China will Bau einer Bahn durch Brasilien finanzieren
Der aufstrebende Gigant China will mit dem Bau einer extrem langen Eisenbahnlinie seinen geostrategischen Einfluss in Lateinamerika ausweiten. Mit dem Milliardenprojekt möchte Peking seine Zusammenarbeit mit anderen Boomstaaten wie Brasilien intensivieren. „Zwei Giganten wie China und Brasilien sollten sich nicht hinterhältig bekämpfen, da es keinen Sieger geben würde. Eine Zusammenarbeit nutzt beiden Seiten deutlich mehr“, wie Experten an der Copacabana meinen. Brasilien ist also offen für Investment aus Fernost. Die Regierungen in Brasilia und Peking planen nun den Bau einer „Transozeanischen Eisenbahn“ vom Atlantik zum Pazifik. Sie soll vom geplanten Superhafen Porto do Açu nördlich von Rio de Janeiro an der Atlantikküste nach Nordwesten durch die alten Bergwerksregionen in den Teilstaaten Minas Gerais und Goiás und durch das Kernland der brasilianischen Landwirtschaft in den Bundesstaaten Mato Grosso und Rondônia bis nach Porto Velho an der Grenze zu Peru verlaufen.
5300 Kilometer Bahnlinie – auch durch den Regenwald
Von dort aus soll die bis zu 5300 Kilometer lange Bahnlinie dann in südwestlicher Richtung den schwierigsten und umstrittensten Abschnitt durchqueren, nämlich quer durch den Regenwald des Amazonas und durch das Andenhochland über Cusco, Puno und Arequipa bis zum peruanischen Pazifikhafen Puerto Ilo. Brasilien hofft unterdessen auf einen Modernisierungsschub bis zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro im nächsten Jahr. China erwägt außerdem den Kauf etlicher Flugzeuge des brasilianischen Herstellers Embraer. In den letzten Jahren konnte Embraer schon mehr als 100 Flugzeuge an chinesische Fluglinien ausliefern. Die Investitionen in Brasilien und Peru als auch in die „Transozeanische Eisenbahn“ sind die ersten gewaltigen Projekte jener Investitionen in Höhe von 250 Milliarden Dollar, welche der chinesische Präsident Xi Jinping beim ersten China-Lateinamerika-Gipfel vom Januar in Peking ankündigte.
Proteste in Brasilien nach tödlichem Polizeieinsatz
Nach dem Tod eines zehnjährigen Jungen bei einem Polizeieinsatz in einer Favela der brasilianischen Großstadt Rio de Janeiro will der Gouverneur des Bundesstaates Rio nun mehr Polizeikräfte in die Armutsviertel entsenden. Luiz Fernando Pezao erklärte gegenüber dem Fernsehsender Globo, der Stadtteil Alemao werde „von Kriminellen gesäubert“. Gleichzeitig gehen die Proteste gegen die Polizeigewalt weiter. Die geplante Befriedung der zahlreichen Favelas steht im Zusammenhang mit den Olympischen Sommerspielen im kommenden Jahr. Pezao sagte, bei der Befriedung der Viertel seien diesmal keine Soldaten vorgesehen. Im Jahr 2010 hatten Armee und Polizei das Viertel gemeinsam für längere Zeit besetzt und Jagd auf echte und vermeintliche Kriminelle und Bandenmitglieder gemacht. Dutzende Aktivisten der Organisation Rio de Paz zogen am vergangenen Sonntag zur Copacabana und trugen als Symbol einen weißen Sarg im Sand zu Grabe.
Tödliche Gewalt in Brasilien an der Tagesordnung
Mit dieser Aktion wollten sie an die Tötung des zehnjährigen Eduardo de Jesus Ferreira bei einem Polizeieinsatz vergangene Woche erinnern. Der Junge starb nach Angaben der Polizei bei einem Schusswechsel mit Rauschgifthändlern, als er in das Kreuzfeuer geriet. Seine Eltern sprachen allerdings von gezielter Tötung durch die Beamten der Anti-Drogen-Polizei. Die Demonstranten hielten Schilder mit den Namen von 18 Kindern in den Händen, die von 2007 bis 2015 ebenfalls bei Schiessereien zwischen der Polizei und Drogenbanden in den Armutsvierteln von Rio ums Leben kamen. Der Gründer von Rio de Paz sprach von einem „Weckruf“ für die brasilianische Gesellschaft. Die Hauptursache für den Tod vieler junger Menschen sei die „Kluft zwischen Arm und Reich“ und die Korruption. Durch diese vervielfältige sich die Kriminalität im Land.
Brasilien baut mit deutscher Hilfe die Atomkraft aus
Brasilien befindet sich wirtschaftlich derzeit an einem Scheideweg – während das Land einst als „Wirtschaftswunderland“ mit hohem Wachstum galt, ist die südamerikanische Riesennation seit ein paar Jahren eher als kriselndes Land mit schwächelnder Wirtschaft bekannt. Auch was die Energieversorgung betrifft, scheint die Zukunft Brasiliens nicht in Stein gemeißelt, sondern noch unklar. Bisher wurde vor allem Strom aus Wasserkraft in die Netze des Landes gespeist – rund 80 Prozent der Stromversorgung des Landes kommen aus Wasserkraftwerken. Doch aufgrund der zuletzt problematischen Dürreperioden, die die Stromleistung dieser Kraftwerke beeinflussen, scheint ein Umdenken im Gang zu sein: Viele Menschen fordern einen Ausbau der Atomkraft im Land.
Die genutzte Technik ist 25 Jahre alt
Bei dem Ausbau der Atomkraft könnte ausgerechnet das Land behilflich sein, das sich derzeit mit ehrgeizigen Projekten wie der Energiewende und dem Atomausstieg hervortut: Deutschland! Das gemeinsame Atomabkommen der beiden Länder wurde erst im vergangenen Jahr verlängert. Deutschland soll den Ausbau der brasilianischen Kernkraft mit Know-How bezüglich Betrieb und Aufrüstung von atomaren Anlagen unterstützen. Nun wurden nach 25 Jahren der Reaktorblock Angra 3 südlich von Rio de Janeiro wieder in Betrieb genommen. Die Technik der Anlage ist jedoch seit den 80er Jahren unverändert, was durchaus kritikwürdig ist. Doch auch die vermeintlich „saubere“ Wasserkraft hat Dreck am Stecken: Für das Betreiben der Anlagen mussten große Flächen des Amazonas-Regenwaldes abgeholzt werden.
Demonstrationen in Brasilien: Druck auf Präsidentin Rousseff
Die Lage ist ernst für Dilma Rousseff, die amtierende Präsidentin von Brasilien. Seit ihrer knappen Wiederwahl Ende vergangenen Jahres musste sie sich schon mit einem Korruptionsskandal ungeahnten Ausmaßes, Streitereien innerhalb der Koalition sowie einem mangelnden Wirtschaftswachstum herumschlagen. Nun erlebt sie die Reaktion des Volkes: In mehr als 150 brasilianischen Orten sind insgesamt über eine Million Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Korruption und Haushaltseinsparungen zu demonstrieren – aber auch, um den Rücktritt der ungeliebten Präsidentin zu fordern. Nach einer neuen Umfrage sind nur 13 Prozent der Brasilianer zufrieden mit der Arbeit der Staatschefin, 62 Prozent, also zwei Drittel der Befragten, bewerten sie hingegen negativ.
Rousseff appeliert an Geduld der Bürger
Ein Amtsenthebungsverfahren erscheint zu diesem Zeitpunkt zwar als äußerst unwahrscheinlich, dennoch wächst der Druck auf die Präsidentin. Der oppositionelle Politiker und Ex-Präsident Fernando Henrique Cardoso, Rousseff müsse zur Kenntnis nehmen, dass das Volk sie inzwischen ablehne. In einer national ausgestrahlten Fernsehansprache richtete sich die Staatschefin nun an ihre Kritiker: Das Land sei auf einem guten Weg und die Korruption werde in Brasilien nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden. Zudem bat sie das Volk um Verständnis und Geduld. Ein neuer Gesetzesentwurf soll nun dafür sorgen, dass noch stärker gegen Korruption von Staatsdienern im Lande vorgegangen wird. Ob das reichen wird, um Rousseff das verlorene Vertrauen des Volks zurückzubringen, wird sich zeigen.
Petrobas Skandal hält Brasilien weiter in Atem
Der Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobas erschüttert weiterhin die politische Landschaft Brasiliens. Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot beantragte nun Ermittlungen gegen 54 Personen, darunter wohl auch viele hochrangige Politiker. Sofern Bundesrichter Teori Zavascki dem Antrag in den kommenden Tagen zustimmt wird es zumindest in diesem Punkt mehr Klarheit geben.
Auch Präsidentin Rousseff betroffen
Beim mutmaßlich größten Korruptionsskandal in der Geschichte Brasiliens geht es um rund 800 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern, die von Ingenieurbüros und Baufirmen an die staatliche Ölgesellschaft Petrobas geflossen sein sollen. Ein Teil der Summe soll zudem in Form von Wahlkampfspenden an die regierende Arbeiterpartei von Präsidentin Dilma Rousseff gegangen sein. Obwohl diese jedwede Verbindung zu dem Skandal unerschütterlich abstreitet, scheint Rousseff vor turbulenten Tagen und Wochen zu stehen. So werden die Stimmen, die ein Amtsenthebungsverfahren gegen jene Frau fordern, die sich seit 2011 um die Geschicke des Landes kümmert und von 2003 bis 2010 den Vorsitz im Aufsichtrsat des Ölkonzerns innehatte, in der jüngeren Vergangenheit immer lauter. Bei einer Umfrage im Februar waren drei Viertel der Brasilianer davon überzeugt, dass Rousseff von den Schmiergeldern gewusst haben musste.
Ermittlungen noch in der Schwebe
Da in Brasilien nicht direkt gegen Kongressabgeordnete und ranghohe Amtsträger ermittelt werden kann, wurden noch keine konkreten Ermittlungen eingeleitet. Entsprechende Maßnahmen müssten zunächst vom obersten Gerichtshof des Landes gebilligt werden.
Doch ganz gleich, wie sich der Skandal in der näheren Zukunft noch entwickeln wird, eins scheint jetzt schon festzustehen: Für das Land und seine Wirtschaft bedeutet die Affäre einen Imageschaden, von dem man sich nicht so schnell erholen wird. Am schwersten trifft der Skandal natürlich das Unternehmen selbst, so traten seit Februar neben der ehemaligen Chefin des Unternehmens, Maria das Graças Foster, fünf weitere Spitzenmanager von ihren Ämtern zurück.
Außenminister Steinmeier auf Brasilienreise
Vor fast sieben Jahren, im Sommer 2008 unterschrieben die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der damalige Präsident Brasiliens, Lula da Silva, einen Aktionsplan für eine „strategische Partnerschaft“ – Brasilien ist bis heute das einzige Land Lateinamerikas mit dem die Bundesrepublik eine solche Bindung eingegangen ist. Seitdem sind deutsche Politiker häufige Gäste in dem größten Land Südamerikas. Vergangenen Mai war Bundespräsident Joachim Gauck zu Besuch um eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der beiden Länder vorzustellen, für kommenden August hat sich Kanzlerin Merkel mit mehreren Mitgliedern ihres Kabinetts angekündigt – kaum ein Jahr nach ihrem letzten Aufenthalt im Lande anlässlich des WM-Finales.
Unterschiedliche politische Haltungen
Nun war jedoch erstmal wieder Außenminister Frank-Walter Steinmeier an der Reihe, Brasilien seine Aufwartung zu machen – zum Beginn seiner Lateinamerika-Reise stand ein Besuch in der Hauptstadt Brasília an. Auch Steinmeier wurde dabei natürlich mehrfach auf die Fußball-WM angesprochen – vor allem natürlich das legendäre 7:1 gegen Brasilien ist den Gastgebern natürlich noch gut im Gedächtnis, dabei überwiegt jedoch die Bewunderung für das deutsche Team – Steinmeier verwies dabei jedoch tröstend auf die Statistik, dass Brasilien im direkten Vergleich häufiger gewonnen habe. Auf politischer Ebene läuft es allerdings weniger harmonisch: Denn Präsidentin Rousseff hat bei vielen Themen eine andere Haltung als die deutschen Kollegen, vor allem mit ihrem Verständnis für die Politik Russlands macht sie sich in der deutschen Politik nicht beliebt. Es wird sich zeigen, wie sich das Verhältnis der Länder entwickelt und ob die Partnerschaft auseinanderdriftet oder vertieft werden kann.
Soziale Arbeit mit Kindern in Brasilien
Gerade junge Menschen um die 20 wollen nach Abschluss der Schule und noch vor Beginn des Studiums oder einer Ausbildung gerne ein Jahr im Ausland verbringen. Die Möglichkeiten hierfür sind vielschichtig. Auch nach Brasilien zieht es junge Menschen aus Deutschland. Manche als Backpacker, manche als Au Pair, manch einer arbeitet bei einem größeren Unternehmen. (mehr …)
Schlimme Dürre in Brasilien
Die Lage in Brasilien ist ernst: Im Südosten des Landes fällt seit mehreren Monaten viel zu wenig Regen – und das, obwohl dort eigentlich derzeit die Regenzeit herrschen sollte. Auch Sao Paulo, die Mega-Metropole, deren Ballungsraum rund 21 Millionen Menschen umfasst, sitzt zum großen Teil auf dem Trockenen. Die Bewohner haben sich bereits angewöhnt, morgens, wenn noch etwas Wasser fließt, möglichst viel zu horten – denn im Laufe des Tages kommt nichts mehr aus den Leitungen. Das Reservoir Cantareira, aus dem ein großer Teil der Bewohner sein Trinkwasser bezieht, enthält nur noch fünf Prozent seiner Idealmenge.
Bald nur noch zwei Tage die Woche Wasser?
Der Direktor des örtlichen Wasserversorgers hat bereits angedeutet, dass es zu starken Rationierungen kommen werde, wenn es weiterhin nicht regnet – das Wasser würde in diesem Fall nur noch an zwei Tagen die Woche fließen. Das kommt einem Worst-Case-Szenario für die Region gleich. Auch in anderen Landesteilen wachsen die Sorgen: Weil der Stausee kaum mehr Wasser trägt, wurde jetzt eines der größten Wasserkraftwerke des Landes abgeschaltet. Viele befürchten, dass das kühle Nass auch in Rio de Janeiro bald knapp werden könnte. Inzwischen werden Vorwürfe an die Regierung laut, dass zu wenig Vorsorge für diese Situation getroffen wurde. Präsidentin Rousseff kündigt nun neue Bauvorhaben an, die die Wasserversorgung verbessern sollen. Ökologen sehen Gründe für den Wassermangel auch in der verfehlten Umweltpolitik der Regierung, der anhaltenden Abholzung von Regenwäldern und mangelndem Schutz von Flüssen.
FIFA-Fond: 100 Millionen Dollar für Projekte nach der Fußball-WM
Die Weltmeisterschaft in Brasilien im vergangenen Sommer war ein großes Fußballfest – doch nachdem die Party zu Ende und das deutsche Team als Weltmeister nachhause geflogen war, blieb das Land Brasilien zwar mit einem Imagegewinn, aber auch mit nun leerstehenden Stadionneubauten und vielen offenen Fragen zurück. Nun, sechs Monate nach Ende der WM fand in São Paulo ein Treffen der Organisatoren statt, um die Veranstaltung Revue passieren zu lassen und ein paar dieser Fragen zu beantworten. Dafür wurde ein Nachhaltigkeitsbericht erstellt, der nach Angaben der FIFA auf internationalen Standards beruht.
FIFA-Fond ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie
Herzstück der Nachhaltigkeitsstrategie ist der sogenannte Football Legacy Fund 2014. Der FIFA-Fond in Höhe von 100 Millionen US-Dollar soll nach Verbandsangaben zu 60 Prozent in die Fußball-Infrastruktur von brasilianischen Bundesstaaten fließen, die an der WM nicht direkt beteiligt waren. Auch der Jugend- und Frauenfußball des Landes wird mit je 15 Prozent unterstützt, sowie Gesundheitsprojekte. Jérôme Valcke, FIFA-Generalsekretär, gab sich große Mühe, herauszustellen, dass man Brasilien nicht mit den WM-Altlasten alleine lassen wolle und dass man langfristige, nachhaltige Strategien verfolge. José Maria Marin, der brasilianische Verbandschef, bezeichnete indes die leerstehenden Fußballtempel als Chance für die Städte und örtlichen Vereine. Zudem solle man sie für weitere Unterhaltungsangebote neben dem Fußball nutzen.
Annäherung zwischen Brasilien und den USA
Die Affäre um die Spitzeleien der NSA, die durch Edward Snowden enthüllt wurden, sorgten nicht nur in Deutschland für Empörung, sondern, neben vielen anderen Ländern, auch in Brasilien. Seitdem vor einem Jahr aufgeflogen war, dass die US-amerikanische Sicherheitsbehörde auch Dilma Rousseff, die Präsidentin des südamerikanischen Landes, ausgespäht und abgehört worden war, herrschte diplomatische Eiszeit zwischen Brasilien und den Vereinigten Staaten. Nun, nachdem Rousseff kürzlich wiedergewählt wurde, gibt es wieder eine Annäherung zwischen den beiden Nationen.
Neues Jahr, neuer diplomatischer Anfang?
Schon bei ihrer Antrittsrede hatte Rousseff deutlich gemacht, dass man die Beziehungen zu den USA verbessern müsse – vor allem wegen der engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. Auch in Washington ist man offenbar dieser Ansicht: So besuchte Joe Biden, Vizepräsident der Vereinigten Staaten, die brasilianische Regierungschefin am vergangenen Donnerstag in Brasília, nachdem er zuletzt im Sommer zur Fußball-WM im Land gewesen war. Das Gespräch dauerte zwar nur zehn Minuten, stellt aber ein klares Signal der gegenseitigen Bemühungen dar. Biden selbst sprach von einem neuen Anfang und drückte seine Hoffnung aus, dass Rousseff dieses Jahr die USA besuchen würde. Ihren letzten Staatsbesuch dorthin hatte sie nach den Snowden-Enthüllungen abgesagt.