Die Reserva Biológica Augusto Ruschi schützt bei Santa Teresa im Bundesstaat Espírito Santo Bergregenwald der Mata Atlântica auf 3.598 Hektar. Sie entstand 1948 als Landesreservat, trägt seit 1986 den Namen des Naturforschers Augusto Ruschi und bewahrt in den Ausläufern der Serra da Mantiqueira über hundert Quellen, Orchideen, Affen und Kolibris.
Im Bergland von Espírito Santo, oberhalb der Küstenebene, liegt ein Waldblock, der aus dem Einsatz eines einzelnen Mannes gegen die Kaffeerodung hervorgegangen ist. Die Reserva Biológica Augusto Ruschi schützt steile Hänge mit dichtem Regenwald, Quellen, aus denen mehrere Flüsse entstehen, und eine Tierwelt, die vom größten Affen der Neotropis bis zu Kolibris reicht. Die Seite beschreibt Geschichte, Namen, Relief, Wasser, Pflanzen, Tiere, Zonen und Schutzprobleme.
Weitere Schutzgebiete der Mata Atlântica in Espírito Santo und Umgebung beschreiben die Seiten zur Reserva Biológica de Sooretama, zur Reserva Biológica de Comboios, zum Caparaó und zum Monte Pascoal.
| Gründung | Landesdekret vom 20. September 1948, Übernahme durch den Bund 1963, heutiger Name seit 1986 |
| Kategorie | Reserva Biológica, strenger Schutz |
| Lage | Gemeinde Santa Teresa, Bergland von Espírito Santo |
| Fläche | 3.598,41 Hektar |
| Landschaft | Steile Hänge, kleine Hochtäler und Felsaufschlüsse in den Ausläufern der Serra da Mantiqueira |
| Wald | Dichter Regenwald der montanen und der submontanen Stufe |
| Wasser | Mehr als 100 Quellen und dauerhafte Bäche, Ursprung des Rio Piraquê-açu |
| Leitthemen | Epiphyten, Primaten, Kolibris, Wasserspeicher |
- Wer war Augusto Ruschi, und wie entstand das Schutzgebiet?
- Wie wurde aus dem Waldreservat die Reserva Biológica?
- Wie sehen Lage und Relief der Reserva aus?
- Warum ist die Reserva ein Wasserspeicher?
- Welche Wälder und Pflanzen wachsen in der Reserva?
- Welche Affen und Säugetiere leben im Wald?
- Warum heißt Santa Teresa das Land der Kolibris?
- Wie ist die Reserva in Zonen eingeteilt?
- Was bedrohen Straßen, Hunde und Wilderei?
- Welche Leitgedanken tragen den Managementplan?
Wer war Augusto Ruschi, und wie entstand das Schutzgebiet?
Augusto Ruschi war ein Naturforscher aus Santa Teresa. Er erlebte, wie sich in seiner Heimatgemeinde der Kaffeeanbau und die Landwirtschaft ausbreiteten und der Wald rasch zurückwich. Ruschi schlug vor, in der Gemeinde ein Schutzgebiet einzurichten, und er hatte Erfolg: Am 20. September 1948 entstand per Dekret des Bundesstaats Espírito Santo die Reserva Florestal de Nova Lombardia.
Der Bundesstaat übertrug das Land mit einem Gesetz vom 10. Dezember 1955 an den Bund. Die Übernahme zog sich hin. Erst nach einer Vermessung, die Ruschi 1959 im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums durchführte, wurde die Schenkung 1963 durch ein Dekretgesetz bestätigt. Das Ministerium verwaltete damals die Parks und Reservate des Bundes über das Instituto Brasileiro de Desenvolvimento Florestal. Die Vermessung hielt die Grenzen des Gebiets fest, auf denen die Reserva aufbaut.
Wie wurde aus dem Waldreservat die Reserva Biológica?
Der Name wechselte mehrmals. Am 17. April 1970 benannte das Forstinstitut die Reserva Florestal in Reserva Biológica de Nova Lombardia um. Ein Dekret vom 20. September 1982 fasste alle früheren Rechtsakte zusammen und bestätigte Gründung und Grenzen. Der endgültige Name kam 1986: Nach Ruschis Tod erhielt die Reserva per Dekret vom 5. Juni 1986 seinen Namen, als Würdigung des Mannes, der sie am entschiedensten verteidigt hatte.
Die Kategorie Reserva Biológica gehört zu den strengsten Schutzformen Brasiliens. Direkte Nutzung der Natur ist nicht vorgesehen. Erlaubt sind Schutz, Forschung, Umweltbildung unter Auflagen und die Wiederherstellung von Wald. Die Reserva ist damit in erster Linie ein Labor, ein Wasserspeicher und ein Rückzugsraum für Arten.
Wie sehen Lage und Relief der Reserva aus?
Die Reserva liegt vollständig in der Gemeinde Santa Teresa. Geologisch gehört sie zu den Ausläufern der Serra da Mantiqueira, genauer zu den nördlichen Hochflächen der Mantiqueira. Das Relief besteht aus steilen Hängen, die von kleinen Hochtälern zwischen den Bergen unterbrochen werden, und aus Felsaufschlüssen, an denen der Wald lichter wird. Dazu kommen Bergwiesen in den Gipfellagen und Feuchtstellen in den Mulden.
Die Bäume erreichen hier keine Riesenmaße. Das Klima und die flachgründigen Böden halten die Kronen niedriger, als man es von Tieflandwäldern kennt. Die Wälder und das Relief prägen das milde Bergklima der Umgebung mit sanfter Brise und ruhiger Luft, das zu den Leistungen des Ökosystems zählt und Besucher aus dem Tiefland in die Region zieht.
Warum ist die Reserva ein Wasserspeicher?
Mehr als 100 Quellen und dauerhaft fließende Bäche entspringen im Inneren der Reserva. Das Wasser ist frei von Verschmutzung, weil kein Wasserlauf aus der Umgebung in das Gebiet hineinfließt. Alles, was in der Reserva fließt, beginnt dort. Die Bäche speisen den Rio Fundão mit dem Rio Reis Magos, den Rio Santa Maria do Doce und den Rio Piraquê-açu, dessen Quelle in der Reserva liegt.
Von diesem Wasser leben die Gemeinden Santa Teresa, Fundão, Ibiraçu, Aracruz und São Roque do Canaã, Zehntausende Menschen. Der Wald arbeitet wie ein Wasserwerk ohne Technik: Relief und Pflanzendecke halten den Regen zurück, geben ihn gleichmäßig ab und halten die Bäche sauber.

Welche Wälder und Pflanzen wachsen in der Reserva?
Der Wald ist dichter Regenwald in zwei Höhenstufen. Die montane Stufe bedeckt die Hänge nahe den Bergkämmen, die submontane Stufe die tieferen Lagen. Die Reserva bewahrt einen der letzten Reste der submontanen Mata Atlântica von Espírito Santo.
Berühmt ist sie für ihre Aufsitzerpflanzen. Orchideen, Bromelien und Philodendren bedecken Stämme und Äste, viele Arten sind nur in dieser Gegend zu Hause. Zu den Orchideen gehören Cattleya velutina, Gongora bufonia und Masdevallia discoidea, zu den Aronstabgewächsen der Philodendron spiritus-sancti, zu den Clusien Clusia aemygdioi. Weil Orchideen und Bromelien auf dem Pflanzenmarkt begehrt sind, werden sie gelegentlich illegal aus dem Wald geholt.
Unter den großen Bäumen stehen die canela-fedorenta (Nectandra puberula) und der jequitibá-rosa (Cariniana). Bei den Palmen sind die Juçara-Palme (Euterpe edulis), die Palmherzenart Euterpe espiritosantensis sowie der tucunzinho (Bactris timbuiensis) und die pupunha-da-mata (Bactris acanthocarpa) zu nennen, die nur in dieser Gegend wachsen. Die Pfefferart Xylopia decorticans ist nur aus Santa Teresa und zwei Nachbargemeinden bekannt, und das größte Blatt der Mata Atlântica trägt der macuqueiro (Bathysa australis).

Welche Affen und Säugetiere leben im Wald?
Die Reserva ist das einzige Schutzgebiet in Espírito Santo, in dem mindestens sechs Primatenarten leben. Zu ihnen gehören der Nördliche Muriqui (Brachyteles hypoxanthus), der größte Affe der Neotropis und ein Bewohner allein der Mata Atlântica, der Sagui-da-serra (Callithrix flaviceps), der Guigó (Callicebus personatus) und der Braune Brüllaffe, den man in Brasilien bugio nennt.
Unter den anderen Säugetieren sind der Puma (in Brasilien suçuarana oder onça-parda), der Ozelot (jaguatirica), die Oncilla (Leopardus tigrinus) und das Halsbandpekari (cateto) zu nennen. Zu den Baumbewohnern gehört die preguiça-de-coleira, ein Faultier. Der ouriço-preto (Chaetomys subspinosus) ist ein baumbewohnender Stachelnager, der nur in der Mata Atlântica vorkommt. Auch die Cutia (Dasyprocta leporina) lebt im Wald.
Zu den kleineren Tieren zählen das Bromelienfröschchen Crossodactylodes izecksohni, die Schlangenhalsschildkröte Hydromedusa maximiliani in den Bächen und die Biene Melipona capixaba, in Espírito Santo uruçu-capixaba genannt.
Warum heißt Santa Teresa das Land der Kolibris?
Die Vogelwelt der Reserva gab dem Ort seinen Beinamen. Kolibris, in Brasilien beija-flores, sind hier in großer Artenvielfalt zu Hause. Zu ihnen zählen der beija-flor-rajado (Ramphodon naevius), der rabo-de-espinho (Discosura langsdorffi), der beija-flor-rubi (Clytolaema rubricauda) und der balança-rabo-do-bico-preto (Phaethornis nigrirostris), der nur im Bundesstaat Espírito Santo vorkommt und in der Reserva in unberührtem Wald angetroffen wird.
Daneben leben große Waldvögel im Gebiet: der Königsgeier (urubu-rei), der Waldfalke falcão-relógio (Micrastur semitorquatus), der Tinamu macuco (Tinamus solitarius) und die Baumwachtel uru (Odontophorus capueira). Hinzu kommen der Glockenvogel araponga (Procnias nudicollis), der Papagei papagaio-chauá und die seltene saíra-apunhalada (Nemosia rourei). Unter Vogelkundlern ist die Reserva international als Gebiet zum Beobachten und Erforschen der Avifauna bekannt.
Wie ist die Reserva in Zonen eingeteilt?
Der Managementplan von 2019 gliedert das Schutzgebiet in fünf Zonen. Die Zona de Preservação ist mit 2.374,66 Hektar die größte und umfasst zwei Drittel der Fläche. Sie liegt im Norden, dort sind keine direkten Nutzungen zugelassen. Die Zona de Conservação (549,24 Hektar) liegt im Süden und Südosten und enthält Natur mit geringem menschlichem Einfluss, ebenfalls ohne Nutzung der Naturressourcen.
Die Zona de Uso Moderado (578,19 Hektar) liegt an den beiden Straßen und hat kleine, früher veränderte Flächen aufgenommen, die sich inzwischen erholt haben. Die Zona de Infraestrutura (knapp 11 Hektar) umfasst die Verwaltung, den Wohnbereich mit Unterkunft für Forschende und die Casa de Pedra am Eingang. Die Zona de Diferentes Interesses Públicos (48,68 Hektar) fasst die beiden öffentlichen Straßen. Nach dem ersten Plan von 1997 war fast die gesamte Reserva als strengste Zone ausgewiesen. Der neue Plan zieht feinere Linien, weil die Ränder anders genutzt werden als die Waldkerne.
Um die Reserva liegt eine Pufferzone, die der Bund 2015 per Verordnung festlegte. Anlass war ein Gerichtsverfahren, in dem geklärt wurde, dass das Instituto Chico Mendes die Pufferzonen der Bundesschutzgebiete selbst bestimmen darf.
Was bedrohen Straßen, Hunde und Wilderei?
Zwei Landstraßen durchschneiden die Reserva, die eine führt zur Siedlung Lombardia, die andere zur Siedlung Goiapabo-açu. Sie stehen der Bevölkerung offen und werden von der Gemeinde Santa Teresa unterhalten. Auf ihnen werden Tiere überfahren, Autofahrer werfen Abfall in den Wald, und in der Trockenzeit können Feuer entstehen. Regenwasser, das von den Straßen abfließt, spült Sedimente in die Bäche.
Hinzu kommen Jagd, der Diebstahl von Orchideen und Bromelien sowie der illegale Handel mit Singvögeln, den das Umweltstrafgesetz verbietet. Ein besonderes Problem sind Haushunde aus den Nachbarhöfen. Sie laufen oft im Rudel, jagen Wildtiere und bringen Krankheiten mit. Wer eine fremde Art einführt, ob Tier oder Pflanze, kann das Gleichgewicht im Ökosystem stören. Deshalb gehört die Aufklärung der Nachbarn, Hunde und Haustiere auf dem eigenen Hof zu halten, zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen.
Welche Leitgedanken tragen den Managementplan?
Der Plan formuliert zuerst den Zweck: Die Reserva ist das erste Schutzgebiet in der Region der nördlichen Mantiqueira in Espírito Santo, entstanden aus dem Einsatz Ruschis gegen die rasche Entwaldung, um den dichten Bergregenwald, seine Tierwelt und die Quellen der Flüsse im Osten des Bundesstaats zu bewahren.
Fünf Kernwerte leiten die Arbeit. Das Wasser: Relief und Vegetation produzieren sauberes Trinkwasser für die Umgebung. Der erhaltene Wald: Er zählt zu den Gebieten mit der größten Baumvielfalt der Erde. Die Tierwelt: Sie umfasst Spitzenprädatoren, Affen, Kolibris und viele Vögel. Die Forschung: Forschende beantragen vor Beginn ihrer Arbeit eine Genehmigung beim ICMBio über das System SISBIO und untersuchen Tiere, Pflanzen, Ökologie und Wasser. Und schließlich die Umweltbildung: Die Reserva gehört zum ökologischen Angebot der Region.
Vier Leitbilder sollen die Besucher begleiten. Das erste ist die Vision des Naturforschers Augusto Ruschi, der das Schicksal des Waldes vorhersah. Das zweite ist die Verbindung zum Naturraum mit mildem Klima, Vogelstimmen und Wasserfällen. Das dritte ist die sichere Heimat seltener Arten, für die der Berg ein letzter Rückzugsort ist. Das vierte sind die Kolibris, die der Gegend ihre Identität geben.
Für die Überarbeitung des Plans wurden Pflanzen, Vögel, Säugetiere und die Lebensverhältnisse der Nachbarn erhoben. Dazu kamen offene Versammlungen mit der Bevölkerung und ein Seminar mit Wissenschaftlern. Der Anstoß kam aus dem Projekt der ökologischen Korridore des Umweltministeriums. Mit der Methodik von 2018 wurde der Plan in einer Werkstatt fertiggestellt und per Verordnung vom 20. Dezember 2019 genehmigt.
Häufige Fragen zur Reserva Biológica Augusto Ruschi
Wo liegt die Reserva Biológica Augusto Ruschi?
In der Gemeinde Santa Teresa im Bergland des Bundesstaats Espírito Santo.
Wann wurde sie gegründet?
Am 20. September 1948 als Landesreservat. Der Bund übernahm sie 1963, den heutigen Namen trägt sie seit 1986.
Wie groß ist die Reserva?
3.598,41 Hektar.
Wer war Augusto Ruschi?
Ein Naturforscher aus Santa Teresa, der die Gründung des Schutzgebiets betrieb, um den Wald vor der Rodung für Kaffeeplantagen zu bewahren.
Welche Flüsse entspringen dort?
Das Wasser der Reserva speist den Rio Fundão mit dem Rio Reis Magos, den Rio Santa Maria do Doce und den Rio Piraquê-açu, der in der Reserva entspringt.
Welche Affen leben in der Reserva?
Mindestens sechs Arten, darunter der Nördliche Muriqui, der Sagui-da-serra, der Guigó und der Braune Brüllaffe.
Die Mata Atlântica und Brasiliens Küste erleben? Flüge, Hotels und Reisen nach Brasilien – jetzt passende Angebote vergleichen.