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Nationalpark Sete Cidades – Felsstädte und Felsbilder in Piauí

Der Nationalpark Sete Cidades liegt im Nordosten von Piauí und bewahrt sieben Felsgruppen aus Sandstein, die wie versteinerte Städte wirken. Rund 360 Millionen Jahre alte Schichten, Felsmalereien von etwa 10.000 Jahren und ein Übergangsgebiet zwischen Cerrado und Caatinga machen den Park zu einem der eigenwilligsten Ziele des Nordostens.

Wer durch den Park geht, sieht Felsen in Form einer Schildkröte, eines Kamels oder eines Gesichts, Bögen, Pforten und enge Gänge. Schon im 19. Jahrhundert sprach man in der Region von einer versteinerten Stadt. Diese Seite erklärt Entstehung, Gestein, die sieben Städte, die Felsbilder, Tierwelt, Anreise und Planung.

Einen weiteren Fundort alter Felsbilder beschreibt die Seite zum Nationalpark Serra da Capivara, die nahe Küste mit den Dünen die Seite zu den Lençóis Maranhenses.

GründungBundesdekret Nr. 50.744 vom 8. Juni 1961 (Präsident Jânio Quadros)
LageNordosten von Piauí; Gemeinden Piracuruca (73,7 %) und Brasileira (26,3 %)
Schutzumfeldliegt vollständig in der Umweltschutzzone APA Serra da Ibiapaba
GesteinSandstein der Formação Cabeças, Devon, mehr als 360 Mio. Jahre alt
Höhenlage100 bis 290 m, Tafelberge mit flachen Gipfeln und steilen Kanten
Klimatropisch-semiarid, Regenzeit Januar bis April, rund 1.291 mm Regen im Jahr
VerwaltungICMBio, Schutzkategorie Nationalpark (Proteção Integral)
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Wie entstand der Nationalpark Sete Cidades?

Am 8. Juni 1961 unterschrieb Präsident Jânio Quadros das Dekret zur Gründung im Landkreis Piracuruca. Der Park sollte der Forstverwaltung des Landwirtschaftsministeriums unterstellt werden und die Felsen, Pflanzen, Tiere und Landschaften einschließlich des Monuments Sete Cidades unter besonderen Schutz stellen. Für die Flächen im Park waren Schenkungen, Ankäufe und Entschädigungen vorgesehen.

Der erste Managementplan stammt von 1979 und wurde vom damaligen Forstentwicklungsinstitut IBDF erstellt. Als Bedeutung des Parks galten vor allem die landschaftliche Schönheit der geologischen Denkmäler mit Felsmalereien und die vielen dauerhaften Quellen in einer Region, in der Wasser knapp ist. Als Ziele standen ein vom Cerrado geprägtes Gebiet mit Caatinga-Elementen und Galeriewald, der Erhalt der Felsmalereien, die Wasserproduktion, Bildung, Forschung und Erholung. Eine überarbeitete Fassung des Plans nimmt die Archäologie, Hydrologie und Tierwelt deutlich genauer in den Blick.

Rund um den Park liegen 23 ländliche Gemeinden. Ihre Wirtschaft stützt sich auf Subsistenzlandwirtschaft mit Bohnen, Mais, Ziegen und Schweinen, ergänzt durch Renten und Arbeitsplätze in der Stadt Brasileira. Die Schutzbestimmungen schränken Jagd und manche Landnutzung ein, was mancherorts zu Konflikten führt.

Woher kommen die Felsen von Sete Cidades?

Die Felsen sind Sedimentgestein aus dem Devon. Vor mehr als 360 Millionen Jahren lag das Gebiet des Parks im Parnaíba-Becken unter einem flachen Meer, das Flüsse mit Sand und Schlamm füllten. Wellen, Gezeiten und Strömungen sortierten das Material und lagerten es in fast waagerechten Schichten ab. Heute stehen diese Schichten als Sandsteine der Formação Cabeças, Abschnitt Oeiras, an der Oberfläche.

Das Relief besteht aus Tafelbergen mit flachen Gipfeln und steilen Kanten auf Höhen zwischen 100 und 290 Metern. Die höchsten Erhebungen liegen im Norden mit der Serra Negra, der Serra do Xixá, dem Morro do Cruzeiro und der Serra da Descoberta. Der Süden ist flach. Typisch ist das Ruinenrelief: Wasser und Wind arbeiten entlang von Klüften im Sandstein und lassen Türme, Bögen und Blöcke stehen. Hohe Formen über zehn Meter finden sich im Norden, niedrige in den übrigen Teilen.

Drei Formationen sind Geosites mit wissenschaftlichem und touristischem Wert: die Schildkröte, die Kanonen und die Bögen. Der Bogen ist eine fragile Struktur, die Verwitterung und Wind ausgehöhlt haben. Viele Felsen zeigen ein Netz von Rissen, das je nach Tongehalt des Sandsteins breiter oder schmaler ausfällt.

Welche sieben Städte gibt es im Park?

Die sieben Felsgruppen teilen die Besuchsbereiche. Jede hat eigene Formen, die Namen tragen.

Die erste Stadt liegt am nördlichen Eingang. Hier stehen die Piscina dos Milagres, die Pedra dos Canhões und die Cabeça do Pato. Die zweite versammelt viele der meistbesuchten Formen: das Portal dos Desejos, vier Fundstätten mit Felsbildern, die Pedra da Biblioteca, die Pedra da Jiboia, den Paredão das Bromélias, die Pedra do Descanso und einen 50 Meter hohen Aussichtspunkt. Die dritte wirkt wie eine Stadt in Ruinen mit dem Kopf von Dom Pedro I., dem Dedo de Deus, den Três Reis Magos, dem Mapa do Brasil, dem Gorila und dem Furo Solsticial.

Die vierte beherbergt die Pedra Beijo dos Lagartos, die an die Legende der verzauberten Städte erinnert, außerdem die Mapa do Ceará, die Pedra da Águia und eine Fundstätte. Die fünfte bietet die Pedra da Inscrição, die Pedra do Camelo, den Rei Coroado, die Gruta do Catirina und die Furna do Índio, einen Unterschlupf früher Menschen. Die sechste liegt am nächsten zum Besucherzentrum, deshalb beginnen fast alle Touren dort. Hier steht die Pedra da Tartaruga, das Postkartenmotiv des Parks, daneben Elefant und Hund. Die siebte ist die kleinste mit der Mapa do Piauí, dem Casario und der Gruta do Pajé mit Felsbildern.

Der Furo Solsticial in der dritten Stadt ist ein besonderes Naturschauspiel: Um den 21. bis 23. Juni fällt vor sechs Uhr morgens das Licht der aufgehenden Sonne durch eine Öffnung im Fels, legt 20 bis 30 Meter zurück und trifft einen Stein in etwa 1,5 Meter Höhe. Das Schauspiel dauert rund 30 Minuten und weist auf alte Beobachtung der Himmelszyklen hin.

Schildkrötenförmiger Sandsteinfelsen im Cerrado von Piauí

Was zeigen die Felsmalereien von Sete Cidades?

Sete Cidades ist ein archäologischer Schatz. Die Felsmalereien sind etwa 10.000 Jahre alt und finden sich an Wänden, Bögen und in Grotten. Sie zeigen geometrische Figuren, Menschen, Tiere und Handabdrücke, gemalt mit eisenhaltiger Farbe, die sich gut hält. Besonders oft kommen Hände vor, einige mit sechs Fingern.

Zwei Traditionen sind belegt. Die Tradition Agreste zeigt große Tiere und stilisierte Menschen, meist einzeln oder in kleinen Szenen. Die geometrische Tradition ist durch Linien, konzentrische Kreise, Labyrinthe, Rechtecke, Pfeile, Vogelspuren und astronomische Zeichen geprägt. Die Bilder werden als frühe Form der Verständigung untersucht.

Wer die Maler waren, ist unbekannt, denn systematische Grabungen begannen erst im Februar 2023, getragen von einem Projekt der Bundesuniversität von Ceará (UFC) zur Erhaltung der Bildwände. Das Institut für Denkmalpflege IPHAN hat 17 Fundstätten im Park erfasst, das Parkteam kommt auf 116. Hinzu kommen Funde wie Keramikscherben.

Rote Handabdrücke und Zeichen auf einer Sandsteinwand unter einem Felsüberhang

Welche Pflanzen und Tiere leben im Park?

Die Vegetation ist ein Übergangsgebiet. Der Cerrado dominiert mit Cerradão, Campo Sujo, Campo Limpo und typischem Cerrado, dazwischen liegen Inseln der Caatinga. Fachlich ist das Gebiet ein Ökoton, also eine Übergangszone zwischen zwei Lebensräumen. Auf offenen, steinigen Flächen herrscht die Caatinga vor, in Galeriewäldern entlang der Wasserläufe wachsen größere Bäume. 36 Quellpunkte, 2023 mit GPS kartiert, speisen unter anderem den Rio Piracuruca.

Registriert sind 268 Tierarten, zwei davon sind verwundbar: der Jaguarundi und das Jacu-Huhn Penelope jacucaca. Studien zählten 12 Säugetierarten im Galeriewald, darunter Weißbüschelaffe, Paca, Aguti und Mocó, sowie 16 Fledermausarten. Ein Vogelführer von 2022 verzeichnet 250 Arten aus Cerrado, Caatinga und Amazonas. Es kommen 27 Froscharten und 24 Schlangenarten vor. Eine Inventur der Spinnen stellte den Park an die zehnte Stelle Amerikas nach Artenzahl. Schon Ende der 1970er Jahre waren Großer Ameisenbär, Mähnenwolf und Riesengürteltier aus dem Gebiet verschwunden.

Welche Legenden gehören zu den Cidades Encantadas?

Die erste Nachricht über die Felsen stammt von 1886, als Tristão de Alencar Araripe vor dem Geschichts- und Geografieinstitut Brasiliens über versteinerte Städte in Piauí sprach. Seitdem entstanden Legenden. Eine erzählt von einem Reich, das sich in Stein verwandelte, wobei der Schlüssel zur Entzauberung unter der Pedra Beijo dos Lagartos liegt. Eine andere handelt von einem Cowboy, der in der zweiten Stadt einen Tanzsaal sah, ein Gewehr geschenkt bekam und beim Gehen erlebte, wie sich die Waffe in Holz verwandelte und das Reich wieder erstarrte.

Auch der Glaube prägt den Ort: In der Pedra do Oratório wurden bis in die 1970er Jahre Novenen gefeiert, und in der Gruta do Catirina lebte der Überlieferung nach ein Heiler, der heute in Piauí als Volksheiliger verehrt wird.

Wie plant man den Besuch von Sete Cidades?

Der Eingang liegt an der BR-222. Von Teresina über die BR-343 geht es bis Piripiri und dann zehn Kilometer auf der BR-222 Richtung Fortaleza bis Kilometer 64, von Fortaleza kommend biegt man bei Kilometer 64 rechts ab. Die Hauptstädte beschreiben Fortaleza und São Luís.

Das Besucherzentrum bietet Information, Imbiss und Souvenirs. Die Wege des Rundgangs sind mit Treppen, Geländern, Handläufen und Stegen ausgestattet. Der Besuch ist mit akkreditiertem Führer oder selbstgeführt möglich. Der Park zählt seit 1980 im Schnitt mehr als 19.000 Besucher im Jahr, ein Rekord lag 2024 bei 39.062. Die Trockenzeit dauert von Mai bis Dezember, die Jahresmitteltemperatur liegt zwischen 25 und 30 Grad. Wasser, Sonnenschutz und festes Schuhwerk gehören ins Gepäck. Informationen zur Jahreszeit stehen unter Beste Reisezeit, den Nachbarpark in Ceará beschreibt die Seite zum Nationalpark Ubajara.

Häufige Fragen zum Nationalpark Sete Cidades

Wo liegt Sete Cidades?

Im Nordosten von Piauí, in den Gemeinden Piracuruca und Brasileira, an der BR-222 bei Kilometer 64.

Wie alt sind die Felsen?

Der Sandstein stammt aus dem Devon und ist mehr als 360 Millionen Jahre alt.

Wie alt sind die Felsmalereien?

Sie sind etwa 10.000 Jahre alt. Zwei Traditionen sind bekannt, die Agreste und die geometrische.

Was ist die Pedra da Tartaruga?

Ein Felsen in der sechsten Stadt, der wie eine Schildkröte aussieht. Er ist das bekannteste Motiv des Parks.

Wann findet der Furo Solsticial statt?

Um den Wintersonnenwendtag vom 21. bis 23. Juni vor sechs Uhr morgens, wenn die Sonne durch eine Öffnung im Fels scheint.

Wie viele Städte gibt es?

Sieben Felsgruppen: Die sechste liegt am nächsten zum Besucherzentrum, die siebte ist die kleinste.

Passend dazu: Nationalpark Serra das Confusões, Nationalpark Chapada das Mesas, Raso da Catarina.

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