Die Reserva Extrativista Chico Mendes im Südosten des Bundesstaats Acre entstand am 12. März 1990 als eine der beiden ersten extraktivistischen Reservate des Bundes. Hier sichern Kautschukzapfer und Paranusssammler ihren Lebensunterhalt im stehenden Regenwald, auf Land, das dem Staat gehört und ihnen zur Nutzung überlassen ist.
Die Reserva Extrativista Chico Mendes ist ein Schutzgebiet mit einer anderen Idee als ein Nationalpark: Die Menschen bleiben im Wald, leben von ihm und bewahren ihn gerade dadurch. Sie trägt den Namen von Chico Mendes, dem Anführer der Kautschukzapfer von Xapuri, und geht auf die Bewegung der Seringueiros zurück. Die Seite beschreibt Entstehung, Klima, Flüsse, Wälder, die Arbeit der Seringueiros, die Regeln der Gemeinschaft und die Geschichte des Kautschuks in Acre.
Weitere Schutzgebiete im Westen und Norden Brasiliens beschreiben die Seiten zum Amazonas, zum Nationalpark Pacaás Novos, zur Reserva Biológica do Jaru und zur Floresta Nacional do Tapajós.
| Gründung | Dekret vom 12. März 1990 |
| Kategorie | Reserva Extrativista, Land des Bundes mit Nutzungsrecht für die Bewohner |
| Lage | Südosten von Acre, Vale do Acre, rund um Xapuri, Brasiléia und Assis Brasil |
| Fläche | Mehr als 900.000 Hektar |
| Klima | Tropisch feucht, Köppen Am, Jahresmittel um 26 °C, Niederschlag 1.800 bis 2.200 Millimeter |
| Flüsse | Rio Acre und Rio Iaco, Nebenflüsse des oberen Rio Purus |
| Wald | Dichter und offener Regenwald mit Palmen, Bambus und Lianen |
| Wirtschaft | Kautschuk, Paranuss, Subsistenzlandwirtschaft, kleine Tierhaltung |
- Was ist eine Reserva Extrativista, und wer war Chico Mendes?
- Wie entstand das Schutzgebiet?
- Wo liegt die Reserva, und wie ist das Klima?
- Welche Flüsse und welches Relief prägen das Gebiet?
- Welche Wälder und Bäume wachsen in der Reserva?
- Wie arbeiten die Kautschukzapfer?
- Welche Rolle spielen Paranuss und Landwirtschaft?
- Welche Regeln enthält der Nutzungsplan?
- Wie wurde Kautschuk zur Geschichte von Acre?
- Wie lebt die Kultur der Seringueiros weiter?
Was ist eine Reserva Extrativista, und wer war Chico Mendes?
Eine Reserva Extrativista ist ein Gebiet, das die nachhaltige Nutzung der Naturressourcen sichern und die Lebensweise sowie die Kultur der traditionellen Waldbevölkerung schützen soll. Das Land gehört dem Bund, die Bewohner haben das Nutzungsrecht und teilen sich die Verantwortung für den Wald. Diese Form gibt es seit 1990. Sie ging aus dem Kampf der Seringueiros hervor, der Kautschukzapfer Amazoniens, die über Jahrhunderte von den Kautschukherren ausgebeutet wurden.
Chico Mendes war ein Anführer dieser Bewegung. Er wirkte in Xapuri in Acre und trat 1985 auf dem ersten nationalen Treffen der Seringueiros in Brasília hervor, an dem 130 Kautschukzapfer aus Acre, Rondônia, Amazonas und Pará teilnahmen. Dort entstand die Forderung, den Wald nicht für Weiden, Bergbau und Holzeinschlag zu opfern, sondern als Lebensraum der Menschen zu schützen, die ihn kennen.
Wie entstand das Schutzgebiet?
In den 1970er Jahren setzte die Bundesregierung in Amazonien auf extensive Viehzucht, Bergbau und Holzwirtschaft. Die Folgen waren eine starke Konzentration des Landbesitzes, die Abwanderung der traditionellen Bevölkerung in die Städte und die Zerstörung großer Waldflächen. Die Kautschukzapfer leisteten Widerstand, schlossen sich in ländlichen Gewerkschaften zusammen und organisierten die Empates: gewaltlose, organisierte Aktionen, mit denen Waldbewohner das Fällen von Bäumen verhinderten.
Aus diesem Konflikt entstand das neue Modell der Reserva Extrativista. 1990 wurden in Acre die beiden ersten Reservate des Bundes eingerichtet, darunter die Reserva Chico Mendes, per Dekret vom 12. März 1990. Gerade in diesem Gebiet gab es die schärfsten Konflikte um Besitz und Eigentum, weshalb die Enteignung der früheren Eigentümer schwierig war. 1995 genehmigte das Umweltinstitut IBAMA den Nutzungsplan, den die Seringueiros-Verbände, die Gewerkschaften und der Nationale Rat der Seringueiros gemeinsam erarbeitet hatten. Er sollte die Nachhaltigkeit sichern, indem er die Nutzung der Ressourcen und das Verhalten der Bewohner regelt.
Wo liegt die Reserva, und wie ist das Klima?
Die Reserva liegt im Südosten von Acre, im Vale do Acre, und erstreckt sich über mehrere Gemeinden: Assis Brasil, Brasiléia, Capixaba, Xapuri, Sena Madureira und Rio Branco. Sie umfasst mehr als 900.000 Hektar.
Das Klima ist tropisch feucht mit kurzer Trockenzeit. Das Jahresmittel liegt um 26 °C, die Niederschläge erreichen 1.800 bis 2.200 Millimeter im Jahr. Die Regenzeit dauert von November bis April, am stärksten regnet es von Dezember bis März. In den Monaten von Juni bis September gehen die Niederschläge deutlich zurück. Die Einheimischen nennen die Regenzeit Winter und die Trockenzeit Sommer. Besonders heiß ist es von September bis November, mit Tageshöchstwerten um 38 °C.
Zwischen Juni und August kommt ein Phänomen vor, das friagem heißt: Eine polare Kaltfront dringt ein und senkt die Temperaturen, in Extremfällen bis auf 4 bis 6 °C.
Welche Flüsse und welches Relief prägen das Gebiet?
Zwei Flüsse bestimmen das Netz: der Rio Acre und der Rio Iaco, beide Nebenflüsse auf der rechten Seite des oberen Rio Purus. Die Nebenflüsse des Acre durchziehen den größten Teil der Reserva von West nach Ost. Der Rio Acre fließt bei Assis Brasil am Rand des Gebiets und folgt dann der Grenze zu Peru und Bolivien, bevor er bei Brasiléia ins brasilianische Staatsgebiet eintritt. Er hat ein tief eingeschnittenes Bett, seine Hochwasser steigen stark an und überfluten nur kleine Flächen. Die Hochwasserspitzen fallen auf Februar bis April, die Zeit der stärksten Wasserknappheit auf Juli bis September.
Der Untergrund besteht aus jungen Ablagerungen der Formação Solimões, Tonsteinen einer alten Überschwemmungsebene, die von Flusssedimenten überdeckt sind. Das Relief ist ausgesprochen gleichförmig: Die tieferen Teile der Depression des Rio Acre liegen auf etwa 200 Metern, die höheren Teile des abgesenkten Plateaus Amazoniens im mittleren Bereich der Reserva, durch die der Rio Xapuri fließt, auf 250 bis 300 Metern.
Welche Wälder und Bäume wachsen in der Reserva?
Die Reserva gehört zur amazonischen Provinz. Sie besteht aus zwei Waldtypen, dichtem und offenem Regenwald. Der offene Wald überwiegt. Er kommt mit Bambus, Palmen und Lianen vor und liegt auf Terrassen am Fluss ebenso wie auf welligem oder zerschnittenem Tiefland. Der dichte Wald hat seine größte zusammenhängende Fläche südlich des Rio Xapuri und wächst auf welligem Tiefland über tertiären Sedimenten, die Bäume sind meist höher als 30 Meter.
In den Niederungen entlang der Bäche stehen die Kautschukbäume (Hevea brasiliensis) und die Palmen açaí, jaci, jauari und murumuru, hinzu kommt vereinzelt die copaíba. Im niedrigeren Wald auf zerschnittenem Relief ist die cerejeira (Torresia acreana) kennzeichnend, ein Baum mit hohem Holzwert, der fast so häufig ist wie der Kautschukbaum. Weitere häufige Arten sind açacu, cuiarana, guariúba und matamatá. Die Castanheira, der Paranussbaum, kommt nur im Osten von Acre vor und reicht nicht über den Rio Purus hinaus.

Wie arbeiten die Kautschukzapfer?
Der Kautschuk ist die Haupttätigkeit der Seringueiros und bestimmt das ganze Leben im Wald. Die Grundeinheit der Nutzung heißt colocação. Sie besteht aus mindestens zwei Zapfwegen, den estradas de seringa, mit jeweils mindestens 100 Kautschukbäumen. Auf diesen Wegen schneiden die Zapfer die Rinde der Bäume an, sammeln den Milchsaft und lassen ihn gerinnen. Zu bestimmten Monaten ruhen die Bäume, dann werden die Wege gereinigt.
Das Zapfen ist überwiegend Männerarbeit, die Landwirtschaft dagegen wird zu einem erheblichen Teil von Frauen getragen. Das Wissen um den Wald, seine Zyklen und die richtige Nutzung wird mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Die Kultur der Seringueiros ist eng mit der Natur verbunden und von einem vorsichtigen Umgang mit ihr geprägt.

Welche Rolle spielen Paranuss und Landwirtschaft?
Neben dem Kautschuk ist die Paranuss (castanha-do-Brasil) die zweite Säule des Einkommens. Die Landwirtschaft dient vor allem der Selbstversorgung. Man baut Reis, Mais, Bohnen und Maniok an, mit Maniokmehl und Reis als Grundlage, dazu Obst wie Orange, Maracuja, Jackfrucht, Limette, Banane, Mango, Papaya, Cashew, Avocado, Guave, Ananas und Kokos. Die Palmen açaí, bacaba, patuá und ouricuri liefern Früchte aus dem Wald.
Der Anbau wandert: Eine Fläche wird drei bis vier Jahre bestellt, dann ruht sie. Die Felder sind klein. Die Pflanzfolge in einer Fläche lautet Reis und Mais, dann Bohnen, zuletzt Maniok. Weitere Einkommensquellen sind Kleintiere, Jagd, Fischfang und Renten. Agrarforscher und Behörden haben mit den Seringueiros Fortbildungen zu Agroforstsystemen und zur Wiederherstellung brachliegender Felder durchgeführt.
Welche Regeln enthält der Nutzungsplan?
Der Plano de Utilização, 2006 überarbeitet und in den Managementplan aufgenommen, ist ein Abkommen für das Zusammenleben. Seine Regeln sind klar: Jede Familie darf nur eine Colocação haben, die aus mindestens zwei Zapfwegen besteht. Die Zapfwege gehören zur jeweiligen Colocação und dürfen nicht verliehen werden. Wer ein Gelände verlassen will, darf seine Bauten nur an einen anderen Extraktivisten verkaufen.
Verlassene Colocações gehen vorrangig an die Kinder von Bewohnern, die selbst Extraktivisten sind. Parzellierung und Verkauf der Colocações sind verboten, da das Land öffentlich ist und nur die Nutzung überlassen wurde. Kautschuk- und Paranussbäume dürfen nicht gefällt werden, und Rodungen oder Brände, die ihr Überleben bedrohen, sind untersagt. Feuer ist nach Möglichkeit zu vermeiden und nur nach den ersten Regen gestattet, mit mindestens zwei Meter breiten Feuerschneisen und einer Gruppe, die bleibt, bis das Feuer sicher erloschen ist.
Verwaltet wird die Reserva gemeinsam: Die Bundesbehörde verwaltet, ein Beschlussrat (Conselho Deliberativo) mit Verbänden, Gewerkschaften und Behörden begleitet die Arbeit, und die Bewohner führen den Plan als Urheber und Verantwortliche aus. Das Nutzungsrecht regelt ein Vertrag über das dingliche Nutzungsrecht.
Wie wurde Kautschuk zur Geschichte von Acre?
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte das Gebiet des heutigen Acre nicht zu Brasilien, indigene Völker nutzten den Milchsaft von Kautschukbaum und Caucho. Mit dem wachsenden Bedarf der europäischen und nordamerikanischen Industrie nach der Erfindung der Vulkanisation wuchs die Nachfrage. Nach den großen Dürren im Nordosten nach 1877 zogen Zuwanderer, die vor der Dürre geflohen waren, in die Wälder und besiedelten das Gebiet. 1903 wurde Acre durch den Vertrag von Petrópolis an Brasilien angeschlossen. Um 1907 übertraf seine Kautschukproduktion die von Amazonas und Pará.
Der Aufschwung endete, als Plantagen in Malaysia den Weltmarkt übernahmen. Viele Seringais wurden aufgegeben, und die Zapfer wanderten ab oder wechselten zu Subsistenzlandwirtschaft, Paranüssen, Jagd und Fischfang. Im Zweiten Weltkrieg kamen die Soldaten des Kautschuks, Zuwanderer aus dem Nordosten, die die Alliierten mit Kautschuk versorgen sollten. In den 1970er Jahren führten Siedlungsprojekte und Steueranreize für die Viehzucht zu neuer Zuwanderung, in den 1980er Jahren begann mit dem Verkauf der Seringais für Weiden die beschleunigte Abholzung. Seit den 1990er Jahren ordnen Schutzgebiete und die ökologisch-wirtschaftliche Zonierung die Nutzung des Landes in Acre.
Wie lebt die Kultur der Seringueiros weiter?
Die Reserva ist ein Mosaik aus Traditionen. Volksglaube, Heiler, Beterinnen und Hebammen bestehen nebeneinander. Gefeiert werden religiöse Feste wie der Tag des heiligen Johannes am 24. Juni und der Tag der heiligen Luzia am 13. Dezember. Der heilige Sebastian, Schutzpatron der Kautschukzapfer, wird am 20. Januar in Xapuri und Epitaciolândia mit einer Prozession geehrt, zu der die Zapfer in die Stadt kommen. Im Dezember feiern die Bewohner die Semana Chico Mendes zu Ehren des Namensgebers, mit Lauf, Fußballspiel, Tanz und Messe.
Dazu kommen Gemeinschaftsarbeiten, die mutirões, bei denen Nachbarn gemeinsam Felder reinigen und Wege öffnen und am Abend Forró tanzen. Fußball ist der beliebteste Zeitvertreib: Mannschaften der Reserva spielen gegeneinander, und die Finale finden in Assis Brasil und Xapuri statt.
Häufige Fragen zur Reserva Extrativista Chico Mendes
Wo liegt die Reserva Extrativista Chico Mendes?
Im Südosten des Bundesstaats Acre, im Vale do Acre, rund um Xapuri, Brasiléia und Assis Brasil.
Wann wurde sie gegründet?
Am 12. März 1990, als eine der beiden ersten extraktivistischen Reservate des Bundes in Acre.
Wer lebt in der Reserva?
Kautschukzapfer, Paranusssammler und ihre Familien, die den Wald nutzen, ohne ihn zu roden.
Was ist eine Colocação?
Die Nutzungseinheit einer Familie: mindestens zwei Zapfwege mit je mindestens 100 Kautschukbäumen.
Welche Flüsse prägen das Gebiet?
Der Rio Acre und der Rio Iaco, Nebenflüsse des oberen Rio Purus.
Was ist die friagem?
Ein Kälteeinbruch zwischen Juni und August, bei dem polare Luft die Temperaturen im Südwesten Amazoniens senkt.
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