio. Die Pedra da Gávea gehört zu den bekanntesten Felsen der Stadt und ist der größte Monolith direkt am Meer. Die spitze Agulhinha da Gávea heißt auch Pedra Aguda.
Welche Regeln gelten im Park?
Der Park ist täglich von 8 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei; nur der Corcovado kostet. Haustiere sind nicht erlaubt, weil wilde Tiere sie verletzen könnten. Der Park stellt keine Führer, wer eine Begleitung wünscht, bucht einen privaten Führer. Übernachten ist nur in Ausnahmefällen mit vorheriger Genehmigung erlaubt. Picknick- und Grillplätze stehen zur Verfügung, den Müll nehmen Besucher wieder mit. Möglich sind Wandern, Laufen, Radfahren, Klettern und Drachenfliegen. Bund, Bundesstaat und Stadt verwalten den Park gemeinsam: Militärpolizei und Stadtwache sorgen für Ordnung auf den Straßen, Parkwächter und Umweltmonitore kümmern sich um den Schutz des Waldes und kontrollieren den Zugang. Ein Freiwilligenprogramm des Parks hat in den ersten zehn Jahren mehr als 35.000 Stunden Arbeit geleistet.
Allgemeine Hinweise zu Gesundheit und Verhalten auf Reisen finden Sie unter Sicherheit, Klima und Saisonen zeigt Beste Reisezeit.
Wie lässt sich der Park in einen Rio-Aufenthalt einbauen?
Ein halber Tag reicht für den Sektor Floresta mit Trilha dos Estudantes, Cascatinha Taunay, Kapelle und Besucherzentrum. Für den Pico da Tijuca oder einen der Rundwege ist ein ganzer Tag nötig, am besten früh, weil der Park um 17 Uhr schließt und die Wege je nach Länge viele Stunden dauern. Der Corcovado lässt sich mit dem Zug von Cosme Velho oder mit Vans besuchen, die in Copacabana und am Largo do Machado starten. Wer die Wälder Rios im Umland kennenlernen möchte, findet im Hochgebirgsraum des Nationalparks Serra dos Órgãos und im Nationalpark Itatiaia weitere Ziele.
Häufige Fragen zum Nationalpark Tijuca
Seit wann gibt es den Nationalpark Tijuca?
Seit dem Dekret Nr. 50.923 vom 6. Juli 1961. Die Aufforstung der Floresta da Tijuca begann bereits 1861.
Kostet der Eintritt etwas?
Nein, der Park ist frei zugänglich. Kostenpflichtig ist nur der Corcovado mit dem Cristo Redentor.
Wie lange braucht man für die Cascatinha Taunay?
Der Wasserfall liegt rund 500 Meter hinter dem Eingangstor. Die gesamte Trilha dos Estudantes bis zum Besucherzentrum dauert im Schnitt 35 Minuten.
Wie hoch ist der Pico da Tijuca?
Rund 1.020 Meter. Er ist der höchste Punkt des Parks.
Darf man Hunde mitnehmen?
Nein. Haustiere sind im Park nicht erlaubt.
Braucht man einen Führer?
Für die beschilderten Wege nicht. Der Park stellt keine Führer, wer einen möchte, bucht ihn selbst.
Rio und der Regenwald vor der Haustür? Hotels und Reisen nach Rio de Janeiro – jetzt passende Brasilien-Angebote vergleichen.