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Reserva Biológica do Tinguá – Bergregenwald bei Rio

Die Reserva Biológica do Tinguá liegt nördlich von Rio de Janeiro auf etwa 26.000 Hektar in der Serra do Mar. Das Dekret Nr. 97.780 vom 23. Mai 1989 machte aus den seit 1941 geschützten Wäldern ein Schutzgebiet. Sein Maciço Alcalino erreicht bis zu 1.600 Meter, und der Wald beherbergt über 120 Froschlurche, mehr als 200 Vogelarten und Pumas.

Wenige Kilometer nördlich der Millionenstadt Rio de Janeiro erhebt sich die Serra do Mar. Die Hänge sind steil, oft in Wolken gehüllt und bewaldet. Die Reserva Biológica do Tinguá schützt einen großen Teil dieses Gebirges, das mit der Baixada Fluminense einen der am dichtesten besiedelten Räume des Landes im Rücken hat. Die Seite erzählt, wie die Wälder zu einem Schutzgebiet wurden, und beschreibt Gestein, Klima, Höhenstufen des Waldes und Tierwelt.

Verwandte Gebirgswälder in derselben Region beschreiben die Seiten zur Serra dos Órgãos, zum Nationalpark Tijuca und zum Itatiaia.

GründungDekret Nr. 97.780 vom 23. Mai 1989
FlächeRund 26.000 Hektar, Umfang etwa 150 Kilometer
GemeindenNova Iguaçu (55 Prozent), Duque de Caxias (37 Prozent), Petrópolis (4 Prozent), Miguel Pereira (3 Prozent)
LageSerra do Mar im Bundesstaat Rio de Janeiro
HöheDas Massiv von Tinguá erreicht bis zu 1.600 Meter
WaldSubmontaner, montaner und altomontaner Regenwald der Mata Atlântica
KlimaTropisches Höhenklima (Köppen Cwb), 1.500 bis 2.600 Millimeter Regen
BiosphärenreservatTeil des UNESCO-Biosphärenreservats der Mata Atlântica seit 1991
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Wie wurde Tinguá zum Schutzgebiet?

Die Geschichte des Waldes ist eng mit dem Wasser verbunden. 1833 erklärte Kaiser Dom Pedro II. die Wälder dreier Fazendas, Conceição, Tabuleiro und Provedor, zu Schutzwäldern, weil dort Quellen entspringen. Eine der Fazendas schenkte der Baron von Tinguá der Krone, die beiden anderen wurden enteignet. Als der Wald von Tijuca für den Kaffeeanbau gerodet wurde, versiegten die Quellen, die Rio de Janeiro mit Trinkwasser versorgten. Der Kaiser ließ den Tijuca-Wald wieder aufforsten und im 50 Kilometer entfernten Tinguá ein Wasserfassungssystem bauen, das die Waldbedeckung sicherte. Teile dieser Anlagen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, darunter die Estrada do Comércio, stehen unter Denkmalschutz.

1941 folgte ein Dekret, das in Nova Iguaçu 50.000 Hektar als Schutzwald der Union Tinguá, Xerém und Mantiqueira auswies. Dazu gehören die Quellgebiete Serra Velha, Boa Esperança und Bacurubu, die die Baixada Fluminense mit Wasser versorgen. Die steilen Hänge hielten die Wälder lange relativ unberührt. In den Achtzigerjahren forderte die Bewegung Movimento Pró-Reserva Biológica do Tinguá ein Schutzgebiet. Die Vogelerhebung von Scott und Brooke aus dem Jahr 1985 hatte eine hohe Artenvielfalt, viele endemische und seltene Arten gezeigt. Das Umweltinstitut Ibama schlug 1989 eine Reserva auf 120.000 Hektar vor; erreicht wurde die heutige Fläche.

Woher stammt der Name Tinguá?

Der Name gehört zur Serra do Tinguá, deren Gipfel einem Nasenrücken ähnelt. Das Tupi-Guarani-Wort bedeutet nasenförmiger Gipfel. Im Massiv fand man zum ersten Mal das alkalische Gestein, das nach dem Berg Tinguaít heißt.

Welches Gestein bildet das Gebirge?

Die Reserva liegt auf dem Steilabfall der Serra do Mar, der sich vom Gebirge Serra da Bocaina im Norden São Paulos bis zur Serra do Desengano im Norden Rio de Janeiros zieht. Etwa 90 Prozent des Schutzgebiets gehören zur Bergregion; nur der Südwesten zählt zur Küstenebene. Das Gebiet ist die Wasserscheide dreier Einzugsgebiete: der Guanabara-Bucht, der Bucht von Sepetiba und des Paraíba do Sul.

Das Massiv von Tinguá liegt im Norden von Nova Iguaçu an den Quellen der Flüsse Douro, Iguaçu und Santo Antônio. Es besteht aus alkalischen Intrusivgesteinen wie Nephelinsyenit und Tinguaít, erreicht bis zu 1.600 Meter und nimmt etwa 50 Quadratkilometer ein. Die Pico-do-Tinguá-Region trägt Felsfluren, auf denen der Bambus Glaziophyton mirabile dichte, einheitliche Bestände bildet. Er wächst nur in einigen Gebirgen des Bundesstaats Rio de Janeiro.

Nebelverhangene Berghänge mit Atlantischem Regenwald in der Serra do Mar

Wie ist das Klima?

Das Klima gehört zum Typ Cwb nach Köppen, tropisches Höhenklima mit milden Sommern. In den höchsten Lagen ist die Trockenzeit kaum ausgeprägt. Die Jahresmitteltemperatur liegt je nach Lage zwischen 13 und 23 Grad, die Niederschläge schwanken zwischen 1.500 und 2.600 Millimetern und sind im Dezember bis Februar am stärksten. In der Bergregion bringt der Sommer Monatswerte von 200 bis 300 Millimetern, im Winter fallen weniger als 50 Millimeter. Die Bergregion bildet eine Barriere, die die Feuchtigkeit von der Küste aufhält; Küstenebene und Bergland unterscheiden sich deshalb im Regen.

Welche Waldstufen wachsen am Berg?

Alle Wälder der Reserva gehören zur Floresta Ombrófila Densa, dem immergrünen Regenwald, der sich nach Höhenstufen gliedert. Der Tieflandwald reicht bis 50 Meter und wurde in der Baixada zuerst gerodet, für Zuckerrohr, später für Siedlungen. Der Submontane Wald zwischen 50 und 500 Metern trägt Epiphyten und Lianen. Zu seinen Arten zählen Murici (Vochysia tucanorum), Baguaçu (Talauma organensis), Jacatirão (Miconia theaezans) und Embaúba (Cecropia). Zu den Pflanzen zählen die Juçara-Palme, aus der man Palmherzen gewinnt, und der Baumfarn Xaxim (Dicksonia sellowiana).

Der Bergregenwald zwischen 500 und 1.500 Metern ist in der Region der am besten erhaltene Waldtyp. Im oberen Stockwerk stehen Vochysia laurifolia, Cariniana excelsa, Clethra brasiliensis sowie Arten von Ocotea und Nectandra. Palmen wie Palmito, Guaricanga und Tucum, viele Farne, Epiphyten und Lianen prägen das Bild. Auf einer Probefläche am Hang der Estrada do Comércio zählte man in einer einzigen Untersuchung 189 Arten von Bedecktsamern aus 51 Familien; Myrtengewächse, Lorbeergewächse und Rötegewächse stellten viele von ihnen.

Oberhalb von 1.300 Metern beginnt der Nebelwald, der oft tagelang in Wolken liegt. Wegen des flachen Bodens, der Höhe und der niedrigen Temperaturen ist er nur fünf bis zehn Meter hoch. Er enthält viele Arten, die nirgends sonst wachsen, ein Zeichen langer Isolation. Typisch sind Bromelien der Gattungen Vriesea, Aechmea und Nidularium, der Bambus Chusquea mimosa und Farne.

Nebelwald mit Bromelien und Baumfarnen in der Serra do Mar

Welche Flüsse entspringen in der Reserva?

Die Wasserscheide des Massivs speist Flüsse in drei Richtungen. Zur Guanabara-Bucht fließen der Rio Iguaçu und der Rio Estrela. Der Iguaçu ist 42,8 Kilometer lang, seine Zuflüsse heißen Bota, Capivari, Pilar, Sarapuí und Tinguá, der Rio Tinguá ist 16 Kilometer lang. Der Rio Saracuruna, einer der Zuflüsse des Rio Estrela, entspringt im Inneren der Reserva. Der Maciço de Tinguá ist außerdem Quellgebiet der Flüsse Douro und Santo Antônio.

Die Bäche im Inneren des Waldes sind klein: Ein untersuchter Bach misst rund anderthalb Meter in der Breite und 40 Zentimeter in der Tiefe, mit klarem Wasser über Fels, Steinen und Sand, und fließt durch Wald in fortgeschrittener Regeneration. Bei einer Untersuchung im Reservat und seiner Umgebung wurden 24 Fischarten aus neun Familien gefangen, in intakten Waldbächen dieser Region rechnet man mit 25 bis 30 Arten. Die Fische der Mata Atlântica bilden keine einheitliche Gemeinschaft, weil jedes Flusssystem durch Berge und Meer von den anderen getrennt ist. Dadurch gibt es besonders viele Arten, die nur in einem einzigen Becken leben, und unter den Fischen und Amphibien werden laufend neue Arten beschrieben.

Welche Amphibien und Reptilien leben im Wald?

Die Amphibien sind die Stärke der Reserva. Erfasst sind 120 Froschlurche und zwei Blindwühlen. Alle Lebensräume sind besetzt, vom Laubstreu am Boden über Tümpel im Wald bis zu Waldbächen und offenen Flächen. Aus der Gegend wurden zwei Froscharten beschrieben: Dendrophryniscus leucomystax und Psyllophryne didactyla, der Zwergfrosch, der zu den kleinsten Landwirbeltieren der Welt gehört. Der Killifisch Leptolebias nanus wurde in einem Gewässer nahe dem Ort Cava beschrieben.

Bei den Reptilien sind rund 60 Schlangenarten, zehn Echsenarten, eine Wühlechse und ein Kaiman bekannt. In den größeren Flüssen der Baixada leben die Schlangenhalsschildkröte Hydromedusa tectifera und die Schildkröte Phrynops geoffroanus.

Welche Vögel leben in Tinguá?

Bei zwei Erhebungen im April und August 2003 registrierte man 219 Vogelarten. Zu den Waldbewohnern der Reserva zählt der Einsiedlertinamu (Tinamus solitarius). In den Feuchtgebieten der Baixada leben Teichhuhn, Weißreiher, Zwergdommel, Blatthühnchen und Witwenpfeifgans. Die Vogelwelt war einer der Gründe für die Einrichtung der Reserva.

Welche Säugetiere gibt es?

Für das Gebiet sind 35 Säugetierarten verzeichnet. Bei zwei Erhebungen wurden 17 davon nachgewiesen, darunter die Capybara. Die Trittspuren von Puma (Puma concolor) und Ozelot (Leopardus pardalis) fanden sich häufig; sie leben als Spitzenprädatoren in Wäldern, die gut strukturiert sind. Dazu kommen der Maikong (Cerdocyon thous) und das Dreifinger-Faultier (Bradypus variegatus). Von den Primaten leben Brüllaffen (Alouatta) und Kapuziner.

Welche Bedeutung hat Tinguá für die Region?

Nördlich der Baixada Fluminense schützt die Reserva Quellgebiete, die die Baixada Fluminense mit Wasser versorgen. Die Quellflüsse entwässern zur Guanabara-Bucht, zur Bucht von Sepetiba und zum Paraíba do Sul. Das Gebiet dient zugleich als Zufluchtsort für die Arten der Mata Atlântica, die im dicht besiedelten Umland kaum noch Wald finden. Weitere Zusammenhänge zu den Küstenwäldern bieten die Seiten zur Serra da Bocaina und zu den Klimazonen.

Häufige Fragen zur Reserva Biológica do Tinguá

Wann wurde die Reserva Biológica do Tinguá gegründet?

Mit dem Dekret Nr. 97.780 vom 23. Mai 1989.

Wo liegt sie?

In der Serra do Mar im Bundesstaat Rio de Janeiro, in den Gemeinden Nova Iguaçu, Duque de Caxias, Petrópolis und Miguel Pereira.

Was bedeutet Tinguá?

Das Tupi-Guarani-Wort bezeichnet einen nasenförmigen Gipfel.

Wie hoch reicht das Massiv?

Das Massiv von Tinguá erreicht bis zu 1.600 Meter.

Welche Tiergruppe ist am artenreichsten?

Die Amphibien: 120 Froschlurche und zwei Blindwühlen sind erfasst.

Seit wann ist das Gebiet Teil eines Biosphärenreservats?

Seit 1991 gehört es zum UNESCO-Biosphärenreservat der Mata Atlântica.

Passend dazu: Reserva Biológica Saltinho, Reserva Biológica União.

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