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Grenzstreit zwischen den Nachbarn – Brasilien soll schlichten

Im eigentlich recht friedlichen Südamerika, seit langer Zeit von sinnlosen und blutigen Kriegen verschont, brodelt es plötzlich. Hintergrund: Venezuela und Guyana streiten sich um, man ahnt es schon, Bodenschätze in der Grenzregion, vor allem um Erdöl. Vor einigen Monaten entdeckten Wissenschaftler im westlichen Teil des kleinen Staates Guyana gewaltige Erdölreserven, ebenfalls unter den Küstengewässern. Venezuela fordert nun in unglaublich dreister Art und Weise, dass Guyana die westlichen Landesteile an Venezuela abtritt.

Dies ist nichts Neues, denn Venezuela beansprucht seit Jahrhunderten den Westteil Guyanas, der überwiegend aus Regenwäldern besteht. Was hat nun Brasilien damit zu tun? Eine ganze Menge! Denn die aufstrebende lateinamerikanische Supermacht grenzt selbst an Venezuela und Guyana und wünscht sich Ruhe in seiner Peripherie, um den Wirtschaftsaufschwung innerhalb Brasiliens weiter vorantreiben zu können. Die Regierung in Brasilia soll als Schlichter zwischen Caracas und Georgetown (Hauptstadt Guyanas) eingreifen, um eine Eskalation zu verhindern. Auch den USA wäre das nur allzu Recht, denn schon lange wünscht sich Washington eine aktivere politische Rolle Brasiliens in Mittel- und Südamerika.

Venezuelas Präsident Maduro gilt als unberechenbarer Autokrat

Einst waren Brasilien und Venezuela enge Partner im links-sozialistischen, anti-amerikanischen Lager. Doch seit dem Tod des charismatischen und chronisch korrupten Hugo Chavez hat sich die Situation verändert. Denn unter Präsidentin Roussef laufen die Geschäfte mit „Uncle Sam“ wie geschmiert und der neue venezolanische Präsident Nicolas Maduro gilt den Brasilianern mittlerweile als Störenfried im boomenden Südamerika. Kein Wunder, denn Venezuela steckt trotz des Ölreichtums in einer katastrophalen Wirtschaftskrise und gilt als „Kranker Mann Südamerikas“.

In Brasilien fürchtet man, dass Maduro mit seinen Territorialgelüsten in Guyana von inneren Problemen ablenken möchte. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass sich die brasilianische Regierung vor einigen Tagen unmissverständlich zur territorialen Integrität aller Länder des amerikanischen Kontinentes aussprach, ein klarer Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Maduro, die Provokationen in Richtung Guyana einzustellen. US-Präsident Obama, der mit vielerlei Problemen in Übersee schon genug beschäftigt ist, dürfte die offensive Botschaft Brasiliens gefallen haben.

Reisen durch Brasiliens Pampa – Ein neuer Trend

Eigentlich sind Argentinien und Uruguay als Südamerikas „Pampa-Länder“ bekannt, mit ihren endlos langen, grünen und saftigen Wiesen und Weiden. Rinderherden so weit das Auge reicht, mit Cowboys wie im „Wilden Westen“ der USA. Doch auch im Süden des riesigen Brasilien gibt es Ausläufer der südamerikanischen Grassteppen, und ein neuer Trend beweist, dass genau hier immer mehr Touristen Urlaub machen. Es sind nicht mehr nur die Copacabana in Rio oder der unendlich große Amazonas, welche die Massen aus aller Welt anlocken. Die Heimat der brasilianischen Gauchos liegt ganz im Süden, in der Coxilha Rica im Bundesstaat Santa Catarina, etwa so groß wie Belgien. Allerdings leben hier nur 400 Menschen. Es sind Nachkommen europäischer Einwanderer, die im 18. und 19. Jahrhundert auf der Suche nach einem guten Leben hier siedelten und sich in erster Linie der Rinderzucht widmeten, bis heute. Auch dieser Umstand macht Brasilien heute zu einem der größten Fleischproduzenten weltweit. Ihre alten Traditionen haben sie bis heute erhalten, als Resultat wurde diese ganz eigene Lebensart der Gauchos von der UNESCO zur lebendigsten Reitkultur der Welt erklärt.

Ein echtes Erlebnis mitten in der Grassteppe

Die Quartiere für die steigende Zahl an Touristen gibt es in Form von Privathäusern, und manchmal werden sogar Söhne, Töchter oder Großeltern kurzfristig für die Gäste ausquartiert. Das Programm, dass man in Brasiliens Grassteppe als Urlauber erleben kann, mag manch einer als langweilig und eintönig beschreiben. Doch für die, die all dies interessiert, geht ein Traum in Erfüllung. Stundenlang wie in früheren Jahrhunderten durch die Steppe reiten, die Rinderherden beobachten und führen, die Hunde anweisen, falls Rinder ausbrechen uvm.. Die Hitze ist oft nur schwer zu ertragen, doch mit richtiger Kleidung und ausreichend Getränken lässt sich auch die Hitze irgendwie aushalten. Und manchmal prasselt sogar warmer Regen auf die Reiter herab, der wie eine warme angenehme Dusche daherkommt. Für die einheimischen Gauchos ist der wachsende Tourismus ein sinnvolles und lohnendes Zusatzprogramm, mit dem man das Einkommen erhöhen kann. Denn die Zeiten, in denen man mit Rinderzucht steinreich werden konnte, sind zumindest für die nicht ganz so großen Rinderbarone vorbei.

Brasilien steht vor einer Rezession

Brasilien, die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt, steht vor einer Rezession. Der Rohstoffboom ist vorbei und wurde tragischerweise kaum genutzt, um die Wirtschaft fit zu machen für die Zeit danach. Auch in Bildung und Infrastruktur wurde nicht ausreichend Geld investiert. Nach einem Jahrzehnt mit enormen Wachstumsraten stagniert die Wirtschaft des riesigen Landes seit 2013. Jetzt steht sie sogar dicht vor einer Rezession, denn in den ersten drei Monaten schrumpfte das BIP um 0,2 Prozent. Das gab das Statistikamt in der Hauptstadt Brasilia am Freitagabend bekannt. Niemand geht ernsthaft davon aus, dass sich die Situation allzubald verbessert. Die Regierung erwartet gar einen Rückgang von 1,2 Prozent. Die Nachrichten aus dem gewaltigen Flächenstaat am Amazonas sind derzeit fast nur negativer Natur. Ausufernde Korruption bei den großen Ölmagnaten, immer mehr organisierte Kriminalität und viele weitere Probleme plagen das Land.

Rohstoffreichtum als „süßes Gift“

Es gibt immer mehr Demonstrationen gegen die Präsidentin Dilma Rousseff, welche auch für die drastisch steigenden Preise und veraltete Schulbusse verantwortlich gemacht wird. Die Olympischen Sommerspiele 2016 galten als großer Hoffnungsschimmer, doch derzeit wird mit ihnen nur eine gigantische Kostenexplosion in Verbindung gebracht. Der Rohstoffreichtum wurde von der Regierung nie für Investitionen genutzt. Das Land hat gewaltige Vorkommen an Eisenerz, Kupfer und Öl. Über die Hälfte der Ausfuhren sind demnach auch Rohstoffe. Solange deren Preise in die Höhe schnellten, boomte Brasilien. Die Löhne stiegen stark, der Konsum wurde zur Hauptstütze der Konjunktur. Doch nun fielen Ölpreise und die Vorkommen sind endlich. Brasilien müsste dringend seine Wirtschaft auf Alternativen für die Zeit nach dem Rohstoffboom vorbereiten, doch es tut sich zu wenig.

China will Bau einer Bahn durch Brasilien finanzieren

Der aufstrebende Gigant China will mit dem Bau einer extrem langen Eisenbahnlinie seinen geostrategischen Einfluss in Lateinamerika ausweiten. Mit dem Milliardenprojekt möchte Peking seine Zusammenarbeit mit anderen Boomstaaten wie Brasilien intensivieren. „Zwei Giganten wie China und Brasilien sollten sich nicht hinterhältig bekämpfen, da es keinen Sieger geben würde. Eine Zusammenarbeit nutzt beiden Seiten deutlich mehr“, wie Experten an der Copacabana meinen. Brasilien ist also offen für Investment aus Fernost. Die Regierungen in Brasilia und Peking planen nun den Bau einer „Transozeanischen Eisenbahn“ vom Atlantik zum Pazifik. Sie soll vom geplanten Superhafen Porto do Açu nördlich von Rio de Janeiro an der Atlantikküste nach Nordwesten durch die alten Bergwerksregionen in den Teilstaaten Minas Gerais und Goiás und durch das Kernland der brasilianischen Landwirtschaft in den Bundesstaaten Mato Grosso und Rondônia bis nach Porto Velho an der Grenze zu Peru verlaufen.

5300 Kilometer Bahnlinie – auch durch den Regenwald

Von dort aus soll die bis zu 5300 Kilometer lange Bahnlinie dann in südwestlicher Richtung den schwierigsten und umstrittensten Abschnitt durchqueren, nämlich quer durch den Regenwald des Amazonas und durch das Andenhochland über Cusco, Puno und Arequipa bis zum peruanischen Pazifikhafen Puerto Ilo. Brasilien hofft unterdessen auf einen Modernisierungsschub bis zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro im nächsten Jahr. China erwägt außerdem den Kauf etlicher Flugzeuge des brasilianischen Herstellers Embraer. In den letzten Jahren konnte Embraer schon mehr als 100 Flugzeuge an chinesische Fluglinien ausliefern. Die Investitionen in Brasilien und Peru als auch in die „Transozeanische Eisenbahn“ sind die ersten gewaltigen Projekte jener Investitionen in Höhe von 250 Milliarden Dollar, welche der chinesische Präsident Xi Jinping beim ersten China-Lateinamerika-Gipfel vom Januar in Peking ankündigte.

Proteste in Brasilien nach tödlichem Polizeieinsatz

Nach dem Tod eines zehnjährigen Jungen bei einem Polizeieinsatz in einer Favela der brasilianischen Großstadt Rio de Janeiro will der Gouverneur des Bundesstaates Rio nun mehr Polizeikräfte in die Armutsviertel entsenden. Luiz Fernando Pezao erklärte gegenüber dem Fernsehsender Globo, der Stadtteil Alemao werde „von Kriminellen gesäubert“. Gleichzeitig gehen die Proteste gegen die Polizeigewalt weiter. Die geplante Befriedung der zahlreichen Favelas steht im Zusammenhang mit den Olympischen Sommerspielen im kommenden Jahr. Pezao sagte, bei der Befriedung der Viertel seien diesmal keine Soldaten vorgesehen. Im Jahr 2010 hatten Armee und Polizei das Viertel gemeinsam für längere Zeit besetzt und Jagd auf echte und vermeintliche Kriminelle und Bandenmitglieder gemacht. Dutzende Aktivisten der Organisation Rio de Paz zogen am vergangenen Sonntag zur Copacabana und trugen als Symbol einen weißen Sarg im Sand zu Grabe.

Tödliche Gewalt in Brasilien an der Tagesordnung

Mit dieser Aktion wollten sie an die Tötung des zehnjährigen Eduardo de Jesus Ferreira bei einem Polizeieinsatz vergangene Woche erinnern. Der Junge starb nach Angaben der Polizei bei einem Schusswechsel mit Rauschgifthändlern, als er in das Kreuzfeuer geriet. Seine Eltern sprachen allerdings von gezielter Tötung durch die Beamten der Anti-Drogen-Polizei. Die Demonstranten hielten Schilder mit den Namen von 18 Kindern in den Händen, die von 2007 bis 2015 ebenfalls bei Schiessereien zwischen der Polizei und Drogenbanden in den Armutsvierteln von Rio ums Leben kamen. Der Gründer von Rio de Paz sprach von einem „Weckruf“ für die brasilianische Gesellschaft. Die Hauptursache für den Tod vieler junger Menschen sei die „Kluft zwischen Arm und Reich“ und die Korruption. Durch diese vervielfältige sich die Kriminalität im Land.

Wahrheitskommission Brasiliens arbeitet die Militärdiktatur auf

Jedes Land hat seine dunklen Kapitel der Geschichte – im Falle Brasiliens ist es sicherlich die Militärdiktatur, die das Land von 1964 bis 1985 beherrschte. Die Generäle an der Macht ließen, zum Teil in Kooperation mit anderen Diktaturen Lateinamerikas, regelmäßig Regimekritiker und Oppositionelle ermorden, foltern oder „verschwinden“.

Während andere Länder mit ähnlicher Geschichte, wie Chile, schon diese Zeiten schon lange öffentlich aufgearbeitet haben, wurde in Brasilien erst 2010 eine Initiative für eine „Wahrheitskommission“ gestartet, die im darauffolgenden Jahr ihre Arbeit aufnahm. Die Ergebnisse wurden in der vergangenen Woche in Brasilia von der kürzlich wiedergewählten Präsidentin Rousseff persönlich vorgestellt.

Täter genießen bis heute Amnestie

Demnach sind in den 20 Jahren mehr als 400 Menschen ermordet und verschleppt worden, viele weitere wurden gefoltert, darunter auch die heutige Präsidentin selbst. Als Täter werden in dem Abschlussbericht 377 Menschen identifiziert, von denen noch um die 200 am Leben sind. Diese werden ihrer Verbrechen jedoch nicht angeklagt, weil 1979, als das Unrechtsregime noch an der Macht war, ein Amnestiegesetz erlassen wurde, das umstrittenerweise bis heute gültig ist.

Präsidentin Rousseff, die sonst als eher kühl und gefasst gilt, zeigte sich bei der Präsentation sehr emotional, ihr kamen zwischenzeitlich sogar die Tränen. Ihre Aussage ist ebenfalls Teil des Berichts. In der Gefangenschaft wurde sie unter anderem mit Faustschlägen und Elektroschocks malträtiert. Der damalige General Nilton Cerquera, dem viele Verbrechen im Bericht zulasten gelegt werden, zeigt sich bis heute uneinsichtig – kürzlich erst bezeichnete er die amtierende Präsidentin als „Terroristin“.

Brasilien hebt den Leitzins an

Brasiliens Zentralbank hat den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte angehoben und damit doppelt so stark wie bereits im Oktober. Mit diesem neuerlichen Schritt versucht die Regierung in der Hauptstadt Brasilia, ausländische Investoren davon zu überzeugen, dass sie die Inflation in den Griff bekommen kann. Zentralbankpräsident Alexandre Tombini und die anderen Mitglieder im Zentralbankrat erhöhten den Leitzins namens Selic auf 11,75%, nach einer Anhebung um 0,25 Prozentpunkte Ende Oktober. Dieser Schritt wurde von Ökonomen im ganzen Land erwartet und auch für richtig und notwendig befunden. Die Finanzpolitiker kündigten desweiteren an, dass künftige Zinserhöhungen allerdings niedriger ausfallen würden. Die Entscheidung zeige schließlich, dass sie die Inflation ernst nehmen würden, genau wie die Börsianer. Die Inflation in Brasilien schoss in den letzten Jahren immer wieder durch die Decke und gefährdet das Wirtschaftswachstum des riesigen Landes.

Haushaltsdefizit soll verringert werden

Die Wortwahl der Regierung deutet vermutlich darauf hin, dass auf der kommenden Zentralbanksitzung der Zinsschritt bei nur 0,25 Prozentpunkten liegen werde, so ein Ökonom gegenüber Bloomberg. Brasiliens wiedergewählte Präsidentin Dilma Rousseff hatte nach ihrer Wahl am 26. Oktober starke Anstrengungen angekündigt, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Der neu ins Amt gehobene Finanzminister Joaquim Levy erklärte derweil, er wolle das Haushaltsdefizit verringern, da es so hoch sei wie seit 2004 nicht mehr. Dieser Schritt könne dazu beitragen, den drastischen Anstieg der Verbraucherpreise zu mildern. Die Verbraucherpreise waren im November um satte 6,6% gestiegen, ein Problem für viele Brasilianer. Denn mit diesem Anstieg lag die Inflationsrate zum fünften Mal in sechs Monaten über dem Zielband der Zentralbank von 2,5% bis 6,5%. Tombini hatte schon Anfang November erklärt, die Zentralbank arbeite daran, die Inflation bis 2016 auf 4,5% zurückzudrängen.

In Brasilien wird weniger Regenwald vernichtet

In Brasilien werden pro Jahr mehrere Tausend Quadratkilometer Regenwald abgeholzt, dennoch soll sich der Abbau im letzten Jahr nach offiziellen Angaben des brasilianischen Umweltministeriums verlangsamt haben. Von Mitte 2013 bis Sommer 2014 seien knapp 4900 Quadratkilometer Regenwald im Amazonas gerodet oder abgebrannt worden. Das waren immerhin 18 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, für Brasilien fast schon eine positive Überraschung. Die vernichtete Fläche ist aber immer noch in etwa so groß wie Schleswig-Holstein. Genauere Daten sollen erst in den kommenden Monaten vorgelegt und näheren Aufschluss über die Details geben. Dennoch kann von einem Ende des Raubbaus im Amazonas-Regenwald noch lange keine Rede sein. Die Umweltschutzorganisation WWF ist davon überzeugt, dass angesichts der äußerst starken Agrarlobby nicht viel Gutes für die kommenden Jahre zu erwarten sei.

Die Zukunft sieht dennoch eher düster aus

Die Zukunft in Sachen Regenwald-Abholzung sieht in der Tat eher düster aus. Denn die Rodungen werden wohl weitergehen. Alleine im Jahr 2013 stieß Brasilien 8% mehr Treibhausgase aus als 2012. Ein bedeutender Grund dafür war vor allem auch die Zunahme der Abholzung im Amazonas-Regenwald zwischen 2012 und 2013. Die Veröffentlichung dieser Zahl kommt nur wenige Tage vor dem Beginn einer erneuten Uno-Klimakonferenz in Peru. Dort soll es, wie eigentlich immer, um den Kampf gegen die Abholzung der Regenwälder gehen. Der Amazonas ist für das Ökosystem der Erde besonders wichtig. Denn der Amazonas-Regenwald gilt als „Lunge der Welt“ und da die Vegetation Kohlenstoffdioxid aufnimmt und in Sauerstoff umwandelt, ist die Zerstörung des Regenwaldes in Brasilien eine der Hauptursachen für die klimaschädlichen CO2-Emissionen.

CO2-Ausstoß in Brasilien stark reduziert

Dem größten Land Südamerikas ist ein respektabler Schritt im Kampf gegen die globale Erwärmung gelungen. Wie Amerika21 berichtete, konnte Brasilien seinen Ausstoß des Treibhausgases CO2 innerhalb von sieben Jahren fast um die Hälfte reduzieren: 2005 wurden noch rund 2 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid ausgestoßen, 2012 waren es nur noch 1,2 Milliarden. CO2 gilt als ein wesentlicher Mitverursacher der globalen Erwärmung, die Wissenschaftlern zunehmend Sorgen bereitet. Die Ankündigung des Ausstoß-Rückgangs kommt für Brasilien und seine im Amt bestätigte Präsidentin Rousseff zu einer taktisch guten Zeit: Von Anfang Dezember an findet in der peruanischen Hauptstadt Lima die alljährliche Weltklimakonferenz der UN statt, in den das Land nun selbstbewusst starten kann.

Weniger Waldrodung führt zu verbesserter Bilanz

Die Ursache für den beeindruckenden Rückgang liegen im zunehmenden Schutz der Amazonaswälder begründet. Während vor zehn Jahren noch rücksichtslos betriebene Brandrodung zu hohen CO2-Emissonen führte, wird inzwischen ein größeres Augenmerk auf den Schutz dieses Naturraums gelegt. In der Folge ist der Anteil der Brandrodung an dem Gesamtausstoß des Treibhausgases von 58 Prozent auf 15 Prozent gesunken.

Im weltweiten Vergleich liegt Brasilien beim CO2-Ausstoß aktuell auf Platz 5, Deutschland auf Platz 7. Dazu muss jedoch gesagt werden, dass der Pro-Kopf-Ausstoß hierzulande ungleich höher liegt, nämlich bei über 9 Tonnen gegenüber 2,2 in Brasilien. Anlass zur Sorge gibt jedoch der immer höhere Energiebedarf des wirtschaftlich aufstrebenden Landes, der das Klima in Zukunft stark belasten könnte. Es bleibt zu hoffen, das auch dieses Thema in Lima zur Sprache kommt.

Fast 51.000 Tote durch Gewaltkriminalität in Brasilien

Nach Angaben des Forums für Öffentliche Sicherheit werden in Brasilien pro Jahr bis zu 51.000 Menschen ermordet, alle 10 Minuten eine Person. Knapp 70 Prozent der Opfer sind Schwarze oder Mulatten und mehr als die Hälfte von zwischen 15 – 29 Jahre alt. Alleine Brasiliens Polizei tötet pro Tag durchschnittlich bis zu 6 Menschen, meist in den berüchtigten Favellas der großen Metropolen wie Rio oder Sao Paolo. Seit 2009 wurden demnach landesweit 11.200 Menschen von Polizisten getötet. Das sind sogar mehr als in Ländern wie Honduras, den USA oder Russland, wo ähnlich hohe Zahlen erreicht werden. Die nachgewiesenen Daten bezeugen nach Angaben des Forums, dass die brasilianische Polizei bei der Bekämpfung der Kriminalität sehr oft über die Stränge schlage und nicht selten auch unschuldige Zivilisten getötet würden.

Gewalt hat zahlreiche Ursachen

Bruno Paes Manso vom Zentrum für Gewaltstudien an der Universität São Paulo spricht auch von zahlreichen Exekutionen von Verdächtigen durch die Beamten. Dies sei eine gängige Praxis, die totgeschwiegen werde. Die Welle der Gewalt in Brasiliens Großstädten hat viele Gründe. Armut, Korruption, Drogenmachtkämpfe, Revierkämpfe zwischen Banden, Perspektivlosigkeit, Arbeitslosigkeit und vieles mehr. Brasiliens Regierung verspricht seit Jahren, die Probleme angehen zu wollen, doch eine Besserung ist nicht in Sicht. Die Gewalt eskaliert immer weiter und ein Ende der Spirale ist kaum absehbar. Nach Ansicht von Experten müsse die Regierung zu radikalen Mitteln greifen und die Favellas abreißen und mit modernen Neubauten ersetzen. Nur so könnten den bewaffneten Banden der Nährboden entzogen werden, immer wieder neue Jugendliche anzuwerben.