Wechselstimmung in Brasilien, doch niemand profitiert davon
Kurz vor den Wahlen am kommenden Sonntag herrscht im Riesenreich Brasilien eine lange nicht dagewesene politische Wechselstimmung. Doch kurioserweise ist kein Kandidat in Sicht, der davon profitieren könnte. Und so könnte fast schon die tragikomische Situation eintreten, dass die unbeliebte Amtsinhaberin Dilma Rousseff mangels geeigneter Alternativen Präsidentin bleiben wird. Zwar droht Roussef im ersten Wahlgang ein Patt und damit eine Stichwahl, doch laut Meinungsforschern wäre sie in einem zweiten Urnengang klare Favoritin gegen die blasse Hauptkonkurrentin Marina Silva. Die Herausforderin erlebte zwar ein gewaltiges Umfragehoch, nachdem sie für ihre Sozialistische Partei PSB im August Nachfolgerin des tödlich verunglückten Eduardo Campos wurde. Doch dieses Hoch ist längst verflogen.
Silvas Programm gilt als inhaltsarm
Denn ihr groß angekündigtes Versprechen, eine neue Politik zu implementieren, entpuppte sich schnell als „heiße Luft“. Silvas Programm gilt als inhaltsarm, das sich in den üblichen Phrasen erschöpft, die die Brasilianer nicht mehr hören wollen. Für jene Millionen Brasilianer, die sich mehr Innovation und Transparenz im politischen Prozess und vor allem massive Investitionen in Bildung, Gesundheit, Transport und Sicherheit wünschen, hat Silva nichts zu bieten. Vor allem die farbige Bevölkerung fürchtet, dass es sich bei den Wahlen um einen „Wettkampf der weißen Aristokratie“ handeln könnte und sich für die ärmeren Bevölkerungsschichten nichts verändern und verbessern wird, ganz gleich, wer Präsidentin wird.
Marina Silva kandidiert als Präsidentin
Die sozialistische Partei in Brasilien hat eine Nachfolgerin für Eduardo Campos nominiert. Campos war vor Kurzem auf tragische Art und Weise bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Silva rechnet sich gute Chancen aus, in das Präsidentenamt gewählt zu werden.
Die Parteiführung hatte sich einstimmig für die 56-jährige ausgesprochen, die einst schon das Amt der Umweltministerin begleitete. In den Meinungsumfragen lag Campos vor seinem Tod noch hinter Amtsinhaberin Dilma Rousseff und dem dritten Kandidaten Aecio Neves zurück. Seit seinem Tod ist dessen Nachfolgerin Marina Silva in den Umfragen nun gleichauf mit Neves.
Silva war früher schon einmal Präsidentschaftskandidatin
Breite Unterstützung genießt Silva vor allem bei jenen Brasilianern, die mit dem ins Stocken geratenen Wirtschaftswachstum, den hohen Steuern und dem maroden Bildungssystem unzufrieden sind. Die 56-jährige Silva war schon zwischen 2003 und 2008 unter Rousseffs Vorgänger Luiz Inácio Lula als Umweltministerin tätig. In ihrer Amtszeit setzte sie sich sehr für den Erhalt des Regenwaldes im Amazonas ein, was ihr weltweiten Respekt einbrachte. Doch bei den Parlamentswahlen im Jahr 2009 brach ihre sozialistische Arbeiterpartei regelrecht ein und schloss sich den Grünen an, für die sie ein Jahr später sogar schon bei der Präsidentschaftswahl antrat. Sie holte knapp 20% aller Stimmen. Diese Mal plant sie den ganz großen Wurf und will als Präsidentin in Zukunft das riesige Land von der Hauptstadt Brasilia aus regieren.