Brasilien.info
Startseite › Natur › Reserva Biológica de Comboios – Schildkrötenstrand in Espírito Santo

Reserva Biológica de Comboios – Schildkrötenstrand in Espírito Santo

Die Reserva Biológica de Comboios liegt an der Küste von Espírito Santo in den Gemeinden Linhares und Aracruz, südlich der Mündung des Rio Doce. Das Dekret Nr. 90.222 schuf sie 1984, weil an ihrem Strand Lederschildkröten und Unechte Karettschildkröten ihre Eier ablegen. Restinga, Sandstrand und Dünen prägen das Gebiet.

Zwischen dem Fischerort Regência und der Vila do Riacho zieht sich ein flacher Küstenstreifen mit Sand, Dünengras und niedrigem Gebüsch. Die Reserva Biológica de Comboios ist keines der großen Schutzgebiete Brasiliens, aber ein bedeutender Eiablageplatz für Meeresschildkröten und ein Küstenstück, über das Surfer, Fischer und Naturschützer seit Jahrzehnten gemeinsam den Weg zum Meer teilen. Die Seite beschreibt Name, Gründung, Landschaft, Mündung des Rio Doce, Restinga, Tierwelt, Meeresschildkröten und die Menschen der Region.

Weitere Schutzgebiete der Küste von Espírito Santo und der Schildkrötenstrände beschreiben die Seiten zur Reserva Biológica de Sooretama, zur Reserva Biológica do Rio Trombetas, zur Reserva Biológica do Abufari und zum Nationalpark Restinga de Jurubatiba.

GründungDekret Nr. 90.222 vom 25. September 1984
KategorieReserva Biológica, strenger Schutz
LageKüste von Espírito Santo, Gemeinden Linhares und Aracruz
GrenzenIm Norden die Vila de Regência, im Süden die Terra Indígena Comboios, im Osten der Atlantik
BodenQuartäre Sandebene mit Quarzsand-Böden, ohne dauerhaftes Süßwasser
VegetationRestinga, vom Strandgras bis zur trockenen Sandwaldstufe
BesonderheitEiablageplatz von Lederschildkröte und Unechter Karettschildkröte
VerbundMosaik der Foz do Rio Doce, Korridor SOCOMGO und Korridor Marinho do Rio Doce
Wo liegt Brasilien?
Brasilien auf einen Blick
Brasilien
Klima in Brasilien
15°20°25°30°35°JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDezLuft °CRegen mmØ 2015–2023 · Daten: Open-Meteo

Woher kommt der Name Comboios?

Das Wort „comboio“ geht auf das französische „convoi“ zurück, den Verband von Handelsschiffen, der unter dem Schutz von Kriegsschiffen fährt. Der Name der Reserva hat mit der Besiedlung zu tun. Im 16. bis 18. Jahrhundert lebten in der Gegend Botocudo, die ihr Gebiet hartnäckig gegen die Kolonisatoren verteidigten. Um in die Gebiete einzudringen, bildeten die Siedler Karawanen, die wie Kriegszüge organisiert waren. Die Botocudo der Region sind bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts vernichtet worden.

Gegründet wurde die Reserva am 25. September 1984 als Bundesgebiet mit strengem Schutz auf rund 833 Hektar. Sie liegt auf Land, das ursprünglich dem Bundesstaat Espírito Santo gehörte; Eigentumsprobleme gibt es nicht. Sie ist Teil von zwei Landeskorridoren, die 2010 durch das Dekret 2529-R geschaffen wurden: dem Korridor SOCOMGO (Sooretama–Comboios–Goytacazes) und dem Korridor Marinho do Rio Doce. Das Umweltministerium erkannte sie außerdem im selben Jahr als Teil des Mosaiks der Foz do Rio Doce an, mit der Portaria 489 vom 17. Dezember 2010.

Wie ist die Landschaft aufgebaut?

Die Reserva liegt in einer weiten, quartären Küstenebene aus Sanden, die Flüsse, Seen und das Meer abgelagert haben. Das Relief ist flach. Es überwiegen tiefe, sandige Quarzböden, die sauer bis stark sauer, schnell durchlässig und kaum erosionsanfällig sind. Fließendes Süßwasser gibt es im Inneren der Reserva nicht: keine Bäche, keine Flüsse, keine Dauerseen. Auch eine Meeresfläche gehört nicht zum Schutzgebiet. Das Süßwasser für die Tiere liefern einige Lagunen in der Umgebung.

Der Strand von Comboios ist 37 Kilometer lang. Landeinwärts schließen sich landwirtschaftlich genutzte Flächen an. Die Reserva und ihre Pufferzone gehören zu den Einzugsgebieten des Rio Doce und des Rio Riacho. Der Rio Riacho ist wichtig für die Orte Vila do Riacho und Barra do Riacho; in seinem Becken wachsen vor allem Eukalyptuspflanzungen für die Zellstoffproduktion.

Langer Sandstrand mit Dünen und Küstengebüsch an der Atlantikküste von Espírito Santo

Was prägt die nahe Mündung des Rio Doce?

Der Rio Doce entspringt in über 1.000 Metern Höhe in den Gebirgen Espinhaço und Mantiqueira in Minas Gerais und legt vom Rio Piranga bis zum Atlantik 853 Kilometer zurück. Er mündet bei Regência, rund einen Kilometer nördlich der Reserva. Sein Einzugsgebiet umfasst 83.400 Quadratkilometer, davon liegen 86 Prozent in Minas Gerais und 14 Prozent in Espírito Santo.

Das Delta ist 20 bis 30 Kilometer breit und eines der wichtigsten der brasilianischen Küste. Das Meer formt dort Strandwälle und Restingas, im Inneren liegen Sümpfe und Lagunen, darunter die Lagunen Suruaca, Zacarias, Monsarás, Belos Montes und Juparanã. Die Mündung hat eine Besonderheit: Wegen der großen Wassermenge dringt kaum Meerwasser ein, deshalb gibt es im Inneren des Deltas keine Mangroven. Süßwasserfische leben im inneren Teil, und auf dem Schelf vor der Küste herrscht hohe biologische Produktivität. Sie trägt Fischbestände, von denen die Fischerei lebt, sowohl kleine Fischer der Gemeinden als auch Flotten aus anderen Teilen des Landes.

Welche Pflanzen wachsen in der Restinga?

Das gesamte Gebiet ist Restinga, ein Vegetationstyp auf jungen Sandböden mit Einfluss des Meeres. Die Restinga von Regência ist erdgeschichtlich sehr jung. Ihre Abfolge lässt sich vom Meer ins Landesinnere ablesen: Am Strand wachsen salz- und sandliebende Kräuter, dahinter Gräser mit Sträuchern, dann offene Gebüschgruppen mit immer mehr Arten und größerer Höhe, schließlich dichtere Bestände bis zum Wald.

Im Gebiet und seiner Umgebung lassen sich mehrere Formationen unterscheiden. Die erste und zweite Vegetationszone am Strand bildet die Kräuterformation, die nicht überflutet wird. Es folgt die offene, nicht überflutete Strauchformation mit Clusia-Gebüsch; dort wächst das Gras Axonopus pressus, das nur in der Restinga von Regência vorkommt. Dahinter liegt die geschlossene Strauchformation direkt hinter dem Strand und die nicht überflutete Waldformation, der trockene Sandwald. Innerhalb der Reserva wird dieser Wald wegen des Windes nur etwa 5 Meter hoch. Außerhalb liegen Sumpfflächen und überflutete Wälder mit Myrtaceen, in denen die Bäume höher werden; in einer angrenzenden Fläche erreichen sie bis zu 25 Meter.

251 Blütenpflanzen aus 70 Familien sind bestimmt, dazu 15 Farnarten. Die artenreichsten Familien sind Hülsenfrüchtler (20 Arten), Myrtengewächse (13), Orchideen (11), Rötegewächse (11), Bromelien (10) und Seifenbaumgewächse (10). Der Baum Couepia schottii wächst nur in Restingas von Rio de Janeiro bis Bahia.

Niedriger Küstenwald der Restinga mit knorrigen Bäumen auf hellem Sandboden

Welche Tiere leben in der Reserva und ihrer Umgebung?

In der Region sind ungefähr 425 Wirbeltierarten bekannt: 54 Säugetiere, 255 Vögel, 49 Reptilien, 27 Amphibien und 44 Fische. Zu den Säugetieren zählen das Kragenfaultier (Bradypus torquatus), der Kleine Ameisenbär (Tamandua tetradactyla) und ein Greifstachler (ouriço-caixeiro). Puma und Tapir sind nachgewiesen. Bei den Vögeln fallen Arten auf wie der Singvogel Curió (Oryzoborus angolensis), die Spottdrossel Mimus gilvus (sabiá-da-praia) und der Maguaristorch (Ciconia maguari).

Gegründet wurde die Reserva vor allem wegen der Meeresschildkröten. Ihr Strand ist ein Eiablageplatz der Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) und der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta). Die Reserva und ihre Umgebung sind der einzige bekannte Ort in Brasilien mit regelmäßiger Konzentration von Gelegen der Lederschildkröte, und auch für die Unechte Karettschildkröte ist der Strand ein wichtiger Platz. Vereinzelt legen die anderen drei in Brasilien vorkommenden Meeresschildkröten Eier. Die Lederschildkröte ist die größte unter den Meeresschildkröten.

Auf dem Gelände der Verwaltung liegt eine Außenstelle des Centro Tamar, die Forschung und Betreuung der Meeresschildkröten übernimmt. Das Projekt Tamar arbeitet seit Jahrzehnten in der Region; die Reserva unterstützt diese Arbeit, die ihrem Gründungsziel entspricht.

Wie leben Menschen und Reserva zusammen?

Die Reserva ist Teil des Alltags von Regência. Fünf Fußwege führen durch das Gebiet zum Strand, ihre Länge liegt zwischen 100 und 500 Metern. Surfer, Badegäste und Sportangler nutzen sie, seit es die Reserva gibt, und schon davor. Die Wellen vor Regência sind für das Surfen berühmt und ziehen Surfer aus aller Welt an. Das Surfen und Angeln steht nach dem Schutzgebietsgesetz im Konflikt mit der Kategorie der Reserva Biológica; weil die Reserva keine Meeresfläche umfasst, tritt dieser Konflikt hier nicht auf. Das Hauptziel, der Schutz der Meeresschildkröten, bleibt von der Nutzung unberührt.

Der Ort Regência lebt vom Strand: Pensionen, Restaurants und Läden profitieren von den Gästen. 2012 trafen sich Anwohner, Touristen, Surfer, Fischer und Händler zu einer Werkstatt, um Lösungen für die Zugänge zu finden. Der Vorschlag lautete, die Reserva in einen Nationalpark umzuwandeln, damit Nutzung und Dienste für Gäste geregelt werden können. Dafür ist ein Gesetz des Kongresses nötig. Weil die Gefahr besteht, dass der ursprüngliche Vorschlag dabei verändert wird, wurde entschieden, die Nutzung des Strandes und der Zugänge in der bestehenden Kategorie zu ordnen.

Die Zusammenarbeit zeigte sich auch bei der Planung. Im November 2017 trafen sich in Regência rund 40 Vertreter von Fischerverbänden, Surfvereinen, Anwohnern, Behörden, Universitäten und Organisationen zu einer dreitägigen Werkstatt. Der Managementplan wurde mit der Portaria Nr. 1.174 vom 28. Dezember 2018 genehmigt und ersetzte den Plan von 1997. Ein beratender Rat begleitet die Verwaltung.

Wie ist die Reserva in Zonen gegliedert?

Der Managementplan teilt das Gebiet in fünf innere Zonen und eine äußere Pufferzone. Mehr als drei Viertel der Fläche gehören zur Zona Primitiva, in der kaum menschlicher Einfluss besteht. Dort sind Schutz, Forschung, Monitoring und Umweltbildung erlaubt, Bauten dagegen nicht. Sie enthält den ganzen Gradienten der Restinga, die Brutstrände der Schildkröten und den Standort des Grases Axonopus pressus, das in Regência „capim de Regência“ heißt.

Die Zona de Uso Extensivo umfasst den Zugang zum Meer mit Parkflächen und Stegen. Die Zona de Uso Especial ist für Verwaltung und Betrieb bestimmt und nur wenige Hektar groß. Ein Streifen im Süden überlagert die Terra Indígena Comboios, wo Indigene das Gebiet nutzen. Die Zona de Uso Conflitante folgt der Gasleitung, die das Gebiet der Länge nach quert. Die Pufferzone außerhalb der Grenzen dämpft die Wirkung von Nachbarnutzungen wie Fischerei, Jagd, Eukalyptuspflanzungen, Weide und Sandabbau.

Häufige Fragen zur Reserva Biológica de Comboios

Wann wurde die Reserva Biológica de Comboios gegründet?

Mit dem Dekret Nr. 90.222 vom 25. September 1984.

Wo liegt sie?

An der Küste von Espírito Santo in den Gemeinden Linhares und Aracruz, südlich von Regência und der Mündung des Rio Doce.

Warum wurde sie geschaffen?

Wegen der Eiablage von Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) und Unechter Karettschildkröte (Caretta caretta).

Woher kommt der Name?

Vom französischen Wort „convoi“ für einen geschützten Schiffsverband; im Gebiet bildeten Kolonisatoren Karawanen gegen die Botocudo.

Wie groß ist die Fläche?

Rund 833 Hektar, ohne Meeresfläche.

Welche Vegetation wächst dort?

Ausschließlich Restinga: Strandkräuter, Gebüsch mit Clusia und ein niedriger, trockener Sandwald von etwa 5 Metern Höhe.

Passend dazu: Reserva Biológica Augusto Ruschi.

Espírito Santo und die Atlantikküste entdecken? Flüge, Hotels und Reisen nach Brasilien – jetzt passende Angebote vergleichen.

Brasilien-Angebote ansehen