Fahrradtourismus: Auf Brasiliens schönsten Radwegen
Die Deutschen radeln bekanntermaßen gerne durch die Natur. Das Urlaubsland Brasilien bietet einzigartige und unvergessliche Routen, auf denen man die Natur und Kultur des Landes auf zwei Rädern erkunden kann. Auch die Brasilianer finden immer mehr Gefallen an dieser Art des Reisens. Auf verschiedenen Wegen kann man die Schönheiten der Landschaft entdecken und gleichzeitig fit bleiben.
Santa Catarina – Europäischer Tal-Rundweg
Der „Circuito do Vale Europeu“, der europäische Tal-Rundweg, umfasst rund 300 Kilometer und ist für eine Radtour von sieben bis acht Tagen angelegt. Sie ist die erste brasilianische Strecke, die für Fahrradtouren konzipiert wurde und führt durch die Schönheiten des Bundesstaates Santa Catarina. Gut ausgeschilderte Schotterstraßen führen über verschiedene Etappen durch eine Region voller Flüsse und Wasserfälle und sorgen für einen unvergesslichen und unmittelbaren Eindruck von der Natur und Kultur Santa Catarinas. Hier ist der Geist der europäischen Siedler noch spürbar. Bräuche, Architektur, Musik und nicht zuletzt die regionale Küche zeugenvon vergangenen Zeiten. Wer sich für diese Tour entscheidet, startet den Rundweg in der Regel mit einer ersten Etappe von circa 45 Kilometern im Städtchen Timbó (circa 30 Kilometer von Blumenau entfernt) Richtung Pomerode. Die Herausforderung des Tages, der Anstieg bis Rio Ada, wird mit einem atemberaubenden Blick über den Atlantischen Regenwald belohnt. Weiter geht es über Indaial nach Rodeio entlang des angrenzenden Flusses Itajai Açu. Nachdem man an den folgenden Tagen die Etappenziele Doutor Pedrinho und Alto Cedros passiert hat, ist die letzte Station Palmeira. Die einzelnen Etappen sind abwechslungsreich und fordern dem Radler einiges ab. Sie sind zwischen 27 und 53 Kilometer lang. Die Wege sind gut beschildert. Zur weiteren zur Orientierung erhalten die Radler aber auch einen Tour-Guide mit Kartenmaterial und vielen weiteren Informationen. Ein Pass, der bei der Registrierung der Tour-Teilnehmer herausgegeben wird, wird an einzelnen Stationen und Hotels abgestempelt. Am Ende des Rundwegs gibt es eine offizielle Teilnahmeurkunde.
Die Estrada Real oder die Avenida Niemeyer Bike Lane in Rio de Janeiro
Eine der schönsten und historisch stark geprägten Fahrradrouten führt über die berühmte Estrada Real, eine der ältesten Straßen des Landes. Entweder man durchquert jeden der drei Bundesstaaten, Minas Gerais, São Paulo und Rio de Janeiro auf 1630 Kilometer mit oder man bewältigt nur eine Teilstrecke. Diese Tour von etwa. 395 Kilometern trägt den Namen „Caminho dos Diamantes“. Beginnend in Diamantina erreicht man in rund acht Tagen die Stadt Ouro Preto. Wer die Metropole Rio de Janeiro besucht, kann auch hier auf zwei Rädern auf Entdeckungstour gehen. Die „Avenida Niemeyer“, ein rund vier Kilometer langer Radweg lädt dazu ein, den atemberaubenden Ausblick auf das Meer und die Stadt genießen. Die Fahrradroute gilt nicht umsonst als eine der schönsten in der Welt.
Serra da Canastra – São Paulo/Minas Gerais
Eine Radtour durch den Nationalpark „Serra da Canastra“, in den Bundesstaaten São Paulo und Minas Gerais gelegen, spricht Radfahrer an, die Natur pur genießen wollen. Die wunderschöne Region bietet Ziele an, die ausschließlich mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erreichen sind. Enge Pfade führen zu den Quellen des Flusses São Francisco – einem der bedeutendsten Flüsse Brasiliens – zu Wasserfällen und zu fantastischen Ausblicken. Die etwa 500 Kilometer weite Tour durch den Nationalpark startet in der Stadt Franca im Bundesstaat São Paulo und lässt sich in 15 Tagen bewältigen. Wer Glück hat, kann Savannentiere, wie etwa Ameisenbären, Mähnenwölfe oder Rheas aus nächster Nähe beobachten.
Tradition und Geschichte: Auf den Spuren der afrikanischen Wurzeln Brasiliens
Brasilien ist ein Land mit einer großen kulturellen Vielfalt. Besonders die afrikanische Kultur hat die Sprache, den Rhythmus, die Küche und die Religion des größten lateinamerikanischen Landes nachhaltlich geprägt. Spuren afrikanischer Kultur lassen sich überall in Brasilien entdecken.
Afrikanische Kultur und brasilianische Traditionen sind untrennbar miteinander verknüpft. Viele der touristischen Hauptattraktionen des Landes, wie die kulturellen Zentren, Museen und Kirchen, haben afrikanische Wurzeln. Am meisten von der afrikanischen Kultur geprägt wurden dabei die Bundesstaaten Maranhāo, Pernambuco, Alagoas, Bahia, Minas Gerais, Espírito Santo, Rio de Janeiro, Sāo Paulo und Rio Grande do Sul. Insbesondere die Hauptstädte São Paulo, Rio de Janeiro und Salvador präsentieren den Touristen gerne die afrikanischen Wurzeln in der Geschichte des Landes. Am 20. November feiert Brasilien außerdem den Nationalfeiertag zu Ehren der schwarzen Kultur. An diesem Tag wird der Todestag von Zumbi dos Palmares, geboren in Alagoas 1655 als Sohn einer aus Angola stämmigen Familie, begangen. Sein Name steht für Geisteskraft und er war in Brasilien ein Hauptrepräsentant des Widerstandes gegen die Sklaverei.
Ehemalige Sklavensiedlung in Uniao dos Palmares (Alagoas)
In Serra da Barriga, in União dos Palmares, befand sich einst der größte „Quilombo“ Brasiliens. Die freie Gemeinschaft wurde von Sklaven und Indianern gegründet und stand unter der Führung von Zumbi dos Palmares. Zeitweise lebten hier etwa 30.000 Menschen. Der Gedenkpark „Quilombo das Palmares“ ist eine beliebte Sehenswürdigkeit. Touristen können hier die Atmosphäre des ursprünglichen Ortes sowie des damaligen Widerstandes erleben. So viel Tradition findet man schützenswert. Seit 1986 steht der „Quilombo dos Palmares“ im Buch des archäologischen, ethnographischen und historischen Archivs des Instituts für historisches und künstlerisches Erbe (IPHAN). Unter Schutz des IPHAN stehen noch acht weitere Gebiete der afrobrasilianischen Religion Candomblé, die sich der Pflege und Rettung der Kultur des afrikanisch-stammenden Volke widmen. Auch die berühmte brasilianische Kampfkunst Capoeira wurde von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Traditionsreiche Sehenswürdigkeiten in Rio de Janeiro (Rio de Janeiro)
In den drei Jahrhunderten der Sklaverei kamen über eine Million Sklaven afrikanischer Herkunft in Cais de Valongo an. Hier befand sich zu dieser Zeit der wichtigste Ankunftsort für Sklaven auf dem amerikanischen Kontinent. Bei einer historischen und archäologischen Tour werden sechs Sehenswürdigkeiten mit afrikanischer Vorgeschichte in den Vierteln Santo Cristo, Saúde und Gamboa besichtigt. Neben den Ruinen von Valongo können Touristen außerdem die neue Hafenzone, auch bekannt als Porto Maravilha, besichtigen und einen Eindruck vom Boulevard Olimpico, den Museen und vom Ozeanarium AquaRio erhalten. Wer den brasilianischen Rhythmus hautnah erleben will, der kann an außerdem an einem Trommel-Workshop teilnehmen oder Samba- und Capoeira-Stunden nehmen.
Brasilianische Küche mit afrikanischen Wurzeln in Salvador (Bahia)
Der Bundesstaat Bahia lebt vom Tourismus. Gerne ermöglicht man den vielen Besuchern, die afrikanisch-stämmige Kultur hautnah zu erleben. In Salvador, der Hauptstadt von Bahia, haben circa 80 Prozent der Einwohner afrikanische Wurzeln. Im afro-brasilianischen Museum in Pelourinho erfahren Interessierte mehr über die Geschichte der Kolonialisierung und die afrikanische Einwanderung. Hier finden sich noch Spuren aus Zeiten, in denen Salvador die erste Hauptstadt der Kolonie war. Kein Wunder also, dass das historische Zentrum zum UNESCO Kulturerbe der Menschheit zählt. Auch kulinarisch gibt es in Bahia einiges zu entdecken. Die Küche der Region ist die bekannteste in ganz Brasilien. Viele Gerichte haben ihren Ursprung in der Küche der Sklaven. Die aus Afrika stammenden und für die Region charakteristischen Gerichte, wie beispielsweise Acarajé, Abara, Carurú und Vatapá, werden hauptsächlich mit Palmöl, Kokosnussmilch, Ingwer und Pfeffer gewürzt. Die typische brasilianische „Feijoada“ ist ein deftiger Bohneneintopf.
Feine Adresse: Grand Hyatt neu in Rio
Für Brasilien-Reisende gibt es pünktlich zu den olympischen Spielen eine neue Luxus-Adresse. Das Grand Hyatt Rio de Janeiro bietet eine ausgezeichnete Lage, eine herzliche Atmosphäre und elegantes, zeitgenössiches Design.
Das weitläufige Grand Hyatt Rio de Janeiro verfügt über insgesamt 436 Zimmer inklusive 40 Suiten, sowie vielfältige Tagungsräume. Neben zahlreichen landestypischen Extras finden sich in allen Zimmern Flip-Flops sowie in den Bädern die Verwöhnprodukte von Granado, der brasilianischen Traditionsmarke seit 1870. Ein eigener Lift führt zu den beiden Präsidentensuiten und zur großen Penthousesuite mit Terrasse, Lounge-Bereich und Tauchbecken Eine Übernachtung im Doppelzimmer kostet ab 220 US-Dollar (zirka 199 Euro) inklusive Frühstück.Beste Lage am Traumstrand
Das Fünf-Sterne Haus ist das zweite der Marke in Südmaerika nach Sao Paulo. Es liegt 50 Fahrminuten entfernt vom Galeão International Airport unmittelbar am weißen Strand von Barra da Tijuca. Von hier aus kann man den Ausblick auf den Atlantischen Ozean und die Marapendi-Lagune genießen oder bummeln gehen. Zahlreiche sportliche Aktivitäten hat man in der Marapendi-Lagune zur Auswahl: Wassersportarten wie Standup Paddeln, Segeln oder Kanu Fahren stehen dort auf dem Programm. Eine zehnminütige Fährfahrt führt zum von Gil Hanse gestalteten Olympischen Golfplatz. Auch im Hotel darf gesportelt werden: für das tägliche Training steht neben dem rund um die Uhr geöffneten Fitnesscenter mit hochmodernen Geräten für Herzkreislauf- und Krafttraining auch ein Studio für Yoga und brasilianische Tanzkurse zur Verfügung.
Design zum Wohlfühlen
Der international renommierte Innendesigner Yabu Pushelberg hat das Hotel gemeinsam mit seinem brasilianischen Kollegen von Anastassiadis Arquitetos gestaltet. Große Balkone und raumhohe Fenster ermöglichen von allen Gästezimmern einen herrlichen Blick auf das Meer. Naturstein und Stoffe aus Brasilien runden das Wohlfühlambiente ab. Apropos Wohlfühlen – Der Atiaia Spa lädt zu einem Rundum-Verwöhnprogramm: Der Wellness-Bereich verfügt über sechs Einzel- und drei Paarbehandlungsräume, alle mit eigener Dusche und privaten Umkleideräumen. Traditionelle, brasilianische Anwendungen und Pflegeprodukte sorgen ebenso für Entspannung wie die Lounge und Dampfräume. Der Pool im Freien bildet mit einem Floßdeck den Mittelpunkt der Hotelanlage.
Kulinarische Freuden in drei Restaurants
Natürlich dürfen auch die Gaumenfreuden nicht zu kurz kommen. In drei Restaurants kann sich der Gast vom aufregenden Tag erholen und internationale und regionale Speisen genießen. In der Trattoria Tano Cucina Italiana kann man den Showköchen dabei zu sehen, wie sie Antipasti und Pastagerichte zubereiten. Im japanischen Restaurant Shiso zaubern Profis ihres Fachs moderne Kreationen von Sushi, Sashimi oder Yakitori-Menüs zum Abendessen. Auf den Terrassen des Cantô Gastrô & Lounge werden Frühstück, Mittag- und Abendessen serviert, von Padaria-Gerichten wie Pão de Queijo bis hin zu den landestypischen Gerichten der Carioca-Küche.
Auch Brasilien nimmt Flüchtlinge auf
Das aktuell wichtigste Thema in den deutschen Medien ist die Flüchtlingskrise – die Tatsache, dass dieses Jahr 800.000 vor Krieg und Verfolgung geflohene Menschen nach Deutschland kommen, stellt unsere Gesellschaft vor eine Herausforderung. Doch was dabei selten zur Sprache kommt, ist die Tatsache, dass nicht nur europäische Ländern Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien aufnehmen, sondern auch Länder Südamerikas. In einer Ansprache zum 193. Jubiläum der brasilianischen Unabhängigkeit erklärte die brasilianische Präsidentin Rousseff, dass Menschen willkommen sein, die in Brasilien arbeiten und zum Frieden und Wohlstand beitragen wollen.
Mehr anerkannte Asylanträge als in Spanien
Seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges hat die brasilianische Regierung die Einreisebedingungen für Flüchtlinge erleichtert – seitdem haben schon über 2000 Syrer in Brasilien eine neue Heimat gefunden. Das klingt zwar im Vergleich zu den deutschen Zahlen nach wenig, doch Brasilien hat damit schon bedeutend mehr Flüchtlingen Asyl anerkannt, als manche Länder aus dem Osten und Süden Europas. Spanien und Italien haben jeweils nur etwas weniger als 1000 Syrer aufgenommen, Portugal sogar nur 15. Insgesamt hat Brasilien in diesem Kalenderjahr schon über 8000 Flüchtlinge aufgenommen, mehr als zehn Prozent mehr als im gesamten vorherigen Jahr. Nach Syrien kommen dabei die meisten Asylsuchenden aus Angola (1480), gefolgt von der Demokratischen Republik Kongo (844).
Wirtschaftskrise: Ratingagentur stuft Brasilien herab
Brasilien bekommt seine anhaltende Wirtschaftskrise einfach nicht in den Griff. Nun hat die US-amerikanische Ratingagentur Moody’s reagiert und die Kreditwürdigkeit des größten Landes Südamerikas heruntergestuft. Brasilien liegt damit nur noch knapp über dem „Ramschniveau“.
Bürger fordern Amtsenthebung der Präsidentin
Die derzeitige Rezession in Brasilien ist die schwerste im Land seit rund 25 Jahren. Vor allem die starke Inflation von aktuell fast zehn Prozent macht den Bürgern Brasiliens schwer zu schaffen. In den Läden werden die Waren immer teurer. Gleichzeitig sinkt die industrielle Produktion stark: Aufgrund der niedrigen Nachfrage haben beispielsweise schon VW und Mercedes-Benz, die in Brasilien produzieren, Mitarbeiter in einen Zwangsurlaub schicken müssen. Kein Wunder also, dass Präsidentin Rousseff mächtig unter Druck steht – 66 Prozent der brasilianischen Bürger fordern derzeit, die Präsidentin ihres Amtes zu entheben.
Düsterer Ausblick aufs kommende Jahr
Die Nachricht der Herabstufung kommt für die glücklose Präsidentin also zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Am Dienstag senkte die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit des Staates auf „Baa3“ ab. Auf dieser Bonitätsstufe besteht bereits das Risiko, dass Geld verloren gehen könnte. Die nächste Stufe wäre bereits eine Warnung vor dem Kauf von Staatsanleihen. Der aktuelle Stand sei zudem stabil, was bedeutet, dass es im Laufe der kommenden 12 Monate vermutlich keine Änderung daran geben wird.
Brasilianisches Eisenbahnprojekt: Konkurrenz für den Panamakanal?
Der Panamakanal verbindet seit hundert Jahren den atlantischen und den pazifischen Ozean und hat der Nation Panama damit sehr viel Geld gebracht – kein Wunder, dass andere Länder der Region mit einem gewissen Neid dorthin schauen und am liebsten selbst ein ähnliches Projekt auf den Weg bringen würden. So haben in Nicaragua gerade die Arbeiten an einem eigenen Kanalprojekt begonnen – unter chinesischer Führung und unter Protesten von Einheimischen und Umweltschützern. Auch in Südamerika werden nun Pläne geschmiedet – dabei geht es jedoch nicht um einen Kanal, sondern um eine Eisenbahnlinie. Ein aktueller Entwurf sieht dabei eine Schienenstrecke von 3000 Kilometern vor, die von der brasilianischen Atlantikhafenstadt Paranaguá bis zu dem Pazifikhafen Antofagasta in Chile führen soll. Durchqueren würde die Eisenbahn dabei auch Argentinien und Paraguay.
China und Russland als Finanzierungspartner
Vorgestellt hat die brasilianische Regierung das Projekt nun im russischen Ufa, wo das jährliche Treffen der BRICS-Staaten stattfand. Dabei handelt es sich um eine Vereinigung von wirtschaftlich aufstrebenden Ländern, neben Brasilien gehören noch Russland, Indien, China und Südafrika dazu. Die Eisenbahnlinie wäre eines der größten Projekte, das mit Hilfe der BRICS-Vereinigung umgesetzt werden könnte. Besonders China und Russland haben großes Interesse an einer interozeanischen Eisenbahn – schließlich ist der Panamakanal fest in US-amerikanischen Händen, von denen man gern mehr Unabhängigkeit erlangen würde. Das Eisenbahnvorhaben ist nicht die erste Idee ihrer Art. In Planung ist auch eine Bahnlinie von Brasilien nach Peru. Da diese durch das Amazonasbecken führen würde, wird diese Linie von Umweltschützern jedoch sehr stark kritisiert.
Kritik an Brasiliens Gefängnissen
Jose Eduardo Cardozo, Justizminister Brasiliens, hat mit einigen kritischen Äußerungen zu der Situation in den Gefängnissen der Nation eine landesweite Diskussion angestoßen. Vor dem Parlamentsausschuss in der Hauptstadt Brasilia bezeichnete Cardozo die Gefängnisse Brasiliens als „wahre Schulen des Verbrechens“. Innerhalb der Anstalten hätten nach wie vor kriminelle Vereinigungen große Macht, auch Verbrechen außerhalb der Gefängnismauern würden von ihnen gesteuert: Vor allem im Bereich Drogenkriminalität kämen die Kommandos immer noch aus den Gefängnissen. Hintergrund der kritischen Aussagen ist ein Gesetzesvorhaben, die Strafmündigkeit auf 16 Jahre herabzusetzen. Dies würde nach Meinung vieler Politiker und anderer Meinungsträger jedoch die Chancen der Resozialisierung für die Jugendlichen dramatisch verschlechtern und zu einer weiteren Kriminalisierung führen.
550.000 Menschen sitzen in brasilianischen Gefängnissen
Nur die USA, China und Indien haben weltweit mehr Gefängnisinsassen als Brasilien zu verzeichnen. In den letzten 20 Jahren sind die Häftlingszahlen nahezu explodiert, sodass nun rund 550.000 Menschen in dem südamerikanischen Land im Knast sitzen, vorwiegend Menschen zwischen 18 und 29 Jahren. Obwohl die Gefängnisse immer voller werden, nehmen die Verbrechen in den Bereichen Drogen und Gewalt jedoch nicht ab. Kritiker des Systems befürchten daher, dass nur die kriminellen Organisationen durch mehr Inhaftierungen zunehmen. An Stelle von Haftstrafen sollen ihrer Meinung nach für Kleinverbrecher stattdessen Resozialisierungmaßnahmen durchgeführt werden.
Grenzstreit zwischen den Nachbarn – Brasilien soll schlichten
Im eigentlich recht friedlichen Südamerika, seit langer Zeit von sinnlosen und blutigen Kriegen verschont, brodelt es plötzlich. Hintergrund: Venezuela und Guyana streiten sich um, man ahnt es schon, Bodenschätze in der Grenzregion, vor allem um Erdöl. Vor einigen Monaten entdeckten Wissenschaftler im westlichen Teil des kleinen Staates Guyana gewaltige Erdölreserven, ebenfalls unter den Küstengewässern. Venezuela fordert nun in unglaublich dreister Art und Weise, dass Guyana die westlichen Landesteile an Venezuela abtritt.
Dies ist nichts Neues, denn Venezuela beansprucht seit Jahrhunderten den Westteil Guyanas, der überwiegend aus Regenwäldern besteht. Was hat nun Brasilien damit zu tun? Eine ganze Menge! Denn die aufstrebende lateinamerikanische Supermacht grenzt selbst an Venezuela und Guyana und wünscht sich Ruhe in seiner Peripherie, um den Wirtschaftsaufschwung innerhalb Brasiliens weiter vorantreiben zu können. Die Regierung in Brasilia soll als Schlichter zwischen Caracas und Georgetown (Hauptstadt Guyanas) eingreifen, um eine Eskalation zu verhindern. Auch den USA wäre das nur allzu Recht, denn schon lange wünscht sich Washington eine aktivere politische Rolle Brasiliens in Mittel- und Südamerika.
Venezuelas Präsident Maduro gilt als unberechenbarer Autokrat
Einst waren Brasilien und Venezuela enge Partner im links-sozialistischen, anti-amerikanischen Lager. Doch seit dem Tod des charismatischen und chronisch korrupten Hugo Chavez hat sich die Situation verändert. Denn unter Präsidentin Roussef laufen die Geschäfte mit „Uncle Sam“ wie geschmiert und der neue venezolanische Präsident Nicolas Maduro gilt den Brasilianern mittlerweile als Störenfried im boomenden Südamerika. Kein Wunder, denn Venezuela steckt trotz des Ölreichtums in einer katastrophalen Wirtschaftskrise und gilt als „Kranker Mann Südamerikas“.
In Brasilien fürchtet man, dass Maduro mit seinen Territorialgelüsten in Guyana von inneren Problemen ablenken möchte. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass sich die brasilianische Regierung vor einigen Tagen unmissverständlich zur territorialen Integrität aller Länder des amerikanischen Kontinentes aussprach, ein klarer Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Maduro, die Provokationen in Richtung Guyana einzustellen. US-Präsident Obama, der mit vielerlei Problemen in Übersee schon genug beschäftigt ist, dürfte die offensive Botschaft Brasiliens gefallen haben.
Reisen durch Brasiliens Pampa – Ein neuer Trend
Eigentlich sind Argentinien und Uruguay als Südamerikas „Pampa-Länder“ bekannt, mit ihren endlos langen, grünen und saftigen Wiesen und Weiden. Rinderherden so weit das Auge reicht, mit Cowboys wie im „Wilden Westen“ der USA. Doch auch im Süden des riesigen Brasilien gibt es Ausläufer der südamerikanischen Grassteppen, und ein neuer Trend beweist, dass genau hier immer mehr Touristen Urlaub machen. Es sind nicht mehr nur die Copacabana in Rio oder der unendlich große Amazonas, welche die Massen aus aller Welt anlocken. Die Heimat der brasilianischen Gauchos liegt ganz im Süden, in der Coxilha Rica im Bundesstaat Santa Catarina, etwa so groß wie Belgien. Allerdings leben hier nur 400 Menschen. Es sind Nachkommen europäischer Einwanderer, die im 18. und 19. Jahrhundert auf der Suche nach einem guten Leben hier siedelten und sich in erster Linie der Rinderzucht widmeten, bis heute. Auch dieser Umstand macht Brasilien heute zu einem der größten Fleischproduzenten weltweit. Ihre alten Traditionen haben sie bis heute erhalten, als Resultat wurde diese ganz eigene Lebensart der Gauchos von der UNESCO zur lebendigsten Reitkultur der Welt erklärt.
Ein echtes Erlebnis mitten in der Grassteppe
Die Quartiere für die steigende Zahl an Touristen gibt es in Form von Privathäusern, und manchmal werden sogar Söhne, Töchter oder Großeltern kurzfristig für die Gäste ausquartiert. Das Programm, dass man in Brasiliens Grassteppe als Urlauber erleben kann, mag manch einer als langweilig und eintönig beschreiben. Doch für die, die all dies interessiert, geht ein Traum in Erfüllung. Stundenlang wie in früheren Jahrhunderten durch die Steppe reiten, die Rinderherden beobachten und führen, die Hunde anweisen, falls Rinder ausbrechen uvm.. Die Hitze ist oft nur schwer zu ertragen, doch mit richtiger Kleidung und ausreichend Getränken lässt sich auch die Hitze irgendwie aushalten. Und manchmal prasselt sogar warmer Regen auf die Reiter herab, der wie eine warme angenehme Dusche daherkommt. Für die einheimischen Gauchos ist der wachsende Tourismus ein sinnvolles und lohnendes Zusatzprogramm, mit dem man das Einkommen erhöhen kann. Denn die Zeiten, in denen man mit Rinderzucht steinreich werden konnte, sind zumindest für die nicht ganz so großen Rinderbarone vorbei.
Brasilien steht vor einer Rezession
Brasilien, die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt, steht vor einer Rezession. Der Rohstoffboom ist vorbei und wurde tragischerweise kaum genutzt, um die Wirtschaft fit zu machen für die Zeit danach. Auch in Bildung und Infrastruktur wurde nicht ausreichend Geld investiert. Nach einem Jahrzehnt mit enormen Wachstumsraten stagniert die Wirtschaft des riesigen Landes seit 2013. Jetzt steht sie sogar dicht vor einer Rezession, denn in den ersten drei Monaten schrumpfte das BIP um 0,2 Prozent. Das gab das Statistikamt in der Hauptstadt Brasilia am Freitagabend bekannt. Niemand geht ernsthaft davon aus, dass sich die Situation allzubald verbessert. Die Regierung erwartet gar einen Rückgang von 1,2 Prozent. Die Nachrichten aus dem gewaltigen Flächenstaat am Amazonas sind derzeit fast nur negativer Natur. Ausufernde Korruption bei den großen Ölmagnaten, immer mehr organisierte Kriminalität und viele weitere Probleme plagen das Land.
Rohstoffreichtum als „süßes Gift“
Es gibt immer mehr Demonstrationen gegen die Präsidentin Dilma Rousseff, welche auch für die drastisch steigenden Preise und veraltete Schulbusse verantwortlich gemacht wird. Die Olympischen Sommerspiele 2016 galten als großer Hoffnungsschimmer, doch derzeit wird mit ihnen nur eine gigantische Kostenexplosion in Verbindung gebracht. Der Rohstoffreichtum wurde von der Regierung nie für Investitionen genutzt. Das Land hat gewaltige Vorkommen an Eisenerz, Kupfer und Öl. Über die Hälfte der Ausfuhren sind demnach auch Rohstoffe. Solange deren Preise in die Höhe schnellten, boomte Brasilien. Die Löhne stiegen stark, der Konsum wurde zur Hauptstütze der Konjunktur. Doch nun fielen Ölpreise und die Vorkommen sind endlich. Brasilien müsste dringend seine Wirtschaft auf Alternativen für die Zeit nach dem Rohstoffboom vorbereiten, doch es tut sich zu wenig.


